Haufe Akademie
Tipps für Einsteiger im Marketing

Marketing für Anfänger:innen

Gesucht wird ein kreativer Teamplayer mit Leidenschaft für Marken. So steht es in vielen Stellenanzeigen. In der ersten Woche sitzt du dann vor einer Excel-Tabelle mit den Kampagnenzahlen des letzten Quartals, wartest auf die dritte Freigabe für einen Newsletter und suchst in einem Tool nach einer Einstellung, die vor dir nie jemand dokumentiert hat.

Das muss dich nicht abschrecken. Der Großteil der Arbeit im Marketing ist Handwerk, und Handwerk lässt sich lernen.

Manche landen über ein verlängertes Praktikum im Marketing, andere nach dem Studium oder nach Jahren im Vertrieb. Bei einigen kam der Instagram-Account der Firma eines Tages einfach mit auf den Schreibtisch. Einen Plan für die ersten Monate bekommt kaum jemand dazu.

Die 11 Tipps unten gliedern sich in drei Phasen. Grundlage ist das Whitepaper „Durchstarten im Marketing“.

Phase 1, Orientierung finden

1. Finde heraus, welche Marketing-Rolle zu dir passt

Marketing ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Jobs.

Wer im Online-Marketing arbeitet, verbringt den Tag mit Suchmaschinenoptimierung (SEO), mit Anzeigen bei Google und LinkedIn und mit deren Auswertung. Im Content-Team entstehen Blogartikel, Newsletter, Landingpages und kurze Videos. Eventmarketing heißt Messeplanung unter Termindruck. Dazu kommen Marktforschung, Kampagnenmanagement, Marke und Strategie sowie in kleinen Firmen die Generalist:innen, die von allem etwas machen.

Zwischen einer Texterin und einem Datenanalysten liegen im Alltag Welten, obwohl beide im Marketing arbeiten.

Am schnellsten merkst du das an echten Stellenanzeigen. Lies je eine aus dem Online-Marketing und aus dem Content-Bereich. Die Anzeige, bei der du am liebsten sofort anfangen würdest, zeigt dir die Richtung für deine nächste Bewerbung oder das Gespräch mit deiner Führungskraft. Alle sieben Rollen mit Alltag und möglicher Position nach drei Jahren beschreibt die Rollen-Landkarte im Whitepaper.

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2. Rechne mit mehr Tabellen als Kampagnen

Der kreative Teil ist kleiner, als es von außen aussieht.

Virale Kampagnen gibt es, große Markenauftritte auch. Den Großteil der Woche füllen trotzdem Auswertungen, Abstimmungsschleifen, Textkorrekturen und Tool-Konfiguration. Spätestens im Quartalsmeeting fragt jemand, ob sich das Budget gerechnet hat.

Wer dieses Handwerk sicher beherrscht, bekommt im Team schneller eigene Projekte.

Wie groß dieser Anteil in deinem Team ist, erfährst du am einfachsten von einer Kollegin oder einem Kollegen. Frag nach, wie viele Stunden einer normalen Woche in Reporting und Abstimmung fließen.

3. Nutze, was du mitbringst

Deine Herkunft ist ein Startvorteil.

Nach dem Studium kennst du die Modelle. Wer aus einer Agentur kommt, hat Tempo gelernt und für viele Kund:innen gleichzeitig gearbeitet. Den größten Vorsprung haben oft Quereinsteiger:innen. Wer aus dem Vertrieb kommt, kennt die Einwände der Kund:innen aus eigenen Gesprächen, und wer schon Projekte geleitet hat, steuert eine Kampagne ohne lange Einarbeitung.

Was fehlt, ist meist Vokabular wie Conversion-Rate oder Customer Journey. Das lernst du in wenigen Wochen.

Bring dieses Wissen ruhig aktiv ein. Wer aus dem Vertrieb kommt, kann zum Beispiel die fünf häufigsten Kundeneinwände für die nächste Landingpage beisteuern.

Phase 2, Fähigkeiten aufbauen

4. Frag bei jeder Aufgabe nach dem Ziel

Wer das Ziel kennt, erkennt schnell, welche Maßnahme sich lohnt.

