So nutzen Sie Erfahrung und Wissen Ihrer Mitarbeiter für Ihr Team

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– Kollegiale Beratung in der Führung –

„Beratung“ gibt es an jeder Ecke. An der Kaffeemaschine, im Flur oder im Meetingraum.  Häufig läuft das wenig strukturiert ab und hat zur Folge, dass vieles verloren geht oder die relevanten Informationen nicht alle erreichen, für die sie wichtig sind. Oder es finden Meetings statt, in denen stundenlang diskutiert wird, nur um am Ende festzustellen, dass es keine Ergebnisse gibt. Das kostet die Beteiligten nicht nur Zeit und Nerven, sondern das Unternehmen auch noch richtig viel Geld. Anders ist das mit der kollegialen Beratung.

Selbstgesteuerte Intervision

Kollegiale Beratung splittet Führungsarbeit auf und verteilt sie auf alle Köpfe eines Teams. Erfahrung und Wissen der Mitarbeiter werden für das Team bestmöglich genutzt.

Voraussetzungen und Nutzen

Wenn in einer Organisation/ einem Betrieb das Vertrauen in die Mitarbeiter besteht, dass sie in selbstgesteuerten Intervisionssitzungen unternehmerische Verantwortung leben und anspruchsvolle Entwicklungsarbeit leisten können, liegen die Voraussetzungen dafür vor, mithilfe der Methode der kollegialen Beratung wirksame und praxistaugliche Problemlösungsstrategien einzusetzen. Die wechselseitige Praxisberatung unter gleichrangigen Gruppenmitgliedern near-the-job fördert Partizipation und Mitdenken vieler Beteiligter und lässt zudem das Team enger zusammenrücken.

Klare Struktur

Die Führungskraft nutzt hierfür mit ihrem Team eine sehr klare Struktur. Nach einem festen Ablaufschema (s. Kasten) gehen die Mitarbeiter dabei entweder in die Rolle der Berater oder lassen sich zu einem eigenen Thema von den anderen beraten.

Schlüsselfrage

Die ratsuchende Person gibt eine Schlüsselfrage vor, die das Wort „Ich“ enthält. Es geht also nicht um eine allgemeine Frage zu einem Thema, sondern zu einem spezifischen Anliegen des Fallgebers.

Themen

Die Themen sind dabei so vielfältig wie die Mitarbeitenden selbst mit ihren Anforderungen und Aufgaben. Geeignete Themen sind beispielsweise:

  • Eigene Arbeit: Abläufe, Strukturen, Hürden
  • Zusammenarbeit: Schwierigkeiten im Team oder untereinander
  • Projektarbeit: Unklarheiten, Abstimmungsschwierigkeiten etc
  • Schwierige (Kommunikations-)Situationen z.B. mit Kunden, Lieferanten etc.

Eher ungeeignet sind private Themen, allgemeine Organisationsfragen, Konflikte zwischen den Teilnehmern der Beratungsgruppe oder sehr persönliche, heikle Themen. Hierfür wären eine professionelle Sozialberatung oder Mediation günstiger.

Rezept Kollegiale Beratung

Zutaten

  • Ein Team
  • 6-8 Personen
  • Mindestens 60 Minuten Zeit

Zubereitung

  1. Casting:
    Welche Fälle gibt es im Team? Welchen Fall wählen wir aus?
  1. Spontanerzählung:
    Was ist genau das Anliegen?
  1. Schlüsselfrage:
    Was genau soll geklärt werden? Worauf hätte Fallerzähler gerne eine Antwort?
  1. Methodenauswahl:
    Welche Beratungsmethode wird ausgewählt?
  1. Beratung:
    Was genau kann das Anliegen klären? Was ist hilfreich?
  1. Abschluss:
    Fallerzähler resümiert die Beiträge der Berater und nimmt abschließend Stellung.
    Was nehmen der Fallerzähler und die Berater aus der Beratungsrunde mit?

