Vollzeit, Teilzeit, Auszeit?

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Verschiedene Lebensphasen von Mitarbeitern führen auch zu unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen im Erwerbsleben

Während Berufseinsteiger/innen meistens Vollzeit einsteigen, möchten Eltern von kleinen Kindern oder Beschäftigte, die Angehörige pflegen, Ihre Arbeitszeit reduzieren. Gerade für Mütter wird es besonders durch statische Systeme schwer gemacht, flexibel wieder einzusteigen. Kehrten Mütter früher als beantragt in Ihren Beruf zurück, ging der Elterngeldanspruch verloren.

Hier greift nun das neue Elterngeld Plus ein. Es soll Unterstützung bei der früheren Rückkehr in den Beruf und größerer Flexibilität bei der Teilzeitarbeit bieten. Dank dem neuen Elterngeld Plus ist der Bezugszeitraum von 14 Monate auf bis zu 28 Monate erweitert worden. Beide Eltern können das Geld gleichzeitig erhalten – ein Novum und eine attraktive Möglichkeit, den Beginn als Familie gemeinsam zu erleben. Bei der Teilzeit in Elternzeit gilt eine Grenze bis zu 30 Stunden Arbeitszeit pro Woche und Elternteil. Sind beide Eltern gemeinsam in der Elternzeit, können beide jeweils bis zu 30 Wochenstunden arbeiten, zusammen somit 60 Stunden.

Rückkehr in Teilzeit nur mit 50 %?

Die meisten Unternehmen bieten das klassische 50 % Modell an. Eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt eine interessante Zahl: 45 % der Befragten gaben an, mit ihrem Arbeitgeber über das Teilzeitmodell zur Rückkehr nicht im Konsens gewesen zu sein (Quelle: Studie 2015 „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf”, www.ifd-allensbach.de).

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Woran scheitert die Einigung?

An der Rückkehr in der Menge (%) und an dem Wiedereinstiegstermin. Teilzeitmodelle mit einer Wochenarbeitszeit von 70% – 80% kommen den Bedürfnissen oft mehr entgegen als 50 %, sowohl finanziell als auch zur Erhaltung der eigenen Fachkompetenz. Halten von fachlichen Kompetenzen versus Aufwand im Unternehmen Erkannt haben alle Unternehmen, dass sie auf den demografischen Wandel reagieren müssen. Klar ist auch: für die Unternehmen steckt hinter wachsenden Freiräumen ein administrativer Mehraufwand.

Doch es lohnt sich und muss auch sein: Gute, motivierte Mitarbeiter und Fachkräfte werden rar am Markt und stärker umworben. Sie können sich ihr Arbeitsumfeld wählen. Zudem möchte man das Erwerbsleben dieser Mitarbeiter auch verlängern. Es wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil, Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden.

Es gibt weitere gute Argumente für die neuen Teilzeitmodelle. Für die Mitarbeiter-Gesundheit ist ein ausgeglichenes Familienleben förderlich. Auch eine kreative Auszeit kann neuen Schwung bringen. Niemand wird mehr die Bedeutung der Work-Life-Balance zur Mitarbeitergesundheit infrage stellen. Ein weiterer Vorteil liegt im Wissensmanagement, denn Teilzeit verteilt Fachkompetenz auf mehrere Köpfe und die Arbeitsbelastung auf mehrere Schultern.

Eine Möglichkeit für Arbeitgeber und -nehmer neben der klassischen Teilzeit ist die sogenannte „Teilzeit-Investition“: Der Arbeitnehmer arbeitet Vollzeit, wird aber nur in Teilzeit bezahlt. Die nicht ausgezahlte Zeit wird auf einem Konto gutgeschrieben und dann ausgezahlt, wenn der Mitarbeiter sich seine Auszeit nimmt. Neben Teilzeit gewinnen auch immer mehr Jobsharingmodelle an Boden, bei denen sich zwei Teilzeitkräfte eine Stelle teilen und somit Anwesenheit und Ansprache in Vollzeit gewährt sind.

Eine moderne Arbeitszeitorganisation sollte daher gewährleisten, dass die Arbeitszeit passend zur Lebensphase gestaltet werden kann. Der Arbeitgeber hat durch die letzten Reformen schon ein Stück des Weges bereitet. Jetzt sind die Unternehmen gefragt, diesen auch mitzugehen. Und die Mitarbeiter müssen in den flexiblen Strukturen auch den Zielen und Ansprüchen der Unternehmen gerecht werden.


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Über den Autor

Personal- und Unternehmensberaterin; Referentin der Haufe Akademie.

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