{"id":25789,"date":"2024-02-29T10:00:45","date_gmt":"2024-02-29T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/?p=25789"},"modified":"2026-09-14T14:25:35","modified_gmt":"2026-09-14T12:25:35","slug":"kollegiale-fallberatung-von-kolleginnen-und-kollegen-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/personalmanagement\/kollegiale-fallberatung-von-kolleginnen-und-kollegen-lernen\/","title":{"rendered":"Kollegiale Fallberatung: Gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Arbeitssituationen entwickeln"},"content":{"rendered":"<p>Schwierige Mitarbeitergespr\u00e4che, Konflikte im Team, F\u00fchrungsdilemmata oder festgefahrene Situationen in der Zusammenarbeit geh\u00f6ren zum Arbeitsalltag und selten gibt es daf\u00fcr eine Standardl\u00f6sung. Gerade bei solchen komplexen Fragestellungen kann es hilfreich sein, nicht allein nach Antworten zu suchen, sondern die Erfahrungen und Perspektiven von Kolleginnen und Kollegen systematisch einzubeziehen.<\/p>\n<p>Kollegiale Fallberatung setzt genau dort an. Besch\u00e4ftigte reflektieren konkrete berufliche Situationen auf Augenh\u00f6he und entwickeln gemeinsam neue Perspektiven und Handlungsoptionen.<\/p>\n<p>Dieser Beitrag zeigt HR-Manager:innen, wie kollegiale Fallberatung funktioniert, f\u00fcr welche Situationen sie sich eignet und wie HR die Methode im Unternehmen erfolgreich unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<h2>Welche Vorteile bietet die kollegiale Fallberatung?<\/h2>\n<p>Bei der Intervision reflektieren die Besch\u00e4ftigten reale Praxisf\u00e4lle. Dieser strukturierte Gedankenaustausch unterst\u00fctzt den oder die Fallgeber:in dabei, eine Herausforderung besser zu bew\u00e4ltigen und st\u00e4rkt die kommunikativen und kooperativen Kompetenzen der Gruppe. Wenn kollegiale Beratung mit einer offenen Vertrauens- und Fehlerkultur verkn\u00fcpft ist, f\u00f6rdert sie au\u00dferdem:<\/p>\n<ul>\n<li>Bindung und Engagement der Besch\u00e4ftigten, weil Beteiligung und Verantwortungserleben steigen,<\/li>\n<li>F\u00fchrungskr\u00e4fteentwicklung, indem F\u00fchrungskr\u00e4fte F\u00e4lle einbringen, Feedback erhalten und ihr F\u00fchrungsverhalten reflektieren,<\/li>\n<li>eine wertebasierte Kultur von Respekt, Dialog und gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Intervision passt daher gut in eine moderne, beteiligungsorientierte Personal- und F\u00fchrungskultur.<\/p>\n<h2>F\u00fcr welche F\u00e4lle eignet sich die Methode?<\/h2>\n<p>Gerade bei komplexen, \u201everknoteten\u201c Alltagssituationen, in denen der oder die Fallgeber:in mehrere Handlungsoptionen hat und Unsicherheit besteht, kann die kollegiale Fallberatung neue Perspektiven schaffen. Typische Themen sind insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten,<\/li>\n<li>schwierige Mitarbeitergespr\u00e4che,<\/li>\n<li>Umgang mit leistungsschwachen oder \u201eschwierigen\u201c Mitarbeitenden,<\/li>\n<li>Rollen- und Erwartungskl\u00e4rung in Projekten sowie<\/li>\n<li>Fragen zur Priorisierung und Zusammenarbeit in Schnittstellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sehr oft werden F\u00fchrungssituationen eingebracht, etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>Vorbereitung kritischer Gespr\u00e4che,<\/li>\n<li>F\u00fchrungsverhalten in Ver\u00e4nderungsprozessen,<\/li>\n<li>Umgang mit Widerstand, fehlender Motivation oder Spannungen im Team.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch fachlich gepr\u00e4gte Fragestellungen eignen sich, wenn sie stark mit Kommunikation, Kooperation oder Entscheidungsdilemmata verkn\u00fcpft sind, z.