Grenzen dieses sozialen Lernformats

Da die Teilnehmer von Fällen berichten, die ihnen wirklich wichtig sind, machen sie sich auch vor ihren Kollegen verletzlich. Wechselseitiges Vertrauen ist demzufolge eine notwendige Voraussetzung.

Weiterhin ist der Erfolg dieses Lernformats von der sozialen und methodischen Kompetenz sowie dem Grad der Expertise der Teilnehmer abhängig. Unergiebig bis schwierig wird kollegiale Beratung mit Teilnehmern, die wenig Ahnung von der Arbeit der Kollegen haben oder die wenig empathisch sind oder kommunikative Defizite besitzen. Eventuell müssen die Teilnehmer vorher kommunikativ (z. B. Fragetechniken, Moderationstechniken) und methodisch (z. B. Regeln wie Vertraulichkeit, Ablauf) gestärkt werden.

Wie für alle anderen Maßnahmen gilt auch für dieses Lernformat: Von alleine funktioniert es nicht. HR oder die Führungskraft sind als Prozesslenker gefragt (vgl. C. Schermuly).

Take away

Wenn die bisherige Organisations- und Führungspraxis nicht mehr zu den Markterfordernissen und Mitarbeiter­bedürfnissen passt, ist es einen Gedanken wert, ob Führung zum selbstverständlichen Teil der Arbeit eines jeden Kollegen werden könnte.

Erwünschte Nebenwirkungen sind dann:

  • Konkrete schwierige berufliche Situationen finden eine Lösung.
  • Alle Beteiligten (nicht nur die Fallgeber) lernen stellvertretend für ihre eigene berufliche Praxis. Die Reflexion eigenen beruflichen Handelns wird unterstützt.
  • Der kompetente Umgang mit schwierigen beruflichen Situationen verbessert sich. Beraterische und kommunikative Kompetenzen werden gefördert.
  • Berufliche Beanspruchung wird vermindert: Kollegiale Beratung trägt zur psychischen Entlastung bei, Stress und kreisende Gedanken/Problemtrance werden reduziert, und am Ende des Prozesses stellt sich oftmals neue Zuversicht ein.
  • Die Teilnahme an einer entsprechenden Beratungsgruppe fördert darüber hinaus das Vertrauen in den kollegialen Rückhalt und trägt somit auch langfristig zu psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz bei.
  • Höhere Wirksamkeit (Arbeitsleistung und –qualität) durch offenere, vernetztere und am Ganzen orientiertere Haltung und Arbeitsweise.

Von der Beratung bei so einem Organisationsentwicklungsprojekt bis zur konkreten Starthilfe für die kollegiale Beratungsgruppe erscheint eine professionelle Unterstützung  sinnvoll. Bei der Einführung hilft systemisches Erfahrungswissen und -können. Anschließend können Führungskräfte wie Kollegen die Maßnahme der kollegialen Beratung eigenständig organisieren und durchführen.

Unsere Empfehlung

Praxisworkshop: Kollegiale Beratung in der Führung

Gemeinsame Lösungen entwickeln – Synergien von Teams nutzen. Der Führungsalltag besteht aus komplexen Anforderungs- und Entscheidungssituationen, die sich alleine oft scheinbar schwer lösen lassen. Erfahren Sie, wie sich Mitglieder einer Gruppe mithilfe eines strukturierten Prozesses und klar verteilter Rollen gegenseitig „auf Augenhöhe“ kollegial beraten und unterstützen können. Lernen Sie in diesem Training den klaren Rahmen und effektive Methoden der kollegialen Beratung sowie eine weitsichtige und kompetente Moderation kennen. Führen Sie eigenständig kollegiale Beratungsgruppen in Ihrem Unternehmen ein.


Zum Praxisworkshop
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Über den Autor

Stephanie Markstahler

Ist Spezialistin für Konfliktlösung, gelungene Kommunikation, Führung und Persönlichkeitsentwicklung und seit 2004 freiberufliche Trainerin, Moderatorin, Organisationsentwicklerin und Coach.

Zur Themenübersicht Führung und Leadership

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