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Protokoll schreiben: Ein umfassender Leitfaden

Protokoll schreiben: Ein umfassender Leitfaden

Erfahren Sie, wie sich ein Protokoll definiert, wie Sie ein Protokoll schreiben, welche Struktur ein Protokoll haben sollte und welche Arten von Protokollen es gibt. Lesen Sie alles Wichtige von der Vor- bis zur Nachbereitung, einschließlich spezieller Kontexte und fortgeschrittener Techniken.

Was ist ein Protokoll?

Ein Protokoll ist ein Dokument, das die Formalien, den Verlauf und die Ergebnisse von Veranstaltungen festhält. In der Öffentlichen Verwaltung heißt das Protokoll i. d. R. Niederschrift.

Ob ein Protokoll geschrieben wird, hängt vom Wunsch der Teilnehmenden oder von gesetzlichen Vorgaben (= Gremienprotokoll) ab.

Das Protokoll dient im Management vor allem dazu, den Arbeitsprozess zu steuern und alle Mitarbeitenden auf dem Laufenden zu halten. Bei den gesetzlich vorgegebenen Protokollen geht es darum, die Sachverhalte (z. B. Beschlüsse) juristisch korrekt zu dokumentieren.

Wie setzt sich das Protokoll zusammen?

Das Protokoll hat einen formalen und einen inhaltlichen Teil.

Formaler Teil (Kopf und Fuß des Protokolls = Protokollrahmen)

Im Protokollkopf stehen:

Zum formalen Teil gehören weiterhin – wenn notwendig – folgende Tagesordnungspunkte:

Im Protokollfuß stehen:

Inhaltlicher Teil

Hier stehen die einzelnen Tagesordnungspunkte mit Ihren Ergebnissen und evtl. der Verlauf der Veranstaltung (je nach Protokollart).

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Abgrenzung Protokoll – Bericht

Bei einem Bericht legen Sie Sachverhalte dar, die in der Vergangenheit liegen. Deshalb steht der Bericht in einer Zeitstufe der Vergangenheit.

Ein Protokoll ist ein Live-Mitschnitt. Sie erstellen während der Veranstaltung in der Regel eine Mitschrift. Später nehmen Sie die Mitschrift und fertigen das Protokoll aus. Sie versetzen sich dabei in den Veranstaltungszeitpunkt zurück. Deshalb steht das Protokoll in der Zeitstufe „Präsens“ (Gegenwart).

 Zusammengefasst:

Ein Protokoll ist die formale und inhaltliche schriftliche Dokumentation einer Veranstaltung in der Zeitstufe Präsens.

Arten von Protokollen

Es gibt grundsätzlich – methodisch gesehen – nur zwei Arten von Protokollen: Ergebnisprotokoll und Verlaufsprotokoll.

Ergebnisprotokoll

Die Ergebnisse sind das Allerwichtigste einer Veranstaltung. Diese müssen Sie in jedem Fall dokumentieren. Beachten Sie: Auch kein Ergebnis ist ein Ergebnis!

Wichtige Ergebniskategorien:

1. Beschlüsse = Abstimmungen über einen Text (Abstimmungsergebnisse gehören dazu)
2. Feststellungen = Mess-Ergebnisse (Feststellung eines Ist-Standes, z. B. Bauabnahme)
3. Festlegungen = Bestimmungen von Führungskräften
     a. Aufgaben (To-do-Liste): Was – Wer – Bis wann
     b. Dienstanweisungen: Was – alle – Ab wann
4.  Informationen = Sonderform von Ergebnissen
Informationshandlungen (Präsentationen, Berichte, …). Erfolgen in der Regel am Anfang eines Tagesordnungspunktes. Sie dienen einerseits dazu, alle beteiligten Personen (auch die Abwesenden im Nachhinein) auf den aktuellen Stand zu bringen. Andererseits dienen Informationen auch dazu, eine Diskussion/Erörterung einzuleiten, einen Sachverhalt zu problematisieren.

Das Ergebnis von Informationen ist das Wissen in den Köpfen der beteiligten Personen.

