Working out loud: Wie der offene Austausch Ihre Arbeit beflügelt

Wissen teilen und vernetzt arbeiten – jeder weiß, dass wir so besser werden könnten. Nur an der Umsetzung hapert es: Wie gelingt innovative Kollaboration im Alltag? „Working out loud“ könnte die Antwort ein.

1. Was ist Working out loud?
2. Working out loud Elemente: Wie funktioniert WOL?
3. Die neue Arbeitswelt möchte WOL
4. Wie Sie die 5 Grundprinzipien von Working out loud verinnerlichen
5. Working out loud verhilft zu mehr Agilität, Motivation und neuen Ideen
6. Beispiele: Hier wird WOL genutzt
7. Tipps: Wie kann ich Working out loud für mich umsetzen?
8. So finden Sie einen Work Out Loud-Circle!

Der Austausch mit anderen inspiriert und regt uns zu neuen Ideen an. Das war schon vor dem digitalen Zeitalter so, aber das Internet und die sozialen Medien haben Netzwerken enorme Bedeutung verliehen. Kommentieren auch Sie Beiträge auf Twitter, schreiben Blogbeiträge oder veröffentlichen Videos online? Dann haben Sie schon erste Schritte in Richtung „Working-Out-Loud“ (WOL) unternommen – eine Methode, um Vorhaben mit der Hilfe von anderen anzugehen und selbst dabei sichtbar zu werden. Bei WOL geht es darum, sein Wissen zu teilen statt es eifersüchtig zu hüten – Wissensmanagement also, von dem jeder profitiert.

In der neuen Arbeitswelt stehen vernetztes Arbeiten und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit hoch im Kurs. „Working out loud beinhaltet dabei Elemente des klassischen Netzwerkens – nur geht die Methode systematisch vor und stellt die Nachhaltigkeit der Beziehungen in den Vordergrund“, erklärt Ute Blindert, Buchautorin und Expertin für das Netzwerken und die digitale Zusammenarbeit. Der zentrale Gedanke hinter der Working out loud-Methode: Mit welchen Menschen muss ich in Beziehung treten, um mein Vorhaben zu realisieren? Aber nicht nach dem Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“, sondern indem wir offen etwas ins Netzwerk geben und dafür neuen Input zurückbekommen.

Erfahren Sie, warum Sie Ihr Wissen teilen sollten, was Sie für WOL brauchen und wie Sie damit sich und Ihre Fähigkeiten weiterentwickeln!

Was ist Working out loud?

Working out loud (WOL) ist eine Selbstlern-Methode, um Beziehungen zu anderen aufzubauen, um Fähigkeiten zu entwickeln und Ziele zu erreichen. Dabei teilt man sein Wissen und macht seine Arbeit sichtbar, sodass jeder davon profitieren kann. Man erschafft sein ganz persönliches Expertennetzwerk. John Stepper entwickelte die Lernmethode und machte sie 2015 durch die Veröffentlichung seines Buches „Work out Loud“ bekannt. Gleichzeitig stellte er auf seiner Website sogenannte Working Out Loud-Circle Guides kostenfrei zur Verfügung, die seitdem weltweit als Anleitung dienen.

Working out loud Elemente: Wie funktioniert WOL?

Drei bis fünf Teilnehmer treffen sich über zwölf Wochen lang für eine Stunde pro Woche in sogenannten Circles, virtuell oder live. Bei jedem dieser Treffen wird gemeinsam an den Zielen der einzelnen Circle-Mitglieder gearbeitet – unter Berücksichtigung der WOL-Grundprinzipien Beziehungen, Großzügigkeit, Sichtbarkeit, zielgerichtetes Verhalten und wachstumsorientiertes Denken. Um die Prinzipien zu verinnerlichen, können die Übungen der Circle-Guides von John Stepper genutzt werden. So beginnt man in der Regel damit, die für sein Vorhaben hilfreichen Menschen und Netzwerke zu identifizieren und mit diesen in Kontakt zu treten – ein Like oder Kommentar zu einem Blogbeitrag oder Tweet reicht im ersten Schritt. Später lernt man, selbst einen sinnvollen Beitrag zu leisten und seine Arbeit sichtbar zu machen, zum Beispiel durch einen eigenen Tweet.

