„Ich entscheide, worüber ich mich ärgere.“
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Sarah Louise Schwehn arbeitet in einem Umfeld, in dem Druck, klare Worte und spontane Probleme dazugehören. Im Interview erzählt sie, wie sie gelernt hat, Ärger bewusster zu begegnen — und warum sie heute ruhiger, klarer und sogar besser einschläft.
„Dem ‚Ärger-Kumpan‘ gehe ich jetzt einfach aus dem Weg.“
Ihr Lachen ist ansteckend. Ihre tiefe Gelassenheit absolut überraschend. Wer Sarah Louise Schwehn kennenlernt, begegnet einer Frau, die anscheinend die perfekte Balance zwischen Arbeitsalltag und Privatleben gefunden hat. Wie kann das sein? Schließlich ist sie in ihrer Funktion als Projektassistenz für den Bereich Ingenieurbau bei der Hering Bahnbau GmbH nach eigener Aussage „Mädchen für alles“. Druck bestimmt ihren Alltag. Denn zu ihren Aufgaben gehören neben der klassischen Vorbereitung von Baustellen, wie dem Einholen von Genehmigungen und der Korrespondenz mit Behörden, auch die Assistenz der Bauleitung bei der Einsatzplanung und die Kolonnenzusammenstellung. Hat ihre Ausgeglichenheit vielleicht doch etwas mit ihrer Teilnahme am Seminar „Schluss mit Frust – Die Anti-Ärger-Formel fürs Büro” zu tun?

Baustellen haben ja oft die Eigenschaft, dass sie länger dauern als geplant. Sarah, wie lebt man damit, immer der Buhmann zu sein?
Ich weiß, dass es für die Fahrgäste immer mit Verärgerung zu tun hat, wenn eine Baustelle länger dauert. Für uns als Auftragnehmer aber auch. Warum läuft das nicht? Warum seid ihr immer noch dran? Warum geht es hier nicht weiter? Diesen Ärger bekommen wir natürlich auch oftmals ab. Beziehungsweise unsere Jungs auf der Baustelle. Das ist manchmal schon eine Belastung.
Das Baugewerbe ist immer noch sehr männerdominiert. Hat das für dich eher Vorteile oder Nachteile?
Na ja, ich muss mich schon mal durchsetzen. Wichtig ist, dass ich auf gar keinen Fall empfindlich bin. Denn es ist eine Baustelle. Und der Ton ist dort nicht immer „Heititei, Friede, Freude, Eierkuchen“. Da geht es auch schon mal ganz klar zur Sache. Ich versuche, die Jungs so gut wie es geht zu lenken. Dass sie das machen, was ich will. Manchmal tun sie es, manchmal weniger.

„Vor dem Seminar war ich meinen Emotionen und auch meinem nicht rationalen Denken komplett ausgesetzt.“
Sarah Louise Schwehn
Du hast dir das Seminar „Schluss mit Frust – Die Anti-Ärger-Formel fürs Büro“ bei der Haufe Akademie bewusst ausgesucht. Was waren deine Erwartungen?
Mir ging es um die Fragen: Wie entsteht Ärger? Warum ärgere ich mich? Und was macht das mit meinem Körper? Weil ich für mich lernen wollte, wie ich mit Frustration und Ärger umgehen kann. Wie ich ihn besser packen kann, damit er mich nicht so sehr beschäftigt. Damit ich ihn auch besser loswerde und für ein besseres Miteinander sorgen kann.
Erzähl uns bitte etwas mehr über die Veranstaltung.
Die Dozentin war unglaublich einfühlsam und sehr witzig. Wir hatten richtig viel Spaß und es hat auch total wettgemacht, dass es online war. Vor dem Seminar war ich meinen Emotionen und auch meinem nicht rationalen Denken komplett ausgesetzt. Das heißt, ich habe sehr schnell reagiert, ohne mir wirklich auch Gedanken darüber zu machen, warum handelt der eine oder andere gerade so. Es gab zum Beispiel die Aufgabe „Sei kein Ärger-Kumpan. Sei ein Sparringspartner“. Das bedeutet: Wenn ich mich jetzt über eine Sache ärgere, dann suche ich mir Kollegen, die mir offen und ehrlich zuhören, aber mir dabei helfen, mein Problem zu lösen.
Dem „Ärger-Kumpan“ versuche ich einfach aus dem Weg zu gehen, denn er bringt mich nicht weiter.


Was hast du sonst noch für deinen Arbeitsalltag mitnehmen können?
Heute akzeptiere ich mein Gegenüber so, wie er ist und heute ärgere ich mich nur über die Dinge, über die ich mich ärgern möchte. Das Seminar ist für mich ein Ventil geworden, eine Möglichkeit, meinen Stress abzubauen, meinen Ärger nicht aufkochen zu lassen.
Denn Ärger wirkt sich auf den Körper aus, in verschiedenster Art und Form. Ich bin angespannt, ich bin wütend. Aber auch: Ich weiß gar nicht, wohin mit mir. Ich fühle mich ein bisschen ohnmächtig. Gerade abends im Bett, wenn das Gedankenkarussell anfängt, sich zu drehen und man sich in die eine oder andere Situation noch mal gedanklich reinversetzt. Heute weiß ich, dass ich dem nicht ausgesetzt bin, das stoppen kann. Ich sage mir dann: Du kannst da gegensteuern, Sarah. Du kannst das anpacken. Das ist unglaublich viel wert für mich und für mein Wohlbefinden.
„Heute ärgere ich mich nur über die Dinge, über die ich mich ärgern möchte.“
Sarah Louise Schwehn
Was ist die wichtigste Veränderung, die du gespürt hast?
Ich kann einschlafen. Schlaf ist wichtig, ich brauche meinen Schlaf. Das ist jetzt super. Das Seminar hat mich auf jeden Fall gesundheitlich viel weitergebracht.

Gelassener mit Ärger umgehen
Wie entsteht Ärger — und wie lässt er sich stoppen, bevor er den ganzen Tag bestimmt? Das Seminar „Schluss mit Frust – Die Anti-Ärger-Formel fürs Büro“ vermittelt praktische Strategien für mehr Gelassenheit, bessere Kommunikation und einen bewussteren Umgang mit Stresssituationen im Arbeitsalltag.
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