{"id":47809,"date":"2026-08-18T10:55:59","date_gmt":"2026-08-18T08:55:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/?p=47809"},"modified":"2026-08-18T10:55:59","modified_gmt":"2026-08-18T08:55:59","slug":"vsme-und-voluntary-standard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/nachhaltigkeitsmanagement\/vsme-und-voluntary-standard\/","title":{"rendered":"VSME und Voluntary Standard"},"content":{"rendered":"<p>Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs (VSME) ist der von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelte freiwillige Standard f\u00fcr die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht b\u00f6rsennotierter KMU. Seit dem 3. Juli 2026 liegt zus\u00e4tzlich ein neuer Voluntary Standard der Europ\u00e4ischen Kommission vor, der auf dem VSME aufbaut und den Value Chain Cap f\u00fcr Unternehmen bis 1.000 Besch\u00e4ftigte festlegt. In diesem Beitrag erf\u00e4hrst du, was hinter beiden Standards steckt, welche Module und Anforderungen gelten, welchen Nutzen sie in Lieferkette und Finanzierung stiften und wie du die Umsetzung aufsetzt.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p><strong>VSME: Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Freiwilliger Rahmen mit Struktur:<\/strong> Der VSME strukturiert Nachhaltigkeitsinformationen f\u00fcr kleinere Unternehmen so, dass sie n\u00fctzlich bleiben, ohne in die Vollkomplexit\u00e4t der ESRS zu kippen.<\/li>\n<li><strong>Neue Rechtswirkung seit Juli 2026:<\/strong> Der per Delegated Act verabschiedete Voluntary Standard richtet sich an Unternehmen bis 1.000 Besch\u00e4ftigte und dient als Referenz f\u00fcr den gesetzlichen Value Chain Cap.<\/li>\n<li><strong>Modulare Logik:<\/strong> Das Basic Module bildet die Mindestbasis mit den Angaben B1 bis B11, das Comprehensive Module erg\u00e4nzt gezielt Datenpunkte f\u00fcr Banken, Investor:innen und Unternehmenskund:innen.<\/li>\n<li><strong>Nutzen in Lieferkette und Finanzierung:<\/strong> Der Standard b\u00fcndelt fragmentierte ESG-Anfragen, deckt die Datenbedarfe von Banken und Investor:innen ab und erleichtert damit den Zugang zu Finanzierung.<\/li>\n<li><strong>Aufwand im ersten Jahr einplanen:<\/strong> Die EFRAG-Kosten-Nutzen-Analyse zeigt negative Nettoeffekte im ersten Jahr, weil Datenhaushalt, Prozesse und Zust\u00e4ndigkeiten erst entstehen m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<h2>Vom VSME zum Voluntary Standard: Die Entwicklung seit 2024<\/h2>\n<p>Der VSME ist ein freiwilliger Standard f\u00fcr die Nachhaltigkeitsberichterstattung, den EFRAG im Dezember 2024 ver\u00f6ffentlicht hat. Die Europ\u00e4ische Kommission hat ihn am 30. Juli 2025 per Empfehlung aufgegriffen. Anders als die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) hatte er ausdr\u00fccklich keine eigene Rechtswirkung und war auf nicht b\u00f6rsennotierte Mikrounternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten.<\/p>\n<p>Am 3. Juli 2026 hat die Kommission zus\u00e4tzlich einen neuen Voluntary Standard per Delegated Act verabschiedet. Er basiert auf dem VSME, richtet sich an Unternehmen mit h\u00f6chstens 1.000 Besch\u00e4ftigten und erf\u00fcllt rechtlich eine andere Funktion. Er ist die Referenz f\u00fcr den Value Chain Cap, also die Obergrenze dessen, was CSRD-berichtspflichtige Unternehmen zu Zwecken der Nachhaltigkeitsberichterstattung von kleineren Gesch\u00e4ftspartner:innen anfordern d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Inhaltlich ist die Kontinuit\u00e4t gr\u00f6\u00dfer als die Ver\u00e4nderung. Der neue Standard \u00fcbernimmt die modulare Logik, bleibt an die ESRS angelehnt und f\u00fcgt laut Kommissionsdokumentation weder neue Module noch zus\u00e4tzliche Datenpunkte hinzu. F\u00fcr Unternehmen mit 10 Besch\u00e4ftigten oder weniger sind einzelne wesentliche Angaben als freiwillig markiert, der Value Chain Cap f\u00e4llt hier entsprechend enger aus. Gelten soll der Standard f\u00fcr Gesch\u00e4ftsjahre ab dem 1. Januar 2027.