Mut ist der Rohstoff für Innovation
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Was passiert, wenn ein über 100 Jahre altes Traditionsunternehmen beschließt, nicht nur Gold zu scheiden – sondern Zukunft? Im Gespräch erzählt Reinhard Bochem, wie er hanseatische Tradition so weiterdenkt, dass daraus Innovation wird.
„Als nächstes wird es einen Whisky mit Feinmetall drin geben.“
Reinhard Bochem ist Gesellschafter und Inhaber der über 100 Jahre alten Edelmetall-Scheideanstalt Schiefer & Co. in Hamburg – mitten im rauen Bahnhofsviertel St.Georg. Er führt das Unternehmen in der dritten Generation und überlegt sich nun, durch welche Innovationen er es attraktiv für seine beiden Söhne machen kann.
Reinhard, was müssen wir uns unter einer Scheideanstalt vorstellen?
Wir gewinnen die Rohmetalle, wie Halbzeuge und Legierungen, die Schmuckschmiede brauchen, um Schmuck zu machen. Zu unseren Kunden zählen 1.500 Gold- und Silberschmiede in ganz Deutschland. Wir bieten diesem sinnlichen Handwerk und der Kunst den vollständigen Wertstoffkreislauf für Gold, Silber, Platin und Palladium. Außerdem handeln wir mit allen gängigen Anlegermetallen.
Den Weg in diese Branche hattest du ja eigentlich nicht geplant...
Ich habe ursprünglich nach der Schule die Bundeswehr bereichert. Danach bin ich nach Paris gegangen: Dort habe ich mich vom Au-pair-Boy zum Assistenten des Leiters der Abteilung Creative Services bei RalphLauren entwickelt, Showrooms dekoriert und solche Dinge. Danach arbeitete ich lange als Werbefilm-Producer. Mein Vater war hier über viele Jahre erfolgreich mit einem Partner. Und als die Arbeit ein bisschen überhandnahm und er die 80 überschritten hatte, hat er sich gewünscht, dass ich mich bei ihm engagiere – so wie ich mich jetzt freue, meine Söhne bei mir zu haben.

“Aber ich will mich immer weiterentwickeln – ich will meinen Söhnen ja auch was übergeben.”
Das nennt man wohl „gelebte hanseatische Tradition“. Dabei spielt bei dir Innovation eine mindestens genauso wichtige Rolle.
Es ist einfach ein starker Traditionsbezug, den wir hier haben. Aber ich will mich immer weiterentwickeln – ich will meinen Söhnen ja auch was übergeben. Bis 2012 hat das Unternehmen hier nur im Keller gearbeitet. Dann ergab sich die Gelegenheit, den über uns angesiedelten Puff zu übernehmen. Wir haben zuerst mit dem Hochparterre begonnen, in dem sich heute unser Ankauf befindet. Danach haben wir die oberen Etagen zum „Goldamt“ umgebaut – einem Wohnbüro mit Betten für Schmuck-Designer. Da konnte ich meine Erfahrung bei Ralph Lauren natürlich gut gebrauchen. So haben wir einfach immer wieder über Dinge nachgedacht, die man erneuern könnte. Und da kamen wir irgendwann aufs Waschgold. Woher man Naturgold bekommen könnte, was nicht aus Minen direkt abgebaut wird, sondern einfach in der Natur gefunden wird. Mein Traum war damals, aus der Natur Lapplands Nuggets zu nehmen und daraus Legierungen herzustellen. Wir sind die erste deutsche Scheideanstalt, die FairTrade-Gold anbietet.
„Wir sind aus dem Seminar als ein Team herausgegangen, das immer mehr Innovation produzieren möchte.”
Reinhard Bochem
Welches Weiterbildungsangebot der Haufe Akademie hast du besucht und was waren deine Erwartungen?
Die Ideen, die ich habe, musste ich oft allein umsetzen: Die 30 Mitarbeiter, die hier arbeiten, sind alle im Tagesgeschäft verhaftet. Sie haben relativ wenig Zeit, sich mit Innovationen zu beschäftigen. Irgendwann ist mir dann die Haufe Akademie begegnet. Ich war schwer beeindruckt, denn ich habe genau das Angebot gefunden, das mich am meisten interessiert hat: Das Inhouse-Seminar speziell zum Thema Innovationsmanagement.
Dieses Seminar zu buchen und mit meinen Mitarbeitern über gemeinsame Pläne zu diskutieren, war für mich im ersten Moment schwierig. Ich habe mich damit in ein Experiment begeben. Und ich habe meine Mitarbeiter eingeladen, dabei zu sein. Diejenigen, die Zeit hatten und an dem Tag das Tagesgeschäft kurzfristig ruhen lassen konnten, hatten die Chance, mit mir eine gemeinsame Strategie fürs Unternehmen zu entwickeln.


Wie hast du den Inhouse-Seminartag erlebt?
Für mich war der Tag ein sehr innovativer Tag. Wir sind durch Ideen gesurft. Wir sind gut geleitet worden. Es war im Verhältnis zu meiner Erwartungshaltung wesentlich besser – einfach, weil ich Sorge hatte, dass das Tagesgeschäft immer mal wieder unterbricht und wir so vom Pfad abgebracht werden. Aber der Dozent war sehr resilient gegenüber unseren Zwischenfragen, Zwischenrufen, Nachfragen. Wir haben einfach einen tollen Tag gehabt. Ein solches Inhouse-Seminar hat unser Team zusammengeschweißt.
Welchen Gewinn hast du aus dem Seminar gezogen?
Meine Grundmotivation war, im Team die Sensibilität und das Engagement für ein ganz besonderes Projekt freizusetzen. Dabei ging es um Duftmedaillons. Das sind kleine Duftgeneratoren, die man sich um den Hals hängt. Wir stellen sie aus Platin, aus Silber oder aus Gold her. Ein kleiner Filz hinten drin nimmt ätherische Öle auf, am Hals reagiert das mit der Körperwärme. So hat man ätherische Düfte praktisch ständig um sich. Im Haus gab es dafür bisher keine große Leidenschaft – einfach, weil wir uns bisher alle als Rohmetaller verstanden haben. Ich wollte über dieses Seminar eine allgemeine Richtung erarbeiten – mit dem Ziel, dass wir im Team dieses Produkt verkaufen wollen. Dass wir uns auch als Hersteller eines Schmuckprodukts sehen. Und das ist uns gelungen. Wir sind aus dem Seminar als ein Team herausgegangen, das immer mehr Innovation produzieren möchte. Als nächstes wird es einen Whisky mit Feinmetall drin geben.
Innovation braucht Mut – und ein gutes Handwerkszeug
Im Interview mit Reinhard Bochem wird klar: Auch ein Traditionsunternehmen kann Zukunft gestalten, wenn Ideen Raum bekommen und konsequent weitergedacht werden. Wenn du Innovation in deinem Bereich strukturierter anstoßen und umsetzen willst, gibt dir das Seminar Innovationsmanagement praxisnahe Tools – von der Ideenfindung bis zum tragfähigen Business-Plan.
Für wie wichtig erachtest du, dass Unternehmer heute mutig sind?
“Als Unternehmer ist Mut unabdingbar. Er ist der Weg zum Erfolg.
Denn ohne den Mut, etwas aufbrechen zu wollen, ohne den Mut, Dinge verändern zu wollen, wird diese Gesellschaft keine neuen Führungspersönlichkeiten bekommen. Die dann auch die gesamte Gesellschaft vorwärtsbringen. Und die dazu führen, dass Deutschland vielleicht irgendwann auch wieder ein mutiges Land wird.”
Danke, Reinhard, für das Gespräch.

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