{"id":45391,"date":"2026-05-29T12:00:16","date_gmt":"2026-05-29T10:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/?p=45391"},"modified":"2026-05-28T13:15:09","modified_gmt":"2026-05-28T11:15:09","slug":"dora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/recht-datenschutz\/dora\/","title":{"rendered":"DORA: Was der Digital Operational Resilience Act jetzt von Unternehmen verlangt"},"content":{"rendered":"<p>Beim Wort DORA denken viele zuerst an eine Zeichentrickfigur. Im Finanzkontext steht der Begriff jedoch f\u00fcr eine der wichtigsten neuen EU-Vorgaben im Umgang mit digitalen Risiken. Seit dem 17. Januar 2025 ist der Digital Operational Resilience Act verbindlich und verpflichtet Finanzunternehmen dazu, ihre digitale Widerstandsf\u00e4higkeit systematisch aufzubauen und fortlaufend zu testen. Keine K\u00fcr, sondern EU-weite, regulatorische Pflicht. Was das konkret f\u00fcr Finanz-unternehmen bedeutet, zeigt dieser Artikel.<\/p>\n<h2>Was ist DORA?<\/h2>\n<p>DORA steht f\u00fcr <strong>Digital Operational Resilience Act<\/strong> und ist eine EU-Verordnung, die die Cybersicherheit im europ\u00e4ischen Finanzsektor st\u00e4rken soll.<\/p>\n<p>Sie definiert klare Vorgaben f\u00fcr das Management von Cyber- und IKT-Risiken (Informations- und Kommunikationstechnologie), darunter die regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle von Sicherheitsvorkehrungen, die Pflicht zur Meldung von St\u00f6rungen sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Drittdienstleistern.<\/p>\n<p>Ein zentrales Ziel von DORA ist es, die bisher fragmentierten Anforderungen in Europa zu vereinheitlichen und vergleichbar zu machen. Die Verordnung soll den europ\u00e4ischen Finanzmarkt besser vor den immer komplexer werdenden Cyberbedrohungen sch\u00fctzen \u2013 und ihn somit widerstandsf\u00e4higer machen.<\/p>\n<p>In Deutschland ist die <strong>Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)<\/strong> die zust\u00e4ndige nationale Aufsichtsbeh\u00f6rde f\u00fcr die Umsetzung von DORA.<\/p>\n<h2>Wen betrifft DORA?<\/h2>\n<p>DORA gilt in erster Linie f\u00fcr Finanzunternehmen in der EU und betrifft insgesamt 21 verschiedene Branchen \u2013 darunter Kreditinstitute, Zahlungsinstitute, Versicherungs- und R\u00fcckversicherungsunternehmen sowie Wertpapierfirmen. Doch auch IKT-Drittdienstleister fallen unter die Regulation.<\/p>\n<div class=\"scroll-shadow\">\n<div class=\"scroll-shadow__content\">\n<table style=\"width: 800px; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc; font-weight: bold;\" colspan=\"2\">21 Branchen betroffener Finanzunternehmen<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Kreditinstitute<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Verwaltungsgesellschaften<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Zahlungsinstitute<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Datenbereitstellungsdienste<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Kontoinformationsdienstleister<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Versicherungs- und R\u00fcckversicherungsunternehmen<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>E-Geld-Institute<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Versicherungsvermittler, R\u00fcckversicherungsvermittler und Versicherungsvermittler in Nebent\u00e4tigkeit<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Wertpapierfirmen<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Anbieter von Krypto-Dienstleistungen (gem\u00e4\u00df MiCA-Verordnung) sowie Emittenten wertreferenzierter Token<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Ratingagenturen<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Zentralverwahrer<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Administratoren kritischer Referenzwerte<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Zentrale