\u00a0B. im Umgang mit Beschwerden wichtiger Kundinnen und Kunden, bei Abstimmungsproblemen zwischen Fachbereichen oder der Priorisierung von Auftr\u00e4gen.<\/p>\n<h3>F\u00fcr welche Branchen eignet sich die Methode besonders?<\/h3>\n<p>Branchen- und funktionsspezifisch l\u00e4sst sich die Methode nahezu \u00fcberall nutzen: in stark kunden- und konfliktbelasteten Bereichen wie Callcentern oder im Beschwerdemanagement sowie im Sozial- und Gesundheitswesen, in Projekt- und Wissensorganisationen oder im mittleren Management, wo F\u00fchrungs- und Steuerungsfragen im Vordergrund stehen. Entscheidend ist weniger die Branche als die Bereitschaft, reale F\u00e4lle aus F\u00fchrung, Zusammenarbeit und Konfliktbearbeitung offen zu reflektieren.<\/p>\n<h2>Welche Voraussetzungen gelten?<\/h2>\n<p>Ohne eine offene Vertrauens- und Fehlerkultur sowie freiwillige Teilnahme kann die kollegiale Fallberatung nicht funktionieren. Die Teilnehmenden m\u00fcssen sich sicher sein k\u00f6nnen, dass die Probleme, die sie einbringen, nicht gegen sie verwendet und vertraulich behandelt werden. Wettbewerbsdenken, schwelende Konflikte zwischen Teilnehmenden und starkes Hierarchiedenken behindern die l\u00f6sungsorientierte Beratung.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung durch die F\u00fchrungskraft und HR-Initiativen sind hilfreich, etwa im Rahmen von PE- oder F\u00fchrungstrainings, inklusive methodischer Schulung und \u00dcbungsphasen in allen Rollen.<\/p>\n<h3>Die Rahmenbedingungen und Rollen bei der kollegialen Fallberatung<\/h3>\n<p>Zeitlich sollten pro Fall etwa 25 bis 30 Minuten eingeplant werden. Dauer und Turnus der Gruppe vereinbaren die Beteiligten dabei selbst. Das Format kann in Pr\u00e4senz oder online stattfinden, erforderlich ist ein geeigneter, st\u00f6rungsfreier Raum bzw. die passende technische Infrastruktur.<\/p>\n<p>Optimal ist eine Gruppengr\u00f6\u00dfe von etwa 4 bis 6 Teilnehmenden. Bei der Auswahl der Teilnehmenden ist es wichtig, auf berufliche Gleichstellung und eine kollegiale Haltung zu achten. Also Offenheit, Entwicklungsbereitschaft und Lernfreude. Eine zu starke Machtasymmetrie ist eher kritisch, z.\u00a0B. bei einem direkten Vorgesetztenverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Die Rollen sind klar verteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Der oder die Moderator:in achtet auf Struktur und Zeit.<\/li>\n<li>Der oder die Fallgeber:in bringt einen konkreten Praxisfall vorbereitet ein.<\/li>\n<li>Die kollegialen Berater:innen h\u00f6ren aktiv zu und geben Hypothesen, Ideen und Impulse.<\/li>\n<li>Die Rolle einer Gruppenleiterin oder eines Gruppenleiters ist nicht vorgesehen, die Gruppe steuert sich selbst.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Welche Rolle sollte die Personalabteilung \u00fcbernehmen \u2013 Moderation, Organisation oder nur Rahmenbedingungen?<\/h3>\n<p>Intervision ist bewusst\u00a0hierarchiefrei\u00a0angelegt, eine klassische Gruppenleitung ist nicht vorgesehen. Bei noch unerfahrenen Gruppen kann HR die Moderation \u00fcbernehmen. Ziel ist es aber, dass die Moderationsrolle von den Teilnehmenden \u00fcbernommen wird.<\/p>\n<p>HR kann vor allem als Rahmengeberin unterst\u00fctzen, d.\u00a0h.:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Methode im Unternehmen bekannt machen und Pilotgruppen starten.