Wie selbstgesteuertes Lernen gelingt

Veröffentlicht am
27.9.2020
von
Katrin Evers

Wie Sie Ihren Mitarbeitern das Lernen im Arbeitsalltag erleichtern

Heute die Strategie weiterentwickeln, morgen neue Tools und Methoden (auch für Homeoffice & Co.) lernen, übermorgen die interkulturellen Fähigkeiten trainieren. Nicht erst seit Corona stellt uns das Arbeitsleben vor wichtige Herausforderungen, die nicht allein mit formalen Lernangeboten wie Präsenzveranstaltungen zu festen Terminen zu bewältigen sind. Oftmals braucht es dafür auch nicht viel, da nur Kleinigkeiten gelernt oder aufgefrischt werden müssen. Hier sind beispielsweise kurze Lerneinheiten am Arbeitsplatz (Microlearning) ideal. Vor allem, da Lernen und Arbeit immer mehr zusammenwachsen: Lebenslanges Lernen ist heutzutage unerlässlich. Ein Faktor, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Halbwertszeit von Wissen. In nahezu allen Bereichen verfällt Wissen immer rascher, umso wichtiger ist es, sich schnell auf den neusten Stand zu bringen. Selbstgesteuertes Lernen kann dabei ein gute Unterstützung sein. Ohne Termindruck und mit den eigenen favorisierten Methoden wird benötigtes Wissen dann erlernt, wenn es gebraucht wird.

Definition: Was ist selbstgesteuertes Lernen?

Selbstgesteuertes Lernen, oft auch selbstbestimmtes Lernen genannt, wird als eine Lernform verstanden, bei der die Lernenden ihren Lernprozess selbst gestalten und lenken. Dies geschieht unter Einsatz verschiedener Lernformate wie bspw. E-Learning, Lerngruppen, Projekte oder Learning-on-Demand-Angebote. Die Lernenden nutzen dabei vorhandenen didaktische Entscheidungs-, Gestaltungs- und Handlungsspielräume. Lernziele, Lerninhalte und Lernstrategien werden selbst festgelegt, Ort und die Zeit selbst bestimmt, Lernquellen und/oder Lernpartner gewählt sowie Lernressourcen selbst organisiert und der Lernprozess bzw. -erfolg reflektiert. Methoden und Werkzeuge legen die Lernenden selbst fest. Die Verantwortung beim selbstgesteuerten Lernen liegt somit beim Lerner. Je mehr all diese Möglichkeiten effektiv genutzt werden, desto selbstgesteuerter ist der Lernprozess.

Voraussetzungen schaffen für selbstorganisiertes Lernen

Damit selbstverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen funktioniert, muss man die passenden Voraussetzungen schaffen. Selbstgesteuertes Lernen setzt Verschiedenes voraus: Der Lernende braucht Motivation, kognitive Leistungsfähigkeit und die Überzeugung, Probleme lösen zu können. Persönlichkeitsmerkmale wie die Fähigkeit zum zukunftsorientierten Handeln, zur Selbstreflexion und Neugier oder Zielorientierung wirken sich ebenfalls positiv auf die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen aus.

Nachteilig dagegen sind eine hohe Belastung und zu viel Druck im Arbeitsalltag. Viele Lerner brauchen daher Unterstützung, um die folgenden Kompetenzen als Voraussetzung für selbstgesteuertes Lernen zu entwickeln:

  • Selbst die Initiative zum Lernen ergreifen zu können,
  • die eigenen Lernbedürfnisse zu erkennen, um eigene Lernziele zu formulieren,
  • sich Ressourcen zum Lernen zu organisieren,
  • eine zum persönlichen Profil passende Lernstrategie zu wählen und
  • ihren Lernprozess selbst zu evaluieren bzw. zu reflektieren.

Hinzu kommt, dass jeder Mensch auf unterschiedliche Art und Weise lernt. Manche brauchen den Austausch in Gruppen, wiederum andere lernen mit Texten und Schaubildern am besten. Darum unterscheidet man zwischen vier Lerntypen:

Der auditive Lerntyp nimmt Lerninhalte am besten durch Hören auf. Es fällt ihm leicht, Informationen z. B. aus dem Frontalunterricht abzuspeichern und wieder abzurufen.

Der visuelle Lerntyp lernt am besten über Textarbeit, aber auch Grafiken und Schaubilder helfen ihm, Informationen zu speichern.

Der kommunikative Lerntyp kann Wissen am besten aufnehmen, indem er sich mit anderen austauscht, Diskussionen führt und Fragen stellt.

Der motorische Lerntyp lernt über Handlungsabläufe, die er selbst durchführt. Learning by Doing hilft ihm, Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu finden.

Mittels selbstgesteuerten Lernens kann der Mitarbeiter selbst entscheiden, welches Format für ihn am effektivsten ist und sein Lernen danach ausrichten.

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Selbstgesteuertes Lernen im Unternehmen fördern

Wie kann das gelingen? Idealerweise stimmen zunächst die kulturellen Rahmenbedingungen im Unternehmen. Dazu gehören Wertschätzung und Vertrauen, ein Umfeld, das regelmäßiges Feedback unterstützt und Fragen, aber auch Fehler zulässt. Das ist umso wichtiger, um bei der Forderung nach eigenverantwortlichem Lernen glaubwürdig zu sein. Wer Mitarbeiter motivieren will, selbst für ihre Karriere und Entwicklung Verantwortung zu übernehmen, sollte ihnen die Möglichkeit dazu geben.

