Informelles Lernen
Was ist informelles Lernen?
Informelles Lernen (Englisch: Informal Learning) bezeichnet Lernprozesse, die ungeplant, unstrukturiert und oft beiläufig stattfinden. Anders als bei formellen Schulungen gibt es keine festgelegten Lernziele, keine vorgegebenen Zeiten und keine definierten Lernorte. Stattdessen lernen Menschen situativ aus Erfahrungen, im Austausch mit anderen oder durch eigenständiges Ausprobieren.
Typische Beispiele für Informal Learning im Arbeitskontext: Ein Kollege erklärt kurz, wie ein Tool funktioniert. Eine Mitarbeiterin löst ein Problem durch Trial-and-Error. Jemand nutzt eine Suchmaschine oder einen KI-Chat, um eine Frage zu klären.
So unterstützt eine LXP informelles Lernen
Sie möchten informelles Lernen in Ihrem Unternehmen gezielt fördern? Die Learning Experience Plattform (LXP) der Haufe Akademie unterstützt spontane Lernimpulse, erleichtert den Austausch untereinander und macht Lernaktivitäten sichtbar.
Wie unterscheidet sich informelles Lernen von formellem Lernen?
Formelles Lernen findet in einem organisierten Rahmen statt: Seminare, Workshops oder E-Learning-Kurse mit klaren Zielen, Lernplänen und Abschlüssen. Informelles Lernen ist zwar ebenfalls strukturiert (etwa ein Webinar oder eine Lunch-Session), führt aber nicht zu formalen Qualifikationen.
Informelles Lernen folgt bewusst nicht dieser Struktur. Diese Art des Lernens passiert nebenbei, oft unbewusst. Darin liegt seine Stärke: Es dockt direkt an reale Herausforderungen an und liefert Wissen genau dann, wenn Mitarbeitende es brauchen.
Warum ist informelles Lernen für die Personalentwicklung wichtig?
Schätzungen zufolge entsteht der Großteil des Lernens am Arbeitsplatz informell. Das bekannte 70-20-10-Modell veranschaulicht das: 70 % des Wissens eignen sich Mitarbeitende durch praktische Erfahrung an, 20 % durch den Austausch mit anderen und nur 10 % durch formelle Trainings.
Just-in-Time-Lernen
Informelles Lernen ermöglicht den Wissenserwerb genau im Moment des Bedarfs. Wer eine Lösung braucht, sucht sie und wendet sie direkt an. Dieser Just-in-Time-Ansatz spart Zeit und erhöht die Relevanz des Gelernten. Microlearning-Formate unterstützen diese Lernform optimal.
Implizites Wissen nutzen
In jeder Organisation existiert in den Köpfen der Mitarbeitenden enormes Erfahrungswissen. Informelles Lernen macht dieses implizite Wissen zugänglich und nutzbar, ohne dass es erst aufwendig dokumentiert werden muss.
Kosteneffizienz
Informelles Lernen reduziert den Bedarf an teuren formalen Trainings für neues Wissen und Fähigkeiten, denn die Expertise ist bereits im Unternehmen vorhanden.
Wie lässt sich informelles Lernen fördern und sichtbar machen?
Hier liegt die zentrale Herausforderung: Informelles Lernen ist schwer messbar. Es findet oft im Verborgenen als sogenannte Hidden Practice statt. Für die Personalentwicklung ergeben sich daraus zwei Aufgaben.
1. Informelles Lernen sichtbar machen
Wissensaudits oder gezielte Mitarbeiterbefragungen helfen dabei, Lernquellen und Lernpfade zu identifizieren. So entsteht ein Bild davon, wo und wie Wissen im Unternehmen tatsächlich fließt.
2. Informelles Lernen aktiv fördern
Die Personalentwicklung schafft die Rahmenbedingungen, in denen informelles Lernen gedeiht:
- eine offene Fehlerkultur, die Experimentieren erlaubt
- Freiräume für Austausch und Reflexion
- eine kollegiale Lernkultur, die Mitarbeitende motiviert zu lernen
- Kollaborationstools und Lernplattformen, die Peer-to-Peer-Interaktion ermöglichen
- Formate wie Mentoring oder kollegiale Beratung, die den Wissenstransfer strukturieren
Wie verzahnt sich informelles mit formellem Lernen?
Informelles Lernen ersetzt die formelle Weiterbildung nicht – es ergänzt sie. Wirkungsvolle Lernkonzepte verbinden beide Ansätze, zum Beispiel beim Blended Learning. Dabei fließen formelle und informelle Elemente zusammen. Ein Präsenzseminar liefert die Grundlagen, der anschließende Austausch in einer Community vertieft das Wissen und die neuen Kompetenzen. Die praktische Anwendung im Arbeitsalltag verankert es nachhaltig.
Lernende Organisation
Unternehmen, die informelles Lernen systematisch fördern, entwickeln sich zu lernenden Organisationen. Sie reagieren agiler auf Veränderungen, weil Wissen schneller fließt und Mitarbeitende kontinuierlich dazulernen.
FAQ
Was sind typische Beispiele für informelles Lernen am Arbeitsplatz?
Informelles Lernen findet überall dort statt, wo Mitarbeitende aus eigener Initiative Wissen erwerben: der kurze Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, eigenständiges Recherchieren im Internet, das Ausprobieren neuer Tools oder das Lösen von Problemen durch Trial-and-Error.
Lässt sich informelles Lernen messen?
Direkt messen lässt es sich kaum, da es oft unbewusst und beiläufig stattfindet. Indirekt können Wissensaudits, Mitarbeiterbefragungen oder die Analyse von Aktivitäten auf Lernplattformen Hinweise darauf geben, wo und wie informelles Lernen im Unternehmen stattfindet.
Welche Rolle spielt die Personalentwicklung beim informellen Lernen?
Die Personalentwicklung schafft die Rahmenbedingungen: eine offene Fehlerkultur, Freiräume für Austausch und geeignete Tools für die Zusammenarbeit. Außerdem macht sie informelles Lernen durch Wissensaudits oder Befragungen sichtbar und verknüpft es gezielt mit formellen Angeboten.