Kristian Gründling: Die Verbindung von Mensch und Arbeit sichtbar machen

„Ich will keine Oberflächlichkeit, sondern etwas, das mich erfüllt. Hier kann ich eine Verbindung von Mensch und Arbeit sehen.“

Der Kulturwandel unserer Arbeitswelt verändert unseren Umgang mit Fragen und Antworten. Entwicklung zu ermöglichen und zu erleichtern ist dabei eine der Herausforderungen, mit denen sich auch das S.mile Projekt beschäftigt. Der international ausgezeichnete Regisseur Kristian Gründling begleitet die Haufe Akademie während dieser zwei spannenden Jahre.

Interview Kristian Gründling, Regisseur s.mile Projekt

Haufe Akademie: Herr Gründling, Sie sagen von sich selbst, dass Sie Filme machen, die Ihren eigenen Werten entsprechen. Was können wir uns darunter vorstellen?

Kristian Gründling: Ich komme aus der klassischen Werbung. In der klassischen Werbung geht es darum etwas zu verkaufen, indem man die Oberfläche poliert und etwas schön gestaltet. Diese Oberflächlichkeit hat mich nicht mehr zufriedengestellt. Nach und nach sind immer mehr Projekte auf mich zugekommen, in denen es um andere Dinge ging, um soziale Gerechtigkeit, ökologische oder unternehmerische Verantwortung.

Diese Abkehr von der klassischen Werbung war mir zunächst gar nicht bewusst.

Diese Abkehr von der klassischen Werbung war mir zunächst gar nicht bewusst. Ich habe festgestellt, dass mich das viel mehr erfüllt. Dann kam ein Kurzfilm, der den Kulturwandel eines Unternehmens gezeigt hat, „Der Uptalsboom Weg“. Dieser Film ist sehr erfolgreich, hat hohe Aufmerksamkeit erzielt und viele Preise gewonnen. Für mich war das eine Art „persönlicher Durchbruch“. Ich begebe mich jetzt mit meinen Filmen, mehr auf eine Suche nach Haltungen, nach dem, was die Menschen hinter der Wirtschaft ausmacht und verbindet.

Haufe Akademie: Was unterscheidet die Vorgehensweise bei einem klassischen Werbefilm und diesen Filmen? Worin liegt die Herausforderung?

Kristian Gründling: In der Werbewelt beschäftigt man sich immer mit dem Ergebnis und bemüht sich, es so kontrolliert wie möglich entstehen zu lassen. Dafür wird ein großer Aufwand betrieben. Filme wie der „Upstalsboom Weg“ oder auch das, was ich jetzt für die Haufe Akademie mache, sind eine Art ergebnisoffener Prozess. Darauf kann man sich vorbereiten, aber die Vorbereitung ist eine ganz andere als beim Werbefilm. Wo es früher darum ging Antworten zu erhalten, sind jetzt die Fragen interessant und was daraus entsteht. Das ähnelt sehr dem, wie sich Führung verändert hat. Früher ging es bei Führung um Antworten, heute vor allem um Fragen.

Haufe Akademie: Was reizt Sie an dem Projekt S.mile besonders? Worin liegen die Herausforderungen?

Was mir wichtig ist: Die Verbindung zwischen Mensch und Arbeit zu sehen.

Kristian Gründling: Was gibt es schöneres als Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln? Dieses Projekt verbindet idealtypisch das, was mir wichtig ist: Die Verbindung zwischen Mensch und Arbeit zu sehen. Außerdem ist das Projekt spannend, weil es ein ganz offener Prozess ist. Die Entwicklungen der Teilnehmer zu begleiten, berührt. Dieses Filmprojekt hilft dabei zu verstehen, womit sich Trainer und diejenigen, die Weiterbildung organisieren, den ganzen Tag beschäftigen. Das ist eines der Kernziele des Projekts.

Haufe Akademie: Was verbindet Sie persönlich mit dem Projekt? Gibt es etwas, das Sie aus dem Projekt bislang als persönliche Erkenntnis mitnehmen?

Kristian Gründling: Es geht vor allen Dingen um eine Annäherung an den Menschen und darum, wie die Menschen sich mit sich selbst auseinandersetzen, die inneren Kämpfe. Wenn man sich weiterentwickeln will, muss man erst mal die eigene Komfortzone mit den alten Gewohnheiten verlassen. Das zu beobachten und zu sehen, was eigentlich möglich ist, das ist spannend.

Zumal wir von einem positiven Menschenbild ausgehen, bei dem man alles, was man braucht, bereits in sich trägt. Man muss es nur freilegen. Diesen Prozess zu unterstützen und zu zeigen, und gleichzeitig Mitarbeitern mehr Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen mit dieser Idee, Entwicklung zu erleichtern, das gefällt mir.

Haufe Akademie: Das Projekt ist auf 2 Jahre angelegt, im Moment befinden Sie sich sozusagen in der Halbzeit. Gibt es bereits etwas, was Sie so nicht erwartet haben?

Kristian Gründling: Da gibt es einiges! Einmal geht es um die Protagonisten. Alle Teilnehmer sind wirklich beeindruckend in ihrer Offenheit und in ihrer Bereitschaft zu wachsen und sich zu verändern.

Es ist auf alle Fälle ein Ansporn zu sehen, was eigentlich möglich ist.

Besonders ausdrücklich zeigen das die Teilnehmer, die aus einem anderen Land flüchten mussten, und sich hier praktisch noch einmal komplett neu erfinden müssen, eine neue Sprache lernen müssen, sich in einer neuen Umgebung integrieren und eventuell einen ganz neuen Beruf erlernen müssen.

Das zeigt, welches Veränderungspotential in uns allen steckt, besonders weil es manche doch wesentlich leichter hätten, wenn sie eben nicht bei Null anfangen müssen. Oft grenzt man sich ja selbst in seinen Möglichkeiten ein. Es ist auf alle Fälle ein Ansporn zu sehen, was eigentlich möglich ist. Dieser Optimismus, diese Energie bei den Teilnehmern und die Bereitschaft, sich auf so viel Neues einzulassen führt auch dazu, dass ich mein eigenes Verhalten reflektiere.

Und diese Offenheit gegenüber Veränderung spüre ich auch beim gesamten Projektteam der Haufe Akademie. Mit einer offenen Haltung begegnen sie diesem 2-jährigen Abenteuer, bei dem es nicht um Kontrolle oder um meßbare Ziele geht. Es geht darum, Entwicklung zu ermöglichen und zu erleichtern, visionär vorauszugehen, zu beobachten, zu unterstützen und auch einmal abzuwarten – Wege aufzuzeigen und möglich zu machen anstatt Ziele vorzugeben.

Diese Flexibilität und Unterstützung konnte auch ich ganz konkret erleben. Das hat uns auch bei den Dreharbeiten die Arbeit sehr erleichtert.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie wir uns alle mit diesem außergewöhnlichen Projekt weiterentwickeln werden. Das sind 2 aufregende Jahre, vielleicht auch mit einigen Überraschungen. Ich freue mich, Teil davon zu sein!

Haufe Akademie: Vielen Dank, Kristian Gründling.

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Kristian Gründling: Regisseur, Filmemacher und Geschäftsführer der Produktionsgesellschaft Grünfilm Medienproduktion aus München.

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