Viele Teams starten direkt mit Maßnahmen. Ein LinkedIn-Post hier, ein Newsletter da, und wofür das Ganze gut sein soll, fragt keiner.

Dabei verfolgen Maßnahmen sehr verschiedene Ziele. Manche sollen eine Marke über Monate bekannter machen, andere noch diese Woche Anfragen bringen. Beide Arten haben ihren Platz, brauchen aber unterschiedliche Messgrößen.

Eine Anzeige mit Rabattcode misst du an den Verkäufen. Bei einer Imagekampagne schaust du, ob mehr Leute die Marke kennen.

Kläre deshalb bei jeder neuen Aufgabe, welches Ziel sie hat und woran ihr den Erfolg messt. Hat darauf niemand eine klare Antwort, kannst du sie mitentwickeln.

5. Lerne, Kennzahlen zu lesen

Wer Zahlen erklären kann, gewinnt Diskussionen.

Ein großer Teil deiner Zeit fließt in Auswertung, etwa in Klickraten und Kosten pro Lead. Wie ein Controller rechnen musst du dafür nicht. Du solltest aber erkennen, wann eine Zahl belastbar ist und wann sie auf Zufall beruht.

8 Prozent Conversion-Rate klingen stark. Bei 25 Besuchen auf der Landingpage stecken dahinter genau 2 Anfragen, zu wenig für jede Schlussfolgerung.

Für den Anfang reicht eine Stunde pro Woche mit den Kennzahlen deines eigenen Kanals. Vor jeder Präsentation lohnt sich außerdem die Frage, welche Entscheidung aus deiner Zahl folgt.

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6. Löse eine echte Aufgabe mit KI

Bei KI hat niemand zehn Jahre Vorsprung.

Tools mit Künstlicher Intelligenz sind in vielen Marketing-Teams erst seit Kurzem im Einsatz. Auch erfahrene Kolleg:innen probieren noch aus, wofür sie taugen. Als Einsteiger:in hast du hier kaum Rückstand auf dein Team.

Gut funktioniert KI bei Recherche und ersten Textentwürfen. Entscheidend bleibt dein Urteil, welche Teile eines Entwurfs brauchbar sind und wo er falsche Fakten oder leere Phrasen enthält.

Am meisten lernst du an einer echten Aufgabe aus deiner Woche. Lass ein KI-Tool einen Entwurf schreiben, leg ihn neben deinen eigenen und markier jede Stelle, an der du eingreifen musstest.

7. Sortiere deine Aufgaben nach Wirkung

Dringende Anfragen sind oft weniger wichtig, als sie klingen.

Montagmorgen braucht der Vertrieb bis Mittag einen neuen Onepager, und die Geschäftsführung will Zahlen für ein Meeting um 14 Uhr. Beides klingt dringend, die Woche hat trotzdem nur 40 Stunden.

Wer Marketing neben einem anderen Job macht, muss besonders gut priorisieren. Oft bleiben für Marketing nur ein paar Stunden pro Woche übrig, und die sollten in die Aufgaben mit der größten Wirkung fließen.

Bei jeder neuen Anfrage hilft ein kurzer Gedanke. Was passiert, wenn sie eine Woche liegen bleibt? Lautet die ehrliche Antwort „nichts“, rutscht sie nach hinten.

8. Behandle Marketing als Projektarbeit

Struktur macht dich schneller sichtbar als Fachwissen.

Projektmanagement steht in kaum einer Stellenbeschreibung und gehört trotzdem zu jeder Marketing-Rolle. Du stimmst dich mit Agenturen ab, hältst Termine, behältst das Budget im Blick und bringst eine Kampagne live, während parallel drei andere Themen laufen.

Ein Projektmanagement-Tool brauchst du dafür nicht. Für den Start reicht eine geteilte Liste, in der hinter jeder Aufgabe ein Name und ein Datum stehen.

Phase 3, Ankommen und wachsen

9. Hör in den ersten drei Wochen zu

Gute Fragen bringen dir am Anfang mehr Ansehen als schnelle Ideen.

