Korruptionsprävention – Compliance kann unterstützen

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Jedes Jahr entstehen Unternehmen infolge von Korruption Schäden in Milliardenhöhe durch Bußgelder, Straf- und Schadenersatzzahlungen. Darüber hinaus haben Unternehmen wie Institutionen unter einem enormen Reputationsverlust zu leiden, wenn Korruptionsfälle aufgedeckt werden. Dieser steigert die negativen finanziellen Auswirkungen weiter. Umso wichtiger ist es, dass Firmen Korruptionsprävention betreiben, um diese Schäden zu vermeiden. Wir zeigen Ihnen, wie Compliance präventiv wirken kann.

Was zählt strafrechtlich zu Korruption?

Bei Korruption handelt es sich strafrechtlich nicht um einen einzelnen Tatbestand, sondern laut Strafgesetzbuch um mehrere verschiedene Straftatbestände, die jeweils einzeln unter den Begriff „Korruption” fallen. Hierzu zählen Vorteilsnahme, Bestechlichkeit, Vorteilsgewährung, Bestechung sowie besonders schwere Fälle von Bestechlichkeit und Bestechung (§§ 299 ff StGB und §§ 331 ff StGB).

Diese Bereiche stecken nur einen strafrechtlichen Rahmen ab, reichen jedoch bis in kleinste Details in Unternehmen. So ergeben sich zum Beispiel Fragen wie: „Darf ich das Geschenk eines Lieferanten annehmen oder fällt dieses Geschenk bereits unter Bestechung?” oder „Darf ich einen Auftrag an das Unternehmen eines Freundes erteilen, als Dankeschön dafür, dass er den Fußballverein meines Sohnes finanziell unterstützt?”.

Die Korruptionsprävention beginnt somit schon bei der Sensibilisierung für Szenarien, die unter Korruption fallen können. Und genau hier setzt ein Compliance-Management-System bereits an. Ein solches System kann sich übrigens laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 9.5.2018 mildernd auf eine mögliche Geldbuße in einem Korruptionsverfahren auswirken. Doch selbstverständlich ist diese strafmildernde Wirkung nicht der alleinige Grund, warum Compliance zur Korruptionsbekämpfung wichtig ist. Denn unabhängig von Compliance-Richtlinien sind Unternehmenslenker dazu verpflichtet, Maßnahmen durchzuführen, die Straftaten aus dem Unternehmen heraus verhindern können. Somit ist Compliance auch unter diesem Aspekt eine adäquate Antwort auf die Frage nach möglichen Mitteln zur Bekämpfung von wirtschaftsbezogenen Straftaten.

Wie diese Prävention genau auszusehen hat, wird vom Gesetzgeber jedoch nicht vorgegeben. Hier haben Unternehmen in der Ausgestaltung freie Hand. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da das große Thema „Korruption” sehr vielschichtig ist und ganz unterschiedliche Sachverhalte sowie Bereiche betreffen kann. Ganz allgemein handelt es sich immer um Maßnahmen, die verhindern sollen, dass eine Person, die ihr anvertraute Macht zum eigenen privaten Nutzen oder zum Nutzen von Dritten missbraucht.

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Wichtige Schritte der Compliance zur Vermeidung von Korruption in Unternehmen

Grundsätzlich decken sich Compliance und Korruptionsprävention thematisch sehr gut, sodass mit der Etablierung eines Compliance-Management-Systems gleichzeitig auch mögliche Korruption im Keim erstickt werden kann. Was notwendig ist:

