Zeitwertkonto: So funktioniert das Arbeiten „auf Vorrat“

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Viele Mitarbeiter brauchen im Laufe ihres Berufslebens mehr Zeit für ihr Privatleben: z. B., wenn die Kinder klein sind, die eigenen Eltern pflegebedürftig werden oder weil sie sich den lang gehegten Wunsch nach einer längeren Weltreise erfüllen möchten. Wieder andere wollen Zeit in eine längere Weiterbildung investieren oder möchten schlicht früher in Rente gehen. Viele Firmen nehmen die Wünsche der Mitarbeiter ernst und bieten neben der klassischen Altersteilzeit mittlerweile auch jüngeren Mitarbeitern eine bezahlte längere Freistellungsoption an. Mit einem sogenannten Zeitwertkonto oder Lebensarbeitszeitkonto können sich Mitarbeiter eine längere Auszeit ohne finanzielle Verluste ansparen. So funktioniert es.

Unsere Seminarempfehlung

Zeitwertkonten - Wertguthaben korrekt abrechnen

Zeitwertkonten lassen sich als modernes Arbeitszeitmodell strategisch so einsetzen, dass Sie Ihre Mitarbeiter optimal in individuellen Lebensphasen wie Elternzeit, Pflegezeit, Weiterbildung, private Auszeit oder Vorruhestand begleiten können. Im Seminar erfahren Sie, wie Sie die Zeitwertkonten sinnvoll mit einer bAV kombinieren und welche Modelle es zur Insolvenzsicherung und Portabilität gibt. Anhand von praktischen Fallbeispielen erhalten Sie wertvolle Tipps, wie Sie Zeitwertkonten in der Praxis richtig abrechnen.


Seminar Zeitwertkonten Wertguthaben korrekt abrechnen

Damit lässt sich „Zeit sammeln“

Ein Zeitwertkonto funktioniert ähnlich wie ein Sparkonto: Mitarbeiter können dabei neben Überstunden, nicht verbrauchten Urlaubstagen oder Mehrarbeitszeiten auch Teile des normalen Gehalts oder Prämien einzahlen – in Absprache mit dem Arbeitgeber. Die Zeitanteile wie z. B. Überstunden werden dabei in Geld umgerechnet und dann dem Konto gutgeschrieben. Vorteilhaft ist dabei, dass die Sparbeträge auf Basis der Bruttoeinkünfte berechnet werden. Einzahlungen sind daher frei von Steuern und Sozialversicherungsabgaben. Diese fallen erst in der Freistellungsphase an – in der Höhe des dann gültigen Steuersatzes. Ist dieser während der Freistellung niedriger als in der Ansparphase, können Arbeitnehmer damit sogar Steuern sparen.

„Sich Zeit nehmen“ mit dem Zeitwertkonto

Haben Mitarbeiter nun ein finanzielles Polster für ihre Auszeit angespart, können sie sich dieses Polster in der Freistellungsphase auszahlen lassen. Damit lassen sich finanzielle Einbußen einer längeren Auszeit minimieren – je nachdem wie viel und wie lange vorher angespart wurde. Das Arbeitsverhältnis läuft dabei weiter und der Mitarbeiter ist wie bisher über den Arbeitgeber sozialversichert. Genau hier liegt ein großer Vorteil gegenüber freiwilligen unbezahlten Auszeiten, denn bei diesen müssen sich die Mitarbeiter z. B. privat krankenversichern und haben normalerweise auch keine Einkünfte.

Altersteilzeit mit Zeitwertkonto kombinieren

Bisher war dieses bezahlte Aussteigen meist den Rentnern in spe als sog. Altersteilzeit vorbehalten. Dank Altersteilzeit konnten Mitarbeiter ihre Arbeitszeit in den letzten Jahren vor der Rente reduzieren oder sogar vorzeitig beenden, um so „sanft“ den Übergang in den Ruhestand vorzubereiten. Im sog. Blockmodell, das heute überwiegend genutzt wird, teilt sich die Altersteilzeit in zwei gleich lange Beschäftigungsphasen: In der Arbeitsphase arbeitet der Mitarbeiter weiterhin im bisherigen Stundenumfang, erhält aber nur die Hälfte des Gehalts ausbezahlt und spart die übrige Hälfte an. In der anschließenden gleich langen Freistellungsphase ist der Arbeitnehmer von der Arbeit befreit und erhält nun das zuvor angesparte Gehalt ausgezahlt. Beim kontinuierlichen Altersteilzeitmodell reduziert der Arbeitnehmer im Gegensatz zum Blockmodell seine reguläre Arbeitszeit gleichbleibend über den gesamten Zeitraum. In der Praxis lassen sich auch beide Modelle miteinander kombinieren.

