{"id":15166,"date":"2020-10-06T12:36:59","date_gmt":"2020-10-06T10:36:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/?p=15166"},"modified":"2021-08-17T12:18:35","modified_gmt":"2021-08-17T10:18:35","slug":"agiles-performance-management","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/personalmanagement\/agiles-performance-management\/","title":{"rendered":"Agiles Performance Management"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;The Art of Doing Twice of the Work in Half the Time&#8220; lautet der Untertitel von Jeff Sutherlands Buchs \u00fcber Scrum, einem der wohl bekanntesten Werke \u00fcber agile Methoden. Es macht deutlich: Die Steigerung der Performance von Mitarbeitenden und Teams, folglich auch der Performance des Unternehmens, ist ein zentrales Element agiler Vorgehensweisen. Wie unterscheidet sich agiles von klassischem Performance Management? Welche Vorteile, Methoden und Tools bietet agiles Performance Management?<\/p>\n<p>Beim Performance Management, ob in agilen Strukturen oder in klassisch organisierten, geht es um die Steigerung und Steuerung der Leistungserbringung der Arbeitnehmer:innen. Die Beitr\u00e4ge und Arbeitsergebnisse, die von Einzelnen und Teams erbracht werden, sollen in Summe die Umsetzung von Unternehmensstrategien und das Erreichen der Unternehmensziele sicherstellen.<\/p>\n<div>\n<div>\n<h2>Was ist agiles Performance Management?<\/h2>\n<div>\n<div>\n<p>Agiles Performance Management ist als die Gesamtheit aller Ma\u00dfnahmen und Prozesse in agilen Organisationsformen definiert, die der zielorientierten Steuerung von Leistung und Ergebnissen dienen. Dabei steht sowohl die quantitative als auch die qualitative Dimension im Fokus: Es geht um (quantitative) Performance Steigerung und um (qualitative) Performance Verbesserung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Voraussetzungen f\u00fcr agiles Performance Management<\/h2>\n<p>Damit Agiles Performance Management funktionieren kann, sind zwei wesentliche Voraussetzungen zu erf\u00fcllen. Diese gelten auch beim klassischen Performance Management: Zum einen, dass die Mitarbeitenden leistungswillig sind. Umgangssprachlich werden Mitarbeitende, auf die dies zutrifft, als \u201emotiviert&#8220; bezeichnet. Damit Aktivit\u00e4ten des Performance Managements greifen, muss sichergestellt sein, dass sich m\u00f6glichst jeder Mitarbeitende f\u00fcr die Ziele des Unternehmens engagieren will. Das individuelle Commitment mit den kollektiven Zielen ist eine wichtige Basis f\u00fcr Performance. Fehlt dieses Ziel-Commitment, ist kein hohes Engagement und auch keine sonderliche Performance zu erwarten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die zweite Voraussetzung betrifft die Kompetenzen und Qualifikationen. Damit Mitarbeitende eine gute Performance erbringen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie kompetenzgerecht eingesetzt sein. \u201eDer richtige Mensch am richtigen Platz&#8220; ist vielen als Merksatz dazu bekannt. Personalmanager bezeichnen dies als \u201ezutreffende Personalallokation&#8220;. Diese ist von hoher Bedeutung: Denn die besten Performance Management Tools werden aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen \u2013 und umgekehrt auch nicht.<\/p>\n<p>Wenn die erste Voraussetzung das \u201eWollen&#8220; betrifft, geht es in dieser zweiten also um \u201eK\u00f6nnen&#8220; und \u201eWissen&#8220;. Jeder Mitarbeitende muss wissen, auf welche Weise er in seinem Aufgabenbereich zu den kollektiven Unternehmenszielen betr\u00e4gt. Dazu muss er die notwendigen Kompetenzen besitzen, um seine Arbeitsaufgaben erfolgreich bew\u00e4ltigen und die erforderlichen Beitr\u00e4ge leisten zu k\u00f6nnen. Die zweite wichtige Basis f\u00fcr Performance ist das individuelle Potenzial.