Gegenparteien<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Schwarmfinanzierungsdienstleister<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Handelspl\u00e4tze<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Verbriefungsregister<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Transaktionsregister<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>IKT-Dienstleister<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><strong>Verwalter alternativer Investmentfonds<\/strong><\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Ausgenommen von DORA<\/strong><\/p>\n<p>Einige Unternehmen sind explizit ausgenommen. Dazu geh\u00f6ren bestimmte Versicherungs- und R\u00fcckversicherungsunternehmen sowie ihre Vermittler \u2013 auch nebenberufliche Vermittler \u2013, wenn sie als kleine oder sehr kleine Unternehmen gelten. Eine detaillierte Liste steht in <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32022R2554\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 3 der DORA-Verordnung.<\/a><\/p>\n<h2>Seit wann gilt DORA?<\/h2>\n<p>DORA trat bereits am 16. Januar 2023 in Kraft und ist seit dem 17. Januar 2025 verbindlich. DORA ist seit diesem Stichtag in betroffenen Finanzunternehmen anzuwenden.<\/p>\n<p>In Deutschland wurde DORA durch das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz (FinmadiG) begleitet, das am 27. Dezember 2024 in Kraft trat und die notwendigen Anpassungen im deutschen Recht verankert.<\/p>\n<h2>Die 5 S\u00e4ulen von DORA<\/h2>\n<p>Die folgenden f\u00fcnf S\u00e4ulen bilden den Kern der DORA-Verordnung. Sie legen die verbindlichen Anforderungen f\u00fcr Finanzunternehmen fest.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-45395 size-full\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/51248_GRA_Blog_Dora_800x547px_26-05-final.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"547\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/51248_GRA_Blog_Dora_800x547px_26-05-final.png 800w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/51248_GRA_Blog_Dora_800x547px_26-05-final-150x103@2x.png 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/51248_GRA_Blog_Dora_800x547px_26-05-final-150x103.png 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/51248_GRA_Blog_Dora_800x547px_26-05-final-300x205@2x.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<ol>\n<li><strong> IKT-Risikomanagement<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Betroffene Unternehmen m\u00fcssen klare Strategien und Richtlinien entwickeln, um IKT-Bedrohungen zu erkennen, zu bewerten und abzuwehren. Prozesse sollen auch im St\u00f6rungsfall weiterlaufen.<\/p>\n<p>DORA unterscheidet dabei zwischen zwei Rahmenwerken: einem regul\u00e4ren f\u00fcr die meisten Unternehmen \u2013 und einem vereinfachten f\u00fcr kleinere Institute oder solche mit eingeschr\u00e4nktem Leistungsangebot.<\/p>\n<p><u>Regul\u00e4rer Rahmen<\/u><\/p>\n<p>Hier tr\u00e4gt das Leitungsorgan (Vorstand, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer:in) die Letztverantwortung: Es genehmigt die Resilienzstrategie, stellt das n\u00f6tige Budget bereit und h\u00e4lt sein Wissen zu IKT-Risiken aktuell. Dieser Rahmen deckt den gesamten Risikozyklus ab \u2013 von Identifizieren und Schutz \u00fcber Erkennen und Gegenma\u00dfnahmen bis hin zu Wiederherstellung und Kommunikation.<\/p>\n<p>Die Anforderungen orientieren sich an internationalen, nationalen und branchenspezifischen Best Practices. Da sie bewusst technologie- und standardoffen formuliert sind, kann jedes Unternehmen sie passend zu seiner Gr\u00f6\u00dfe und Risikolage umsetzen.<\/p>\n<p><u>Vereinfachter Rahmen<\/u><br \/>\nKleinere oder weniger komplexe Unternehmen k\u00f6nnen den vereinfachten Rahmen nach Art. 16 von DORA nutzen. Im Fokus stehen operative Ma\u00dfnahmen: Systeme \u00fcberwachen, Risiken minimieren, Vorf\u00e4lle schnell beheben und kritische Funktionen absichern. Auf einige der anspruchsvolleren Anforderungen des regul\u00e4ren Rahmens \u2013 wie eine eigene Resilienzstrategie oder eine j\u00e4hrliche Dokumentationspflicht \u2013 k\u00f6nnen sie verzichten.