{"id":48178,"date":"2026-08-21T10:30:34","date_gmt":"2026-08-21T08:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/?p=48178"},"modified":"2026-08-21T10:30:09","modified_gmt":"2026-08-21T08:30:09","slug":"prozessmodellierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/projekt-prozessmanagement\/prozessmodellierung\/","title":{"rendered":"Prozessmodellierung: Methoden &#038; Tools f\u00fcr Prozessverantwortliche"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Prozesse in Unternehmen existieren zweimal. Einmal so, wie sie dokumentiert sind. Und einmal so, wie sie wirklich laufen.Der Unterschied entsteht, wenn Abl\u00e4ufe nie konsequent aufgenommen wurden, Ausnahmen zur Regel wurden und wenn das Wissen dar\u00fcber, wie etwas funktioniert, an einzelnen Personen h\u00e4ngt. Dieser Beitrag richtet sich an Prozessverantwortliche, die wissen wollen, welche Methoden und Tools sich in der Praxis bew\u00e4hrt haben und worauf es bei der Umsetzung ankommt.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p><strong>Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Prozessmodellierung macht Abl\u00e4ufe sichtbar, unabh\u00e4ngig davon, wer gerade da ist<\/li>\n<li>Sie lohnt sich vor allem vor Automatisierungsvorhaben, bei Compliance-Anforderungen und Wissensrisiken durch Personalwechsel<\/li>\n<li>BPMN 2.0 ist der internationale Standard; Swimlanes eignen sich f\u00fcr Fachabteilungen ohne Modellierungserfahrung<\/li>\n<li>Die drei h\u00e4ufigsten Fehler: \u00dcbermodellierung, fehlende Fachbeteiligung, verwaiste Modelle ohne Pflegeverantwortung<\/li>\n<li>\u00a0In f\u00fcnf Schritten zum Modell: Ziele kl\u00e4ren \u2192 Ist-Zustand aufnehmen \u2192 Soll modellieren \u2192 validieren \u2192 \u00fcbergeben<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<h2>Was Prozessmodellierung bedeutet und was sie leisten soll<\/h2>\n<p>Prozessmodellierung ist die grafische Darstellung von Abl\u00e4ufen in einem Unternehmen. Wer einen Prozess modelliert, macht sichtbar, <strong>wer was wann tut, welche Entscheidungen getroffen werden und wo \u00dcbergaben zwischen Rollen oder Systemen stattfinden<\/strong>.<\/p>\n<p>Das klingt einfacher, als es ist. In der Praxis arbeiten viele Unternehmen mit ungeschriebenen Regeln: Der Einkaufsprozess l\u00e4uft seit Jahren so, wie ihn irgendwann jemand etabliert hat. Was genau passiert, wenn eine Bestellung einen bestimmten Schwellenwert \u00fcbersteigt oder wenn der:die zust\u00e4ndige Teamleiter:in im Urlaub ist, wei\u00df nur die Person, die es immer gemacht hat.<\/p>\n<p>Prozessmodellierung l\u00f6st dieses Problem. Sie schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Fachbereichen und IT, zwischen Prozessdesignern und F\u00fchrungskr\u00e4ften. Ein gut modellierter Prozess zeigt auf einen Blick, wie ein Ablauf tats\u00e4chlich funktioniert, wo er Schwachstellen hat und was sich \u00e4ndern m\u00fcsste.<\/p>\n<blockquote class=\"\"><p><strong>Ein Beispiel:<br \/>\n<\/strong>Ein Unternehmen will seinen Onboarding-Prozess f\u00fcr neue Mitarbeitende optimieren. Im Workshop stellt sich heraus, dass IT-Zug\u00e4nge im Schnitt drei Tage zu sp\u00e4t bereitgestellt werden, weil die Anfrage an die IT-Abteilung erst nach dem ersten Arbeitstag eingeht. Im Prozessmodell wird dieser \u201eFehler\u201c sofort sichtbar und kann behoben werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei ist Prozessmodellierung kein Selbstzweck. Ein Diagramm, das niemand liest und das nach sechs Monaten veraltet ist, bringt nichts. Der eigentliche Nutzen entsteht dann, wenn Modelle regelm\u00e4\u00dfig gepflegt werden, als Grundlage f\u00fcr Entscheidungen dienen und die Basis f\u00fcr Automatisierung bilden.