Einsatz von systemischen Aufstellungen

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Menschen sind in ihren beruflichen (wie auch privaten) Kontexten verschiedensten Dynamiken ausgesetzt. Jeder kennt den Gedanken: „Es stimmt (noch) nicht für mich”, oder hat erfahren, dass trotz verschiedenster Bemühungen sich das Problem nicht lösen lässt.

Das „Gefühlte“ bearbeitbar machen

Im Coaching, Beratung oder im Training kann die Visualisierung der systemischen Zusammenhänge hilfreich sein, um zu erkennen, warum etwas oder was einer Lösung noch im Wege steht. Das wohl wirksamste Instrument dazu ist die Aufstellungsarbeit. Mit ihr kann es gelingen, das soziale, emotionale und strukturelle Erleben von Menschen differenziert wahrnehmbar und bearbeitbar zu machen. Die Aufstellungsarbeit zählt zum Grundrepertoire des systemischen Coachings. Dadurch wird es möglich, den Coachingprozess zu fokussieren und zu intensivieren.

In der Aufstellung werden Systeme (Teams, Hierarchien, Strukturen, Hindernisse, Ziele und Ressourcen) auf einer Fläche oder im Raum zwei- oder dreidimensional dargestellt. Mit diesen Aufstellungen werden Organisations-, Team- und Projektstrukturen sichtbar und ermöglichen so, selbst eine Außenperspektive einzunehmen, tiefer in die Dynamik einzutauchen und sogar das Konstruieren des gewünschten Zielzustands (bereits das Verändern der Systemdarstellung hin zu einem erwünschten Zustand erweist sich in der Praxis als eine enorm wirksame Intervention).

Unsere Seminarempfehlung: Systemische Aufstellungen
Aufstellungen gehören zu den wirkungsvollsten Instrumenten im Coaching und Beratung. Durch die Aufstellung entsteht die Möglichkeit einer Metasicht. Aspekte der verborgenen Dynamik im System werden sichtbar, erklärbar und bearbeitbar. Lernen Sie, wie Sie Systemaufstellungen erfolgreich in Ihre Coachings und Beratungen integrieren können.
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Beispiel: Aufstellung in einem Projektteam

Die Teammitglieder stehen im Raum so zueinander, wie sie es emotional erleben. Steht man eher drinnen/draußen (Zugehörigkeit), nah/fern (Kontakt), zu-/abgewandt oder unten/oben (Einfluss). Die Aufstellung ermöglicht dem Team, auf sichtbare, spürbare und hörbare Weise ein Bild vom eigenen System zu bekommen und jeder Einzelne erkennt seinen aktuellen Stand im Team. Es wird deutlich, wo und wie er/sie steht, welche Loyalitäten bestehen und mit wem er/sie bei welcher Frage Klärung braucht. Allein diese Sichtbarkeit bewirkt bereits häufig eine Veränderung im Team.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Aufstellungen ermöglichen einen Wechsel auf eine symbolisch-erfahrungsorientierte Ebene. Übliche Rationalisierungsstrategien werden ausgehebelt und der Kunde findet einen intuitiven Zugang zu den darunter liegenden Themen, Ressourcen und Lösungsmöglichkeiten. Um die Dynamiken und Beziehungen in einem sozialen System (Team, Organisation, Arbeitsprozesse) zu verdeutlichen, werden in Aufstellungen folgende Dinge visualisiert:

  • Nähe und Distanz über die Abstände zwischen den Personen und Objekten.
  • Die Qualität der Beziehung: (z. B. locker, belastet, konfliktreich, intensiv).
  • Die Ausrichtung (z. B. zugewandt, nebeneinander, gegeneinander, abgewandt).
  • Machtgefüge (z. B. Stehen, Sitzen, Knien, Podeste).
  • Gestik, Mimik und Körpersprache.
  • Sätze, die für die Situation typische Aussagen, Apelle, Gedanken und Gefühle ausdrücken.
  • Grenzen, z. B. in Form von Seilen, die bestimmen, wer und was dazugehört bzw. ausgeschlossen ist und welche Grenzen im System existieren.
  • Hierarchien, z. B. durch die Rolle, das Alter oder die Reihenfolge des Eintritts in das System.

Nicht immer muss eine Aufstellung mit realen Personen stattfinden. Die folgende Übersicht verdeutlicht, welche Arten von Aufstellungen es gibt:

  • Zwei oder mehrere Menschen drücken in einem Bild (statisch oder dynamisch) ihre Beziehung, -dynamik bzw. Verhaltensmuster aus.
  • Strukturaufstellungen wie z. B. Tetralemma.
  • Bewegte Skulptur, Problem-Lösungsskulptur, verdeckte Skulptur.
  • Aufstellungen mit Menschen und Symbolen für gewisse Themen (z. B. Stühle).
  • Innere Persönlichkeitsanteile, Ambivalenzen/Stimmen/Gefühle werden externalisiert und durch Menschen, Figuren, Stühle oder Sätze visualisiert.
  • Prozesse, Grenzen, Arbeitsprozesse werden statisch visualisiert.

Mögliche Vorgehensweise in einem Coaching

Zu Beginn wird ein Thema bzw. Ziel für die Aufstellung festgelegt, um dann eine konkrete Situation dazu auszuwählen und den wesentlichen Personenkreis zu bestimmen. Nun stellt der Coachee für Personen, Grenzen und Prozesse entweder Menschen, Stühle, Zettel, Seile oder Symbole im Raum oder auf einer Fläche auf. Was sagt dem Coachee das Bild bezogen auf seine Fragestellung? Wie geht es ihm dabei? Der Coach kann die Aufstellung noch verdichten, indem er dem Coachee beauftragt, den Systemteilen noch Sätze zu geben, oder sie in Bewegung kommen zu lassen. Was wird jetzt deutlich? Wie geht es dem Coachee jetzt? Was für konkrete Veränderungsideen entstehen beim Coachee? Achtung: Nur der Coachee kann im System Veränderung initiieren. Nun werden die Auswirkungen überprüft. Wenn im Bild Lösungen entstehen, gilt es, diese für den Alltag zu konkretisieren.

Aufstellungen sind besonders wirksam, wenn aus dem veränderten Bild und den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Schritte für den Alltag entstehen. Diese erarbeitet der Coach mit dem Coachee. Der Grad der Wirksamkeit zeigt sich dann im realen Leben und bringt meist überraschende neue Erkenntnisse für die Person und das Umfeld.

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Über den Autor

Diplom-Sozialpädagoge (FH). Ingo Wölfl arbeitet als systemischer Coach und Berater, Supervisor, Ausbildungsleiter und Lehrtrainer in verschiedenen Coaching-Ausbildungen. Er ist außerdem als
Einzel-, Paar- und Familientherapeut tätig. Seine Schwerpunkte: Teamentwicklung, Führung, Konfliktmanagement. Eer ist außerdem Lehrauftrag an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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