Der Mittelstand baut beim e-Learning auf Fertiglösungen

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Bereits zum zweiten Mal hat das MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung gemeinsam mit der Haufe-Akademie eine Befragung zum Ist-Stand und den mittelfristigen Perspektiven des e-Learning in deutschen Unternehmen durchgeführt. Studienleiter Dr. Lutz P. Michel fasst die wichtigsten Ergebnisse hier zusammen.

Im Rahmen der diesjährigen Studie, die im Sommer 2014 durchgeführt wurde, haben insgesamt 193 Experten für Personalfragen in deutschen Unternehmen den Online-Fragebogen ausgefüllt. Davon waren 95 Vertreter aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und 98 aus Großunternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten. Wie im Vorjahr wurde für diese Studie bewusst eine Obergrenze für KMU bei einer Zahl von 499 Mitarbeitern gezogen, da Unternehmen ab dieser Größe im Allgemeinen über eine strategische Personalentwicklung und hierfür zuständiges Personal verfügen. Mit der Befragung wird eine Bestandsaufnahme des aktuellen e-Learning-Einsatzes in der deutschen Wirtschaft angestrebt. Darüber hinaus bieten die Antworten einen Ausblick auf die Entwicklung des elektronischen Lernens in den kommenden drei Jahren. Der folgende Bericht enthält ausgewählte Ergebnisse der Befragung. Die komplette Studie wird gemeinsam von Haufe-Akademie und MMB-Institut im Herbst 2014 publiziert.

e-Learning im Mittelstand weiter auf dem Vormarsch

e-Learning wird auch in KMU mehrheitsfähig – so kann man das erste Ergebnis der aktuellen Studie kurz zusammenfassen. Der Anteil der e-Learning-Nutzer unter den deutschen KMU (bis 499 Beschäftigte) liegt im Jahr 2014 bei 55 Prozent. Weitere 17 Prozent planen den Einsatz in den nächsten drei Jahren, und nur etwa jedes vierte KMU (28 Prozent) will auch in Zukunft auf digitales Lernen verzichten. (Zum Vergleich: In der Stichprobe aus dem Jahr 2013 waren 52 Prozent der KMU unter den Nutzern, 19 Prozent planten und 29 Prozent wollten auch weiterhin auf e-Learning verzichten.) (s. Abb. 1) In Großunternehmen ist elektronisches Lernen erwartungsgemäß noch weiter verbreitet. Bereits zwei Drittel (66 Prozent) der befragten Unternehmen zählen hier zu den Anwendern. Weitere 22 Prozent geben an, e-Learning in den kommenden drei Jahren einführen zu wollen. Mit 11 Prozent ist der Anteil der Großunternehmen, die auch zukünftig ganz auf elektronisches Lernen verzichten wollen, nur noch marginal. (Zum Vergleich: 2013 lag der Anteil der Nutzer unter den Großunternehmen bei 61 Prozent, der Planer bei 17 Prozent und der „Verweigerer“ bei 23 Prozent.)

Verbreitung von e-Learning in deutschen Unternehmen

Frage: Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen mit e-Learning aus – nutzen Sie bereits e-Learning für die Aus- und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter? Oder Planen Sie den Einsatz von e-Learning innerhalb der kommenden drei Jahre?

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„Web-Based-Training“ in großen wie in kleinen Unternehmen die No. 1

Bei den digitalen Lernformen sowie den eingesetzten Tools konzentriert sich das Gros der befragten KMU derzeit neben dem „e-Learning-Klassiker“ Web-Based-Training (72 Prozent) auf Virtuelle Klassenräume bzw. Webinare (56 Prozent) sowie den Einsatz von Wikis für das betriebliche Lernen (52 Prozent). Diese drei Lernformen bzw. Tools werden von mehr als der Hälfte der befragten KMU heute genutzt.

Eingesetzte Formen und Tools

Frage: Welche Formen bzw. Tools des e-Learnings werden im Rahmen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in Ihrem Unternehmen zurzeit bereits genutzt?