<\/p>\n<h2>Performance und Potential Management<\/h2>\n<p>Performance Management ist daher auch immer auch Potential Management. Das f\u00fchrt uns zu der Frage: In wessen H\u00e4nden liegt die Verantwortung daf\u00fcr? Wer hat den \u201eHut auf&#8220; f\u00fcr das Potenzial und Performance Management W\u00e4hrend die beiden genannten Voraussetzungen f\u00fcr klassische Strukturen ebenso gelten wie f\u00fcr agile, unterscheiden sich die beiden Organisationsformen bei der Verantwortungsfrage enorm.<\/p>\n<p>In konventioneller Denke liegt die Verantwortung f\u00fcr den Aufbau der Mitarbeitendenpotenziale, f\u00fcr das Management der Mitarbeitenden Performance und f\u00fcr das Schaffen der beiden Voraussetzungen \u2013 Aufgaben kompetenzgerecht zuteilen und f\u00fcr Commitment sorgen \u2013 bei der F\u00fchrungskraft. Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt der Vorgesetzte von zentraler Stelle, zumeist dem HR-Bereich, durch Tools wie Balanced Scorecard, Zielvereinbarungssysteme und -formulare, Potenzialanalysen und vieles mehr.<\/p>\n<h2>Agile Performance Management Tools zur Sicherung von Potenzial<\/h2>\n<p>Anders in agilen Strukturen. Der zuvorderst genannte Wert des Agilen Manifests lautet: \u201eWir sch\u00e4tzen Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge&#8220;. Daher liegt die Verantwortung prim\u00e4r beim Individuum, dem einzelnen Mitarbeitenden. Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt er durch die Interaktion mit dem Team.<\/p>\n<p>Die Voraussetzung der kompetenzgerechten Aufgaben\u00fcbernahme wird in agilen Organisationsformen erf\u00fcllt, indem jeder Mitarbeitende mit Einverst\u00e4ndnis des Teams aus dem Aufgabenpool (Backlog) genau diejenigen Arbeiten zu sich zieht, f\u00fcr deren erfolgreiche Umsetzung er die erforderlichen Kompetenzen besitzt.<\/p>\n<h2>Fokus auf die Gestaltung einer erfolgreichen Zukunft<\/h2>\n<p>Agiles Arbeiten entstand einst aufgrund der Erkenntnis, dass das Wasserfallmodell zu z\u00e4h und zu unflexibel ist, um den Anforderungen an marktf\u00e4higer Software zu gen\u00fcgen. L\u00e4ngst wird Agilit\u00e4t nicht mehr nur als Methode zur Software-Entwicklung verstanden: Agil soll die Antwort geben auf VUCA, auf den zunehmenden Nebel der Unsicherheit bez\u00fcglich zuk\u00fcnftiger Ver\u00e4nderungen. VUCA steht als Akronym f\u00fcr Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity, die als Merkmale der digital gepr\u00e4gten Zukunft (oder Gegenwart?) gelten. Um ausreichend flexibel f\u00fcr Ver\u00e4nderungen zu bleiben, nimmt Agile daher allein die nahe Zukunft in den Fokus.<\/p>\n<p>Scrum als der bekannteste und am weitesten verbreitete Methodenrahmen (\u201eFramework\u201c) der <a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/persoenliche-kompetenz\/keine-angst-vor-veraenderung-mit-agilitaet-im-neuen-agieren\/\">agilen Welt<\/a> sieht drei Rollen vor:\u00a0 Scrum Master, Product Owner und das Team. Ein Scrum Master steuert den Prozess. Er:Sie achtet auf die Einhaltung der Scrum-Regeln, kontrolliert und unterst\u00fctzt das Team in Prozessfragen. Zudem werden Hemm- und Hindernisse beseitigt, die au\u00dferhalb des Einflussbereichs des Teams liegen. Eine Aufgabe, die in klassischen Strukturen der F\u00fchrungskraft zuf\u00e4llt.