<\/p>\n<h2>Wann sich Prozessmodellierung wirklich lohnt<\/h2>\n<p>Nicht jeder Ablauf muss modelliert werden. Wer anf\u00e4ngt, jeden Handgriff im Unternehmen zu dokumentieren, verliert schnell den \u00dcberblick und die Akzeptanz im Team. Es gibt aber Situationen, in denen Prozessmodellierung einen klaren Unterschied ausmacht:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bei wiederkehrenden Fehlern und Ineffizienzen.<\/strong> Wenn dasselbe Problem immer wieder auftaucht, liegt das meist nicht am Personal, sondern am Prozess. Ein Modell hilft, genau zu sehen, wo der Fehler entsteht.<\/li>\n<li><strong>Vor Digitalisierungs- oder Automatisierungsvorhaben.<\/strong> Wer einen schlechten Prozess als Grundlage f\u00fcr eine Automatisierung nutzt, automatisiert einen schlechten Prozess und hat keinen Effizienzgewinn. Modellierung zwingt dazu, den Ablauf erst zu verstehen, bevor man ihn in ein System \u00fcberf\u00fchrt und digitaler macht.<\/li>\n<li><strong>Bei Wissensrisiken durch Personalwechsel.<\/strong> Wenn das Wissen \u00fcber einen kritischen Prozess nur in den K\u00f6pfen von zwei Personen steckt, stellt das ein Risiko dar. Ein dokumentiertes Modell macht dieses Wissen \u00fcbertragbar, indem auch andere Personen auf den Prozess zugreifen und ihn verstehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Bei regulatorischen Anforderungen.<\/strong> ISO-Zertifizierungen, Compliance-Vorgaben oder interne Audits verlangen oft nachvollziehbare Prozessdokumentation. Hier ist ein strukturiertes Modell kein Nice-to-have, sondern gesetzliche Pflicht.<\/li>\n<li><strong>Bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitenden.<\/strong> Statt stundenlanger m\u00fcndlicher \u00dcbergaben gibt ein Prozessmodell neuen Kolleginnen und Kollegen schnell ein klares Bild davon, wie ihre Arbeit in den Gesamtablauf passt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Die wichtigsten Methoden im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Es gibt verschiedene Methoden zur Prozessmodellierung. Welche die richtige ist, h\u00e4ngt davon ab, f\u00fcr wen das Modell gedacht ist und was damit gemacht werden soll.<\/p>\n<p><strong>BPMN 2.0<\/strong> ist heute der international am weitesten verbreitete Standard f\u00fcr die Modellierung von Gesch\u00e4ftsprozessen. Die Notation wurde von der Object Management Group (OMG) entwickelt und bietet eine standardisierte M\u00f6glichkeit, klare und verst\u00e4ndliche Prozessdiagramme zu erstellen. Der entscheidende Vorteil: BPMN positioniert sich genau zwischen Fachlichkeit und Technik. Es ist verst\u00e4ndlich genug f\u00fcr den Fachbereich und gleichzeitig pr\u00e4zise genug f\u00fcr die IT. Wer Prozesse perspektivisch automatisieren m\u00f6chte, kommt an BPMN kaum vorbei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-48187 size-full\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/BPMN-Poster.png\" alt=\"BPMN 2.0 \u00dcbersicht zur Business Process Model and Notation mit Symbolen, Ereignissen, Gateways, Prozess- und Kollaborationsdiagrammen.\" width=\"468\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/BPMN-Poster.png 468w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/BPMN-Poster-150x106@2x.png 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/BPMN-Poster-150x106.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><\/p>\n<p><em>Ein BPMN-Poster ist ein visuelles Hilfsmittel, das die wichtigsten Konzepte und Symbole von BPMN veranschaulicht. Quelle: BPMN<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0in; font-family: Calibri; font-size: 11.0pt;\">\n<p><strong>EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette)<\/strong> ist vor allem im SAP-Umfeld verbreitet und ist in vielen Unternehmen noch heute im Einsatz. Das Modell bildet Prozesse als Abfolge von Ereignissen und Funktionen ab: Ein Ereignis l\u00f6st eine Funktion aus, die Funktion erzeugt das n\u00e4chste Ereignis. Logische Verkn\u00fcpfungen wie UND und ODER erm\u00f6glichen es, Entscheidungen und parallele Abl\u00e4ufe darzustellen, intuitiv genug f\u00fcr Fachabteilungen ohne Modellierungserfahrung. Sobald Prozesse komplexer werden oder eine Automatisierung folgen soll, st\u00f6\u00dft EPK jedoch an ihre Grenzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-48229 size-full\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600.jpg\" alt=\"Flussdiagramm zum Auftragsprozess mit den Schritten Auftrag annehmen, Auftrag pr\u00fcfen und Auftrag disponieren sowie den jeweiligen Statusmeldungen.