Verlaufsprotokoll

In diesem Protokoll wird neben den Ergebnissen auch der Verlauf der Veranstaltung (Wortmeldungen in Diskussionen, Anträge, …) dokumentiert. Wie ausführlich das geschieht, hängt von den Wünschen der Teilnehmenden bzw. von den gesetzlichen Vorgaben ab. Die ausführliche Form des Verlaufsprotokolls ist das Wortprotokoll. Hier wird alles – auch jeder Zwischenruf – festgehalten.

Protokollmischung: Ergebnis- und/oder Verlaufsprotokoll?

Selten wird ein „reines“ Ergebnis- oder Verlaufsprotokoll geschrieben. Oft kommt es zu Mischungen. Beachten Sie bei der Mischung Folgendes:

Die kleinste Einheit eines Gesamtprotokolls ist der Tagesordnungspunkt.

Ein Tagesordnungspunkt ist entweder Ergebnisprotokoll oder Verlaufsprotokoll!  Eine Mischung innerhalb eines Tagesordnungspunktes ist nicht möglich.

Entscheiden Sie zwischen Ergebnisprotokoll und Verlaufsprotokoll bitte immer anhand des Tagesordnungspunktes. Unter der Hauptüberschrift Protokoll können Tagesordnungspunkte mit verschiedenen Ausrichtungen vereint sein (=Protokollmischung).

Vorbereitung beim Protokollschreiben

Eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend für die effektive Protokollführung. Sie legt den Grundstein für ein strukturiertes und vollständiges Protokoll. Das sind die wesentlichen Schritte:

Wenn es möglich ist, sprechen Sie diese Punkte auch mit der Moderation durch. Welche Ergebnisse erwartet die Moderation? Mithilfe dieser Vorüberlegungen können Sie zielgerichteter mitschreiben.

Geeignete Software zum Protokoll schreiben

Verwenden Sie eine Software, mit der Sie während des Protokollierens gut zurechtkommen und die einen geeigneten Funktionsumfang bietet, wie etwa:

Microsoft Word:

Google Docs:

Notion:

Die Sprache im Protokoll

Das Protokoll ist in erster Linie ein Fachtext für Fachleute.

Daraus ergibt sich, dass Sie im Protokoll die jeweilige Fachsprache verwenden. Das Thema Verständlichkeit spielt keine Rolle. Die Nachnutzer, die nicht mit der Fachsprache vertraut sind, müssen sich entsprechend erkundigen.

Daraus ergibt sich weiterhin, dass die Protokollführung ein Grundwissen (kein Expertenwissen) zu den Fachwörtern braucht. Ansonsten ist übrigens auch kein sinnvolles Mitschreiben möglich.

Aus der Präzision im sprachlichen Ausdruck ergibt sich der Wert des Protokolls beim Nachnutzen. Weitere sprachliche Anforderungen sind:

Beachten Sie bitte: Die indirekte Rede im Konjunktiv spielt immer nur bei der wortwörtlichen Wiedergabe von Redebeitragen im Verlauf eine Rolle.

Ergebnisse dürfen niemals im Konjunktiv dargestellt werden! Darauf können sich die Nachnutzer ansonsten nicht verlassen.

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Tipps zur Protokollführung

Effektive Protokollführung erfordert nicht nur eine gute Vorbereitung, sondern auch spezifische Techniken und Herangehensweisen während der Veranstaltung. Hier sind einige bewährte Tipps, die Ihnen dabei helfen, ein präzises und nützliches Protokoll zu erstellen:

Die Aufgaben im Protokoll festhalten:

Position des To-Dos im Protokoll: To-Dos sollten beim Protokollschreiben klar und deutlich dokumentiert werden. So ist sichergestellt, dass alle Teilnehmenden wissen, welche Aufgaben bis wann erledigt werden müssen. Es gibt zwei gängige Methoden, um To-Dos im Protokoll festzuhalten: 

a) Innerhalb der Tagesordnungspunkte: Erfassen Sie To-Dos unmittelbar nach dem entsprechenden Tagesordnungspunkt, in dem diese festgelegt wurden. Dies hilft den Verantwortlichen, den Kontext und die Details der Aufgaben zu verstehen.

b) Am Ende des Protokolls: Fassen Sie alle To-Dos am Ende des Protokolls in einer separaten Liste zusammen. Diese Übersicht ist besonders nützlich, um einen schnellen Überblick über die Aufgaben (z. B. für Führungskräfte) zu erhalten.