<\/p>\n<h2>Agile Performance Management Rollen am Beispiel Scrum<\/h2>\n<p>Product Owner definieren Produktvision und -ziel, tr\u00e4gt die Verantwortung f\u00fcr die Wirtschaftlichkeit des Projekts und pflegen das Product Backlog. Letzteres stellt eine Kriterienliste von Items dar, die das fertiggestellte und wirtschaftlich verwertbare Produkt zu erf\u00fcllen hat. Sie setzten Priorit\u00e4ten und w\u00e4hlen diejenigen Items aus, die in der n\u00e4chsten Umsetzungsphase (Sprint) des Teams umgesetzt werden sollen. Das Product Backlog ist somit in steter Ver\u00e4nderung, da Items abgehakt aber auch kundenseitig hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Team macht, wie soll es auch anders sein, die Arbeit. Hierzu erstellt es beim Sprint Planning auf der Basis des Selected Backlog zum einen das Sprintziel und zum anderen die Liste (Sprint Backlog) der Arbeitsaufgaben f\u00fcr den n\u00e4chsten Sprint \u2013 und arbeitet diese ab. F\u00fcr die Sicherung der Voraussetzung, dass alle f\u00fcr den Projekterfolg erforderlichen Kompetenzen im Team vertreten sind, sorgen Team und Product Owner im Vorfeld gemeinsam. Auch diese beiden Rollen nehmen insoweit Aufgaben wahr, die in klassischen Strukturen in der Hand des direkten Vorgesetzten liegen.<\/p>\n<h2>Agiles Performance Management ist Teamaufgabe<\/h2>\n<p>Agile Teams sind erm\u00e4chtigt, ihre Arbeit im Verlaufe eines Sprints selbst zu organisieren. Diese Sprints sind die kleinen Schritte zum Projektziel, wobei der Zeitrahmen stets konstant bleibt. \u00dcblich sind Iterationen von 14 Tagen, in denen das Team zum inkrementellen Wachsen und Werden des Projektergebnisses beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wer \u2013 kompetenzorientiert \u2013 welche Tasks erledigt, bestimmt das Team. Und auch, in welcher Reihenfolge. Zudem findet t\u00e4glich ein auf 15 Minuten begrenztes Team Meeting statt, das Daily Scrum. Jedes Teammitglied gibt den anderen Mitgliedern im Stehen die Antworten auf drei Fragen:<br \/>\n1. Was habe ich seit dem letzten Daily Scrum erreicht?<br \/>\n2. Was nehme ich mir f\u00fcr die Zeit bis zum n\u00e4chsten Daily Scrum vor?<br \/>\n3. Welche Hemm- und Hindernisse bestehen, f\u00fcr die ich Unterst\u00fctzung ben\u00f6tige?<\/p>\n<p>Damit herrscht f\u00fcr jede:n Mitarbeiter:in Klarheit, was jede:r andere derzeit macht und wo das Team im Prozess steht. Andererseits wird hiermit auch Performance transparent \u2013 und Low Performance enorm begrenzt. Das Team achtet darauf, dass jeder einen Schritt nach dem anderen macht, immer weitergeht und nie stehenbleibt. Der aus klassischen Strukturen bekannte Versuch einzelner Low Performer, sich in der Teammasse zu verstecken und es zulasten der anderen etwas gem\u00fctlicher anzugehen, ist bei Einsatz von Scrum kein leichtes Unterfangen.<\/p>\n<h2>Agile Performance Management Tools zur Sicherung von Commitment und Motivation<\/h2>\n<p>Im Vordergrund der kompetenzorientierten Aufgabenverteilung steht Freiwilligkeit: Jede:r Einzelne entscheidet, welche offenen Aufgaben des Sprint Backlogs er \u00fcbernimmt. Indem sich jedes Teammitglied gegen\u00fcber den Kolleg:innen \u2013 und nicht etwa gegen\u00fcber einem:einer Vorgesetzten \u2013 t\u00e4glich zur Erledigung bestimmter Aufgaben verpflichtet, wird ein starkes Commitment, eine hohe Umsetzungsrate und folglich eine hohe Performance erzielt.<\/p>\n<p>Nach jedem Sprint erfolgt ein \u201eSprint Review\u201c, bei dem der erreichte Stand vor Kunde(n) und Product Owner pr\u00e4sentiert wird. Hier kann das Team \u201eZwischenlorbeeren\u201c einsammeln und sich weitere Motivationssch\u00fcbe holen. Retrospektiven schaffen dem Team den Rahmen, um den jeweils vorhergehenden Sprint zu reflektieren und um konkrete Ma\u00dfnahmen abzuleiten, mit denen das Team seine Performance selbst weiter verbessert.