Unser heutiger Arbeitsalltag ist geprägt von ständiger Veränderung. Um in diesem Umfeld voranzukommen, brauchst du eine Schlüsselkompetenz: divergentes Denken – die Kunst, in viele Richtungen zu denken. Denn: Maschinen sind uns zwar im logischen Denken voraus, doch Kreativität bleibt eine menschliche Stärke. Sie ist dein Werkzeug für Innovation, Problemlösung und Zukunftsfähigkeit. Hier erfährst du, was divergentes Denken ausmacht und wie du es trainieren kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Divergentes Denken ist die Fähigkeit, vielfältige Lösungsansätze zu entwickeln, statt nur nach einer richtigen Antwort zu suchen.
- Divergentes vs. konvergentes Denken: Während konvergentes Denken auf Logik und Eindeutigkeit setzt, eröffnet divergentes Denken neue Verbindungen und ungewohnte Perspektiven.
- Vorteile im Arbeitsalltag: Divergentes Denken stärkt Problemlösungskompetenz, fördert Innovation sowie Anpassungsfähigkeit und verbessert die Zusammenarbeit.
- Beispielmethoden: Klassische Übungen sind Brainstorming, Perspektivwechsel oder Brainwriting – Methoden, die Ideenvielfalt anregen.
- Training: Mit kleinen Übungen im Alltag kannst du direkt damit starten, divergentes Denken zu etablieren. Entwickle am besten eine tägliche Routine. Unser Workbook (PDF)
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Was ist divergentes Denken?
Divergentes Denken ist die Fähigkeit, zu einer Fragestellung viele unterschiedliche Lösungen zu entwickeln – statt nur nach der einen „richtigen“ Antwort zu suchen. Der Begriff wurde vom Psychologen Joy Paul Guilford geprägt.
Im Kern steht ein offener, experimentierfreudiger Denkprozess: Du sammelst Ideen, schaust aus verschiedenen Blickwinkeln auf ein Problem und stellst Verbindungen zwischen scheinbar unzusammenhängenden Konzepten her. So entstehen neue Ansätze jenseits der gewohnten Muster.
Divergentes Denken gilt als Grundlage kreativer Problemlösung und lässt sich mit gezielten Übungen systematisch trainieren.
Ein einfaches Beispiel für divergentes Denken: Stell dir die Frage „Wie kann man eine Büroklammer nutzen?“. Statt nur an das Zusammenhalten von Papier zu denken, lasse auch unkonventionelle Ideen zu, wie etwa: Schmuckstück, SIM-Karten-Öffner, Lesezeichen etc.
Wie unterscheiden sich divergentes und konvergentes Denken?
Divergentes und konvergentes Denken sind zwei grundlegend verschiedene kognitive Strategien:
- Konvergentes Denken zielt auf eine einzige richtige Lösung ab. Es ist analytisch, logisch und folgt klaren Regeln. Typische Einsatzfelder sind Aufgaben mit klarer Antwort – etwa Rechenaufgaben.
Divergentes Denken öffnet den Raum für vielfältige Lösungswege und unerwartete Verbindungen. Es ist experimentell, spielerisch und erlaubt Regelbrüche.

Ein Beispiel, das den Unterschied verdeutlicht:
- Bei der konvergenten Frage „Welches chemische Symbol steht für Sauerstoff?“ gibt es nur eine richtige Antwort.
- Bei der divergenten Frage „Welche Möglichkeiten gibt es, eine Tasse zu nutzen?“ sind zahlreiche verschiedene Antworten möglich – vom Kaffeetrinken über den Stifthalter bis zum Blumentopf.
Die nachstehende Tabelle zeigt divergentes und konvergentes Denken im Überblick:
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Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz verändern Prozesse und Anforderungen in rasantem Tempo. Doch inmitten dieser Dynamik gibt es eine Fähigkeit, die bleibt – und immer wertvoller wird: kreatives Denken. Dieses Workbook begleitet dich Schritt für Schritt durch den kreativen Denkprozess, von der Problemdefinition bis zur Umsetzung deiner Idee.
Divergent denken im Arbeitsalltag: Was sind die Vorteile?
Divergent zu denken, verschafft dir im beruflichen Kontext entscheidende Vorteile:
- Gesteigerte Problemlösungskompetenz: Du betrachtest Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven und entwickelst unkonventionelle Lösungen.
- Förderung von Innovation: Du überwindest Betriebsblindheit und trägst dazu bei, neue Produkte, Services oder Prozesse zu entwickeln.
- Bessere Teamarbeit: In Teams sorgt divergentes Denken für eine offene Kommunikationskultur und bereichert Brainstorming-Prozesse.
- Mehr Anpassungsfähigkeit: Du reagierst flexibler auf Veränderungen und baust Resilienz gegenüber Unsicherheit auf.
