Feelgood Manager: Leistung und Freude steigern durch Wertschätzung

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Wir leben in einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt, in der das Know-How und die Kreativität der Mitarbeiter immer mehr im Fokus steht. Das führt zu einer neuen Wertschätzung des Menschen im Unternehmen. Feelgood Management soll dafür sorgen, dass eine Kultur geschaffen wird, in der sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und eigenverantwortlich arbeiten können. Erfahren Sie alles Wissenswerte über die Tätigkeit und Notwendigkeit eines Feelgood Managements in unserem Interview mit der Expertin Monika Kraus-Wildegger.  

Haufe Akademie: Zunächst einmal: Was ist ein Feelgood Manager?

Kraus-Wildegger:
Vorab ist es wichtig zu verstehen, dass nur exzellente Performance dort zuhause ist, wo Mitarbeiter gewertschätzt werden und sich mit Engagement einbringen können. Über Feelgood Management wird der Rahmen und die Praxis zu dieser Haltung etabliert. Feelgood Manager übernehmen dabei die Rolle des Kulturgestalters. Sie entwickeln sich in der modernen Arbeitswelt zu einer wichtigen Schnittstelle von Mensch / Kommunikation / Wissensaustausch / Workflow / Transformation / Führung.

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Viele moderne Unternehmen machen es vor – mit großem Erfolg: Feel Good Management! Was nach Spaßkultur klingt, lässt sich jedoch mit validen Zahlen belegen: Studien haben gezeigt, dass zufriedene Mitarbeiter, die gerne zur Arbeit kommen, leistungsfähiger und gesünder sind und ihren Job besser machen. Als Assistenz agieren Sie oft bereits intuitiv wie ein Feel Good Manager. Lernen Sie in unserer Weiterbildung Feel Good Management als neues Berufsbild kennen und erweitern Sie Ihre Kompetenzen systematisch.


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Haufe Akademie: Wie sind Sie denn selbst zum Feelgood Management gekommen?

Kraus-Wildegger: Als ich in meiner Karriere an einen Punkt gekommen war, an dem die Rahmenbedingungen in meiner Arbeit nicht mehr gepasst haben. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass mir mein damaliger Job eine sinnstiftende Aufgabe bietet, die mir Freude bereitet. Durch Zufall habe ich in dieser Zeit Unternehmen kennengelernt, die anders gedacht und gearbeitet haben. Das waren junge Unternehmen, die für die Weiterentwicklung ihrer ureigenen Kultur ein Feelgood Management etabliert haben – wenn auch noch nicht unbedingt unter dieser Bezeichnung! Alles fühlte sich freundlicher, offener, authentischer, ja agiler an. Es herrschte eine durchweg positive Stimmung mit Lust an der Arbeit.

Dank meiner Erfahrungen im Bereich Managementsysteme, konnte ich die Kulturansätze in einen Systemansatz transformieren. 2012 habe ich GOODplace gegründet und den Qualitätsstandard des Berufsbild des Feelgood Managers mit dem Fraunhofer Institut entwickelt. Heute ist GOODplace das führende Ausbildungsinstitut für Feelgood Management im deutschsprachigen Raum.

Haufe Akademie: Ich kann mir vorstellen, dass einige Leute dazu neigen, diesen Ansatz ein bisschen zu belächeln. Begegnet Ihnen das häufig?

Kraus-Wildegger: Der Begriff Feelgood löst unterschiedliche Assoziationen bei Menschen aus. Wer jedoch die Entwicklung der neuen Arbeitswelt verfolgt, weiß, dass heute ein wertschätzendes Arbeitsklima, Vernetzung und Wissensaustausch über Team- und Abteilungsgrenzen für Mitarbeiter und Talente zu den wichtigen Aspekten zählen, die einen attraktiven Arbeitgeber auszeichnen.

Verschärft durch den demographischen Wandel haben bereits viele Unternehmen Probleme neue Mitarbeiter zu finden und zu halten. Hier unterstützt ein Feelgood Manager, indem er den Rahmen für attraktive und bedürfnisorientierte Arbeitsbedingungen schafft.