Mit frischem Blick siehst du in den ersten Tagen vieles, das sich verbessern ließe. Den Kontext kennst du aber noch nicht. Vielleicht hat jemand genau deine Idee vor zwei Jahren getestet, und sie scheiterte an einem Freigabeprozess, von dem du noch nichts weißt.

Lern deshalb zuerst, wie im Team Entscheidungen fallen und wer was freigibt. Danach suchst du dir eine kleine, sichtbare Aufgabe und schließt sie sauber ab. Das Whitepaper teilt die ersten 90 Tage in vier Abschnitte, vom Zuhören in Woche 1 bis zum ersten sichtbaren Ergebnis zwischen Woche 8 und 12.

Deine Verbesserungsideen aus den ersten Tagen schreibst du am besten trotzdem auf. Nach drei Wochen weißt du genug, um zu entscheiden, welche davon du ansprichst.

10. Lerne die Menschen um dich herum kennen

Ob deine Projekte laufen, entscheiden oft Beziehungen.

Freigaben kommen von der Führung, Produktinfos aus dem Produktmanagement, Feedback aus dem Vertrieb, und externe Dienstleister liefern zu. Wer weiß, was diese Leute brauchen und was sie nervt, bekommt Freigaben leichter.

Ein guter Start sind in den ersten zwei Monaten Gespräche von ein paar Minuten mit jemandem aus Vertrieb und Produkt. Frag, was Marketing ihnen gerade liefert und was ihnen fehlt.

11. Blockier feste Lernzeit und hol dir einen Nachweis

Ohne festen Termin findet Weiterbildung praktisch nie statt.

Im Tagesgeschäft lernst du, was gerade anfällt. Das baut Routine auf. Systematik entsteht dabei selten, und in deinem Lebenslauf fehlt dann der Punkt, auf den ein:e Personaler:in zeigen kann. Gerade beim Quereinstieg macht ein strukturierter Abschluss dein Können sichtbar, im Gespräch mit deiner Führungskraft genauso wie bei der nächsten Bewerbung.

Trag dir deshalb eine feste Lernstunde pro Woche in den Kalender ein, so verbindlich wie einen Kundentermin. Wenn du eine Weiterbildung bei deiner Führungskraft ansprechen willst, findest du im Whitepaper drei Sätze, mit denen du den Nutzen fürs Unternehmen begründest.

Häufige Fragen zum Einstieg ins Marketing

Kann ich ohne Marketing-Studium ins Marketing einsteigen?

Ja. Viele steigen über ein Praktikum, eine kaufmännische Ausbildung, eine Agentur oder den Wechsel aus dem Vertrieb ein. Ohne Studium fehlen dir meist Grundlagen wie Zielgruppenanalyse und Marketingkonzept, und die lassen sich gezielt nachholen.

Welche Marketing-Rolle eignet sich für den Einstieg?

Online-Marketing und Content bieten viele Aufgaben, die du in wenigen Monaten lernst. In kleinen Firmen startest du oft als Generalist:in. Rollen in Marke und Strategie entstehen meist erst nach einigen Jahren.

Wie lange dauert es, bis ich mich im Marketing-Job sicher fühle?

Dafür gibt es keinen belastbaren Durchschnittswert. Viel hängt von Vorwissen und Einarbeitung ab. Für die ersten drei Monate hilft ein Plan mit festen Etappen, wie ihn das Whitepaper vorschlägt.

Was lerne ich in einem Marketing-Grundlagenseminar?

Typische Inhalte sind Marktforschung, Zielgruppen, Marketingkonzept und Marketing-Mix. Der Crashkurs Marketing behandelt an zwei Tagen unter anderem Marktanalyse und SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats, auf Deutsch Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken) sowie Marketingstrategie und Marketing-Mix.

Dein nächster Schritt

Alle 11 Tipps gleichzeitig umzusetzen, schafft niemand. Für diese Woche reichen zwei. Frag bei der nächsten Aufgabe nach dem Ziel (Tipp 4) und trag dir eine feste Lernzeit in den Kalender ein (Tipp 11).

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