- Wettbewerbsfähigkeit: Je stärker KI die Arbeitswelt bestimmt, desto bedeutsamer wird die menschliche Fähigkeit zum kreativen Querdenken.
Besonders in strategischen und führenden Positionen ist divergentes Denken essenziell. Es ermöglicht dir, Probleme ganzheitlich zu betrachten und zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.
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Divergentes Denken: Beispiele und praktische Übungen
Divergentes Denken lässt sich trainieren – am besten mit Übungen, die Routinen durchbrechen und neue Impulse geben. Hier findest du drei Methoden, die du sofort ausprobieren kannst:
Ideen-Sturm in begrenzter Zeit
Bei dieser Übung geht es darum, in kurzer Zeit möglichst viele Ideen zu einem Thema zu sammeln, ohne sie zu bewerten. Stelle dir dazu ein Problem und setze einen Timer auf 3–5 Minuten. Schreibe alles auf, was dir einfällt – egal wie absurd. Ziel ist die Menge, nicht die Bewertung. Die Zeitbegrenzung aktiviert dein divergentes Denken, da sie den kritischen inneren Zensor ausschaltet und spontane Assoziationen fördert.
Beispiel: „Wie ließe sich der Kundenservice spielerisch verbessern?“
- Avatar, der humorvoll durch Prozesse führt
- Punkte oder Badges für Feedback
- Minispiele während der Wartezeit
- Service-Challenges: „Wenn du uns ein kreatives Feedback gibst, erhältst du …“
- …
Perspektivwechsel für neue Impulse
Bei dieser Methode betrachtest du ein Problem bewusst aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Schlüpfe gedanklich in verschiedene Rollen und überlege, wie diese Personen die Herausforderung angehen würden. Diese Übung erweitert deinen Horizont und durchbricht festgefahrene Denkprozesse.
Beispiel: “Wie könnten wir unsere Meetingräume umgestalten?”
- als Unternehmer:in: flexible Ausstattung zur vielseitigen Nutzung, Buchungstool für effiziente Auslastung
- als Techniker:in: bessere technische Ausstattung für reibungslose Meetings
- als Kind: Farbe hineinbringen, um die Stimmung zu heben
- als Designer:in: formschöne, ergonomische Möbel, genügend Licht etc.
Brainwriting im Team
Diese Gruppenübung ist eine Weiterentwicklung des klassischen Brainstormings. Jedes Teammitglied notiert drei Ideen zu einer Fragestellung auf ein Blatt und gibt es dann an die nächste Person weiter. Diese baut auf den vorhandenen Ideen auf oder lässt sich davon zu neuen Gedanken inspirieren. Nach mehreren Runden entsteht ein Pool an vielfältigen, sich ergänzenden Lösungsansätzen.
Brainwriting hat den Vorteil, dass auch zurückhaltende Teammitglieder ihre Gedanken einbringen können und Gruppendynamiken weniger Einfluss auf den kreativen Prozess haben.
4 Techniken, um divergentes Denken zu trainieren
Um divergentes Denken systematisch zu entwickeln, hilft ein strukturierter Trainingsansatz. Diese fünf Techniken unterstützen dich dabei, deine kreative Denkfähigkeit kontinuierlich zu verbessern und sie in deinen beruflichen Alltag zu integrieren.
1. Sorge für genügend Freiraum
Schaffe dir bewusst Zeit und Raum für kreatives Denken. Divergentes Denken braucht mentale Freiheit und Abstand vom Alltagsstress. Reserviere regelmäßig Zeitfenster, in denen du ungestört nachdenken kannst – sei es ein Spaziergang in der Natur, eine Meditationsübung oder einfach eine Kaffeepause ohne digitale Ablenkungen.
2. Stelle offene Fragen
Trainiere dich darin, Fragen zu stellen, die multiple Antworten ermöglichen. Ersetze geschlossene Fragen (Ja/Nein) durch offene Formulierungen, die mit „Wie könnten wir …?“ oder „Was wäre, wenn …?“ beginnen. Notiere dir zum Beispiel täglich drei solche Fragen zu aktuellen Herausforderungen und sammle verschiedene Antwortmöglichkeiten. Mit der Zeit wird dieses Denken zur Gewohnheit.
3. Schaffe (sinnvolle) Feedback-Loops
Suche regelmäßig Feedback zu deinen Ideen, aber wähle dafür den richtigen Zeitpunkt:
- In frühen Phasen des kreativen Prozesses ist unterstützendes Feedback hilfreich, das dich ermutigt, weiter zu denken.
- Erst später solltest du kritisches Feedback zur Verfeinerung einholen.
Etabliere dafür einen Kreis von Vertrauenspersonen mit unterschiedlichen Perspektiven, die dir ehrliches, konstruktives Feedback geben können. Diese externen Blickwinkel helfen dir, blinde Flecken zu erkennen und deine Ideen weiterzuentwickeln.