<\/p>\n<h2>Agile Performance Management Tools zur Messung von Performance und Erfolg<\/h2>\n<p>Ein wichtiges Element zur Erfolgsmessung und auch zur Motivation des Teams bildet das Burn-down-Chart. Bei diesem wird der Erledigungsgrad im Hinblick auf das Gesamtprojekt dargestellt: Auf der horizontalen Achse wird die Zeit, auf der vertikalen die Anzahl der noch offenen Punkte abgetragen. Sobald der Graph die x-Achse schneidet, ist das Projektziel erreicht. Mithilfe des Burn-down-Charts kann jede:r \u2013 und auch das Team selbst \u2013 erkennen, wie performant bzw. erfolgreich es ist.<\/p>\n<p>Daneben k\u00f6nnen Messgr\u00f6\u00dfen, Kennziffern und Key Performance Indikatoren eine gro\u00dfe Rolle spielen. Hier liegen klassische und agile Weisen zur Formulierung konkreter Ziele nicht weit auseinander: Die Messbarkeit und damit auch die Nachvollziehbarkeit des Zielerreichungsgrads wird in beiden Welten gro\u00dfgeschrieben. In agilen Strukturen kommen hierzu prim\u00e4r messbare Key Results zum Einsatz, die die Ziele in dem agilen OKR-System (&#8222;Objectives and Key Results&#8220;) erg\u00e4nzen. In der klassischen Welt gilt die bekannte S.M.A.R.T.-Formel, bei der das \u201eM&#8220; auf das Messbarkeitserfordernis hinweist.<\/p>\n<h2>Agile Performance Management Tools im Umgang mit Hemm- und Hindernissen<\/h2>\n<p>Unterschiede zwischen agil und klassisch betreffen auch dem Umgang mit Fremdeinfl\u00fcssen, Hemmnissen und Hindernissen auf dem Weg zum Erfolg bzw. Ziel. Externe Einfl\u00fcsse sind in klassischen Arbeitsorganisationen \u00fcblicherweise negativ konnotiert. Durchaus typisch sind beispielsweise Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmervertretungen dar\u00fcber, ob Mitarbeiter:in X \u00fcberhaupt etwas daf\u00fcrkonnte, dass die Ziele nicht erreicht wurden. Gerade, wenn auch eine Kopplung der H\u00f6he des Leistungsbonus an dem Zielerreichungsgrad vorgesehen ist, kommt es oftmals zu erbitterten Auseinandersetzungen, die nicht selten vor Gericht enden.<\/p>\n<p>Anders in agilen Organisationen. Durch die K\u00fcrze des Sprints werden Zielperioden realisiert, in denen die Teams weitgehend frei von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen arbeiten k\u00f6nnen. Falls dennoch vom Team nicht l\u00f6sbare Hindernisse (\u201eImpediments&#8220;) auftauchen, werden vom Scrum Master im Impediment Backlog gesammelt und den jeweils Verantwortlichen zur Beseitigung weitergeleitet. Auch au\u00dferhalb der Sprints steht man allen externen Einfl\u00fcssen grunds\u00e4tzlich positiv gegen\u00fcber. Jegliche Ver\u00e4nderungen \u2013 seien sie technologischer Art, Umweltver\u00e4nderungen oder auch neue Kundenw\u00fcnsche \u2013 werden beim Sprint Review aufgenommen und in zu bearbeitende Items gewandelt.<\/p>\n<h2>Agile: Mehr Performance, bessere Performance<\/h2>\n<p>Scrum sieht sich als einen Methodenrahmen, in dem die Mitglieder eines Teams in eine hohe Anzahl an Interaktionen untereinander und nach au\u00dfen gebracht werden. Zum einen, damit externe Ver\u00e4nderungen aufgenommen und ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen. Und zum anderen, damit die Individual-, Team- und Unternehmensperformance steigt. Denn darum geht es prim\u00e4r beim agilen Performance Management: Doing Twice of the Work in Half the Time.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;The Art of Doing Twice of the Work in Half the Time&#8220; lautet der Untertitel von Jeff Sutherlands Buchs \u00fcber Scrum, einem der wohl bekanntesten Werke \u00fcber agile Methoden. Es macht deutlich: Die Steigerung der Performance von Mitarbeitenden und Teams, folglich auch der Performance des Unternehmens, ist ein zentrales Element agiler Vorgehensweisen. 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