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p>Welche <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Meldung\/2024\/meldung_2024_12_17_Dokumentationsanforderungen_DORA.html?nn=19669324\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dokumentationsanforderungen f\u00fcr den regul\u00e4ren Rahmen<\/a> und welche <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Aufsichtsmitteilung\/2025\/neu\/aufsichtsmitteilung_2025_08_21_hinweise_artikel_16_dora.html?nn=19669324\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anforderungen f\u00fcr den vereinfachten Rahmen<\/a> gelten, hat die BaFin \u00fcbersichtlich auf ihrer Website zusammengestellt.<\/p><\/blockquote>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Vorfallmanagement und Meldepflichten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Tritt ein IKT-Vorfall ein, z\u00e4hlen Transparenz und Schnelligkeit. Deshalb m\u00fcssen Finanzunternehmen einen klar strukturierten Prozess einrichten, um solche Vorf\u00e4lle zu erkennen, zu protokollieren und zu melden.<\/p>\n<p>IKT-bezogene Vorf\u00e4lle werden dabei anhand definierter Kriterien klassifiziert \u2013 etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie viele Kunden betroffen sind,<\/li>\n<li>wie lange der Ausfall dauert,<\/li>\n<li>wie weit er geografisch reicht und<\/li>\n<li>welche wirtschaftlichen Folgen er hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schwerwiegende Vorf\u00e4lle m\u00fcssen der zust\u00e4ndigen Aufsichtsbeh\u00f6rde zeitnah mitgeteilt werden.<\/p>\n<p>In Deutschland ist die BaFin die Anlaufstelle: Sie leitet Meldungen an relevante Beh\u00f6rden, z. B. das BSI (Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik) oder die zust\u00e4ndige europ\u00e4ische Aufsichtsbeh\u00f6rde, weiter.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p><strong>Hinweis zur \u00dcberlappung mit der NIS2-Richtlinie<br \/>\n<\/strong>F\u00fcr Unternehmen, die sowohl unter DORA als auch unter NIS2 fallen, greift bei der Vorfallsmeldung der Vorrang von DORA als speziellere Regelung. In diesen F\u00e4llen gen\u00fcgt grunds\u00e4tzlich eine Meldung nach DORA an die BaFin.<\/p><\/blockquote>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Digitale Resilienztests<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie widerstandsf\u00e4hig ist ein Unternehmen wirklich, wenn es darauf ankommt? DORA macht klar: Das muss regelm\u00e4\u00dfig getestet werden. Finanzunternehmen sollen ein risikobasiertes und proportionales Testprogramm aufstellen, laut dem kontinuierliche Simulationen und Stressszenarien durchgef\u00fchrt werden, um die Ausfallsicherheit auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Schlie\u00dflich m\u00fcssen zentrale Systeme weiter funktionieren, selbst wenn ein Angriff stattfindet. Unabh\u00e4ngige interne Stellen oder externe Pr\u00fcfer:innen sollen diese Tests durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Sicherheitstests zeigen, wie Unternehmen im Ernstfall f\u00fcr IKT-Vorf\u00e4lle gewappnet sind, wo Schwachstellen liegen \u2013 und wo in der Konsequenz dringender Handlungsbedarf besteht.<\/p>\n<p>DORA schreibt dabei einen <strong>risikobasierten Ansatz<\/strong> vor: Kritische Systeme und Funktionen werden mindestens einmal j\u00e4hrlich getestet. F\u00fcr eine kleine Anzahl systemrelevanter Unternehmen kommen \u00fcber die regul\u00e4ren Tests hinaus verpflichtende bedrohungsorientierte Penetrationstests (TLPT) hinzu \u2013 wer betroffen ist, wird von der BaFin oder EZB per Bescheid informiert.