<\/li>\n<li>Geeignete Rahmenbedingungen sichern: freiwillige Teilnahme, vertrauensvolle Kultur, passende R\u00e4umlichkeiten bzw. Online\u2011Kan\u00e4le.<\/li>\n<li>Trainings zur kollegialen Praxisberatung anbieten (inkl. systemischer Fragen, \u00dcbungsbl\u00f6cke, Rollentraining).<\/li>\n<li>Methodische Impulse geben, z.\u00a0B. Leitf\u00e4den und Moderationshilfen bereitstellen.<\/li>\n<li>Online\u2011Community (Teamskanal\/Intranet) einrichten und pflegen, in der Termine koordiniert und \u201elessons learned\u201c geteilt werden.<\/li>\n<li>Bei Bedarf organisatorisch unterst\u00fctzen, insbesondere in der Anfangsphase.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"seminartipp\">\r\n\t\r\n\t<div class=\"content-wrapper\">\r\n\t\t\r\n\t\t\t<div class=\"image\">\r\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"153\" height=\"132\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation.png\" class=\"attachment-pod size-pod\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation.png 709w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation-150x130@2x.png 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation-150x130.png 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation-110x96.png 110w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/seminartipp-frauen-office-situation-300x259@2x.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 153px) 100vw, 153px\" \/>\r\n\t\t\t<\/div>\r\n\t\t\r\n\t\t<div class=\"content\">\r\n\t\t\t<h2>Unsere Empfehlung<\/h2>\r\n\t\t\t<p class=\"h3\">Gespr\u00e4chstraining f\u00fcr herausfordernde Personalgespr\u00e4che<\/p>\r\n\t\t\t<p>Neue Impulse \u2013 Kollegiale Fallberatung \u2013 Erfahrungsaustausch<br \/>\nSchwierige Personalgespr\u00e4che f\u00fchrt keiner gerne. Umso wichtiger ist es, dass du dich gezielt darauf vorbereitest. Nutze die systematische Gespr\u00e4chsvorbereitung und Gespr\u00e4chssteuerung, um auch in herausfordernden Situationen dein Ziel zu erreichen und die Gespr\u00e4chspartner:innen zu motivieren. Mithilfe von Tools, Argumentationsstrategien und Hintergrundwissen st\u00e4rkst du deine F\u00e4higkeit, Mitarbeiter:innen UND F\u00fchrungskraft bei kritischen Personalgespr\u00e4chen gerecht zu werden und mehr innere Sicherheit zu entwickeln.<\/p>\n<br\/>\r\n\t\t\t<a class=\"btn\" href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/9658\" onclick=\"target_econda_article()\" data-track-style=\"clickbtn\" data-track-type=\"link\" data-track-action=\"recoprimary\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4chstraining f\u00fcr herausfordernde Personalgespr\u00e4che<\/a>\r\n\t\t<\/div>\r\n\t<\/div>\r\n\t<div class=\"clear\"><\/div>\r\n\t\r\n<\/div><h2>Wie l\u00e4uft die kollegiale Fallberatung ab? (Schritt-f\u00fcr-Schritt)<\/h2>\n<p>Das Format verl\u00e4uft in einer klar strukturierten, selbstgesteuerten Gruppe ohne formale Leitung. Pro Fall werden ca. 25 bis 30 Minuten eingeplant.<\/p>\n<h3>1. Vorbereitung des Falls<\/h3>\n<p>Der oder die Fallgeber:in bereitet einen Praxisfall vor, z.\u00a0B. durch:<\/p>\n<ul>\n<li>Einen sprechenden Titel und kurzen Kontext.<\/li>\n<li>Kl\u00e4rung: Wer ist betroffen, wie beteiligt, welche Rahmenbedingungen?<\/li>\n<li>Beschreibung einer Schl\u00fcsselsituation oder typischer Beispiele.<\/li>\n<li>Eigene Wahrnehmung und Befindlichkeit.<\/li>\n<li>M\u00f6glichst konkrete Formulierung des Anliegens\/der Leitfrage.<\/li>\n<li>Visualisierung z.\u00a0B. am Flipchart als Unterst\u00fctzung.