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Kennzahlen im BGM

Kennzahlen im BGM

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) lebt nicht nur von guten Maßnahmen, sondern auch von der Messbarkeit deren Wirkung. Hier kommen BGM-Kennzahlen ins Spiel. Sie schaffen Transparenz, unterstützen fundierte Entscheidungen und helfen dabei, den Erfolg von Maßnahmen langfristig zu bewerten.

Welche Kennzahlen relevant sind, hängt von den Zielen des Unternehmens ab. Statt möglichst viele Daten zu sammeln, solltet ihr euch auf die KPIs konzentrieren, die aussagekräftigen Erkenntnisse für das Unternehmen liefern und dessen strategische Entscheidungen unterstützen.

Im Folgenden stellen wir eine Auswahl bewährter BGM-Kennzahlen vor, die als Orientierung dienen können.

Warum sind BGM-Kennzahlen wichtig?

Viele Unternehmen investieren gezielt in Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Dabei wächst der Anspruch, den Nutzen dieser Investitionen nachvollziehbar zu belegen. Wenn Maßnahmen messbar Wirkung zeigen, ist dies die beste Argumentationsgrundlage für weitere Maßnahmen im BGM.

BGM-Kennzahlen helfen dabei,

Dabei gilt: Eine einzelne Kennzahl liefert keine ganze Wahrheit. Erst das Zusammenspiel verschiedener KPIs ergibt ein belastbares und ganzheitliches Bild. Doch auch das reicht allein nicht aus – Kennzahlen zeigen was passiert, nicht warum. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, sollten stets auch die Hintergründe und Ursachen in den Blick genommen werden: Warum sind die Fehlzeiten in einer bestimmten Abteilung besonders hoch? Welche Faktoren begünstigen lange Ausfallzeiten? Spielen strukturelle, organisatorische oder persönliche Belastungen eine Rolle? Erst die Kombination aus aussagekräftigen Kennzahlen und einer tiefergehenden Ursachenanalyse ermöglicht es, gezielt und nachhaltig zu handeln.

9 wichtige BGM-Kennzahlen

1. Krankenquote

Die Krankenquote ist der prozentuale Anteil der krankheitsbedingten Fehltage an der Gesamtzahl der Sollarbeitstage in einem bestimmten Zeitraum. Sie gehört zu den bekanntesten Kennzahlen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Die Krankenquote gibt Hinweise darauf, wie sich krankheitsbedingte Ausfälle im Unternehmen entwickeln und kann Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar machen.

2. Fehlzeiten

Nicht nur die Anzahl der Krankmeldungen ist relevant, sondern auch die Entwicklung der gesamten Fehlzeiten. Fehlzeiten umfassen alle Abwesenheiten eines Mitarbeitenden vom Arbeitsplatz. Dazu zählen neben krankheitsbedingten Ausfällen auch Abwesenheiten aufgrund von Unfällen, Kurmaßnahmen oder sonstigen Gründen. Eine differenzierte Betrachtung kann wertvolle Hinweise auf Belastungen oder strukturelle Veränderungen liefern.

3. Durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit gibt an, wie viele Tage Mitarbeitende im Durchschnitt pro Krankheitsfall ausfallen. Ob Mitarbeitende über eine kürzere oder eine längere Zeit ausfallen, sagt häufig mehr aus als die reine Anzahl der Krankmeldungen. Diese Kennzahl kann wichtige Trends aufzeigen.

4. Teilnahmequote an BGM-Maßnahmen

Wie viele Beschäftigte nutzen Gesundheitsangebote tatsächlich? Die Teilnahmequote liefert erste Hinweise darauf, wie gut Maßnahmen angenommen werden und ob die Angebote die richtigen Personengruppen erreichen.

5. Mitarbeitendenzufriedenheit

Gesunde Arbeitsbedingungen wirken sich häufig auch auf die Zufriedenheit der Beschäftigten aus. Regelmäßige Befragungen können wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des BGM liefern.

6. Psychische Belastungen bei Mitarbeitenden

Psychische Gesundheit gewinnt in vielen Unternehmen mit guten Gründen zunehmend an Bedeutung. Geeignete Erhebungen wie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen können dabei helfen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und passende Maßnahmen abzuleiten.

7. Fluktuationsrate

Die Fluktuationsrate gibt den prozentualen Anteil der Mitarbeitenden an, die ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verlassen, gemessen an der durchschnittlichen Gesamtbelegschaft. Eine hohe Fluktuation kann viele Ursachen haben. Gesundheitsbezogene Faktoren können dabei eine Rolle spielen. Deshalb lohnt sich der Blick auf diese Kennzahl im Zusammenspiel mit weiteren BGM-Indikatoren und -kennzahlen.

8. Arbeitsunfälle

Die Anzahl und Entwicklung von Arbeitsunfällen liefert wichtige Hinweise auf die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen und die Arbeitssicherheitskultur im Unternehmen.

9. Nutzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)

Wie häufig wird das BEM in Anspruch genommen? Welche Entwicklungen lassen sich erkennen? Diese Kennzahl kann Aufschluss darüber geben, wie gut Unterstützungsangebote im Unternehmen etabliert sind.

Nicht jede Kennzahl ist für jedes Unternehmen sinnvoll

Die Auswahl geeigneter KPIs hängt von den organisationalen Rahmenbedingungen ab. Unternehmensgröße, Branche, vorhandene Datenquellen und strategische Ziele spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Es ist meist sinnvoller, ein überschaubares Kennzahlenset regelmäßig und professionell auszuwerten, anstatt möglichst viele Daten zu sammeln. Entscheidend ist nicht die Menge der Daten oder Kennzahlen, sondern die Aussagekraft nach deren Analyse.

Ebenso wichtig ist die richtige Interpretation. Einzelne Veränderungen sollten niemals isoliert betrachtet werden. Eine Kennzahl allein liefert noch keine ganze Wahrheit. Erst die Kombination verschiedener Kennzahlen sowie deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum ermöglicht fundierte Schlussfolgerungen.

Vom Messen zum Handeln

Kennzahlen im BGM bilden die Entscheidungsgrundlage für gezielte Weiterentwicklungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Wer seine KPIs regelmäßig überprüft, erkennt Trends früher, kann Maßnahmen besser priorisieren und die Wirksamkeit des BGM bzw. Investitionen ins BGM gegenüber Geschäftsführung und anderen Stakeholdern nachvollziehbar darstellen.

Gleichzeitig zeigt die Praxis: Der Aufbau eines aussagekräftigen Kennzahlensystems ist anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick erscheint. Welche Kennzahlen relevant sind, wie sie sinnvoll miteinander kombiniert werden und wie ein professionelles BGM-Controlling aufgebaut wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Fazit

Ein gut ausgewähltes Set an BGM-Kennzahlen ist mehr als ein Reporting-Instrument. Es ist die Grundlage dafür, dass Gesundheitsmanagement im Unternehmen ernst genommen, weiterentwickelt und nachhaltig finanziert wird.

Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Zahlen zu erheben, sondern die richtigen Fragen zu stellen: Wo stehen wir? Was verändert sich? Und was leiten wir daraus ab? Wer diese Fragen regelmäßig mit belastbaren Daten beantwortet, macht BGM zu einer strategischen Größe, kann gezielter reagieren und bessere Entscheidungen treffen.