Die neue Arbeitswelt möchte WOL

In volatilen Zeiten wie heute, in denen eine Innovation die nächste jagt, sind behäbige Unternehmen mit starrer Hierarchie und Silostruktur schnell abgehängt – Agilität ist in der neuen Arbeitswelt gefragt. Doch um schnelle Entscheidungen treffen und Entwicklungen anstoßen zu können, müssen Informationen frei zwischen Abteilungen und Mitarbeitern fließen. Haben Sie es auch schon erlebt, dass halbherzig unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, vernetztes Arbeiten und Mitarbeiterengagement gefordert, aber selten ein Mittel dazu bereitgestellt werden? So verlassen wir Seminare mit Menschen unterschiedlichster Unternehmenskultur und denken uns „Wow, der Austausch war wirklich spannend und erleuchtend – warum machen wir das nicht häufiger?“

Hier setzt Working out loud an: Durch das regelmäßige Treffen in einer Kleinstgruppe wird das Teilen von Wissen sowie Kollaboration systematisiert – und damit zur Gewohnheit. Man ändert seine Arbeitsweise nachhaltig und baut sich ein eigenes Expertennetzwerk auf, auf das man jederzeit zurückgreifen kann. „WOL ist gerade in Unternehmen ein fantastisches Werkzeug, um Menschen zusammenzubringen und sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt Ute Blindert. Zudem zielt WOL auf die Entwicklung von Fähigkeiten ab, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören laut einer LinkedIn-Studie von 2017 zum Beispiel Wissensmanagement, funktionsübergreifende Kompetenzen sowie Gesprächs- und Verhandlungsführung – alles Fähigkeiten, die mit WOL gezielt trainiert werden.

Es geht bei Working out loud nicht darum, Ziele zu erreichen –  sondern darum, Beziehungen zu Menschen aufzubauen. (John Stepper)

Wie Sie die 5 Grundprinzipien von Working out loud verinnerlichen

Sie müssen sich nicht streng an die Anleitungen von John Stepper und seinen WOL-Circle Guides halten, um von Working out loud zu profitieren.

Beherzigen Sie die WOL-Grundprinzipien und wandeln Sie sie für sich ab – auch das wird Ihre Arbeit bereits interessanter und besser machen!

  • Beziehungen: Bauen Sie nachhaltige Beziehungen auf – nicht durch gezieltes Geben und Nehmen, sondern indem Sie sinnvoll etwas beitragen.
  • Großzügigkeit: Teilen Sie Ihr Wissen großzügig – erwarten Sie keine Gegenleistung, sondern tun Sie es, um etwas Konstruktives beizutragen und das Netzwerk zu stärken.
  • Sichtbarkeit: Machen Sie Ihre Arbeit sichtbar, auch – und gerade wenn – Sie noch nicht abgeschlossen oder perfekt ist. Die Sichtbarmachung sollte dem Netzwerk dienen und nicht der Selbstdarstellung!
  • Zielgerichtetes Verhalten: Richten Sie ihre Aktivitäten auf ein einziges Ziel. Überlegen Sie sich, welche Ressourcen Sie dafür brauchen und was Sie beitragen können, um dem Ziel näher zu kommen.
  • Wachstumsorientiertes Denken: Seien Sie aufgeschlossen und neugierig und entdecken Sie die vielen Möglichkeiten, die Sie ihrem Ziel näher bringen.

