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Incoterms 2020: Die 11 Klauseln erklärt | Haufe Akademie

Incoterms 2020 – das solltest du wissen

Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Handelsklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie regeln im internationalen, wie im nationalen Warenhandel insbesondere die Verteilung von Kosten, Risiken und bestimmten Pflichten zwischen Verkäufer und Käufer bei der Lieferung von Waren. Eine Kombination aus drei Buchstaben genügt, um Import und Export sicher abzuwickeln, ohne dass alle Bedingungen einzeln mit dem Vertragspartner ausgehandelt werden müssen. Die aktuell gültige Fassung sind die Incoterms 2020, die die Incoterms 2010 abgelöst haben. Hier erfährst du alles Wichtige dazu.

Incoterms 2020: Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Incoterms sind vordefinierte, weltweit gültige Handelsklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie legen fest, wer im Warenhandel Kosten, Risiken und Pflichten trägt, vom Transport über die Versicherung bis zum Zoll.
  • Aktuelle Fassung: Die Incoterms 2020 sind seit dem 1. Januar 2020 in Kraft und sind die aktuell geltende Fassung der ICC.
  • 11 Klauseln: Von EXW (Minimalverpflichtung des Verkäufers) bis DDP (Maximalverpflichtung des Verkäufers). Vier Klauseln (FAS, FOB, CFR, CIF) eignen sich ausschließlich für den Schiffstransport.
  • Wichtigste Neuerung: Die Klausel DAT (Delivered at Terminal) wurde durch DPU (Delivered at Place Unloaded) ersetzt. Außerdem gelten erhöhte Anforderungen an die Versicherungsdeckung bei CIP.
  • Richtig anwenden: Incoterms gelten nur, wenn sie im Vertrag ausdrücklich vereinbart werden. Wichtig sind dabei die Angabe der Fassung („gemäß Incoterms 2020“) und eine genaue Ortsangabe

Welche Funktionen haben Incoterms?

Die zunehmende Globalisierung führt dazu, dass der weltweite Import und Export immer weiter zunehmen. Doch bei der Abwicklung der Geschäfte kommt es nicht selten zu Komplikationen. Händler müssen mit Handelsbräuchen anderer Länder umgehen oder Vereinbarungen werden aufgrund unterschiedlicher landestypischer Eigenheiten anders ausgelegt. Um diese Probleme zu vermeiden, gibt es Incoterms. Diese „International Commercial Terms“, auf Deutsch „internationale Handelsklauseln”, sind vordefinierte, standardisierte und weltweit gültige Regeln, die Händler bei Vertragsabschlüssen im Warenhandel auf freiwilliger Basis zu Rate ziehen können.

Dabei geht es um alle vertragsrelevanten Bedingungen und Pflichten und um Fragen wie: Muss der Importeur oder der Exporteur die Versandkosten der Waren übernehmen? Wer zahlt die Versicherung? Wer den Zoll? Welcher Vertragspartner kümmert sich um den Transport? Wer haftet wofür?

Neu sind Incoterms nicht: Die erste Fassung der Handelsklauseln entstand bereits im Jahre 1936. Entwickelt wurden die Regelungen von der Internationalen Handelskammer ICC (International Chamber of Commerce). Seither gab es mehrere Anpassungen. Die aktuellen Klauseln sind seit Anfang 2020 in Kraft. Sie gelten unverändert bis heute. Mit einer nächsten Überarbeitung ist erst zum kommenden Jahrzehnt zu rechnen. Wer die Klauseln nutzt, sollte die Änderungen gegenüber den Incoterms 2010 dennoch genau kennen.

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Was verbirgt sich hinter den Abkürzungen der Incoterms?

Incoterms erleichtern die gesamte Abwicklung des Warenverkehrs erheblich, weil lediglich drei Buchstaben verwendet werden. Diese umschreiben komplexe Bedingungen, die sonst oft missverstanden werden oder irreführend sein können.

In der aktuellen Fassung der Incoterms gibt es elf Klauseln. Der wohl entscheidendste Unterschied zwischen den verschiedenen Incoterms ist die Frage, wann in der Handelskette das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht, etwa in Bezug auf Transportkosten, bei der Versicherung oder beim Versand.

Eingeteilt werden die Incoterms in verschiedene Gruppen, es gibt die E-, F-, C- und D-Gruppe. Die E-Klausel stellt dabei die Minimalverpflichtung für den Verkäufer dar: Der Käufer übernimmt alle Kosten und Gefahren, die mit dem Transport der Waren verbunden sind. Dieses Risiko verlagert sich über die F- und die C- bis hin zu den D-Klauseln stufenweise zugunsten des Käufers.

Die weiteren zwei Buchstaben der Incoterms-Klauseln beziehen sich auf den Lieferort. EXW steht beispielsweise für „Ex Works“, also „ab Werk“ oder „ab Fabrik“. Das bedeutet: Der Verkäufer muss dem Käufer Zugang zu den Waren an einem vereinbarten Ort gewähren. Von diesem Zeitpunkt an trägt der Käufer fast alle Kosten und Risiken während des gesamten Versandprozesses.

Eine weitere Einteilung betrifft die Transportarten: Die Incoterms FAS, FOB, CFR und CIF eignen sich ausschließlich für den Schiffstransport, während EXW, FCA, CPT, CIP, DPU, DAP und DDP für jede Transportart passen.

