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Praxis-Know-how für Start-ups

Betriebliche Kompetenzlücken –
Warum Existenzgründer häufig scheitern

Im Mittelpunkt steht zunächst „die richtige Geschäftsidee“, um mit einem Start-up erfolgreich zu sein… Aber mehr als die Hälfte aller Unternehmensgründer werden innerhalb der ersten 5 Jahre nach der Gründung gezwungen, Ihr Vorhaben aufzugeben1. Zu groß sind oftmals die finanziellen, wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen, die eine Unternehmensgründung mit sich bringt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Gründer nicht selten erhebliche Schwächen bei den erforderlichen kaufmännischen Kenntnissen aufweisen, um ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich führen zu können. Mag eine Geschäftsidee auch noch so gut sein – fehlen grundlegende Kenntnisse über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, besteht immer die Gefahr, dass geschäftliche Risiken nicht rechtzeitig erkannt oder nicht richtig eingeschätzt werden.

Der typische Unternehmensgründer: 27,3 Jahre, männlich, Hochschulabschluss

Doch zunächst ein kurzer Blick auf den „Homo Start-up“. Das Durchschnittsalter bei erstmaliger Unternehmensgründung liegt in Deutschland bei gut 27 Jahren. Mehr als 80% der Unternehmensgründer sind männlich – und mehr als 50% starten als „One-Man-Show“2. Gründer sind Akademiker: 81% verfügen über einen Hochschulabschluss3 und gründen offenbar ihren Start-up zeitnah an die Beendigung ihres Studiums, d.h. ohne relevante Berufserfahrung!

Mit diesen Erkenntnissen im Hinterkopf wagen wir einen Blick auf die in der Praxis zu beobachtenden Ursachen für das Scheitern vieler Neugründungen:

Fehler in der Finanzplanung

Große Probleme bereitet Gründern oftmals die so wichtige Finanzplanung. So ist immer wieder zu beobachten, dass die Höhe des Kapitalbedarfs bei der Umsetzung der Geschäftsidee falsch eingeschätzt wird – mit der Folge von Liquiditätsengpässen, die nicht selten direkt in die Insolvenz führen. Dazu kommt ein unzureichendes oder gänzlich fehlendes Forderungsmanagement. Einer der Gründe für diese Unzulänglichkeiten ist darin zu sehen, dass gemäß KfW-Gründungsmonitor nur gut 40% der noch tätigen Gründer und nicht einmal 30% der bereits gescheiterten Gründer über ein gutes Finanzwissen verfügen4.

Strategische Fehlentscheidungen

Der Erfolg bei einer Neugründung hängt stark von den strategischen Entscheidungen des Gründers ab. So verfolgen neu gegründete Unternehmen häufig keine konsistente Strategie. Nach einer Studie des DIHK machen 44% der Gründer den Fehler, sich zu stark an ihre Kunden zu binden, während 36% mit einem zu kurzen Planungshorizont arbeiten und 34% zu stark auf ihre Zielgruppen fokussieren5. 45% der Gründer sind nicht in der Lage, ihre Kundenzielgruppe genau einzugrenzen, was das Marketing dann vor erhebliche Probleme stellt. Weitere häufig zu beobachtende Mängel in der Strategiearbeit sind Fehlinvestitionen, ein riskantes Wachstum und nicht kostendeckende Preise6.

Unzureichende Branchenkenntnis

Neben Unzulänglichkeiten bei der Strategieableitung kann eine mangelnde Kenntnis der Branche dauerhaft den Unternehmenserfolg gefährden. So führt eine Unkenntnis der Gesetzmäßigkeiten einer Branche häufig zu eklatanten Fehleinschätzungen. Nicht wenige Gründer neigen dazu, die Nachfrage nach ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung zu überschätzen, gleichzeitig aber die Konkurrenz zu unterschätzen. Gemäß DIHK-Gründerreport scheitern 20% der Unternehmensgründer an einer unzureichenden Branchenkenntnis7.

Mängel im Rechnungswesen und Controlling

Ein weiterer Grund für das Scheitern von Existenzgründern sind Schwächen im Rechnungswesen und im Controlling. Dies betrifft insbesondere eine unzureichende Planung, Kontrolle und Steuerung der Geschäftsprozesse. Eine lückenhafte Kostenrechnung führt oftmals dazu, dass Fixkosten wie Mieten, Leasingraten und andere langfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht gründlich durchkalkuliert werden, so dass die Kosten häufig schneller steigen als die Umsätze – mit fatalen Folgen für das Betriebsergebnis.

Unrealistische Markteinschätzung

Zudem unterliegen viele Gründer dem Irrglauben, dass bereits eine gute Idee ausreicht, um das Geschäft ins Rollen zu bringen. So gehören Defizite im Marketing zu den zweithäufigsten Ursachen des Scheiterns in den ersten Jahren nach der Gründung. Insbesondere Gründer von kleinen Unternehmen tun sich schwer mit einer gezielten Ansprache für einen größeren Kundenkreis. Dazu kommt, dass nur wenige Produkte für ein breites Kundensegment ausgelegt sind, was einen unnötig hohen Aufwand bei der Zielgruppenanalyse verursacht8.

