Yvonne Breinlinger-Scheuring begleitet Unternehmen und Führungskräfte auf dem Weg in eine KI-gestützte Arbeitswelt. Im Gespräch spricht sie darüber, warum KI ein Werkzeug ist, das aktiv geführt werden will, über die Fehler, die Führungskräfte dabei am häufigsten machen – und darüber, warum das persönliche Guten Morgen an die Mitarbeitenden niemals delegiert werden darf.
KI-Kompetenz für Führungskräfte: Warum Haltung wichtiger ist als Tool-Wissen
Yvonne, du gibst Seminare zum Thema Souveränität. Braucht es für den Umgang mit KI eine besondere Führungssouveränität?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Ja, das ist ein total schöner Aufhänger, weil es im Endeffekt wirklich um die Haltung geht: Wie gehen wir mit KI um, wie führen wir unsere Mitarbeitenden an KI heran, wie nehmen wir sie mit? Gerade weil KI sich so rasant entwickelt, haben viele das Gefühl, sie kommen nicht mehr mit – welches Tool ist das richtige, überholt jetzt Claude ChatGPT, was geht hier vor? Deshalb ist es unbedingt wichtig, dass wir als Führungskraft den Überblick behalten, uns kontinuierlich weiterentwickeln und vor allem unser Team mitnehmen – souverän und klar in unserer Haltung.
Du beschreibst KI als einen deiner wichtigsten Mitarbeiter. Wie muss man sich das vorstellen?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Auf Augenhöhe, sehr wertschätzend – und absolut zuverlässig, 24/7 verfügbar. Ich kann mich mit der KI im Dialog weiterbilden und mein Wissensmanagement ausbauen. Schließlich bekomme ich immer direkt eine Antwort. Aber wenn Menschen hingegen miteinander diskutieren, entsteht etwas ganz Neues – und das brauchen wir gerade auch dringend. KI kann immer nur auf Bestehendes zurückgreifen. Die KI ist also ein wichtiger Mitarbeiter, aber noch mehr liebe ich den präsenten Austausch mit einem Menschen, wenn wir dadurch etwas ganz Neues entwickeln können.
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Viele Führungskräfte probieren KI aus und sind enttäuscht. Woran liegt das?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Ganz oft daran, dass wir einfach zu wenig Informationen zur Verfügung stellen. KI muss geführt werden – und zwar gut. Das hängt davon ab, wie ich den Input einbringe, ob ich die Aufgabe Schritt für Schritt runterbreche, wie ich Prompts formuliere und wie ich in die Automatisierung gehe. Für mich sind das verschiedene Schritte: vom Basiswissen über Fortgeschrittenes bis zur Workflow-Automatisierung. Ich bin überzeugt, dass man bei der Automatisierung nicht einfach einsteigen kann, ohne zu verstehen, wie KI arbeitet. Das ist eine Wachstumsgeschichte.
KI im Team einführen: Wie Führungskräfte den richtigen Einstieg finden
Was sind konkrete Führungsaufgaben, bei denen KI sofort unterstützen kann?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Gesprächsleitfragen für kritische Gespräche zum Beispiel, konstruktives Feedback, Vorbereitung für Verhandlungen oder einen Pitch: All das sind Dinge, die man in Sekunden hat und die einen optimal aufs nächste Gespräch vorbereiten. Für mich ist dabei die Mitarbeiterentwicklung die entscheidende Stellschraube: Wenn ich durch KI Zeit spare, habe ich mehr Freiraum, meine Mitarbeitenden wirklich zu führen und zu entwickeln. Und das bringt nachher Innovation, Weiterentwicklung und Spaß in der Abteilung.
Was würdest du niemals an KI delegieren?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Das persönliche Guten Morgen an meine Mitarbeitenden. Nein, wirklich – diese persönliche Beziehung, die kann ich nicht delegieren und sollte ich auch nicht. Den Bezug zu meinen Menschen muss ich selbst halten. Alle Aufgaben drumherum kann ich natürlich abgeben.
KI-Strategie im Unternehmen: Was Führungskräfte jetzt wissen müssen
Was ist das größte No-Go, das du bei Führungskräften im Umgang mit KI siehst?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Den Anschluss zu verlieren.
Und wie behält man ihn?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Durch kontinuierliche Weiterbildung, das ist ganz wichtig. Aber ich erlebe auch das andere Extrem: Nutzungsrichtlinien, die sich lesen wie eine Strafandrohung. Ich habe eine vorgelegt bekommen, bei der man das Gefühl hatte, man bekommt gleich eine Abmahnung, wenn man irgendein KI-Tool nutzt. Das war nicht wertschätzend und nicht anleitend – das Gegenteil von dem, was Mitarbeitende brauchen, um Lust auf KI zu bekommen.
Was rätst du Führungskräften, die das Gefühl haben, sie hinken hinterher?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Zuerst: Offenheit und die Bereitschaft, jetzt zu lernen. Und auch im Team zuzugeben, wo man steht – und Reverse Mentoring zu starten. Viele Mitarbeitende sind viel weiter, nur halt im Stillen. Das ist eine riesige Chance. Darüber hinaus: klare Ziele pro Abteilung festlegen, was man mit KI erreichen will. Die Spielerei ist das eine – aber was ist der konkrete Nutzen, welche KPIs kann man reinbringen, wo automatisieren wir den Workflow so, dass unsere Kunden den Vorteil spüren? Das sind die echten nächsten Schritte. Und es ist nie zu spät, damit anzufangen.
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Was müsste in zwei Jahren passiert sein, damit du sagst: Der Umgang mit KI hat in der Führung etwas zum Besseren bewegt?
Yvonne Breinlinger-Scheuring: Wenn eine ausreichende Balance geschaffen ist zwischen KI und Menschlichkeit. Führung ist und bleibt menschlich. KI bleibt das Tool – aber eine gute Balance, kritisches Hinterfragen, soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz, alles was zwischen den Zeilen in einem Team passiert: Das darf mit dem Effizienzgedanken nicht aus dem Fokus geraten.