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>2. Falldarstellung (ca. 5 Minuten)<\/h3>\n<p>Der oder die Fallgeber:in stellt den Fall und bisherige L\u00f6sungsans\u00e4tze vor und formuliert eine Fragestellung. Die Berater:innen h\u00f6ren aktiv zu, notieren offene Fragen und \u201eblinde Flecken\u201c.<br \/>\nIn dieser Phase sind keine R\u00fcckfragen und keine Diskussion erlaubt.<\/p>\n<h3>3. Vertiefende Informationsfragen und Resonanz (ca. 5\u00a0Minuten)<\/h3>\n<p>Die Berater:innen stellen ausschlie\u00dflich kl\u00e4rende, systemische Fragen, um ein m\u00f6glichst klares Bild zu erhalten. Keine Bewertungen, keine Ratschl\u00e4ge.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p>Systemische Fragen sind z. B. Zukunftsfragen sowie Perspektivwechsel- und zirkul\u00e4re Fragen, um Dynamiken, Wechselwirkungen und Alternativen sichtbar zu machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der oder die Moderator:in steuert die Phase so, dass gen\u00fcgend Informationen f\u00fcr die n\u00e4chste Phase vorliegen.<\/p>\n<h3>4. Hypothesen und Handlungsoptionen (ca. 10\u00a0Minuten)<\/h3>\n<p>Die Berater:innen diskutieren:<\/p>\n<ul>\n<li>m\u00f6gliche Ursachen und Zusammenh\u00e4nge,<\/li>\n<li>Hypothesen zur Dynamik des Falls,<\/li>\n<li>konkrete Handlungsoptionen, Vorgehensweisen, neue Perspektiven.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier bietet es sich an, den Fall <strong>systematisch zu variieren<\/strong> (\u201eweglassen, vergr\u00f6\u00dfern, verkleinern \u2026\u201c), um Handlungsoptionen zu vertiefen. Oder auch die <strong>Gift- und Gegengift-Technik <\/strong>anzuwenden<strong>.<\/strong> Dabei werden zun\u00e4chst bewusst \u201eschlechte\u201c Ideen gesammelt (\u201eWie k\u00f6nnten wir das Problem versch\u00e4rfen?\u201c), die anschlie\u00dfend in Gegenma\u00dfnahmen \u00fcbersetzt werden. Dieser Perspektivwechsel kann festgefahrene Muster aufbrechen.<\/p>\n<p>Der oder die Fallgeber:in h\u00f6rt nur zu und macht sich Notizen, antwortet aber nicht.<\/p>\n<h3>5. Abschlussstatements und Prozess-Review (ca. 5\u00a0Minuten)<\/h3>\n<p>Der oder die Fallgeber:in erkl\u00e4rt kurz, was er oder sie mitnimmt und umsetzen m\u00f6chte. Anschlie\u00dfend nennen die Berater:innen eigene Lernpunkte aus dem Fall. Zum Schluss ist eine kurze gemeinsame Reflexion sinnvoll, um zu kl\u00e4ren, ob der Prozess stimmig war und ob etwas gefehlt hat.<\/p>\n<h3>Welche Aufgaben hat der oder die Moderator:in?<\/h3>\n<ul>\n<li>Der oder die Moderator:in sorgt daf\u00fcr, dass die vorgegebenen Zeitfenster eingehalten werden (ca. 5 bis 10 Minuten je Phase).<\/li>\n<li>Er oder sie sichert die Falldarstellung ohne Unterbrechung (keine R\u00fcckfragen, keine Diskussion).<\/li>\n<li>In der Fragenphase achtet er oder sie konsequent darauf, dass nur Informations\u2011 und Verst\u00e4ndnisfragen gestellt werden, keine Bewertungen oder Ratschl\u00e4ge.<\/li>\n<li>In der Hypothesen\u2011 und L\u00f6sungsphase steuert er oder sie den Austausch der Berater:innen, w\u00e4hrend der oder die Fallgeber:in schweigend zuh\u00f6rt.<\/li>\n<li>Er oder sie leitet die Abschlussrunde an.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Spielregeln f\u00fcr die kollegiale Fallberatung<\/h2>\n<ol>\n<li>Respekt und Wertsch\u00e4tzung<br \/>\nAlle Teilnehmenden gehen wertsch\u00e4tzend und professionell miteinander um. Bewertungen richten sich auf das Vorgehen, nicht auf die Person.<\/li>\n<li>Freiwilligkeit der Teilnahme<br \/>\nTeilnahme und aktive Fall\u00adeinbringung sind freiwillig.