Wer Transformation will, ist ohne Mut vollkommen verloren
Moderne Führung braucht heute mehr als Pathos und Prozesse. Sie braucht vor allem eins: Mut. Genau darüber spricht Peter Baumgartner seit vielen Jahren – als Berater, Coach und Hochschuldozent.

10 Fragen an Peter Baumgartner
Wie definierst du „Mut“?
Mut bedeutet nicht, Gefahren blind zu übersehen– sondern sie sehend zu überwinden. Dabei ist er nicht immer heldenhaft wild, laut und basiert auch nicht auf endloser Durchschlagskraft. Der Mut, den ich meine, ist die aufrichtige und zuhörende, die reflektierende und empathische Haltung anderen Menschen gegenüber.
Wie überwindet man Angst und Mutlosigkeit?
Es gibt leider kein Paraderezept für den Umgang damit. Flugangst, Sprechangst, die Angst, etwas falsch zu machen – all das hat ähnliche Wurzeln, aber individuelle Ausprägungen. Mein Rat: Wer etwas Neues anfangen will, hört am besten mit etwas Altem auf.
Dein Seminar bei der Haufe Akademie heißt „Mut im Management“. Warum brauchen heute Manager Mut? Fehlt es Unternehmen an Mut?
Ja. Viele halten nur fest, was sie haben, und machen nur, was sie können. So entwickelt man sich nicht weiter. Das passiert nur an der Grenze. Wer heute eine Transformation will, ist ohne Mut vollkommen verloren.

„Wer etwas Neues anfangen will, hört am besten mit etwas Altem auf.”
Peter Baumgartner
Erzählst du uns kurz von deinem Training? Worum geht es dabei?
Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen kommen für zwei Tage zusammen, um radikal ehrlich zu sein – in einem stetigen Wechsel aus Vortrag, Diskussion, Partner- und Gruppenarbeit, Präsentation und Übungen. Am Abend reflektieren wir den ersten Tag und legen die Themen für den nächsten fest. Dabei stimme ich Inhalte situativ auf die Teilnehmer:innen ab: Jede:r erhält individuelle Seminarunterlagen und passende Mutsymbole.
Was nimmt man aus deiner Veranstaltung mit?
Das entscheidet jeder für sich. Was ich aber mitgebe, ist, dass Führungskräfte Menschen mutig wachsen lassen müssen. Das vermittle ich durch ein breites Spektrum aus Wirtschaft, Psychologie, Kunst und Literatur – von Sir Carl Poppers „Optimismus ist Pflicht“ bis zu Falcos „Alles. Immer alles.“.
Inwieweit geht es dabei heute um „moderne Führung“?
Es geht jede Minute um moderne Führung. Wir können heute nicht mehr so führen wie vor Jahrzehnten – jetzt geht es um Klarheit und Wirkung, Empathie und Emotion. Mein erstes, 2007 erschienenes Buch heißt „Manager müssen Mut machen“. Titel und damit verbundener Anspruch sind für mich zeitlos gültig.
„Wir können heute nicht mehr so führen wie vor Jahrzehnten – jetzt geht es um Klarheit und Wirkung, Empathie und Emotion.”
Peter Baumgartner
Was zeichnet einen modernen Leader heute aus?
Weniges aus Hochglanzprospekten und Social-Media-Postings. Vielmehr eine gelungene Kombination aus Nahbarkeit und Vertrauen, Kommunikation und Zugehörigkeit.
Wie erleben die Menschen deine Veranstaltungen? Sind sie mutiger geworden?
Lassen wir doch exemplarisch einen Teilnehmer antworten: „Platt, müde, erschöpft. Kopf ist voll, aber total happy und voller Tatendrang. Danke, Peter!”
Ob Wirtschaft, Politik oder Kultur – Mutlosigkeit ist weit verbreitet. Wer fällt dir ein, den du gerne mal in deinem Training begrüßen würden?
Eine Namensliste wäre hier und jetzt weder vollständig noch fair. Aber diejenigen, denen der Zukunftsblick fehlt und vor allem die, die mutlos und selbstgefällig agieren, wären wohl genau richtig.
Was ist deine persönliche nächste „Mutprobe“?
Ich denke, dass alle unsere Mutproben ziemlich bedeutungslos sind – ob im Sport oder in der Wirtschaft. Dort, wo es existenziell wird, ist der wahre Mut gefragt. Und zu finden. Um aber die Frage zu beantworten: Das wird wohl eine lange, sehr hohe Skitour mit Steigeisen und Pickel sein.
