Working out loud verhilft zu mehr Agilität, Motivation und neuen Ideen

Warum Working out loud? Kommen Sie nicht auch auf viel bessere Ideen und Lösungen, wenn Sie sich mit anderen austauschen? Oder haben das Gefühl, sich dadurch beruflich und privat weiterzuentwickeln? Wir entdecken durch den Austausch mit anderen Menschen neue Themen und lernen kontinuierlich – umso besser, wenn wir dies auch für unseren Job nutzen können!

Und bei der Lernmethode Working Out Loud profitiert jeder, egal ob das Unternehmen oder die Teilnehmer selbst. Davon ist auch Ute Blindert überzeugt, die bereits selbst an mehreren Work Out Loud-Zirkeln teilgenommen hat: „Ich kam mit Menschen verschiedenster Hintergründe ins Gespräch und arbeitete dennoch weiterhin an meinen ganz persönlichen Zielen – und das mit wirklich wenig Aufwand.“ Auf die Kritik, dass nicht alles an Working out loud wirklich neu sei, reagiert sie gelassen. „Natürlich ist nicht alles neu an WOL – aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Die Methode strukturiert das Netzwerken und ermutigt zum In-Beziehung-kommen. Durch die Reflektion in der Gruppe erhalte ich ganz andere Perspektiven auf meine Fragen – andere denken für mich! Und das ist unheimlich wertvoll.“

Working out loud bricht Silos auf. Wir können uns systematisch mit anderen austauschen und von deren Erfahrungen und Wissen profitieren. Gleichzeitig baut man ein belastbares Beziehungsnetzwerk auf und lernt ständig dazu. Wir sind agiler, mehren durch WOL unser Wissen, entwickeln neue Fähigkeiten und Lösungsansätze und verbessern nachhaltig unsere Arbeit. Davon profitieren auch Führungskräfte und Unternehmen. Natürlich ist das Offenlegen der eigenen Arbeit für viele zunächst eine Hemmschwelle – doch auch kleine Schritte reichen hier völlig. Wenn Sie bereits ein wenig von ihren Projekten erzählen und Ihre Erfahrungen öffentlich teilen, tragen Sie bereits etwas Wertvolles zur Gemeinschaft bei!

Beispiele: Hier wird WOL genutzt

Menschen, die sich und ihre Arbeit öffnen und sich mit anderen vernetzen, können mehr Einfluss auf ihre Arbeit nehmen – das motiviert! Auch Urs Kohlmeier, Berater Inhouse-Training bei der Haufe Akademie, weiß eine offene Arbeitsweise im Team zu schätzen. In seiner Abteilung wurde das sogenannte Team-Recruiting eingeführt, über das sich die Mitarbeiter in einem Community-Termin regelmäßig austauschen  – „Working Out Loud Light“, sozusagen. „Durch diese Art von Circle können wir unsere Arbeit einordnen. Wo stehen wir eigentlich im Vergleich zu anderen? Was machen wir gut und was können wir verbessern? Es hilft einfach sehr dabei, unsere Arbeit besser zu machen!“, erzählt Kohlmeier.

„Es braucht einzig und allein Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, über sich und andere nachzudenken.“ (Ute Blindert)

Hier einige Beispiele von Unternehmen in Deutschland, die die Methode Working out loud in Reinkultur oder aber in abgewandelter Form nutzen:

Bosch 

Der Pionier unter den deutschen Unternehmen. 2015 startete der erste Working Out Loud Circle bei Bosch in enger Zusammenarbeit mit WOL-Erfinder John Stepper. Bis heute haben über 1.000 Mitarbeiter aus 40 Ländern an einem WOL Zirkel teilgenommen, Kommunikation und Organisation laufen über eine unternehmenseigene Plattform. Working Out Loud ist heute fester Bestandteil des Trainingsprogramms. Das Unternehmen ist Teil der „Working Out Loud Community of Practise“, in der acht Großkonzerne vertreten sind (siehe auch Continental AG).