\" width=\"600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600-300x300@2x.jpg 600w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600-150x150@2x.jpg 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600-153x153.jpg 153w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Prozesskette_Grafik3-600-600-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Die EPK bildet Prozesse als Abfolge von Ereignissen und Funktionen ab.<\/em><\/p>\n<p><strong>Swimlanes (Flussdiagramme)<\/strong> sind der einfachste Einstieg. Sie zeigen, wer in einem Prozess welchen Schritt \u00fcbernimmt, ohne tiefe Notationskenntnisse vorauszusetzen. Ein Swimlane-Diagramm bildet dabei vertikal einen \u201ePool\u201c mit mehreren \u201eSchwimmbahnen\u201c ab, die f\u00fcr bestimmte Teilprozesse oder Personen stehen. Die jeweiligen Aufgaben oder Prozessschritte werden als Kacheln in den einzelnen Bahnen abgebildet. Diese Methode eignet sich besonders f\u00fcr die Kommunikation mit Fachabteilungen, die wenig Erfahrung mit formalen Methoden haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-48205 size-full\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600.jpg\" alt=\"Flussdiagramm f\u00fcr einen Genehmigungsprozess von Kundenbestellung \u00fcber Vertrieb, Vertragspr\u00fcfung und Rechtsabteilung bis zur Auslieferung oder Stornierung.\" width=\"600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600-300x300@2x.jpg 600w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600-150x150@2x.jpg 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600-153x153.jpg 153w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Swimlane-Diagramm_Grafik4-600-600-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Kund:in bestellt, vier Abteilungen entscheiden: Dieses Swimlane-Diagramm zeigt, wie aus einer Purchase Order eine versendete Lieferung wird &#8211; oder eben nicht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Value Stream Mapping (VSM)<\/strong> kommt aus dem Lean-Umfeld und hilft, den gesamten Wertstrom eines Produkts oder einer Dienstleistung zu visualisieren. VSM bildet dabei alle Material- und Informationsfl\u00fcsse vom Auftragseingang bis zur Lieferung ab, mit dem <strong>Ziel, Verschwendung zu identifizieren und zu eliminieren<\/strong>. Die Methode ist besonders n\u00fctzlich, wenn es darum geht, End-to-End-Optimierungspotenziale zu finden, bevor einzelne Prozessschritte modelliert werden.<\/p>\n<p><strong>SIPOC<\/strong> <strong>(Supplier, Input, Process, Output, Customer) <\/strong>eignet sich als Methode als erste Orientierung vor der eigentlichen Modellierung. In einem einfachen Raster zeigt SIPOC, wer an einem Prozess beteiligt ist und was er liefert oder empf\u00e4ngt. Die Methode eignet sich beispielsweise f\u00fcr die Kick-off-Phase eines Projekts.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-48196 size-full\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Sipoc_Grafik2.png\" alt=\"Flussdiagramm eines Genehmigungsprozesses f\u00fcr Kundenauftr\u00e4ge mit den Bereichen Customer, Sales, Contracts, Legal und Fulfillment bis zur Auslieferung oder Ablehnung des Auftrags\" width=\"800\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Sipoc_Grafik2.png 800w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Sipoc_Grafik2-150x103@2x.png 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Sipoc_Grafik2-150x103.png 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Sipoc_Grafik2-300x206@2x.