<\/li>\n<li>Rollenkl\u00e4rung<br \/>\nDie Rollen (Fallgeber:in, Beratungsteam, Moderation) werden zu Beginn jeder Sitzung kurz gekl\u00e4rt. Die Moderation achtet auf die Einhaltung der Spielregeln.<\/li>\n<li>Keine Entscheidungsinstanz<br \/>\nDie kollegiale Fallberatung dient der Reflexion und Entwicklung von Handlungsoptionen, nicht der formalen Beurteilung oder Sanktionierung von Personen.<\/li>\n<li>Sachliche Diskussion<br \/>\nDie Beitr\u00e4ge sind sachlich, l\u00f6sungsorientiert und auf den Beratungszweck ausgerichtet. Pers\u00f6nliche Angriffe oder abwertende Bemerkungen sind nicht erlaubt.<\/li>\n<li>Zeit- und Strukturdisziplin<br \/>\nAlle halten sich an die vereinbarte Struktur und den Zeitrahmen. Die Moderation hat das Recht, Beitr\u00e4ge zu b\u00fcndeln und zu begrenzen.<\/li>\n<\/ol>\n<h3>Sollte die Durchf\u00fchrung besser vor Ort oder online stattfinden?<\/h3>\n<p>Kollegiale Fallberatung ist nicht an Pr\u00e4senz gebunden. Entscheidend sind passende Rahmenbedingungen, nicht der Ort. F\u00fcr Formate mit starkem Vertrauens\u2011 und Reflexionsanteil gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Vertrauensaufbau und Beziehungsgestaltung sind in Pr\u00e4senz meist einfacher.<\/li>\n<li>K\u00f6rpersprache und Stimmung werden differenzierter wahrgenommen, was in sensiblen Beratungssituationen hilfreich ist.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Online k\u00f6nnen \u00f6rtlich verteilte Kolleginnen und Kollegen besser eingebunden werden.<\/li>\n<li>Bei Online-Formaten k\u00f6nnen sich zur\u00fcckhaltende Personen allerdings leichter \u201everstecken\u201c. Ihre Beteiligung erfordert aktive Moderation.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Hybride Settings gelten als besonders anspruchsvoll, weil ein Gef\u00e4lle zwischen Pr\u00e4senz\u2011 und Remote\u2011Teilnehmenden entstehen kann. Sie erfordern\u00a0erfahrene Moderation, klare Regeln und technische Vorbereitung, um alle Rollen gleichwertig einzubinden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wo m\u00f6glich, ist eine bewusste Entscheidung zugunsten entweder Pr\u00e4senz oder rein online oft einfacher als ein hybrides Setting.<\/p>\n<h2>Gibt es rechtliche oder datenschutzrechtliche Aspekte, die bei kollegialer Fallberatung beachtet werden m\u00fcssen?<\/h2>\n<p>Mitarbeitende d\u00fcrfen grunds\u00e4tzlich selbst bestimmen, wann und in welchen Grenzen sie \u00fcber pers\u00f6nliche Inhalte sprechen. Das gilt auch, wenn F\u00e4lle in kollegialer Beratung besprochen werden. Wichtig ist deshalb auch, dass datenschutzrechtliche Bestimmungen eingehalten werden, erst recht bei Nutzung von IT\u2011Systemen oder Plattformen. Die folgenden Aspekte sind dabei besonders wichtig.<\/p>\n<h3>DSGVO-Grunds\u00e4tze<\/h3>\n<p>Bei der Fallberatung werden personenbezogene Besch\u00e4ftigtendaten verarbeitet. Ma\u00dfgeblich im Umgang mit den Daten ist insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>Zweckbindung: Nutzung der Daten nur f\u00fcr den Beratungszweck.<\/li>\n<li>Datenminimierung: Nur die Informationen einbringen, die f\u00fcr den Fall wirklich erforderlich sind, m\u00f6glichst anonymisieren\/pseudonymisieren.<\/li>\n<li>Integrit\u00e4t und Vertraulichkeit: Schutz vor Zugriff Unbefugter, auch technisch (Zugriffsrechte, sichere Tools).