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Management von Drittparteienrisiken<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Externe IKT-Dienstleister \u2013 wie Cloud-Provider \u2013 sind aus dem modernen Finanzbetrieb kaum wegzudenken. Doch mit der Auslagerung von Funktionen geht auch Verantwortung einher. Diese liegt laut DORA vollst\u00e4ndig beim einzelnen Finanzunternehmen.<\/p>\n<p>Alle Drittparteienrisiken systematisch zu managen ist verpflichtend \u2013 und zwar \u00fcber den gesamten Lebenszyklus der Vertragsbeziehung hinweg. Vor jedem Vertragsabschluss werden IKT-Drittdienstleister sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie kritisch ist die Funktion?<\/li>\n<li>Wie abh\u00e4ngig macht uns dieser Anbieter?<\/li>\n<li>Und was passiert, wenn er ausf\u00e4llt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vertr\u00e4ge m\u00fcssen pr\u00e4zise formuliert sein \u2013 mit klaren Regelungen zu Leistungsumfang, Sicherheit, Auditrechten und verbindlichen Ausstiegsklauseln. Au\u00dferdem muss der Vertragspartner sich verpflichten, bei IKT-Vorf\u00e4llen aktiv zu unterst\u00fctzen. Damit ein Anbieterwechsel den Betrieb nicht gef\u00e4hrdet, sind Exit-Strategien f\u00fcr besonders kritische Funktionen zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Betroffene Finanzunternehmen m\u00fcssen ihre relevanten IKT-Drittvertragsbeziehungen in einem zentralen Informationsregister festhalten, welches zwei zentrale Funktionen erf\u00fcllt:<\/p>\n<div class=\"scroll-shadow\">\n<div class=\"scroll-shadow__content\">\n<table style=\"width: 800px; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc; font-weight: bold;\">Steuerungsinstrument<\/th>\n<th style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc; font-weight: bold;\">Aufsichtsgrundlage<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\">Finanzunternehmen nutzen das Register, um ihre IKT-Drittparteienrisiken strukturiert zu erfassen und zu managen.<\/td>\n<td style=\"padding: 10px; border: 1px solid #ccc;\">Aufsichtsbeh\u00f6rden nutzen die Daten, um kritische IKT-Drittdienstleister zu identifizieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: 11pt;\"><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Informationsaustausch zu Cyberbedrohungen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Cyberbedrohungen betreffen selten nur ein einzelnes Unternehmen. DORA greift diesen Gedanken auf und schafft einen rechtlichen Rahmen f\u00fcr den Austausch von Informationen: Organisationen d\u00fcrfen gezielt Wissen und Erkenntnisse \u00fcber Cyberbedrohungen untereinander teilen \u2013 von Angriffsmustern und Warnmeldungen bis hin zu konkreten Sicherheits-Tools.<\/p>\n<p>Da der Austausch solcher sensiblen Informationen heikel ist, darf er nur innerhalb vertrauensw\u00fcrdiger Netzwerke stattfinden. Diese sollen laut DORA Verhaltensregeln festlegen und sich durch klare Vereinbarungen absichern. Gesch\u00e4ftsgeheimnisse m\u00fcssen dabei gesch\u00fctzt, Datenschutzvorgaben eingehalten und wettbewerbsrechtliche Grenzen gewahrt werden.<\/p>\n<p>Wer mitmacht, muss das kommunizieren: Die Teilnahme an solchen Vereinbarungen ist der BaFin zu melden \u2013 jeweils innerhalb von vier Wochen nach Wirksamwerden. Das gilt sowohl f\u00fcr den Eintritt als auch f\u00fcr den Austritt.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p><strong>Hinweis:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/DE\/Aufsicht\/DORA\/Informationen_Cyberkrisen_Notfalluebungen\/FAQ\/FAQ_artikel.html?nn=19669324\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die BaFin beantwortet in ihrem FAQ<\/a> h\u00e4ufige Fragen zum Informationsaustausch bei Cyberbedrohungen.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Was passiert bei einem Versto\u00df gegen DORA?<\/h2>\n<p>Nationale Aufsichtsbeh\u00f6rden wie die BaFin sind mit umfassenden Befugnissen ausgestattet, um DORA durchzusetzen und gegen Verst\u00f6\u00dfe vorzugehen. Sie k\u00f6nnen den Zugriff auf relevante Unterlagen oder Daten verlangen, Vor-Ort-Inspektionen durchf\u00fchren sowie Sanktionen verh\u00e4ngen. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Unternehmensvertreter vorgeladen und befragt werden.<\/p>\n<p>Bei einem festgestellten Versto\u00df drohen u. a.:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Unterlassungsanweisungen<\/strong>: Das versto\u00dfende Verhalten muss sofort gestoppt und darf nicht wiederholt werden.<\/li>\n<li><strong>Einstellung von Praktiken<\/strong>: Rechtswidrige Prozesse oder Verhaltensweisen werden vor\u00fcbergehend oder dauerhaft untersagt.<\/li>\n<li><strong>Finanzielle Ma\u00dfnahmen<\/strong>: Ma\u00dfnahmen finanzieller Art d\u00fcrfen ergriffen werden, um die Einhaltung der Anforderungen sicherzustellen.<\/li>\n<li><strong>\u00d6ffentliche Bekanntmachung:<\/strong> Name des Unternehmens sowie Art des Versto\u00dfes werden \u00f6ffentlich bekannt gemacht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sanktionen k\u00f6nnen <strong>auch verantwortliche Einzelpersonen<\/strong> pers\u00f6nlich treffen, nicht nur das Unternehmen als Ganzes. Dabei sind Sanktionen nie das letzte Wort: Beh\u00f6rden m\u00fcssen genau erkl\u00e4ren, warum sie eine Sanktion verh\u00e4ngen \u2013 und wer betroffen ist, darf dagegen vorgehen.<\/p>\n<h2>Regelwerke wie BAIT und MaRisk<\/h2>\n<p>DORA geht \u00fcber nationale Regelwerke hinaus. BaFin-Rundschreiben wie BAIT richten sich gezielt an die IT-Governance von Banken und Versicherungen in Deutschland, w\u00e4hrend MaRisk das Gesamtrisikomanagement von Banken abdeckt. DORA setzt hier breiter an und schafft einen einheitlichen Rahmen auf EU-Ebene. Die Verordnung gilt f\u00fcr zahlreiche Finanzunternehmen in der EU und bezieht erstmals auch externe IKT-Dienstleister wie Cloud-Anbieter direkt in die Aufsicht ein.<\/p>\n<p>DORA erg\u00e4nzt bestehende nationale Regelwerke und \u00fcberlagert sie in ihrem Anwendungsbereich. MaRisk bleibt dort relevant, wo DORA keine vollst\u00e4ndige Abdeckung bietet. Gleichzeitig wird die BAIT schrittweise abgel\u00f6st. Institute, die bereits ein IKT-Risikomanagement nach DORA umsetzen m\u00fcssen, fallen heute schon nicht mehr unter die BAIT. Sp\u00e4testens zum 31. Dezember 2026 wird sie vollst\u00e4ndig aufgehoben.<\/p>\n<h2>Typische Umsetzungsfehler in der Praxis<\/h2>\n<p>Diese Stolpersteine zeigen sich immer wieder beim Umsetzen von DORA:<\/p>\n<p><strong>DORA wird als Insell\u00f6sung behandelt: <\/strong>DORA ist kein reines IT- oder Compliance-Thema. Die Anforderungen greifen in Prozesse, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen der gesamten Organisation ein. Trotzdem bleibt die Umsetzung oft auf einzelne Bereiche beschr\u00e4nkt. Ohne eine \u00fcbergreifende Governance-Struktur entstehen Br\u00fcche \u2013 zwischen Risikomanagement, Informationssicherheit und den Fachbereichen. Das f\u00fchrt zu inkonsistenten Bewertungen und schw\u00e4cht die Gesamtsteuerung. Ein gemeinsames Steuerungsmodell, das alle relevanten Funktionen einbindet, schafft hier die notwendige Klarheit und Verbindlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Parallelwelten in einzelnen Silos: <\/strong>Viele Institute setzen DORA entlang bestehender Organisationsgrenzen um. Das wirkt zun\u00e4chst naheliegend, f\u00fchrt in der Praxis aber zu Parallelstrukturen. Bereiche arbeiten nebeneinander, bewerten Risiken unterschiedlich und \u00fcbersehen kritische IKT-Abh\u00e4ngigkeiten. DORA fordert jedoch einen ganzheitlichen Blick auf die digitale Resilienz. Den gibt es nur, wenn Informationen zusammengef\u00fchrt und gemeinsam bewertet werden.<\/p>\n<p><strong>Keine klaren Verantwortlichkeiten: <\/strong>Wer ist f\u00fcr IKT-Risiken zust\u00e4ndig? Wer meldet Vorf\u00e4lle? Wer steuert die Drittparteien? Bleiben diese Fragen offen, bleibt auch die Umsetzung unverbindlich und Ma\u00dfnahmen versanden. Klare Rollen und Verantwortlichkeiten sind keine Formalit\u00e4t: Sie m\u00fcssen klar geregelt sein.