<\/p>\n<p style=\"margin: 0in; font-family: Calibri; font-size: 11.0pt;\">\n<h2>Basic und Comprehensive Module: Der Aufbau beider Standards<\/h2>\n<p>Die Struktur ist bewusst einfach gehalten. Das Basic Module umfasst die Grundangaben B1 bis B11 und deckt Basisinformationen, Umweltmetriken, Sozialmetriken und Governance-Angaben ab. F\u00fcr Mikrounternehmen ist es der Zielansatz, f\u00fcr alle anderen Unternehmen die Mindestbasis.<\/p>\n<p>Das Comprehensive Module setzt darauf auf und erg\u00e4nzt Offenlegungen, die Banken, Investor:innen und Unternehmenskund:innen besonders h\u00e4ufig zus\u00e4tzlich anfragen. Es darf erst auf das Basic Module aufsetzen. Diese Modul-Logik gibt dir die Freiheit, klein zu starten und nur dann zu erweitern, wenn Finanzierer:innen, Konzernkund:innen oder deine eigene Strategie mehr Tiefe verlangen.<\/p>\n<h2>Weniger Frageb\u00f6gen, besserer Finanzierungszugang<\/h2>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte praktische Nutzen liegt in der Standardisierung. EFRAG und Kommission beschreiben den Standard ausdr\u00fccklich als Antwort auf die Vielzahl unkoordinierter und sich \u00fcberschneidender ESG-Frageb\u00f6gen, die Banken, Investor:innen und gro\u00dfe Unternehmen an kleinere Gesch\u00e4ftspartner:innen senden. Der neue Voluntary Standard setzt hier sch\u00e4rfer an: F\u00fcr Anfragen zu Zwecken der Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt eine rechtliche Obergrenze statt nur guter Praxis.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Finanzierung wirkt der Standard als Zugangsformat. Beide Fassungen sollen die Datenbedarfe von Banken und Investor:innen abdecken. Ein Nachhaltigkeitsbericht nach diesem Rahmen reduziert Reibung in Kreditgespr\u00e4chen, bei Investorennachfragen und in Einkaufsprozessen. EFRAGs Bericht zur Marktakzeptanz nennt verbesserten Zugang zu Finanzierung, Kostenoptimierung und strategische Vorteile als beobachtete Nutzen.<\/p>\n<p>Ein dritter Effekt wird oft untersch\u00e4tzt. Die Kommission nennt bessere Steuerung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen, h\u00f6here Resilienz und mehr Wettbewerbsf\u00e4higkeit als ausdr\u00fcckliche Ziele. Viele Unternehmen setzen bereits Ma\u00dfnahmen um, verbinden sie aber nicht mit Daten, Nachhaltigkeitszielen und Verantwortlichkeiten in einem strukturierten Bericht.<\/p>\n<h2>Der Voluntary Standard als Einstieg in k\u00fcnftige Berichtspflichten<\/h2>\n<p>Der Standard fragt dieselben Nachhaltigkeitsthemen ab wie die ESRS, angepasst an die Gr\u00f6\u00dfe kleinerer Unternehmen. Damit eignet er sich als Vorstufe f\u00fcr Unternehmen, die heute noch keine Berichtspflichten treffen, aber mittelfristig regulatorische, bankenseitige oder kundenseitige Anforderungen erwarten. F\u00e4llst du sp\u00e4ter doch unter die CSRD oder strengere Lieferkettenanforderungen, startest du nicht bei null.<\/p>\n<p>Der neue Voluntary Standard verst\u00e4rkt diese Funktion. Da er keine neuen Module und keine zus\u00e4tzlichen Datenpunkte einf\u00fchrt, sinkt das Risiko, heute in ein Format zu investieren, das morgen neu gebaut werden muss.