Ein Gespräch mit Ina Reithwiesner, HR Business Partnerin, über innovative Ausbildungsansätze, die Bedeutung von Eigenverantwortung und den Umgang mit den Herausforderungen der neuen Generation.
Frau Reithwiesner, was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren in der Ausbildung verändert?
Was mir besonders auffällt, ist, dass junge Menschen heute ganz andere Erwartungen an ihre Arbeit und Ausbildung mitbringen. Themen wie Work-Life-Balance und eine gesunde Einstellung zur Arbeit spielen eine viel größere Rolle. Während frühere Generationen oft „durchgepowert“ haben, achten die heutigen Azubis viel stärker auf ihre Gesundheit und ihre Grenzen – und das finde ich eine sehr positive Entwicklung.
Gleichzeitig erleben wir, dass junge Menschen vermehrt mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben. Das ist eine Herausforderung, auf die wir uns einstellen müssen.
Wie gelingt es Ihnen, Azubis von Anfang an gut ins Unternehmen zu integrieren?
Wir legen großen Wert auf ein durchdachtes Onboarding. Unser Ansatz beginnt mit sogenannten „Kick-off Days“. Das sind ein bis zwei Tage, an denen wir unsere neuen Azubis, dual Studierenden und Trainees willkommen heißen. Diese Tage sind eine Mischung aus Teambuilding, Informationsvermittlung und Vernetzung. Die Azubis lernen nicht nur das Unternehmen und die Ausbilder:innen kennen, sondern auch ihre neuen Kolleginnen und Kollegen.
Aktuell überlegen wir, künftig den ersten Tag mit einer gemeinsamen Wanderung zu starten. Dabei könnten sich die Azubis in lockerer Atmosphäre in Zweierteams kennenlernen und über vorbereitete Fragen ins Gespräch kommen. Solche Maßnahmen helfen, die anfängliche Nervosität zu nehmen und eine positive Atmosphäre zu schaffen.
Welche Rolle spielt Eigenverantwortung in der Ausbildung?
Eine sehr große! Unsere Azubis und dual Studierenden sollen nicht nur „Mitarbeitende von morgen“ sein, sondern bereits während der Ausbildung Verantwortung übernehmen. Ein Beispiel dafür ist unsere „Skill Safari“, ein Programm mit sechs Modulen, in denen sie unter anderem Projektmanagement und andere wichtige berufliche Kompetenzen erlernen. Die Teilnehmenden können die Module flexibel auswählen und kommen dabei auch mit Azubis aus anderen Bereichen in Kontakt.
Darüber hinaus binden wir unsere Azubis aktiv in die Planung von Projekten ein. So haben sie beispielsweise selbstständig einen „Young Talents Day“ organisiert, bei dem sie Inhalte und Aktivitäten für den Tag geplant und umgesetzt haben. Das fördert nicht nur ihre Eigenverantwortung, sondern gibt ihnen auch das Gefühl, wertgeschätzt zu werden.
Wie begegnen Sie den Herausforderungen, die mit der Generation Z einhergehen?
Die jungen Menschen von heute sind mit digitalen Medien aufgewachsen und haben oft eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Das merken wir auch in der Ausbildung. Aber anstatt dies als Problem zu sehen, passen wir uns an. Wir nutzen digitale Tools und bieten Inhalte in kompakter, ansprechender Form an.
Natürlich gibt es auch individuelle Herausforderungen, wie zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Konzentration in Großraumbüros. Hier suchen wir gemeinsam mit den Azubis nach Lösungen – sei es durch Kopfhörer, die Nutzung von ruhigen Arbeitsbereichen oder andere Ansätze. Wichtig ist, dass wir im Gespräch bleiben und eine unterstützende Haltung einnehmen.
Unsere Seminarempfehlung
Erfolgreiche Methoden für Ausbilder:innen und Ausbildungsbeauftragte
Entdecke neue Möglichkeiten, wie du bei deinen Auszubildenden die Begeisterung und Motivation am Arbeitsplatz steigern kannst. Neben den theoretischen Grundlagen des Lehrens lernst du neue Methoden und Möglichkeiten sowie bewährte Tricks und Kniffe kennen. Erweitere jetzt deinen persönlichen Methodenkoffer als Ausbilder:in!
Seminar: Erfolgreiche Methoden für Ausbilder:innen und Ausbildungsbeauftragte
Was motiviert junge Menschen, sich langfristig für ein Unternehmen zu engagieren?
Motivation entsteht durch Wertschätzung und die Möglichkeit, sich einzubringen. Unsere Azubis merken, dass ihre Ideen ernst genommen werden und sie aktiv zur Gestaltung des Unternehmens beitragen können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und ihre Bindung an das Unternehmen.
Ein weiteres Beispiel ist unsere „Young Talents Nacht“, die von den Azubis selbst ins Leben gerufen wurde. Dabei haben sie die Haufe Group potenziellen neuen Azubis und dual Studierenden vorgestellt – auf Augenhöhe und mit viel Kreativität. Solche Formate zeigen den jungen Menschen, dass sie hier etwas bewegen können.
Was würden Sie anderen Ausbilder:innen empfehlen, um eine gute Ausbildungsumgebung zu schaffen?
Das Wichtigste ist Zeit und Aufmerksamkeit. Gerade in den ersten Tagen und Wochen sollten Ausbilder:innen und Betreuer:innen präsent sein, um den Azubis den Einstieg zu erleichtern. Bei uns blocken wir bewusst Zeit für die Einführung neuer Azubis, stellen ihnen Kolleginnen und Kollegen vor und sorgen dafür, dass sie sich willkommen fühlen.
Darüber hinaus halte ich es für entscheidend, den Azubis Eigenverantwortung zu übertragen. Ein Beispiel: Unsere Azubis erstellen einen Steckbrief mit ihren Zielen und Interessen, den sie vorab an die zuständigen Betreuer:innen weitergeben. Das hilft nicht nur bei der Planung, sondern stärkt auch das Verantwortungsbewusstsein der jungen Menschen.
Welche Trends sehen Sie für die Zukunft der Ausbildung?
Ich denke, dass psychische Gesundheit und individuelle Förderung noch wichtiger werden. Gleichzeitig müssen wir die Stärken der Generation Z – wie ihre digitale Kompetenz – gezielt fördern und in die Arbeitswelt integrieren. Es geht darum, ihnen zu zeigen, wie sie ihre Fähigkeiten sinnvoll einsetzen können, um Mehrwert zu schaffen – für sich selbst und das Unternehmen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Reithwiesner!