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Warum wir mehr mit dem Bauch denken sollten.

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6 min

Ein Plädoyer dafür, Intuition in unseren Entscheidungen ernster zu nehmen. Denn manchmal weiß unser Bauch längst, was der Kopf noch zerdenkt – und Mut heißt, diesem Gefühl zu vertrauen.

Wie oft hast du schon gewusst, dass du richtig liegst – lange bevor du es begründen konntest? Ein Jobangebot, das sich „irgendwie nicht gut anfühlt“. Eine Person, mit der man einfach sofort klickt. Eine Entscheidung, die du in Sekunden triffst, ohne zu wissen, warum – einfach so, aus der Intuition heraus.

Dieses unbestimmte Gefühl, tief im Inneren, ist unser Bauchgefühl. Und obwohl es uns so oft die Richtung weist, zweifeln wir an ihm, als wäre es unvernünftig. Wir rechnen, vergleichen, analysieren. Wir suchen Sicherheit, wo eigentlich Vertrauen in uns selbst gefragt wäre. Doch diese Form von Selbstvertrauen braucht Mut. Denn wer auf sein Bauchgefühl hört, verlässt das Terrain der Kontrolle – und betritt das der Überzeugung.

Lass deinen Körper entscheiden

Die Forschung ist sich mittlerweile ziemlich einig: Unser Bauchgefühl ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung und unbewusster Mustererkennung. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio fand dies bereits in den 1990er Jahren heraus. Er beobachtete Patienten, deren Verbindung zwischen Emotion und Verstand im Gehirn durch Verletzungen unterbrochen war. Diese Menschen konnten Daten perfekt analysieren, aber keine Entscheidungen mehr treffen.

Ihnen fehlte, was Damasio den „somatischen Marker“ nennt: das körperliche Signal, das uns spüren lässt, was richtig oder falsch für uns selbst ist. (Quelle: Damasio, A. R. (1994). Descartes’ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain. University of Iowa – Research Profile)

Seitdem gilt als gesichert: ohne Gefühl kein Denken. Und ohne Körper kein Gefühl. Das erklärt, warum wir bei mutigen Entscheidungen manchmal Herzklopfen bekommen oder ein flaues Gefühl im Bauch. Unser Körper weiß, dass etwas auf dem Spiel steht – oft noch bevor unser Kopf es begreift. Und genau dort beginnt Mut: wenn wir akzeptieren, dass dieses Gefühl stimmt.

„Ohne Gefühl kein Denken. Und ohne Körper kein Gefühl.”

Wenn Intuition schneller wirkt als Logik

Ich erinnere mich an ein Vorstellungsgespräch, das auf den ersten Blick perfekt war: Super Gehalt, sympathisches Team, tolle Perspektiven. Trotzdem war da dieses Unbehagen, das ich nicht loswurde. Damals dachte ich: „Mach mal, das wird schon“ – und bereute es schon ein paar Monate später. Mein Bauch hatte recht gehabt.

In solchen Momenten seinem Instinkt zu folgen, beweist Courage. Denn auf das Bauchgefühl zu hören, heißt, sich gegen den lauten Chor der Vernunft zu stellen. Es bedeutet, eine Entscheidung zu treffen, obwohl man sie noch nicht vollständig erklären kann.

Der deutsche Entscheidungsforscher Gerd Gigerenzer beschreibt in seinem Buch „Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“, dass Menschen, die in komplexen Situationen ihrer Intuition vertrauen, oft bessere Entscheidungen treffen als jene, die alles bis ins Detail zerdenken. Der Kopf sucht Beweise, der Bauch erkennt Zusammenhänge.

Natürlich kann auch er sich irren – besonders, wenn Angst oder Stress den Blick trüben. Doch wer mutig genug ist, innezuhalten und die eigene Stimme im Lärm zu hören, findet meist den klareren Weg.

Stille erzählt uns mehr, als wir denken

Das Problem ist selten, dass wir keine Intuition haben. Wir überhören sie nur. In einer Welt, in der Daten, Meinungen und Erwartungen lauter sind denn je, ist Stille zu einem seltenen Luxus geworden. Und genau dort, in dieser Stille, spricht das Bauchgefühl. Manchmal braucht Mut keine Bühne, sondern nur einen Moment der Ruhe. Einen Spaziergang, tiefes Atmen, die Bereitschaft, kurz nicht zu reagieren. Bewegung hilft, weil sie den Körper aktiviert – und der Körper ist nun mal der Resonanzraum der Intuition.

Ein kleiner Trick, der erstaunlich zuverlässig funktioniert: Wenn du zwischen zwei Möglichkeiten schwankst, triffst du probehalber eine Entscheidung – und spürst, wie dein Körper reagiert. Wird dir warm ums Herz oder zieht sich etwas zusammen? Das ist dein innerer Kompass.

Wissen entsteht im Kopf, Mut im Bauch

Intuition entwickelt sich dort, wo Wissen und Mut aufeinandertreffen. Je mutiger wir entscheiden, desto verlässlicher wird auch unser Bauchgefühl – weil es auf mehr Mustern beruht. Wer mehr Mut zulässt, erweitert nicht nur seinen Kopf, sondern auch sein Gespür für Entscheidungen, die zu ihm passen.
Wenn du lernen möchtest, diesem inneren Kompass noch klarer zu vertrauen, lohnt sich ein Blick in das Seminar „Stressabbau & Resilienz durch Embodiment – Wenn Kopf und Bauch ein Team bilden“ der Haufe Akademie. Dort geht es um Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung und Entscheidungsstärke – kurz: um die Fähigkeit, die eigene Intuition mit Mut und Bewusstsein zu verbinden.
Denn wer seinem Bauch vertraut, entscheidet nicht nur schneller, sondern authentischer.

Mutig zu sein, heißt manchmal einfach auf sich selbst zu hören.

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