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Umgang mit sensiblen Daten<\/h3>\n<ul>\n<li>Bei besonders sensiblen Daten, z. Gesundheitsdaten, darf der Fall nur sehr zur\u00fcckhaltend und abstrakt geschildert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Vertraulichkeit \/ Datengeheimnis<\/h3>\n<p>Die Inhalte der F\u00e4lle d\u00fcrfen nicht nach au\u00dfen getragen oder f\u00fcr andere Zwecke verwendet werden. Die Teilnehmenden m\u00fcssen sich zu Vertraulichkeit bzw. Datengeheimnis verpflichten.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p>F\u00fcr HR sinnvoll: klare Regeln (Richtlinie\/Betriebsvereinbarung), Auswahl datenschutzkonformer Tools und Einbindung Datenschutzbeauftragter.<\/p><\/blockquote>\n<h2>FAQ:<\/h2>\n<h3>Wie unterscheidet sich Kollegiale Fallberatung von Coaching?<\/h3>\n<p>Kollegiale Fallberatung ist eine\u00a0f\u00fchrungslos-selbstorganisierte Gruppenmethode unter Kolleginnen und Kollegen, Coaching hingegen ein\u00a0professioneller, oft externer Individualprozess.<\/p>\n<h3>Ist kollegiale Fallberatung dasselbe wie Supervision?<\/h3>\n<p>Nein. Bei der Supervision ist eine externe Person beteiligt, die die Moderation und Koordination steuert. Supervision eignet sich eher f\u00fcr strukturelle als f\u00fcr fallbezogene Herausforderungen.<\/p>\n<h3>Sollte HR die Moderation \u00fcbernehmen?<\/h3>\n<p>Die Moderation ist eine\u00a0Rolle innerhalb der Beratungssitzung, aber nicht zwingend eine HR\u2011Aufgabe.<\/p>\n<ul>\n<li>HR kann moderieren, wenn ausreichend Moderations\u2011 und Methodenkompetenz vorhanden ist oder Gruppen noch unerfahren sind.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Langfristig sollte die Gruppe in der Lage sein, die Moderationsrolle intern zu \u00fcbernehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Personalabteilung bleibt eher Initiatorin, Qualifiziererin und Rahmengeberin statt dauerhafte Leitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwierige Mitarbeitergespr\u00e4che, Konflikte im Team, F\u00fchrungsdilemmata oder festgefahrene Situationen in der Zusammenarbeit geh\u00f6ren zum Arbeitsalltag und selten gibt es daf\u00fcr eine Standardl\u00f6sung. Gerade bei solchen komplexen Fragestellungen kann es hilfreich sein, nicht allein nach Antworten zu suchen, sondern die Erfahrungen und Perspektiven von Kolleginnen und Kollegen systematisch einzubeziehen. Kollegiale Fallberatung setzt genau dort an. Besch\u00e4ftigte<\/p>\n<div class=\"pageReadMore\"><i class=\"fa fa-angle-right\"><\/i><a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/personalmanagement\/kollegiale-fallberatung-von-kolleginnen-und-kollegen-lernen\/\" title=\"Beitrag lesen\">Beitrag lesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":49109,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"no","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[59],"tags":[4852,1491,4854,4855,4849,4850,4851,62,4853],"class_list":{"0":"post-25789","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-personalmanagement","8":"tag-erfahrungsaustausch","9":"tag-gespraechsfuehrung","10":"tag-hr-alltag","11":"tag-hr-dialog","12":"tag-kollegiale-fallberatung","13":"tag-kollegiale-fallberatung-ablauf","14":"tag-kollegiale-fallberatung-methode","15":"tag-kommunikation","16":"tag-rollenklaerung"},"acf":{"p_authors":[47898]},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Kollegiale Fallberatung: Gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Arbeitssituationen entwickeln<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Entdecken Sie, wie kollegiale Fallberatung Sie bei Konflikten und Herausforderungen im HR-Berufsalltag unterst\u00fctzen kann. 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