<\/p>\n<h2>Grenzen von VSME, Voluntary Standard und Value Chain Cap<\/h2>\n<p>Weder VSME noch der neue Voluntary Standard sind ein Null-Aufwand-Format. Die EFRAG-Kosten-Nutzen-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Nettoeffekte im ersten Jahr negativ ausfallen, weil Implementierungskosten anfallen. Dieselbe Analyse weist darauf hin, dass der VSME in Teilen breiter ist als viele heute verwendete ESG-Frageb\u00f6gen.<\/p>\n<p>Auch der Schutz durch den Value Chain Cap hat klare Grenzen. Er greift f\u00fcr Anfragen zu Zwecken der Nachhaltigkeitsberichterstattung, ersetzt aber keine Informationspflicht aus Finanzierung oder vertraglicher Due Diligence. Die Kommission weist zudem auf eine Randgruppe hin, die mehr als 1.000 Besch\u00e4ftigte und weniger als 450 Millionen Euro Umsatz haben kann und damit weder im neuen CSRD-Anwendungsbereich noch formal im Cap-Schutz liegt.<\/p>\n<p>Hinzu kommen offene Punkte bei der Umsetzung. EFRAGs Bericht zur Marktakzeptanz nennt begrenzte Schulung, unklare Methoden und unzureichende Tools als zentrale H\u00fcrden. Auch ein zentraler digitaler Datenraum fehlt bislang, der die Wiederverwendung der Angaben verbessern w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>Sechs Schritte zum ersten Bericht nach VSME und Voluntary Standard<\/h2>\n<p>Ein tragf\u00e4higer Einstieg bleibt anfangs schlank und w\u00e4chst sp\u00e4ter. Die folgenden Schritte fassen zusammen, was die offiziellen Texte und die EFRAG-Materialien f\u00fcr die Praxis nahelegen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Mit dem Basic Module starten:<\/strong> Ordne zuerst vorhandene Datenquellen den Grundangaben zu und pr\u00fcfe erst danach, welche zus\u00e4tzlichen Offenlegungen dein Markt wirklich verlangt.<\/li>\n<li><strong>Datenhaushalt vom Gro\u00dfen ins Kleine aufbauen:<\/strong> Lege fest, welche Kennzahlen regelm\u00e4\u00dfig verf\u00fcgbar sind, etwa Energie, Emissionen, Wasser, Abfall, Arbeitsunf\u00e4lle, Trainingsstunden oder Governance-Angaben. Danach definierst du Quellen, Verantwortliche, Berichtsgrenzen und Kontrollpunkte.<\/li>\n<li><strong>An den Jahresabschluss koppeln:<\/strong> Der Standard empfiehlt eine Berichtsperiode konsistent zum Finanzabschluss und verlangt ab dem zweiten Jahr Vergleichsinformationen. Verkn\u00fcpfe ESG-Daten deshalb eng mit Finance, HR, Einkauf und Standortdaten.<\/li>\n<li><strong>Anfragen gegen Anhang II spiegeln:<\/strong> Anhang II listet die vom Value Chain Cap erfassten Angaben, getrennt nach Unternehmen mit bis zu 10 und mit mehr als 10 Besch\u00e4ftigten. Wer die Liste kennt, kann \u00fcberzogene Anfragen fachlich eingrenzen.<\/li>\n<li><strong>Digitale Vorlagen nutzen und einordnen:<\/strong> EFRAG stellt ein Digital Template, eine XBRL-Taxonomie und einen kostenlosen Konverter bereit. Die Excel-L\u00f6sung unterst\u00fctzt allerdings keine Vergleichsinformationen und keine integrierte THG-Berechnung.<\/li>\n<li><strong>Auslassungen (Omissions) und Konsistenz regeln:<\/strong> Der Standard erlaubt in engen Grenzen, sensible Informationen wegzulassen, verlangt dann aber Transparenz \u00fcber die genutzte Ausnahme und eine erneute Pr\u00fcfung zu jedem Berichtsstichtag.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Nutzen entsteht dort, wo du den Standard nicht als Nebenprojekt des Nachhaltigkeitsteams f\u00fchrst, sondern als unternehmensweiten Minimalstandard f\u00fcr belastbare ESG-Daten. Du brauchst daf\u00fcr keine perfekte Nachhaltigkeitsarchitektur, sondern eine klare Modulwahl, einen abgegrenzten Datensatz und einen j\u00e4hrlichen Prozess.