Unprofessionelle Personalauswahl

Ein weiteres Problemfeld für viele Gründer ist die Personalauswahl. So offenbart eine PwC-Studie, dass man sich bei der Suche nach Mitarbeitern oftmals auf private Kontakte und Empfehlungen verlässt9. Bei der Auswahl der Bewerber entscheidet dann in der Regel das Bauchgefühl. Objektive Kriterien und ein festgelegtes Auswahlverfahren fehlen hingegen. Eine solche Praxis führt häufig zu Fehlbesetzungen, die hohe Kosten verursachen und das junge Unternehmen an einer zügigen Expansion hindern.

Mängel in der Entrepreneurship-Ausbildung in Deutschland

Die Gründe des Scheiterns legen nahe, dass sich Deutschland in der Ausbildungsfrage nicht adäquat positioniert hat. Das Bildungsangebot verbessert sich zwar, denn nach der ersten Gründung eines Lehrstuhls für Unternehmensgründung im Jahr 1998 gibt es mittlerweile 110 solcher Lehrstühle. Dennoch befassen sich in Deutschland nur ca. 25% der Studenten mit Fragen der Existenzgründung – damit schneidet Deutschland im weltweiten Vergleich als eines der Schlusslichter ab10.

Start-up-Denke fördern und Mut zum Scheitern

Deutschland verfügt über eine hervorragende Infrastruktur für Existenzgründer: dies reicht von finanziellen Förderhilfen, Starthelfern wie IHK’s und HWK’s, Gründerzentren, -portale und -messen, Wettbewerbe etc. Dennoch hapert es an vielen Stellen: Laut einer Studie11 sehen 79% der Befragten „eine mangelnde Fehlerkultur als größtes Hindernis“ an. 49% vermissen eine „frühzeitige Forderung des Gründergeistes“ und 68% sehen Ursachen in Bürokratiehemmnissen.

Fehlende Berufserfahrung und Sozialkompetenzen

Schaut man sich das Durchschnittsalter der Existenzgründer an – mit der zwangsläufig einhergehenden fehlenden Lebenserfahrung, wundert es einen nicht, dass Gründer ab 40 Jahren häufig erfolgreicher sind! Es braucht offenbar auch die Erfahrung des „Scheiterns“, um erfolgreich zu gründen: 1/3 der Gründer haben bereits mind. eine gescheiterte Unternehmensgründung hinter sich. Und 80% aller Existenzgründer würden im Falle des Scheiterns auch weiterhin selbstständig arbeiten wollen12. Könnten wir bereits in der Ausbildung durch eine bessere Vorbereitung der Gründungswilligen punkten und würden sich Unternehmensgründer in der Start-up-Phase besser weiterbilden, vernetzen und professionalisieren, könnten sicherlich viele Pleiten verhindert werden!

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Übrigens, wussten Sie schon, dass…

  • die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland rückläufig ist,
  • der Innovationsgrad von Start-ups durch Marktneuheiten auf Produktebene angeführt wird – danach folgen in etwa auf Augenhöhe die Dimensionen Technologie, Geschäftsmodell und Prozesse,
  • Unternehmensgründungen überwiegend eine Männerdomäne sind, da der Anteil der Frauen hier nur bei knapp 14% liegt,
  • der bürokratische Aufwand für Unternehmensgründungen in Deutschland bei 10,5 Tagen liegt – das ist mehr als 6-Mal so viel wie in Kanada!
  • knapp die Hälfte aller Gründer bereits vorher mindestens ein Start-up gegründet hat,
  • 30% der Mitarbeiter deutscher Start-ups aus dem Ausland stammen.

Quellennachweis

wikipedia
2 Deutscher Start-up Monitor, KPMG, 2016
3 Haufe Online Redaktion, www.haufe.de/unternehmensfuehrung
4 KfW-Gründungsmonitor 2016
5 www.gruenderszene.de/allgemein/quantifiziert-gruender-scheitern, 16.03.2017
6 www.gruenderszene.de/allgemein/quantifiziert-gruender-scheitern, 16.03.2017
7 DIHK Gründerreport 2013
8 www.wiwo.de/erfolg/gruender/fehler-von-jungunternehmern-defizite-bei-der-vermarktung/9838124-2.html, 16.03.2017
9 www.pwc.de/de/mittelstand/start-up-unternehmen-tun-sich-schwer-bei-der-rekrutierung-neuer-mitarbeiter.html, 16.03.2017
10 www.vc-magazin.de
11 HHL Leipzig Management School of Management
12 Start-up Monitor, KPMG, 2015

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