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Anders als 2013 sind Virtuelle Klassenräume/Webinare in der 2014 befragten Stichprobe nicht mehr die bevorzugte Lernform der befragten KMU. Allerdings werden Webinare weiterhin in KMU deutlich häufiger eingesetzt als in Großunternehmen (49 Prozent). Dazu dürfte neben den vergleichsweise günstigen Kosten auch die Nähe des Konzepts Virtueller Klassenräume zum klassischen Präsenzunterricht beitragen. Etwa jedes zweite Unternehmen setzt auf den Einsatz von Social Media, also vor allem das Lernen über soziale Netzwerke im Internet oder Intranet (KMU 47 Prozent, Großunternehmen 48 Prozent). Auch die Kombination von virtuellem und Präsenz lernen – „Blended Learning“ – wird in etwa der Hälfte der befragten Unternehmen eingesetzt (KMU 45 Prozent, Großunternehmen 52 Prozent). Videobasierte Lernformen, die zum Beispiel in den Hochschulen eine große Rolle spielen, finden auf Basis der großen Verbreitung leistungsfähiger Rechner und Netze auch in der Bildungsarbeit der Unternehmen eine hohe Akzeptanz. 40 Prozent der KMU und 38 Prozent der Großunternehmen nutzen derzeit videobasierte Lernformen. Erwartungsgemäß werden die aufwendigeren Lernformen „Simulation“ (15 Prozent), „Serious Games“ (12 Prozent) und „Augmented Reality“ (2 Prozent) in KMU nur selten genutzt. In Großunternehmen ist die Verbreitung dieser Lernanwendungen z. T. deutlich größer. Das gilt vor allem für Simulationen, die bereits von einem Drittel der befragten Großunternehmen für das Lernen eingesetzt werden, aber auch Spielbasiertes Lernen (20 Prozent) findet hier eine deutlich größere Verbreitung.

Neben IT sind Management-Themen für den Mittelstand am wichtigsten

Bei den Themen des betrieblichen Lernens, für deren Vermittlung e-Learning eingesetzt wird, stehen „IT-Anwendungen“ nach wie vor auf Platz 1 – und zwar mit einem identischen Wert von 1,9 in KMU und Großunternehmen. Die weitere Rangfolge der Themen ist dann jedoch sehr unterschiedlich.

Wichtige Themen für das e-Learning Angebot

Frage: Wie wichtig sind die folgenden Themen für das e-Learning-Angebot in Ihrem Unternehmen. Bitte stufen Sie die Wichtigkeit auf der 6er-Skala ein, von 1 „sehr wichtig“ bis 6 „völlig unwichtig“.Der Mittelstand_baut_E-Learning_ wichtige-Themen

Während in KMU Management-Themen sowie Betriebswirtschaft (Werte von 2,8 bis 3,0) eine größere Rolle spielen, nutzen Großunternehmen e-Learning vor allem für das sensible Thema „Compliance“ (2,2) sowie für Produktschulungen (2,6). Dem Thema „Softskills“ (z. B. Teamkompetenz) wird von beiden Gruppen eine mittlere Bedeutung zugewiesen (jeweils 3,2), ebenso wie dem Thema „Fremdsprachen“ (Großunternehmen 3,2, KMU 3,5).

Make or Buy?

Erstmals wurden die Studienteilnehmer nach der Herkunft des im jeweiligen Unternehmen eingesetzten e-Learning-Angebots gefragt. Auch hier zeigen sich wieder deutliche Unterschiede zwischen Großunternehmen und KMU. Während in großen Firmen mit 500 und mehr Beschäftigten vor allem auf selbst im Unternehmen entwickelte e-Learning-Arrangements (60 Prozent) gesetzt wird, nutzen KMU überwiegend serienmäßig produzierte Produkte „von der Stange“ (71 Prozent). Sehr viel seltener wird hier auf „Do-it-yourself“ gesetzt (41 Prozent), maßgeschneiderte Individual- Produkte, die von 52 Prozent der befragten Großunternehmen genutzt werden, kommen in KMU gerade mal auf 35 Prozent.

