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AUSGABE 02 - BALANCE

Stress beginnt im Kopf. Resilienz auch.

Lesezeit: 6 min

Trainerin Anja Helm erklärt, wie Innehalten, Selbstreflexion und kleine Routinen helfen, Stress gesünder zu bewältigen und resilienter zu werden.

„Im Umgang mit Stress haben wir mehr Einfluss, als viele denken.“

Expertin Anja Helm im Interview

Anja, du bist Trainerin und Coach für Resilienz, Kommunikation, Konfliktkompetenz und Führung. Wer kommt zu dir in die Workshops? Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen?

Die Teilnehmenden sind so vielfältig wie die Themen, an denen wir arbeiten - von Menschen, die in den Beruf einsteigen bis zu erfahrenen Fach- und Führungspersönlichkeiten kommen sie aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammen. Jede und jeder kommt mit individuellen Zielen, hinter denen Erwartungen - und wie du sagst Hoffnungen - stecken. Die wohl wichtigste Erwartung ist: „Es muss mir wirklich etwas bringen!“ Also keine Theorie um der Theorie willen, sondern konkrete Ansätze, die im Alltag funktionieren - kombiniert mit einem offenen Erfahrungsaustausch. Meine Aufgabe ist es, von Anfang an eine Atmosphäre zu schaffen, die diesen vertrauensvollen Austausch ermöglicht. Darauf aufbauend entwickeln wir gemeinsam Strategien, die zur jeweiligen Situation passen und sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Wir alle wissen: Dauerbelastung, häufige Unterbrechungen und Zeitdruck können zu Energieverlust und Unzufriedenheit führen. Sie können richtig krank machen. Wie lassen sich diese Stressauslöser vermeiden oder auf gesunde Art und Weise bewältigen?

Im Umgang mit Stress haben wir mehr Einfluss, als viele denken. Wir können an unserem Denken ansetzen, unseren Körper gezielt einbeziehen - etwa über Atmung oder Bewegung - und unser Verhalten im Alltag bewusst gestalten.

Erzähl uns bitte etwas mehr darüber. Ist der erste Schritt dabei nicht erst einmal die Selbstreflexion?

Selbstreflexion ist tatsächlich eine wichtige Grundlage von Selbstführung. Gleichzeitig beginnt Veränderung oft noch einen Schritt früher - nämlich mit einem bewussten Innehalten, einem Gedankenstopp. Im Alltag reagieren wir häufig sehr automatisch und sind schnell in der Bewertung von Situationen oder auch von anderen Menschen. Der erste Schritt ist deshalb, überhaupt erstmal einen Moment zu schaffen, in dem wir aus diesem Automatismus aussteigen.

In diesem Moment wechseln wir von der Bewertung in die Beobachtung: Was passiert hier gerade eigentlich - und was passiert bei mir?

Erst auf dieser Basis wird echte Selbstreflexion möglich. Und genau daraus entsteht dann die Möglichkeit, bewusst anders zu fühlen, zu denken und zu handeln. Voraussetzung: kluge Fragen wie zum Beispiel die Frage: „Ist das wahr, was ich denke?“

„Haltung verleiht Halt: Alles, was geschieht, ist für mich und führt mich weiter!

Eine deiner Methoden ist das Improtheater. Das musst du uns näher erklären.

Beim Improtheater ist nichts zuvor festgelegt - kein Drehbuch, keine Regie. Die Beteiligten reagieren aufeinander, nehmen Ideen auf und entwickeln daraus gemeinsam eine Szene. Es geht also weniger ums Schauspielern im klassischen Sinne, sondern darum, spontan zu sein, zuzuhören und miteinander etwas entstehen zu lassen. Und genau diese Fähigkeiten sind auch im beruflichen Alltag gefragt. Etwa wenn es darum geht, flexibel auf Situationen zu reagieren, im Austausch zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Die Teilnehmenden profitieren von typischen Prinzipien wie dem „Ja-Und-Prinzip“. Situation annehmen und dem Weiterführen statt zu blockieren. Dem Prinzip der „Fehlerfreundlichkeit“, denn Fehler sind kein Problem, sondern oft der Anfang von etwas Neuem. Weiter die „Interaktion und Co-Kreation“. Erfolge entstehen gemeinsam. Und natürlich das Prinzip „Präsenz im Moment“ und das damit verbundene echte Zuhören. Insgesamt zahlen alle Prinzipien auf die 7 Resilienz-Kompetenzen ein. Im Workshop biete ich dazu Übungen wie „Kill your Darling“ - Storytelling -, „Spiegeln“ oder auch „Statuswechsel“.

„Power dank Pause!”

Verrate uns bitte, wie Führungskräfte ihre mentale Widerstandsfähigkeit stärken können?

Haltung verleiht Halt: Alles, was geschieht, ist für mich und führt mich weiter! Mentale Widerstandsfähigkeit lässt sich konkret in drei Feldern stärken: Veränderungsflexibilität, Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge.

Das heißt: Annehmen, was ist - „Challenge accepted“. Darüber hinaus im Alltag einmal bewusst Routinen hinterfragen, die eigene Wirksamkeit durch kleine konkrete Schritte erleben, indem sich die Führungskraft bewusst fragt: „Was hat durch mein Handeln heute einen Unterschied gemacht?“ und gleichzeitig gut auf die eigene Energie zu achten - etwa durch klare Grenzen und ganz besonders durch Mikropausen und Schlaf. Power dank Pause!

Gerade die scheinbar einfachen Strategien, wie das bewusste Strohhalm-Atmen oder die regelmäßige Bewegung können wir sehr gut in den Alltag integrieren. Genau da setze ich in meinen Trainings an: Wir übersetzen diese „einfachen“ Schritte in konkrete Alltagssituationen und machen erlebbar, welche Wirkung sie tatsächlich haben.

So wird aus Erkenntnis eine neue Routine

Ist-Analyse

Wir starten mit einer Standortanalyse: Wo stehen die Teilnehmenden aktuell? Welche Herausforderungen, Konzentrationskiller und Zeitdiebe erleben sie? Und welche Muster spielen im Alltag immer wieder eine Rolle?

Energie bewusst steuern

Darauf aufbauend geht es um praktische Hebel für mehr Leistungsfähigkeit. Der wichtigste Ansatz: bewusster in Energiezyklen arbeiten, statt einfach nur mehr zu leisten. Fokussierte Phasen werden gezielt genutzt, Pausen und Regeneration konsequent eingeplant.

In den Alltag übertragen

Damit Erkenntnisse nicht nur Impulse im Training bleiben, arbeiten die Teilnehmenden mit konkreten Wenn-Dann-Plänen: Wenn ich in eine stressige Situation komme, dann halte ich kurz inne und richte mich bewusst auf mein Ziel aus. So wird aus Erkenntnis eine Handlungsroutine.

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