Digitalisierung ist ein Arschloch

An manchen Tagen schaue ich in meinem überquellenden Posteingang und fühle mich ruckartig in meine Schulzeit versetzt. Digitalisierung ist ein Arschloch. Der Schreck und die Ohnmacht, die mich beim Anblick von 414 ungelesenen Mails befallen – diese Gefühle kenne ich. Denn es gab eine Zeitlang einen richtig blöden Typen in meiner Parallelklasse. Der liebte es, mich hinterrücks zu erschrecken, mich fest in den Schwitzkasten zu nehmen und erst nach gefühlten Ewigkeiten loszulassen.

Damals fühlte ich mich klein, beschämt, unterlegen und machtlos und versuchte gleichzeitig, mir ja nichts anmerken zu lassen – denn schließlich wollte ich mir vor niemandem eine Blöße geben. Mit der Informationsflut der Digitalisierung geht es mir ähnlich: Egal wohin ich mich wende und welchen Weg ich nehme, die nächste Anforderung wartet schon. Und wieder versuche ich, mir äußerlich möglichst wenig anmerken zu lassen, während ich mich durch neue Apps, Tools und jede Menge Mails kämpfe und mich dabei oft reichlich überfordert fühle.

Und deswegen möchte ich es einfach mal deutlich aussprechen: Digitalisierung kann tatsächlich ein echtes Arschloch sein. Wie so viele verbringe ich einen Großteil meiner wachen Lebenszeit am Arbeitsplatz und kann dabei täglich beobachten, wie Digitalisierungsfortschritte langfristig jeden in die Ecke drängen, der sich den notwendigen Lernprozessen nicht stellt. Wie in der alten Geschichte vom Igel und dem Hasen ist der andere immer schon da, wenn man erwartungsvoll über die Ziellinie hoppelt.

Allerdings habe ich seit meiner Schulzeit auch das ein oder andere dazugelernt. Zum Beispiel, dass Ausweichen oder Aussitzen nichts bringt.

Dass es – zumindest für mich – besser ist es, Unangenehmem fest ins Gesicht zu sehen und mir zu überlegen, wie ich die Situation gerne handeln würde. Und diese Strategie funktioniert für mich auch rund um das Thema Digitalisierung. Ich bin als Kind der 70er sicher kein „digital native“ und werde nie ein Technik- Nerd werden, aber: Ich werde mich auch nicht einschüchtern lassen von all den neuen Anforderungen, die sich mir stellen. Ich übe mich sozusagen in „digitalem Karate“: Ich werde mich weiter kontinuierlich informieren und mir helfen lassen, wenn ich feststelle, dass ich mich überfordert fühle – denn für jede Anforderung, die mir von Digitalisierung in den Weg geworfen wird, gibt jemanden, der sein Know-how dazu gerne weitergeben möchte.

Fazit: Yup, die Digitalisierung kann zwar ein Arschloch sein – aber wie langweilig wäre die Welt, wenn man sich an nichts messen könnte?

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