Ein zweiter Punkt ist, dass passende Rahmenbedingung heute vor allem für Innovation und Kreativität wichtig sind. Nur Mitarbeitende, die sich wohlfühlen, können in einem technischen, schnellen und anspruchsvollen Umfeld gute Leistungen bringen. Studien zeigen, engagierte Mitarbeiter erzielen bis zu 4,5 mal mehr Wachstum als vergleichbare Belegschaften. 

Haufe Akademie: Wer ist dazu geeignet Feelgood Manager zu werden?

Kraus-Wildegger: Das sind vor allem Mitarbeiter, die Herz und Persönlichkeit für diese Rolle mitbringen. Sie bringen soziale Intelligenz und die Fähigkeit zum selbstgesteuerten zielorientierten Arbeiten mit. Sie sollten Spaß am Netzwerken, Kommunizieren, Analysieren und Initiieren haben. Häufig sind es Mitarbeiter, die gut vernetzt im Unternehmen sind und einen guten Draht zur Belegschaft wie auch zur Chefetage haben.

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Haufe Akademie: Woran misst denn ein Feelgood Manager seinen Erfolg?

Kraus-Wildegger: Eine relativ einfache Möglichkeit besteht darin, zu messen, wie oft Mitarbeiter das eigene Unternehmen bei der Besetzung von offenen Stellen weiterempfehlen. Es kommt schon mal vor, dass dazu keine Ausgangszahlen vorliegen. In diesem Fall sensibilisiert der Feelgood Manager seine Schnittstellenpartner, die Personalabteilung zur Erhebung der Messkennzahl.

Haufe Akademie: Welchen Unternehmen würden sie ein Feelgood Management empfehlen?

 Kraus-Wildegger: Ich empfehle den Einstieg ins Feelgood Management Unternehmen oder Abteilungen, in denen das Wissen und die Kreativität der Mitarbeiter einen hohen Teil der Wertschöpfung einnimmt. Viele unserer Kunden stehen an der Schwelle zum agilen Arbeiten und befinden sich in einem Transformationsprozess. Mein Tipp: Starten Sie ein Pilotprojekt in einer Abteilung, in der die Führungsmannschaft offen für Kulturarbeit ist.  So lässt sich mit gesunder Erwartungshaltung ein positives Beispiel erzeugen, das andere Abteilungen neugierig werden lässt und eine Sogwirkung entstehen kann.

Haufe Akademie: Ist denn in Ihrer Wahrnehmung Feelgood Management eine Generationenfrage? Muss ich in Zeiten des Fachkräftemangels den Bedürfnissen der Generation-Y mit einem Feelgood Management begegnen?

 Kraus-Wildegger: Der Wertewandel, der mit dem Feelgood Management einhergeht, ohne Frage ausgelöst durch die Generation Y, ist mittlerweile in allen Generationen angekommen. Die Mitarbeiter erkennen, dass ihre Arbeitszeit einen großen Teil ihrer Lebenszeit einnimmt. Das macht ihnen bewusst, dass sie achtsam ihre Bedürfnisse im Blick haben müssen. Wenn Sie sich einmal die Bedürfnispyramide von Maslow anschauen, dann strebt der Mensch nach Gemeinschaft, Wertschätzung und Selbstverwirklichung, sobald seine Grundbedürfnisse wie Essen oder Sicherheit befriedigt sind. Menschen wollen einen Arbeitsrahmen, in dem sie ihr Bedürfnis nach Wertschätzung und Gemeinschaft erfahren können. Genau hieran orientiert sich ein Feelgood Manager. Er sorgt für Rahmenbedingungen, die diese menschlichen Bedürfnisse in den Arbeitsplatz integrieren lässt.

Haufe Akademie: Trotz alledem verursacht es zunächst Kosten, einen Feelgood Manager zu beschäftigen und auszubilden. Haben Sie irgendwelche Möglichkeiten, wie der Return-of-Investment eines Feelgood Managers berechnet werden kann?