Sipgate

Das Unternehmen entwickelt Telekommunikationsprodukte und versteht sich als Netzwerkorganisation mit hohem Mitarbeiterengagement. Jeden zweiten Freitag ist „Open Friday“: Die Mitarbeiter veranstalten eine Konferenz, bei der neue Projekte angestoßen und spezifische Probleme gelöst werden. Nach der anfänglichen Themenplanung in großer Runde teilt sich diese in kleine Arbeitsgruppen auf.

Continental

Auch bei der Continental AG nutzten bereits mehr als 1.000 Mitarbeiter die Methode Working out loud. Eingeführt wurde sie von Harald Schirmer aus dem Bereich Digitale Transformation und Change. 2017 veranstaltete Schirmer sogar Live-Circles über Skype – jeder konnte sich so einen WOL-Circle im Internet anschauen.

Haufe Group

An der Haufe Akademie wurde in einigen Bereichen das Team-Recruiting eingeführt: Nicht die Teamleitung, sondern das Team selbst gestaltet den Bewerbungsprozess und führt die Bewerbungsgespräche mit potenziellen neuen Kollegen. Einmal im Monat treffen sich Mitarbeiter der gesamten Haufe Group in einem Community-Termin zum Thema Team-Recruiting und tauschen sich zu laufenden Fragen und Projekten aus – auch über virtuelle Kanäle.

Gut zu wissen
Möchten Sie die Working out loud-Methode auf breiter Ebene bei sich im Unternehmen einführen und dabei die WOL-Circle Guides nutzen, müssen Sie bei Entwickler John Stepper eine kostenpflichtige Lizensierung anfragen. Für einzelne Personen hingegen – auch in Unternehmen – ist die Nutzung der Guides kostenfrei.

Tipps: Wie kann ich Working Out Loud für mich umsetzen?

Mit fremden Menschen in den zu Dialog zu treten, kostet Überwindung, ja. Aber eine gemeinsame Denkweise schafft eine starke Verbindung und beiderseitiges Interesse. WOL-Erfinder John Stepper ist das beste Beispiel: Dankt man ihm per Twitter, folgt in der Regel ein freundliches „Like“. Nie war es einfacher als heute, inspirierende Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Haben Sie Mut und trauen Sie sich – die Möglichkeiten und Kanäle sind vielfältig!

New Work-Experte Dr. Sebastian Hollmann stellt 10 Fragen vor, die Ihnen helfen, Ihren eigenen Working Out Loud-Weg zu gehen:

1. Finden Sie heraus, was Erfolg für Sie persönlich bedeutet – was ist Ihr „Warum“?
2. Definieren Sie Ihr persönliches Ziel – was wollen Sie konkret erreichen?
3. Erweitern Sie bewusst Ihr Netzwerk – wer kann Ihnen bei Ihrem Ziel helfen?
4. Finden Sie die für Sie passenden Kanäle/Medien. Seien Sie präsent – online und offline! Nutzen Sie Social Media-Kanäle, Blogs, Podcasts oder Veranstaltungen – es gibt viele Möglichkeiten.
5. Zeigen Sie Interesse an inspirierenden Personen. Äußern Sie Feedback und Wertschätzung!
6. Sprechen Sie interessante Personen einfach an – es ist ungewohnt, aber tut nicht weh!
7. Teilen Sie eigene Gedanken und Erkenntnisse mit anderen – erwarten Sie dafür nichts!
8. Finden Sie Ihre persönliche Verknüpfung von Lernen und Arbeiten!
9. Bringen Sie Menschen innerhalb Ihres Netzwerks miteinander in den Dialog!
10. Bleiben Sie nicht stehen und erweitern Sie Ihr Netzwerk fortlaufend!

So finden Sie einen Work Out Loud-Circle!

Es ist mittlerweile einfach, einen WOL-Zirkel zu finden, auch in Deutschland. Eine Anlaufstelle ist die Homepage der deutschen Community. Darüber hinaus gibt es eine sehr gut organisierte Facebook-Gruppe und eine App, den CircleFinder.

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