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Mut ist ein geübter, bewusster Schritt aus der Komfortzone

Experteninterview

4 min

Veränderung braucht Mut – und Mut braucht Veränderung. Niemand weiß das besser als Michael Wigge: Er fing mehrfach ganz von vorn an, immer wieder – mit Erfolg. Heute zeigt er als Trainer anderen Menschen, wie auch sie den Mut zur Veränderung finden.

10 Fragen an Michael Wigge

Was bedeutet „Mut“ für dich persönlich?

Für mich bedeutet Mut, bewusst einen Schritt zu machen, obwohl ich spüre, dass etwas in mir zögert. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst – Mut ist die Entscheidung, trotzdem zu gehen.

Bitte beschreib uns dein Training bei der Haufe Akademie.

Ich biete Trainings für Mut, Veränderungsbereitschaft, Resilienz und mentale Stärke an: Komfortzonen-Management, Motivationsstrategien und Veränderungspsychologie sind – unter anderem – zentrale Inhalte. Dabei gehe ich interaktiv, humorvoll und praxisorientiert an die Sache heran: Die Teilnehmer:innen gehen so am Ende des Tages mit konkreten Tools und „Next Steps“ nach Hause. Ich erlebe regelmäßig, dass Menschen anschließend offener kommunizieren, selbstbewusster sind – und mutigere Entscheidungen treffen. Das ist für mich der schönste Teil meiner Arbeit.

Kannst du dir erklären, warum „mutig sein“ für viele Menschen heute etwas Negatives ist?

Mut bedeutet Unsicherheit, Kontrollverlust und das Gefühl, Fehler machen zu können. Viele Menschen verwechseln ihn mit Risiko oder Unberechenbarkeit. Dabei ist Mut eigentlich ein geübter, bewusster Schritt aus der Komfortzone – nichts Chaotisches.

„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst – Mut ist die Entscheidung, trotzdem zu gehen.“

Michael Wigge

Hast du das Gefühl, dass uns Deutschen der Mut abhanden gekommen ist?

Ich glaube, die deutsche Kultur ist tendenziell vorsichtiger – wir planen, wir sichern ab, wir analysieren gern. Das ist auch eine große Stärke. Aber im Vergleich zu anderen Ländern fehlt manchmal die Leichtigkeit, Dinge einfach auszuprobieren: Fehler gehören dazu, Experimente sind erlaubt, und der Mut, Neues zu wagen, wird gefeiert. 

Warum braucht eine Gesellschaft mutige Menschen und mutige Unternehmen? 

Weil Mut Innovation schafft, Wandel ermöglicht und Zukunft baut. Ohne mutige Menschen hätten wir keine technischen Entwicklungen, keine Start-ups, keine gesellschaftlichen Veränderungen und keine Lösungen für große Herausforderungen.  

Was steht diesem „Mut“ oft im Wege? 

Vor allem zwei Dinge: Angst vor Bewertung und Perfektionismus. Beides lähmt.  

Wie bekämpft man die Angst vor dem Mutigsein? 

Indem man sie nicht bekämpft – sondern mitnimmt. Dabei wirken kleine tägliche Veränderungen wie Trainingseinheiten: Früher aufstehen, einen Anruf machen, eine neue Sprache lernen, Routinen brechen. So lernt das Gehirn: Veränderung ist nicht gefährlich. 

Gibt es im Business-Leben ein Modell, angstfreier und mutiger zu werden?

Ich arbeite viel mit einem 3-Stufen-Modell: Zuerst die Komfortzone erkennen, dann die Entwicklungszone betreten und schlussendlich eine Erfolgszone integrieren. So entsteht ein agiles, resilientes Mindset. Das funktioniert für einzelne Führungskräfte und ganze Organisationen.

Wie kann ein Change zum Mutigsein im Leben aussehen?

Die Komfortzone einmal täglich bewusst verlassen. Neue Routinen aufbauen. Veränderungen als Training betrachten. Und sich selbst erlauben, unperfekt zu sein.

Was ist deine persönliche nächste „Mutprobe“?

Mut war bei mir oft der Moment, in dem ich gesagt habe: „Ich fange neu an, obwohl ich nicht weiß, was passiert.“ Ich bin ohne Geld um die Welt gereist, habe öfter beruflich komplett neu angefangen, bin in die USA ausgewandert. Gerade laufe ich mit fast 50 die „50 Gipfel“-Challenge. Aber meine größte Mutprobe ist mein Umzug zurück nach Deutschland – und die bewusste Entscheidung, mein Leben noch einmal neu auszurichten. Denn Mut heißt für mich: Weitergehen. Egal wie alt man ist.

„Denn Mut heißt für mich: Weitergehen. Egal wie alt man ist.“

Michael Wigge

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