<\/p>\n<h2>Weiterbildung zu VSME und Voluntary Standard<\/h2>\n<p>Die Anforderungen aus Bankenrating, Lieferantenaudit und Kundenanfragen wachsen schneller, als viele Teams intern Wissen aufbauen k\u00f6nnen. Wer den Standard sicher beherrscht, beantwortet Anfragen von Banken und Gro\u00dfkund:innen effizient und weist unzul\u00e4ssige Nachfragen fundiert zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Genau dort setzt unser Seminar \u201e<a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/42824\">VSME &amp; Voluntary Standard (VS) f\u00fcr KMU<\/a>\u201c an. Du erarbeitest die Module und die Kennzeichnungslogik der Datenpunkte, kl\u00e4rst die Abgrenzung zu ESRS, CSRD und GRI und steigst in die CO2-Bilanzierung nach Scope 1, 2 und 3 ein. Dazu kommen ein schlankes Datenmanagement, die Wesentlichkeitsanalyse, die DNK-Eingabemaske und praxiserprobte Vorlagen f\u00fcr deinen ersten Bericht.<\/p>\n<p>Wenn du Nachhaltigkeit dar\u00fcber hinaus strukturell im Unternehmen verankern willst, findest du in unserem <a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/hierarchy\/nachhaltigkeitsmanagement\">Kursangebot zum Nachhaltigkeitsmanagement<\/a> weitere Angebote, etwa zur Wesentlichkeitsanalyse, zum ESG-Management und zu Prozessen und Rollen im Mittelstand.<\/p>\n<h2>FAQ zu VSME und Voluntary Standard<\/h2>\n<h3>Was ist der VSME-Standard?<\/h3>\n<p>Der VSME ist ein freiwilliger Standard f\u00fcr die Nachhaltigkeitsberichterstattung, den EFRAG im Dezember 2024 f\u00fcr nicht b\u00f6rsennotierte KMU ver\u00f6ffentlicht hat. Er strukturiert Nachhaltigkeitsinformationen in einem Basic Module und einem Comprehensive Module und lehnt sich inhaltlich an die ESRS an, ohne deren volle Komplexit\u00e4t zu verlangen.<\/p>\n<h3>F\u00fcr wen gilt der neue Voluntary Standard?<\/h3>\n<p>Der am 3. Juli 2026 per Delegated Act verabschiedete Voluntary Standard richtet sich an Unternehmen mit h\u00f6chstens 1.000 Besch\u00e4ftigten. Er soll f\u00fcr Gesch\u00e4ftsjahre ab dem 1. Januar 2027 gelten und tritt nach Ver\u00f6ffentlichung im Amtsblatt in Kraft.<\/p>\n<h3>Was bedeutet der Value Chain Cap?<\/h3>\n<p>Der Value Chain Cap ist die Obergrenze dessen, was CSRD-berichtspflichtige Unternehmen zu Zwecken der Nachhaltigkeitsberichterstattung von kleineren Gesch\u00e4ftspartner:innen anfordern d\u00fcrfen. F\u00fcr Unternehmen mit 10 Besch\u00e4ftigten oder weniger f\u00e4llt er enger aus. Anfragen aus Finanzierung oder vertraglicher Due Diligence deckt er nicht ab.<\/p>\n<h3>Ist die Berichterstattung nach VSME Pflicht?<\/h3>\n<p>Nein. Beide Standards sind freiwillig. In der Praxis entsteht der Druck jedoch \u00fcber Gesch\u00e4ftspartner:innen, Banken und Investor:innen, die ESG-Daten f\u00fcr Risikobewertung, Offenlegungen und Finanzierungsentscheidungen anfordern.<\/p>\n<h3>Welcher Aufwand entsteht bei der Einf\u00fchrung?<\/h3>\n<p>Die EFRAG-Kosten-Nutzen-Analyse rechnet im ersten Jahr mit negativen Nettoeffekten, weil Datenhaushalt, Prozesse und Zust\u00e4ndigkeiten erst aufgebaut werden. Die Einsparungen entstehen sp\u00e4ter durch weniger individuelle Frageb\u00f6gen und wiederverwendbare Angaben.<\/p>\n<p style=\"margin: 0in; font-family: Calibri; font-size: 11.0pt;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs (VSME) ist der von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelte freiwillige Standard f\u00fcr die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht b\u00f6rsennotierter KMU. Seit dem 3. 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