4. Arbeite mit kreativen Tools
Digitale und analoge Tools können dein divergentes Denken unterstützen:
- von Whiteboard-Apps wie Canva, Miro oder Ayoa für Mindmapping und Brainstorming
- über Kartensets mit Inspirationsfragen wie „Oblique Strategies”
- bis zu speziellen Moderationsmethoden wie der Kopfstand-Technik (das Problem wird ins Gegenteil verkehrt – „Wie erreichen wir, dass X nicht funktioniert?”) oder dem World Café (Kleingruppen diskutieren an Thementischen und rotieren immer wieder).
Wechsle auch bewusst zwischen unterschiedlichen Tools, um neue Denkwege zu erschließen.
Wie du divergentes Verhalten im Team förderst
Beim divergenten Denken zählt nicht nur die Einzelperson. Damit divergentes Verhalten auch in deinem Team gelebt wird, braucht es eine passende Teamkultur:
- Schaffe gezielt eine Kultur der Offenheit und des Experimentierens und einen sicheren Raum für unkonventionelle Ideen. Reagiere wertschätzend auf kreative Vorschläge und ermutige deine Teammitglieder, auch ungewöhnliche Gedanken zu äußern.
- Implementiere regelmäßige Kreativitätssessions, in denen bewusst divergentes Denken praktiziert wird. Trenne auch hier klar zwischen der Ideen- und Bewertungsphase. Während der kreativen Phase ist keine Kritik erlaubt – selbst scheinbar unrealistische Ideen können wertvolle Impulse liefern.
- Fördere gezielt Vielfalt und interdisziplinären Austausch in deinem Team. Unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Denkweisen bereichern den kreativen Prozess.
- Etabliere eine positive Fehlerkultur, in der Misserfolge als wertvolle Lernchancen betrachtet werden. Experimentierfreude gedeiht nur dort, wo Scheitern erlaubt ist.
Was du jetzt sofort tun kannst, um divergent denken zu lernen
Divergentes Denken ist eine Schlüsselkompetenz für die Arbeitswelt von morgen – und für deine persönliche Entwicklung. Für den Start brauchst du keine besonderen Vorbereitungen, du kannst jetzt gleich damit loslegen:
- Tägliches Training etablieren: Integriere jeden Tag eine kurze Übung für divergentes Denken in deinen Alltag.
- Netzwerk aufbauen: Suche dir Gleichgesinnte, mit denen du Ideen austauschen kannst.
- Reflexion einbauen: Dokumentiere deine Kreativitätsfortschritte und passe deine Methoden an.
- Weiterbildungs-Angebote nutzen: Investiere in professionelle Weiterbildung, die dir hilft, Techniken und Denkansätze zu verinnerlichen.
Auf diese Weise wird divergentes Denken ganz natürlich ein Teil deines Berufsalltags – was dich ideal auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.
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Häufig gestellte Fragen zu divergentem Denken
Welche zwei Arten von Denken gibt es?
In der Psychologie unterscheidet man zwei zentrale Denkarten: divergentes Denken, das auf Ideenvielfalt, Assoziationen und Kreativität setzt, und konvergentes Denken, das auf logisches Analysieren und die eine richtige Lösung fokussiert. Beide Denkweisen ergänzen sich: durch divergente Ideenvielfalt entstehen Innovationen, die anschließend mit konvergentem Denken geprüft und umgesetzt werden.
Warum ist divergentes Denken in der modernen Arbeitswelt wichtig?
Divergentes Denken ist wichtig, weil es die Entwicklung innovativer Lösungen für komplexe Probleme fördert, die nicht mit Standardansätzen gelöst werden können. Auch im Hinblick auf die zunehmende Automatisierung werden kreative, menschliche Denkfähigkeiten zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unser Workbook für Divergentes Denken (PDF) liefert dir neue Ideen und begleitet dich durch den kreativen Denkprozess.
Welche Nachteile kann divergentes Denken haben?
Übermäßiges divergentes Denken kann auch Herausforderungen mit sich bringen. Wenn zu viele Ideen entstehen, ohne dass sie bewertet oder priorisiert werden, besteht die Gefahr von Entscheidungsblockaden. Im Arbeitsalltag ist es daher wichtig, divergentes Denken mit konvergentem Denken zu kombinieren: erst Ideen sammeln, dann die besten auswählen und umsetzen.
Welche Berufsfelder profitieren besonders von divergentem Denken?
Alle Berufsfelder profitieren von divergentem Denken – besonders hilfreich ist es etwa für Design, Marketing, Forschung und Entwicklung, Innovation Management oder Unternehmensberatung. Aber auch in traditionellen Bereichen wie Management, Medizin oder Ingenieurwesen wird divergentes Denken zunehmend wichtiger, um komplexe Herausforderungen zu bewältigen.