Wichtig ist: Wird eine der Handelsklauseln in einen Vertrag übernommen, bezieht sich die Vereinbarung auf die kompletten, meist mehrseitigen Ausführungen zur jeweiligen Klausel. Diese sind weltweit gleich. Alle Vertragspartner können sich daran orientieren.

Die folgende Übersicht zeigt alle elf Incoterms-2020-Klauseln und ihre Einteilung in die Gruppen E, F, C und D.

Die einzelnen Klauseln der Incoterms 2020 im Überblick

Beispiel: FCA (Free Carrier, dt. Frei Frachtführer) gibt an, dass die Ware vom Verkäufer zu einem Frachtführer geliefert wird. Dieser wird vom Käufer benannt. Auch der Ort der Übergabe wird im Vertrag festgehalten. Dort gehen Risiko und Transportkosten auf den Käufer über.

Beispiel: CIP (Carriage and Insurance Paid to, dt. Frachtfrei versichert) sieht vor, dass die Ware einem Frachtführer an einem vereinbarten Ort übergeben wird, während der Verkäufer die Kosten und die Risiken bis zum Bestimmungsort übernimmt. Darüber hinaus sichert er Transport und Güter durch eine Transportversicherung ab. Diese Versicherung muss einen umfassenden Deckungsschutz haben („Institute Cargo Clause A”).

Beispiel: DAP (Delivered at Place, dt. Geliefert benannter Ort) gibt an, dass der Verkäufer dem Käufer die Ware liefert und entladebereit auf einem Transportmittel z.B. Lkw zur Verfügung stellt. Bis zum Entladen übernimmt der Verkäufer alle Risiken und Kosten.

Alle 11 Handelsklauseln noch einmal in der Übersicht:

EXW – Ex Works/Ab Werk
FCA – Free Carrier/Frei Frachtführer
FAS – Free Alongside Ship/Frei Längsseite Schiff
FOB – Free On Board/Frei an Bord
CFR – Cost and Freight/Kosten und Fracht
CIF – Cost, Insurance and Freight/Kosten, Versicherung und Fracht
CPT – Carriage Paid To/Frachtfrei
CIP – Carriage, Insurance Paid To/Frachtfrei versichert
DAP– Delivered At Place/Geliefert benannter Ort
DPU – Delivered At Place Unloaded/Geliefert benannter Ort entladen
DDP – Delivered Duty Paid/Geliefert verzollt

Incoterms 2020: Was sind die Neuerungen gegenüber der vorherigen Version?

Bei der Überarbeitung der Incoterms hat sich die ICC bemüht, die Klauseln praxisfreundlicher zu gestalten. Der Aufbau und die Anordnung der Ziffern wurden umgestaltet und bei der Reihenfolge an den Weg der Ware in der Lieferkette angelehnt. Der Nutzer soll damit eine bessere Übersicht bekommen und leichter entscheiden können, welche Klausel für ihn am besten geeignet ist.

Auch inhaltlich gab es Veränderungen. Die Klausel DAT – Delivered at Terminal heißt in der Neuauflage DPU – Delivered at Place Unloaded. Durch den Ersatz des Begriffs „Terminal“ durch das allgemeinere „Place Unloaded” (Lieferung an benannten Ort) wird betont, dass der Gefahrübergang vom Verkäufer auf den Käufer an jedem Ort, an dem die Ware entladen wird, erfolgt und nicht nur an einem speziellen „Terminal”.

Weiterhin berücksichtigen die neuen Incoterms 2020-Klauseln die weltweit gestiegenen Sicherheitsanforderungen bei der Beförderung von Waren und sie enthalten Regeln zur Verteilung der Sicherheitspflichten und der damit verbundenen Kosten. Außerdem wurden in der neuen Fassung die veränderten globalen Handelspraktiken berücksichtigt.

Welche Incoterms solltest du kennen?

Häufig verwendet werden in der Praxis die folgenden Klauseln:

So verwendest du Incoterms richtig

Incoterms sind kein internationales Gesetz und beruhen auf freiwilliger Basis. Deshalb musst du die Klauseln im Warenvertrag explizit vereinbaren.

Wenn du Incoterms verwendest, musst du darauf achten, die jeweilige Fassung anzugeben, auf der die Vereinbarung beruht, beispielsweise „FOB gemäß Incoterms 2020“. Zwingend ist zudem eine genau Ortsangabe für jeden Incoterm.

Insgesamt ersetzen Incoterms keinen Verkaufsbeleg, sie sind vielmehr eine Ergänzung. Durch den Einsatz von Incoterms können sich sowohl Exporteure als auch Importeure über die Bedingungen für die Einfuhr von Waren einigen und darüber, welche Prozesse von wem durchgeführt werden müssen. Sobald du Produkte außerhalb der EU versendest, solltest du die Incoterms auf deine Handelsrechnung setzen. Darüber hinaus ist es wichtig, die Incoterms in deinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu erwähnen.

Achtung: In der Praxis werden oft die Bezeichnungen für die Klauseln in der jeweiligen Landessprache verwendet, zum Beispiel „ab Werk“ oder „ab Fabrik“ statt „Ex Works“. Das ist jedoch nicht empfehlenswert, weil die deutschen Varianten nicht immer eindeutig sind. Besser ist es, die englische Abkürzung (in diesem Fall EXW) zu benutzen.