Wie Frauen Selbstsabotage im Job vermeiden

Immer wieder begegne ich in meinem Job Frauen, die gut qualifiziert und sehr talentiert sind – und ihr Potenzial doch nicht voll ausschöpfen. Denn leider tendieren sehr viele Mitarbeiterinnen dazu, sich selbst und ihre Leistungen im Unternehmen klein zu reden und ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Sie begehen regelrecht Selbstsabotage und machen es sich schwer, sich bei Beförderungen und anderen Karriereschritten gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen. Überprüfen Sie doch mal, ob Sie folgende Selbstsabotage-Akte von sich selbst kennen – und wenn ja, dann probieren Sie unbedingt unsere Gegenstrategie aus –und berichten uns, wie gut das klappt.

Das Krabbenphänomen verhindern

Das Krabbenphänomen tritt auf, wenn Frauen sich gegenseitig schwächen – so, wie es Krabben gerne tun: Will ein Tier aus dem Eimer krabbeln, zwicken die anderen es zurück. Bei uns Menschen sieht das so aus, dass Frauen sich gegenseitig eher sabotieren anstatt sich bei ihren Karrierezielen zu unterstützen, ganz nach dem Motto „Wenn wir es nicht schaffen, schaffst du es auch nicht!“. Während Männer ihre Ziehsöhne und Nachfolger fördern, handeln Frauen oft nach der Devise „Ich musste mir meinen eigenen Erfolg hart erarbeiten, also sollst du es auch nicht leicht haben“.

Die Gegenstrategie: Statt sich das Arbeitsleben gegenseitig schwer zu machen, sollten Frauen lernen, einander zu stärken und sich viel mehr miteinander, aber auch mit männlichen Kollegen, vernetzen. Eine Untersuchung der Fraunhofer Gesellschaft zeigt, dass beide Geschlechter den Männern mehr strategische Netzwerkkompetenzen zuschreiben als den Frauen. So gehen Männer auch mal „mit dem Feind essen“, um ein Ziel zu erreichen. Frauen dagegen vernetzen sich weniger mit Personen, die ihnen Nutzen bringen, sondern eher mit denen, zu denen sie eine gute Beziehung haben, die sie nett finden und mögen. Auf diese Weise können sie zwar zum Beispiel die Kinderbetreuung sicher-stellen, aber nicht zielstrebig eine Abteilung führen und Karriere machen. Da-her mein Rat an alle Frauen: Springt über euren Schatten und setzt eure Kontakte auch strategisch ein!

Selbstsabotage im Job ¬– diese Tipps helfen

Frauen neigen dazu, sich selbst Steine in den Weg zu legen. Folgende Techniken der Selbstsabotage sollten Sie kennen, um sie bei sich selbst entdecken und sich davon befreien zu können:

  • Die Dornröschen-Technik: Dornröschen schlief 100 Jahre lang, bis sie endlich wachgeküsst wurde. Wie Dornröschen warten viele Frau-en im Job darauf, dass ein Prinz in Gestalt ihres Vorgesetzten angeritten kommt, ihre Qualitäten erkennt und sie beispielsweise befördert. Mein Tipp: Handeln Sie proaktiv und sagen Sie Ihrem Chef, was Sie sich wünschen! Sonst warten Sie möglicherweise vergebens.
  • Die Aschenputtel-Technik: Aschenputtel wollte es allen anderen recht machen. Sie gehorchte den Befehlen ihrer Stiefmutter und ihrer Stiefschwestern widerspruchslos. Erst als sie sich den Erwartungen widersetzte, fand sie ihren Prinzen und wurde glücklich. Soll heißen: Gehen Sie Ihren eigenen Weg, nur der bringt Sie vorwärts.
  • Die Mona Lisa-Technik: Ihr geheimnisvolles Lächeln hat die Mona Lisa weltberühmt gemacht. Was in der Kunst funktioniert, führt in der Arbeitswelt nicht zwangsläufig zum Erfolg. Frauen, die immerzu lieb sind und lächeln, werden nicht ernst genommen. Mein Rat: Setzen Sie auch mal ein Pokerface auf oder hauen Sie ordentlich auf den Tisch. Man wird Sie danach vielleicht weniger nett finden, Ihnen aber mehr zutrauen.
  • Die Annika-Technik: Wissen Sie, wen ich meine? Eben. Niemand spricht über die angepasste Annika, die im sogenannten Tiefstatus verharrt. Stattdessen sprechen alle über die wilde Pippi Langstrumpf. Frau-en neigen dazu, sich klein zu machen. Einige tun dies unbewusst durch ihre Körpersprache, indem sie beispielsweise die Schultern gesenkt halten. Andere verhalten sich „klein“ und zeigen Angst, wie Annika. Zum Beispiel indem sie ihre Erfolge zu Zufällen erklären: „Da habe ich aber Glück gehabt!“ statt „Ich bin halt gut!“. Auch Frauen, die an der Wand entlang in den Meeting-Raum schleichen, um nicht im Mittelpunkt zu stehen, stehlen sich selbst Aufmerksamkeit. Stellen Sie sich vor, wie Pippi den Raum eingenommen hätte – und vergessen Sie Annika!

Selbstsabotage im Job vermeiden: Die Impftheorie anwenden

Die Impftheorie sieht vor, dass Frauen anderen „einimpfen“, was ihnen wichtig ist. Bei Angestellten in Führungspositionen können dies beispielsweise Werte sein, die sie in der Kultur ihrer Abteilung verankern wollen. Aber auch Mut oder Motivation lassen sich in schwierigen Zeiten einimpfen. Auch Mitarbeiterinnen ohne Führungsposition sollten diese Theorie für sich nutzen und transparent machen, was sie wollen. Denn nur so haben sie die Chance, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden.

Haben Sie sich in einem der Szenarien wiedererkannt? Heften Sie sich eine Notiz mit Ihrer häufigsten Selbstsabotage-Technik an den Computerbildschirm – zum Beispiel „Mona Lisa“. Und falls Sie eine gute Freundin am Arbeitsplatz haben, machen Sie ein Coaching daraus: Wer entdeckt welche Sabotagetechnik beim anderen? Sie werden sehen: Wenn Sie sich selbst nicht mehr sabotieren, werden auch andere Ihnen den Weg freimachen.

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Wir freuen uns, wenn Sie uns Rückmeldung geben: haben Sie sich bei manchen Selbstsabotage-Akte wiedererkannt? Welche Verhaltensweisen fallen Ihnen bei Ihren Kolleginnen auf? Fällt es Ihnen leicht – oder ehr schwer – die Gegenstrategie gegen Selbstsabotage im Job anzuwenden? Wir sind gespannt auf Ihr Feedback!

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