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p><em>Ein SIPOC macht in f\u00fcnf Spalten sichtbar, was einen Prozess wirklich antreibt, hier am Beispiel Teezubereitung.<\/em><\/p>\n<h2>H\u00e4ufige Fehler und wie man sie vermeidet<\/h2>\n<p>Viele Prozessmodellierungsprojekte scheitern nicht an der Methode, sondern an der Umsetzung. Der h\u00e4ufigste Fehler ist dabei die <strong>\u00dcbermodellierung<\/strong>. Wer jeden Sonderfall, jede Ausnahme und jede Variante im Modell abbilden will, produziert Diagramme, die niemand liest. Sinnvoller ist es, zuerst den Standardfall vollst\u00e4ndig zu modellieren und Ausnahmen separat zu dokumentieren.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich folgenreich ist eine <strong>fehlende Beteiligung der Fachseite<\/strong>. Modelle, die Prozessberater:innen allein am Schreibtisch erstellen, spiegeln oft nicht die Realit\u00e4t wider. Wer einen Prozess aufnehmen will, muss mit den Menschen sprechen, die ihn t\u00e4glich leben. Ein zweist\u00fcndiger Workshop mit dem Kernteam bringt oft mehr als eine Woche Dokumentenanalyse.<\/p>\n<p>Ein dritter Klassiker sind <strong>verwaiste Modelle ohne Pflegeverantwortung<\/strong>. Ein Prozessmodell, das nach der Erstellung niemand mehr anfasst, verliert schnell seinen Wert. Jedes Modell braucht eine klare Verantwortlichkeit: Wer aktualisiert es, wenn sich der Prozess \u00e4ndert?<\/p>\n<p>Dazu kommt das Problem <strong>unklarer Modellierungsziele<\/strong>. Wer anf\u00e4ngt zu modellieren, ohne vorher zu kl\u00e4ren, wof\u00fcr das Modell genutzt werden soll, arbeitet ins Leere. Ein Modell f\u00fcr die Fachbereichskommunikation sieht anders aus als eines f\u00fcr die RPA-Implementierung. <strong>Das Ziel bestimmt den Detaillierungsgrad.<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich untersch\u00e4tzen viele die <strong>Bedeutung sauberer Versionierung<\/strong>. Prozesse ver\u00e4ndern sich. Ohne ein einfaches Namensschema mit Datum und Versionsnummer verliert man schnell den \u00dcberblick dar\u00fcber, welches Modell aktuell ist.<\/p>\n<h2>Prozessmodellierung in der Praxis: Schritt f\u00fcr Schritt<\/h2>\n<p>Wie l\u00e4uft ein Prozessmodellierungsprojekt in der Realit\u00e4t ab?<\/p>\n<p><strong>Schritt 1: Ziele und Scope kl\u00e4ren.<\/strong> Bevor irgendein Diagramm entsteht, sollte die Frage nach dem Warum gestellt werden: Warum modellieren wir diesen Prozess, und was soll am Ende damit passieren? Die Antwort bestimmt, wie tief modelliert wird und welche Methode passt.<\/p>\n<p><strong>Schritt 2: Ist-Prozess aufnehmen.<\/strong> Die g\u00e4ngigsten Methoden sind Interviews mit Prozessbeteiligten, Beobachtungen am Arbeitsplatz und moderierte Workshops. F\u00fcr datengetriebene Unternehmen erg\u00e4nzt Process Mining diesen Schritt: Aus Log-Daten bestehender Systeme l\u00e4sst sich ableiten, wie ein Prozess tats\u00e4chlich abl\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Schritt 3: Soll-Prozess modellieren.<\/strong> Aus den Erkenntnissen des Ist-Prozesses entsteht ein erster Entwurf des Soll-Prozesses. Hier arbeitet man iterativ: erste Version, Feedback einholen, \u00fcberarbeiten. Wer versucht, sofort das perfekte Modell zu erstellen, blockiert sich selbst.<\/p>\n<p><strong>Schritt 4: Validierung mit Stakeholdern.<\/strong> Das Soll-Modell wird mit den Prozessbeteiligten durchgegangen. Nicht als Pr\u00e4sentation, sondern als Arbeitssitzung: Stimmt das so? Was haben wir vergessen? Was ist in der Praxis nicht umsetzbar? Diese Phase sichert Qualit\u00e4t und schafft gleichzeitig auch Akzeptanz, weil sich alle Beteiligten abgeholt und mitgenommen f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Schritt 5: \u00dcbergabe und Betrieb.