Die folgenden Instrumente und Maßnahmen helfen den Mitarbeitern nicht nur beim Lernen selbst, sondern auch dabei, Kompetenzen für selbstgesteuertes Lernen aufzubauen. Sie lassen sich entsprechend der Funktion und Tätigkeit, dem Arbeitsumfeld, Alter oder persönlichen Vorlieben der Mitarbeiter einsetzen und führen die Mitarbeiter langsam an die neue Form des Lernens heran:

  • Fordern und fördern: Ist die Tätigkeit als lehrreiche Aufgabe gestaltet, das heißt komplex, divers, mit viel Abwechslung, hoher Eigenverantwortung Konfrontation mit Verschiedenheit, und entsteht das Gefühl, einen Beitrag zu leisten, entspricht das dem Prinzip des Forderns. Nur wenn die Aufgabe bzw. der Arbeitsplatz fordernd gestaltet ist, wird Entwicklung ermöglicht.
  • Ein der Funktion und Tätigkeit entsprechendes Kompetenzprofil macht dem Mitarbeiter deutlich, an welchen Stellen es Entwicklungsbedarf gibt, zeigt ihm zugleich aber auch, wo seine Stärken liegen. Es hilft damit, die eigenen Lernbedürfnisse zu erkennen.
  • Ein persönlicher Entwicklungsplan vermittelt Ziele und zugleich eine Vorstellung davon, wie diese zu erreichen sind.
  • Die Laufbahnbegleitung: Hierbei geht es für den Mitarbeiter darum, im Dialog Fragen zu beantworten wie „Was will ich?”, „Was erwarten andere?”, „Was kann ich?”. Die Laufbahnbegleitung hilft auf diese Weise, eine zum persönlichen Profil passende Lernstrategie zu entwickeln.
  • Ein Lerntagebuch führen: Der Mitarbeiter sieht seine Lernfortschritte und reflektiert seine Erfahrungen. Das fördert den Lerntransfer.
  • Kontextorientierte Unterstützung im Arbeitsprozess: Wenn Mitarbeiter im Prozess der Arbeit lernen sollen, müssen die notwendigen Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. Das können zum Beispiel Microlearnings sein, elektronische Performance Support Programme, frei zugängliche und durchsuchbare E-Learning-Bibliotheken und Communities of Practice, in denen man gemeinsam Probleme löst.
  • Learning Experience Plattformen: Mit Lernplattformen lassen sich alle Lerninhalte in verschiedenen Formaten zentral abbilden. Ein eigenes Profil macht individualisiertes Lernen möglich, das beispielsweise auf Fähigkeiten, Kompetenzen und Interessen basiert. Das erleichtert selbstgesteuertes Lernen maßgeblich.
  • Coaching: Ein Coach ist als neutraler Begleiter/ Lernbegleiter geeignet, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren, sich Stärken und Schwächen bewusst zu machen und daraus einen Entwicklungs- oder Lernbedarf abzuleiten.

Ziel aller Maßnahmen und Instrumente sollte es sein, dass Mitarbeiter nach und nach mehr Eigenverantwortung für ihr Lernen übernehmen können und weniger Unterstützung brauchen. Idealerweise können sie ihren Lernprozess sukzessive selbst organisieren, strukturieren, überwachen und kontrollieren.

Führungskräfte in der Verantwortung

Wenn es um selbstgesteuertes Lernen geht, sind auch die Führungskräfte gefragt: Sie können Räume schaffen und Lernprozesse anstoßen bzw. anleiten. Ebenso können sie Mitarbeiter darin unterstützen, ihren Lernprozess zu optimieren, indem sie diesen gemeinsam mit ihm reflektieren. So werden Mitarbeiter an das selbstgesteuerte Lernen herangeführt und erfahren adäquate Unterstützung.

Selbstgesteuertes Lernen erfolgreich gestalten – so geht’s:

  • Etablieren Sie eine „neue“ Lernkultur. Damit die Einführung gelingt, sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter aktiv begleitet und an das selbstgesteuerte Lernen herangeführt werden (Stichwort: Führungskräfte als Lernbegleiter/Lerncoach). Selbstbestimmtes Lernen funktioniert nicht von allein, sondern muss gelernt und im besten Fall vorgelebt werden, nur dann wird es erfolgreich.
  • Planen und gestalten Sie Lernumgebungen für selbstgesteuertes Lernen. Das können reale Räume sein, die dem Austausch oder dem Lernen dienen oder virtuelle Räume, in denen sich die Mitarbeiter standortübergreifend austauschen können. Ermöglichen Sie allen Mitarbeitern einen freien Zugang zu digitalen Lernwelten, in denen sie selbst entscheiden, was sie lernen möchten.
  • Bieten Sie einen Zugang zu Lerninhalten an, die einen Bezug zum Arbeitsalltag der Mitarbeiter haben. Nutzen Sie dazu die Vorteile digitaler Lernangebote wie E-Learning-Bibliotheken oder etablieren Sie neue Technologien wie Learning Experience Plattformen, die toolgestützt individualisiertes Lernen ermöglichen.
  • Ermöglichen Sie einen intensiven sozialen Austausch. Dabei hilft die moderne Kommunikationstechnologie. Interne soziale Netzwerke und Communities machen es leicht, Expertenwissen abzufragen, Lernpartnerschaften zu pflegen oder das eigene Wissen zu evaluieren.
  • Führen Sie eine Feedbackkultur ein, die Fehler zulässt und es Mitarbeitern ermöglicht, die eigenen Handlungen und ihren Entwicklungsstand kritisch, aber konstruktiv zu hinterfragen.

Katrin Evers
Katrin Evers

Katrin Evers ist Diplom-Betriebswirtin und Contentmanagerin für den Bereich Unternehmenslösungen bei der Haufe Akademie.

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Oliver Plick

Consultant
Digital Learning Solutions

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