Herkunft der e-Learning Arragements

Frage: Wie wurden bzw. werden die e-Learning-Arrangements, die in Ihrem Unternehmen bereits genutzt werden bzw. zukünftig genutzt werden sollen, hauptsächlich produziert? Es sind mehrere Nennungen möglich.

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Hier spielen Skaleneffekte sicher eine wichtige Rolle. Während sich die Kosten für eine individuelle Fertigung in Großunternehmen auf eine entsprechend größere Zahl von Mitarbeitern verteilen und hier auch eher das Personal verfügbar ist, das für Eigenproduktionen die erforderlichen Kompetenzen aufweist, müssen KMU auf solche Kostenvorteile verzichten und bevorzugen deshalb Standardprodukte, die von e-Learning-Herstellern bereitgestellt werden.

KMU investieren größeren Budgetanteil in e-Learning

Trotz des weitgehenden Verzichts auf Eigenprodukte und maßgeschneiderte e-Learning-Arrangements sind die Kosten für digitales Lernen in KMU – relativ betrachtet – deutlich höher als in Großunternehmen: Befragt nach dem Anteil der jährlichen Aus- und Weiterbildungsausgaben, der auf e-Learning entfällt, nennen die befragten KMU einen durchschnittlichen Anteil von 21,3 Prozent, während Großunternehmen im Schnitt mit 14,6 Prozent auskommen.

Weitere Investitionen geplant

Auf die Frage nach den Planungen für die nächsten drei Jahre zeigen sich die Personalexperten wie schon im Vorjahr sehr optimistisch. Dies kann als Beleg für die positiven Erfahrungen mit digitalem Lernen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung gewertet werden. Besonders deutlich belegt dies der äußerst geringe Anteil der Unternehmen, die ihr e-Learning-Angebot bis 2017 reduzieren wollen. Lediglich 1 Prozent der Großunternehmen plant demnach eine Reduzierung, bei den KMU trifft dies sogar auf kein einziges der befragten Unternehmen zu. Jeweils etwa drei Viertel der befragten KMU (75 Prozent) und Großunternehmen (74 Prozent) planen eine Ausweitung des Nutzerkreises für ihre e-Learning-Arrangements. Ähnlich groß ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Palette des digitalen Lernens um weitere Angebote ergänzen wollen (KMU 69 Prozent, Großunternehmen sogar 76 Prozent) (s. Abb. 5). Ähnlich wie im Vorjahr soll die geplante Ausweitung von Angebot und Adressatenkreis überwiegend kostenneutral realisiert werden. Weniger als ein Drittel der befragten Personalexperten planen derzeit, das Budget für e-Learning bis 2017 zu erhöhen (KMU 27 Prozent, Großunternehmen 30 Prozent).

Zukünftige Entwicklungen des e-Learning Angebots im Unternehmen

Frage: Wenn Sie e-Learning bereits nutzen: Wie wird sich das e-Learning Angebot in Ihrem Unternehmen in den kommenden drei Jahren entwickeln? Es sind mehrere Nennungen möglich.

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Für einen kleinen Teil der befragten Personalexperten kam die Frage nach absehbaren Veränderungen beim e-Learning-Einsatz noch zu früh, da sie sich nach eigenen Angaben noch in der Planungsphase befinden (27 Prozent der KMU, 22 Prozent der Großunternehmen). Oder sie waren sich insgesamt noch unsicher, wie die Frage nach der Zukunft des e-Learning-Einsatzes in ihrem Unternehmen derzeit zu beantworten ist (jeweils 9 Prozent bei KMU und Großunternehmen).

e-Learning Studie für Personalentwickler:
Eine ausführliche Dokumentation über die e-Learning Studie des MMB-Instituts und der Haufe Akademie „e-Learning im Mittelstand: Ergebnisse der MMB-Studie 2014“ erhalten Sie als kostenloses Download.

Studie kostenlos herunterladen

 

 

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Über den Autor

Lutz P. Michel

Inhaber und Geschäftsführer MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung, Essen.

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