<\/strong> Das fertige Modell wird dokumentiert, versioniert und an die zust\u00e4ndigen Prozessverantwortlichen \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-48199 alignnone\" src=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1.png\" alt=\"F\u00fcnfstufiger Ablauf zur Prozessmodellierung: Ziele und Scope kl\u00e4ren, Ist-Prozess aufnehmen, Soll-Prozess modellieren, mit Stakeholdern validieren sowie \u00dcbergabe und Betrieb.\" width=\"600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1.png 800w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1-150x150@2x.png 300w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1-150x150.png 150w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1-153x153.png 153w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1-100x100.png 100w, https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/5-Schritte_Grafik1-300x300@2x.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Verantwortlichkeiten f\u00fcr Pflege und Weiterentwicklung sind schriftlich festgehalten. Nur dann wird das Modell langfristig genutzt.<\/p>\n<p>Wer diese f\u00fcnf Schritte konsequent durchl\u00e4uft, merkt schnell: Prozessmodellierung ist\u00a0 ein kontinuierlicher Prozess, der Strukturen schafft, auf die das gesamte Unternehmen aufbauen kann.<\/p>\n<h2>FAQ<\/h2>\n<h3>Was ist der Unterschied zwischen Prozessmodellierung und Prozessdokumentation?<\/h3>\n<p>Prozessdokumentation beschreibt einen Ablauf in Textform oder als einfache Liste. Prozessmodellierung erstellt ein grafisches Modell nach einer definierten Notation wie BPMN. Das Modell ist pr\u00e4ziser, leichter zu validieren und kann direkt als Grundlage f\u00fcr Automatisierung dienen.<\/p>\n<h3>Welche Notation eignet sich f\u00fcr Einsteiger:innen?<\/h3>\n<p>Swimlane-Diagramme oder einfache Flussdiagramme sind der niedrigschwelligste Einstieg. F\u00fcr alle, die Prozesse perspektivisch automatisieren wollen, lohnt es sich, fr\u00fch in BPMN 2.0 einzusteigen.<\/p>\n<h3>Wie detailliert sollte ein Prozessmodell sein?<\/h3>\n<p>Das h\u00e4ngt vom Zweck ab. F\u00fcr die Kommunikation mit dem Management reicht ein grober \u00dcberblick. F\u00fcr die \u00dcbergabe an die IT oder f\u00fcr RPA-Implementierungen braucht man deutlich mehr Detailtiefe. Als Faustregel gilt: so detailliert wie n\u00f6tig, so \u00fcbersichtlich wie m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Was passiert, wenn sich ein Prozess nach der Modellierung \u00e4ndert?<\/h3>\n<p>Das Modell muss aktualisiert werden. Daf\u00fcr braucht es eine klare Verantwortlichkeit und einen definierten Pflegeprozess. Ohne diesen wird jedes Modell fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zur Fehlinformation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Prozesse in Unternehmen existieren zweimal. Einmal so, wie sie dokumentiert sind. Und einmal so, wie sie wirklich laufen.Der Unterschied entsteht, wenn Abl\u00e4ufe nie konsequent aufgenommen wurden, Ausnahmen zur Regel wurden und wenn das Wissen dar\u00fcber, wie etwas funktioniert, an einzelnen Personen h\u00e4ngt. Dieser Beitrag richtet sich an Prozessverantwortliche, die wissen wollen, welche Methoden<\/p>\n<div class=\"pageReadMore\"><i class=\"fa fa-angle-right\"><\/i><a href=\"https:\/\/www.haufe-akademie.de\/blog\/themen\/projekt-prozessmanagement\/prozessmodellierung\/\" title=\"Beitrag lesen\">Beitrag lesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":48210,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"no","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1379],"tags":[7300,7302,7278,7301,254,7304,2314,7303],"class_list":{"0":"post-48178","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-projekt-prozessmanagement","8":"tag-bpmn-2-0","9":"tag-flussdiagramm","10":"tag-prozess","11":"tag-prozesskette","12":"tag-prozessmanagement","13":"tag-prozessmodell","14":"tag-prozessmodellierung","15":"tag-sipoc"},"acf":{"p_authors":[41453]},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Prozessmodellierung: Methoden &amp; 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