Struktur der Aufgaben: Unabhängig davon, wo Sie die To-Dos im Protokoll platzieren, sollten Sie immer klar strukturiert und leicht nachvollziehbar sein. Am besten eignet sich dafür eine Tabelle. Eine gängige Tabellen-Struktur kann wie folgt aussehen:

Nachbereitung des Protokolls

Ausfertigung und Korrektur: Erstellen Sie das Protokoll möglichst zeitnah nach der Veranstaltung. Ihre Erinnerungen können ansonsten schnell verblassen, was die exakte Erstellung des Protokolls erschwert.

Die Protokollführung kann und sollte „Offenbare Unrichtigkeiten“ korrigieren:

– Rechtschreibfehler
– Zahlendreher
– Stilfehler

Protokollierung in speziellen Kontexten

Die Protokollführung kann je nach Art der Veranstaltung und den spezifischen Anforderungen variieren. Folgende besondere Aspekte sind beim Protokollschreiben in verschiedenen Kontexten zu beachten:

Virtuelle Meetings:

Protokollführung in internationalen Kontexten:

Rechtliche Aspekte der Protokollführung

Zusammenarbeit im Team

Die Moderation kann die Protokollführung wie folgt unterstützen:

Mit dieser Unterstützung durch die Moderation wird die Protokollführung optimiert.

Häufige Fehler beim Protokollieren und wie man diese vermeidet

Vorteile eines gut geführten Protokolls

Wenn Sie beim Protokollschreiben alles Wesentliche beachtet haben, können alle Nachnutzer von den folgenden Vorteilen profitieren:

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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Beitrag auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet und das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

FAQs

Was ist ein Protokoll?

Ein Protokoll (eine Niederschrift) ist die formale und inhaltliche schriftliche Dokumentation einer Veranstaltung in der Zeitstufe Präsens.

(Davon zu unterscheiden ist das so genannte „Diplomatische Protokoll“. Dieses beinhaltet den festgelegten Ablauf, z. B. bei einem Staatsbesuch.). Wird hier in diesem Artikel nicht thematisiert.

Wozu schreibt man ein Protokoll?

Im Arbeitsalltag werden Aufgaben verteilt oder Regeln festgehalten, um den Arbeitsprozess zu steuern. Des Weiteren geht es darum alle Beteiligten auf den aktuellen Stand zu bringen.

Im juristischen Kontext geht es darum, mit Beschlüssen eine abgesicherte Grundlage für Verwaltungshandeln zu haben.

Was gehört in ein Protokoll?

Das Protokoll hat einen formalen Teil (Protokollkopf und Protokollfuß) und einen inhaltlichen Teil (Tagesordnungspunkte mit den Ergebnissen und evtl. dem Verlauf).

Welche Protokollarten gibt es?

Es gibt grundsätzlich – methodisch gesehen – nur zwei Arten von Protokollen: Ergebnisprotokoll und Verlaufsprotokoll. Das Gesamtprotokoll kann eine Mischung sein. Ein Tagesordnungspunkt ist entweder Ergebnisprotokoll oder Verlaufsprotokoll.

Des Weiteren gibt es andere Benennungen von Protokollen, die auf bestimmte Besonderheiten hinweisen: Gedächtnisprotokoll, Simultanprotokoll, Wortprotokoll, Kurzprotokoll, …

Protokollschreiben als Kompetenz:

Das Protokollschreiben perfekt zu beherrschen, ist im Berufsleben eine wertvolle Qualifikation. Dies gilt im besonderen Maße für die Assistenz. Darüber hinaus können aber auch alle anderen Mitarbeitenden in verschiedenen Veranstaltungen ihre Kompetenz zeigen.

Literaturhinweis:
Beckmann/Walter. Protokollführung – juristisch und sprachlich korrekt. Verlag C.H.Beck, 3. Auflage