Kraus-Wildegger: Ich stelle die Frage mal andersherum „Welchem Risiko setzen sich Unternehmen aus, wenn sie nichts in punkto Feelgood unternehmen?“. Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, weil er sich dort nicht mehr wohlfühlt, fallen dem Unternehmen eineinhalb bis zwei Jahresgehälter an Kosten an, um die Produktivität wieder zu erreichen. Das sind schnell mal fünf- bis sechsstellige Summen bei einer erfahrenen Fachkraft. Ein Feelgood Manager ist daher auch eine Präventivmaßnahme, ein solches Fluktuationsrisiko zu minimieren. Das Investment in Feelgood Management und in die Qualifizierung eines Feelgood Managers hilft das mentale Kapital eines Unternehmens zu sichern.

Haufe Akademie: In der Regel wird ein Unternehmen erst einmal nur einen Feelgood Manager einstellen. Wie kann verhindert werden, dass er sich auf verlorenem Posten fühlt?

Kraus-Wildegger: Ein Feelgood Manager ist kein Einzelkämpfer und kein Kümmerer. In der neuen Arbeitswelt wird Wert daraufgelegt, dass Kollegen und Kolleginnen mit einbezogen werden und Verantwortung tragen können. Der Feelgood Manager initiiert, schiebt an, lädt Freiwillige zum mitgestalten ein, hält nach und optimiert. Selbst durch simple Tools wie Doodle können dann die richtigen Partner und Teams für die Umsetzung von Ideen gefunden werden.

Haufe Akademie: Also mehr die Hilfe zur Selbsthilfe?

Kraus-Wildegger: Genau. Hier kommen wir zum Thema agiles Arbeiten. Es fühlt sich ganz anders an, wenn ein agiles Mindset durch Impulse aus dem Feelgood Management an die Mitarbeiter herangetragen werden. Freiräume und Selbstorganisation in cross-funktionalen Teams zu Themen, die den Mitarbeitern persönlich wichtig sind, werden darüber ermöglicht. Das macht Spaß.

Haufe Akademie: Hört sich ja alles nach einem super Konzept an. Warum gibt es denn dann noch so wenige Feelgood Manager?

Kraus-Wildegger: Es gibt schon ziemlich viele. Ich schätze, dass wir mittlerweile um die 500 Feelgood Manager im deutschsprachigen Raum haben. Tendenz steigend. Jeder fünfte davon wurde von GOODplace qualifiziert. Das ist kein Hype sondern ein grundlegender Paradigmenwechsel wie wir in Zukunft arbeiten. Führung muss sich ebenfalls verändern und Verantwortung teilen. Dabei können Feelgood Manager unterstützen indem sie den Nährboden für Offenheit bereiten. In vielerlei Hinsicht ein wertvoller Schnittstellenpartner für Führungskräfte.

Haufe Akademie: Eine schöne Aufgabe, oder?

Kraus-Wildegger: Wenn die Bedingungen passen, ist diese Aufgabe sehr erfüllend. Die Transformation ist allerdings nicht immer ganz einfach. Nicht nur Führungskräfte sind vom Veränderungsprozess betroffen und müssen sich verändern.  Auch die Mitarbeiter müssen dem Thema offen gegenüberstehen. Nicht jeder und jede besitzt heute schon Klarheit über seine Bedürfnisse. Dieser Entwicklungsprozess muss achtsam gemeinsam mit Schnittstellenpartnern angestoßen werden.

Haufe Akademie: Ihre Begeisterung für das Thema kommt auf jeden Fall rüber.

Kraus-Wildegger: Ja, klar. Ich bekomme ja auch viel Einblick in die Praxis durch unsere Teilnehmer und ihre Facharbeit. Es ist großartig zu sehen, was sie in ihren Unternehmen in kürzester Zeit bewirken und was sie alles bewegen können. Das macht mich glücklich.

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Über den Autor

Monika Kraus-Wildegger

Vordenkerin, Expertin und Buchautorin für Feelgood Management. Gründerin und Geschäftsführerin einer Akademie für die Qualifizierung und Beratung für Feelgood Management. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut entwickelte sie den Standard für den Beruf Feelgood Manager und etablierte die führende Fachausbildung.

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