Zwar wünschen sich viele ältere Mitarbeiter, früher in Rente zu gehen, setzten dies bislang wegen der finanziellen Einbußen aber nicht um. Denn für jeden Monat, den Mitarbeiter früher in Rente gehen, streicht der Staat 0,3 % der monatlichen Bezüge, pro Jahr immerhin 3,6 %. Dank der verschiedenen Altersteilzeitmodelle oder durch Sonderzahlungen lassen sich diese Einbußen zwar verringern, aber meist nicht komplett vermeiden. Kombiniert man jedoch die Altersteilzeitmodelle zudem mit einem Zeitwertkonto, haben Mitarbeiter damit eine interessante Möglichkeit, diese Einbußen zu umgehen. Sie können damit die eigene Arbeitszeit schrittweise bis zum Ruhestand ohne Abschläge reduzieren, wenn sie zuvor fleißig „Zeit angespart“ haben.

Tipp: Alternative zur bAV

Zeitwertkonten können eine echte Alternative zur betrieblichen Altersversorgung sein, weil es dafür gesetzlich bislang weniger Restriktionen gibt. So können die Arbeitszeitkontenguthaben bei langen Laufzeiten z. B. chancenreicher investiert werden, ebenso können Guthaben vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden.

Was müssen Arbeitgeber beachten?

Arbeitgeber müssen einige rechtliche Voraussetzungen beachten, denn sie müssen Einzahlungen der Mitarbeiter auf einem Zeitwertkonto gegen eine mögliche Insolvenz absichern. Denn ginge der Arbeitgeber pleite, wäre andernfalls auch das angesparte Geld auf dem Zeitwertkonto verloren. Der Gesetzgeber schreibt deshalb vor, dass Zeitwertkonten dann abgesichert werden müssen, sobald das Guthaben das 3-Fache des monatlichen Gehalts übersteigt und wenn es mindestens 27 Monate bestanden hat.

In einer sog. Wertguthabenvereinbarung legt der Arbeitgeber mit den Mitarbeitern die Rahmenbedingungen zu den Zeitwertkonten fest – meist in Form einer Betriebsvereinbarung. Hier werden alle Details geregelt, z. B. wie das Geld angelegt wird, wann und wofür der Mitarbeiter darüber verfügen kann.

Was passiert bei einem Arbeitgeberwechsel?

Berechtigt ist die Frage, was mit dem Zeitwertkonto im Fall eines Arbeitgeberwechsels passiert. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Der neue Arbeitgeber kann das Zeitwertkonto mit den Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung vom alten Arbeitgeber übernehmen und fortführen.
  • Möchte er dies nicht, kann der Mitarbeiter das Guthaben u. U. beim alten Arbeitgeber Scheidet er bei dem neuen Arbeitgeber wieder aus, kann er nochmals beim alten Arbeitgeber „eingestellt“ werden und „Gehaltszahlungen“ aus dem angesparten Guthaben erhalten, ohne nochmals eine Arbeitsleistung zu erbringen.
  • Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich den angesparten Betrag in einer Einmalzahlung auszahlen zu lassen, allerdings fallen hier Lohnsteuer und Sozialabgaben an!
  • Der Mitarbeiter kann ein Wertguthaben (alte Bundesländer ab 15.120 Euro, neue Bundesländer: 12.810 Euro) auch an die Deutsche Rentenversicherung übertragen, die das Guthaben bis zur Freistellung verwaltet und ihm anschließend wie ein Arbeitgeber auszahlt.

Fazit
Während Gleitzeitkonten auf Stundenbasis meist nur dazu dienen, kurzfristige Arbeitsspitzen wieder abzubauen, sind langfristige Zeitwertkonten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr attraktiv: im Hinblick auf Vergütungssysteme, Arbeitszeitmodelle und Kombinationsmöglichkeiten mit Altersteilzeitmodellen. Denn die Mitarbeiter können hier –  und in Absprache mit dem Arbeitgeber – selbst bestimmen, wann und wie sie ihr angespartes Geld und ihre Zeit später nutzen wollen.

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Über den Autor

Dr. Emily Dang ist Produktmanagerin für den Bereich Entgeltabrechnung und TVöD der Haufe Akademie.
Sie war zuvor bei einem namhaften Versicherungsunternehmen als Trainerin für den Außen- und Innendienst tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Konzeption und Umsetzung von Bildungsmaßnahmen.

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