Gute Vorsätze: Sind Sie noch dabei?

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Gute Vorsätze: Sind Sie noch dabei?

Vier Wochen sind vergangen, seit viele von uns gute Vorsätze für ihren Beruf gefasst – und hoffentlich bisher auch eingehalten – haben. Auch ich habe mir zu Jahresbeginn überlegt, was ich 2015 im Arbeitsalltag besser machen möchte. Wie immer steht an erster Stelle: Mein Zeitmanagement. So oft habe ich mir schon vorgenommen, besser mit meiner Zeit zu haushalten, um in Stressphasen nicht im Chaos zu versinken. Ich wollte gut organisiert und strukturiert sein und dadurch alle Deadlines völlig stressfrei einhalten können. Doch wenn dann im Januar die Arbeit wieder über mich hereinbrach, hatte ich meistens keine Zeit mehr mir Gedanken darüber zu machen, wie ich ein ideales Zeitmanagement umsetze – und verfiel in alte Muster.

Rückblickend betrachtet bin ich mir sicher: Gute Vorsätze sind Gift für ein Vorhaben. Sie sind geradezu dafür gemacht, umgestoßen zu werden, wenn der Alltag wieder Einzug hält – ganz nach dem Motto „Gute Vorsätze scheitern doch sowieso immer“. Damit bin ich nicht alleine: Auch der Blogger Dr. Bernd Slaghuis spricht sich beispielsweise vehement gegen gute Vorsätze aus.

Stefanie Hecker, Referentin für Selbst- und Zeitmanagement, macht für nicht umgesetzte gute Vorsätze das „false hope syndrom“ verantwortlich und plädiert dafür, lieber Pläne zu machen als gute Vorsätze zu fassen:

„Das false hope syndrom hält uns davon ab, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, weil wir uns zu hohe Ziele setzen. Sinnvoller ist es, realistische Pläne zu machen und sich konkret zu überlegen, wie wir diese umsetzen wollen.“

Nehmen Sie zum Beispiel gute Vorsätze wie „Ab sofort werde ich meinen Schreibtisch jeden Tag ordentlich verlassen und keine losen Blätter mehr stapeln.“ Wer sein Leben lang ein sogenannter „Volltischler“ war, für den ist dies sehr unrealistisch. Besser wären gute Vorsätze wie „ich räume meinen Schreibtisch jeden Freitag in der letzten halben Stunde vor Feierabend auf.“ Auf diese Weise erscheint die Aufgabe nicht so groß und der Betreffende kann kontinuierlich daran arbeiten. Laut dem Experten für Selbst- und Zeitmanagement Heinz Schulz-Wimmer ist Kontinuität der Schlüssel zum Erfolg:

„Verhaltensänderungen brauchen viel Zeit. Sie müssen im wahrsten Sinne des Wortes als Verknüpfungen in unserem Kopf wachsen. In drei Wochen entsteht keine neue Gewohnheit, realistisch für gute Vorsätze sind eher drei Monate. Dann hat das Gehirn ausreichend Gelegenheit, ein neues neuronales Netz zu bilden.“  

Beide Experten sind sich außerdem einig: Wir sollten uns auf ein einzelnes Vorhaben konzentrieren. Haben wir dieses als Gewohnheit verinnerlicht, können wir weitere gute Vorsätze angehen.

Dieses Jahr wähle ich also einen anderen Weg, um ein besseres Zeitmanagement zu etablieren: Ich habe nicht nur den Vorsatz gefasst, sondern mir gleich einen Plan zurechtgelegt, wie ich ihn umsetze. Mein Motto lautet „Ordne durch Klarheit, was dich stresst“. Wenn die Arbeit mal wieder droht, mich zu überrollen, will ich innehalten und schauen, ob und wo ich gerade unsauber arbeite. Dann kann ich meine Arbeitsabläufe wieder in geordnete Bahnen lenken, die Kontrolle zurückgewinnen und strukturiert weiterarbeiten – schon fühle ich mich weniger überwältigt.

Bis jetzt habe ich durchgehalten und mein Verhalten regelmäßig korrigiert. Ein Drittel der kritischen Phase ist also bereits geschafft und ich bin optimistisch, dass es diesmal langfristig mit der Verhaltensänderung klappt – die Zahlen sprechen jedenfalls dafür: In einer repräsentativen forsa-Umfrage haben wir herausgefunden, dass 84 Prozent der Befragten, die für 2014 gute Vorsätze gefasst haben, diese zumindest teilweise umsetzen konnten – das ist doch sehr ermutigend! Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihre guten Vorsätze für 2015 umzusetzen, dann probieren Sie es doch auch mal mit den Tipps unserer Experten.

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Über den Autor

Kerstin Schreck

studierte Anglistik, Germanistik und später berufsbegleitend BWL in Freiburg. Seit 1999 ist sie Mitarbeiterin der Haufe Akademie. Kommunikation und lebenslanges Lernen sind die Themen, die sie beruflich und privat nachhaltig begeistern und zu denen sie, lange Jahr als PR-Managerin und seit Mai 2014 als Content-Managerin, für die Haufe Akademie schreibt, recherchiert und kommuniziert. (Anglistin, Germanistin (M.A.), Betriebswirtin (VWA))

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