  • Mögliche Gefahrenbereiche identifizieren: Jedes KMU kann von Korruption betroffen sein. Aus diesem Grund sollten Ihre Compliance-Maßnahmen mit einer genauen Risikoanalyse beginnen.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren: In der Rechtsprechung gilt (für manche Rechtsgebiete und Konstellationen) der Grundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie Ihre Belegschaft umfangreich über Fallstricke und Risiken aufklären und anhand ganz konkreter Fälle erläutern, wo ein Gefallen endet und wo Korruption beginnt.
  • Akzeptanz für das Thema schaffen: Compliance wirkt auf viele Beschäftigte wie ein sehr kompliziertes und sperriges Programm, das „von oben“ eingeführt wird. Um gegen korruptes Verhalten schon im Vorfeld vorzugehen, ist es wichtig, dass Ihre Belegschaft den Sinn und Mehrwert von korrektem Verhalten erkennt und versteht und es täglich lebt. Deshalb sollten Unternehmensführung sowie Führungskräfte immer wieder das Gespräch suchen, auf mögliche Probleme und Risiken hinweisen und Compliance als Vorbild vertreten.
  • Compliance-Richtlinien aufstellen: Aus den Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit Stakeholdern und Geschäftspartnern sollten sich Compliance-Richtlinien ergeben, an welchen sich alle Beteiligten orientieren können. Wohlformulierte Richtlinien zur Prävention von Korruption erleichtern z. B. die tägliche Arbeit enorm und schaffen freie Kapazitäten für Compliance.
  • Eine eigene Compliance-Kultur etablieren: Ein wichtiges Ziel bei der Korruptionsbekämpfung ist erreicht, wenn im Unternehmen eine gute Compliance-Kultur herrscht. Bis dies so weit ist, kann einige Zeit vergehen, schließlich müssen dafür ggf. kritische Verhaltensweisen zunächst bewusst gemacht, besprochen und angepasst werden.
  • Seien Sie Vorbild: Compliance-Verantwortliche, Geschäftsführung und Führungskräfte müssen als Vorbilder agieren. Gerade im Bereich Korruption liefern sie mit ihrem Handeln das Leitbild für alle Beschäftigten. Gleichzeitig zeigen sie anschaulich, dass sie zu den von ihnen mit aufgestellten Compliance-Richtlinien stehen.

Weitere praktische Schritte zur Korruptionsprävention

In der täglichen Praxis ergeben sich aus der „Compliance-Sicht” weitere Vorgehensweisen:

  • Prüfen Sie neue Mitarbeiter und Geschäftspartner: Vertrauen ist bei der Einstellung neuer Mitarbeiter oder dem Aufnehmen neuer Geschäftskontakte gut, Kontrolle ist besser. Prüfen Sie zum Beispiel bei neuen Bewerbern, welche Kontakte zu anderen Firmen bereits bestanden oder bestehen. So vermeiden Sie schon gleich zu Beginn Interessenskonflikte. Gleiches gilt für Geschäftspartner. Um Korruptionsgefahr in Ihrem Unternehmen zu verringern, können Sie gerade in größeren Firmen Jobs rotieren lassen und Beschäftigte an unterschiedlichen Standorten und in verschiedenen Abteilungen arbeiten lassen. So verhindern Sie zum Beispiel mögliche Seilschaften. Ähnlich positiv wirkt, neben anderen Maßnahmen, z. B. das Einführen eines „Vier-Augen-Prinzips”.
  • Bauen Sie Compliance-Know-how auf: Nutzen Sie die Möglichkeit und bilden Sie eigenes Know-how im Bereich Compliance. Hierfür eignen sich Weiterbildungen oder Fortbildungen für Mitarbeiter, die als Compliance-Officer oder -Manager in Ihrer Firma agieren. Damit haben Sie zugleich Verantwortliche gefunden, die Ihr Compliance-Management-System mit dem nötigen Fachwissen steuern und weiterentwickeln können.

Fazit: Korruptionsprävention fängt mit Aufklärung an

Korruptionsprävention ist ein großes Wort. Dabei fängt sie bereits im Kleinen an. Denn wer seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert, hat den ersten wichtigen Schritt zu einer nachhaltigen Compliance-Kultur getan. Eine solche Unternehmenskultur ist die beste Impfung gegen das schädliche Gift der Korruption.

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Über den Autor

Rainer M. Grethel

Produktmanager Vertrieb der Haufe Akademie.

Zur Themenübersicht Compliance

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