<\/p>\n<h2>Warum fr\u00fchzeitige Qualifizierung entscheidend ist<\/h2>\n<p>DORA setzt als operativer Standard im Finanzsektor klare Anforderungen, die bereits verbindlich gelten. Die Verordnung schafft einen tragf\u00e4higen Rahmen, um digitale Risiken gezielt zu steuern und das Finanzsystem widerstandsf\u00e4higer zu machen. Doch Rahmen allein reichen nicht: DORA funktioniert nur, wenn Compliance, IT, Risikomanagement und F\u00fchrung die Anforderungen kennen, verstehen und gemeinsam umsetzen. Digitale Resilienz zeigt sich im Alltag, in klaren Prozessen, abgestimmten Entscheidungen und einem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis von Risiko. Genau dann, wenn Systeme unter Druck geraten, wird sichtbar, ob das tr\u00e4gt. Bleibt das Unternehmen in solchen Momenten handlungsf\u00e4hig, wird aus Regulierung ein echter Stabilit\u00e4tsfaktor und aus Pflicht ein sp\u00fcrbarer Unterschied.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: 11pt;\"><\/span><\/p>\n<h2>FAQ<\/h2>\n<h3>Wof\u00fcr steht die Abk\u00fcrzung DORA?<\/h3>\n<p>DORA steht f\u00fcr Digital Operational Resilience Act. Sie ist eine EU-Verordnung, die seit dem 17. Januar 2025 verbindlich gilt. Sie verpflichtet Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und ihre IKT-Drittanbieter, digitale Widerstandsf\u00e4higkeit systematisch aufzubauen, zu testen und nachzuweisen. Mit DORA schafft die EU erstmals einen einheitlichen Rahmen f\u00fcr Cybersicherheit und IKT-Risikomanagement im gesamten europ\u00e4ischen Finanzsektor.<\/p>\n<h3>Muss mein Unternehmen den regul\u00e4ren oder den vereinfachten IKT-Risikomanagementrahmen anwenden?<\/h3>\n<p>Das h\u00e4ngt von Gr\u00f6\u00dfe und Leistungsangebot deines Unternehmens ab. Kleinere Institute oder solche mit eingeschr\u00e4nktem Leistungsangebot k\u00f6nnen den vereinfachten Rahmen nach Artikel 16 DORA nutzen \u2013 mit weniger strengen Anforderungen. F\u00fcr alle anderen gilt der regul\u00e4re Rahmen. Welche Anforderungen konkret f\u00fcr dein Unternehmen gelten, hat die BaFin \u00fcbersichtlich auf ihrer Website zusammengestellt.<\/p>\n<h3>Gilt DORA auch f\u00fcr externe IKT-Dienstleister und was bedeutet das f\u00fcr bestehende Vertr\u00e4ge?<\/h3>\n<p>Ja. DORA bezieht IKT-Drittdienstleister wie beispielsweise Cloud-Provider oder SaaS-Anbieter direkt in die Anforderungen ein. Bestehende Vertr\u00e4ge m\u00fcssen auf Vollst\u00e4ndigkeit gepr\u00fcft und bei Bedarf angepasst werden: Sie m\u00fcssen klare Regelungen zu Leistungsumfang, Sicherheit, Auditrechten und Ausstiegsklauseln enthalten. Zudem sind alle Vertragsbeziehungen in einem zentralen Informationsregister zu erfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Wort DORA denken viele zuerst an eine Zeichentrickfigur. Im Finanzkontext steht der Begriff jedoch f\u00fcr eine der wichtigsten neuen EU-Vorgaben im Umgang mit digitalen Risiken. Seit dem 17. Januar 2025 ist der Digital Operational Resilience Act verbindlich und verpflichtet Finanzunternehmen dazu, ihre digitale Widerstandsf\u00e4higkeit systematisch aufzubauen und fortlaufend zu testen. Keine K\u00fcr, sondern EU-weite,<\/p>\n<div class=\"pageReadMore\"><i class=\"fa fa-angle-right\"><\/i><a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/recht-datenschutz\/dora\/\" title=\"Beitrag lesen\">Beitrag lesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":45393,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"no","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1075],"tags":[],"class_list":{"0":"post-45391","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-recht-datenschutz"},"acf":{"p_authors":[5612]},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>DORA: Pflichten &amp; Anforderungen f\u00fcr Finanzunternehmen<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"DORA verpflichtet Finanzunternehmen zu digitaler Resilienz. 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