Wie Führungskräfte erfolgreich mit Komplexität umgehen

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In der Geschichte scheint keine Gesellschaft so komplex wie die gegenwärtige. Eine weltweite im Jahr 2010 von IBM durchgeführte Befragung unter Führungskräften kommt zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte den Umgang mit Komplexität als wichtigste Herausforderung betrachten.

Hier erhalten Sie einen kurzen Einblick, wie Sie dieser Komplexität mit modernen Führungstechniken wie dem „adaptiven” Führungsstil erfolgreich begegnen.

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Sie als Führungskraft sind Teil eines Systems von Mitarbeitern, Führungskollegen und Vorgesetzten. Die Vielzahl der Prozesse und Entscheidungen, ständige Zeitnot und eine immer schnellere Dynamik schaffen eine hohe Komplexität. Lernen Sie, dieser Komplexität mit passenden Methoden angemessen zu begegnen. Erfahren Sie, welche Kernkompetenzen dabei erforderlich sind und führen Sie mit dem Konzept der adaptiven Führung auch in unsicheren Situationen professionell und sicher.


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Was meint Komplexität heute?

Mit „komplex” wird keineswegs ein System bezeichnet, das nur etwas komplizierter ist. Gemeint ist eher eine andere Qualität von Ordnungszuständen eines Systems. In vielen Fällen sind komplexe Sachlagen durch ganz bestimmte Eigenschaften gekennzeichnet:

  • viele Variablen
  • starke Vernetzung und Abhängigkeiten aller Variablen untereinander
  • eine hohe Veränderungsbereitschaft ohne fremdes Zutun
  • Intransparenz im Hinblick auf die beteiligten Variablen und die Zielstellungen
  • viele sich gegenseitig beeinflussende und sogar widersprechende Ziele
  • Unsicherheiten, Volatilität aller Bereiche

Struktur versus Freiheitsgrade

Viele Führungskräfte favorisieren Überschaubarkeit und Ordnung in ihrem Management. Ordnung hält aber nur so lange an wie die Stabilität des jeweiligen Systems. Manchmal bringen schon kleine Veränderungen unvorhersehbare Auswirkungen mit sich. Dann reagiert ein System mit einer unberechenbaren Dynamik auf jeden Veränderungsimpuls.

Es ist angesichts der Vagheit in komplexen Sachverhalten nicht (mehr) die Aufgabe der Führungskraft, alles vorzudenken und durch die Mitarbeiter ausführen zu lassen. Vielmehr benötigen die Mitarbeiter hierbei Freiräume und Verantwortungsbereiche, damit sie selbst erwägen und (mit-)entscheiden können.

Führung in einer komplexen Welt bedeutet Abschied nehmen von Machbarkeit, Gewissheit, Planbarkeit und Vereinfachung. Im Idealfall ist eine Führungskraft in der Lage, den Mitarbeitern dieses Mind-Set zu vermitteln und sie bei Entscheidungen mit einzubeziehen. Dabei stellt sich die Frage nach dem Führungsstil.

„Adaptive Führung” als Weg

Die Führungskraft ist Teil eines komplexen Systems von Mitarbeitern, Führungskollegen und Vorgesetzten in einer Organisation. Mit dem adaptiven Führungsstil rückt die Machtausübung als Bestandteil der Führungsaktivität in den Hintergrund. Dagegen tritt die Selbstorganisation der Geführten in den Vordergrund. Dabei gilt es, alte Führungs-Gewohnheiten abzulegen und vermeintlich unumstößliche Verhaltensmuster zu ändern, sodass flexible und agile Entwicklungen auf allen Ebenen des Komplexitätsmanagements wirken können.

Mit „adaptiver Führung” wird ein Konzept aufgerufen, das Menschen und Organisationen dazu bringen soll, sich komplexen Veränderungen rasch anzupassen. Das Konzept haben Ronald Heifetz, Marty Linsky und Alexander Grashow (alle Harvard Kennedy School) entwickelt. Führung heißt hier:

  • Unterstützung von Menschen beim Erreichen von Zielen, die ohne Führung nicht verwirklicht werden können,
  • das Ungleichgewicht im (komplexen) System klug zu organisieren,
  • die Fähigkeit, Menschen und Organisationen so zu mobilisieren, dass die Anpassung an eine dynamische, komplexe Welt gelingen kann.

Die Voraussetzung für diese Art der Führung ist ein tiefes Verständnis des komplexen Systems sowie seiner einzelnen Parteien und Dynamiken im Unternehmen.
Eine „adaptive” Führungskraft erarbeitet ein Konzept gemeinsam mit den jeweiligen Beteiligten. Diese Führungskraft weiß, dass detaillierte Analysen oder minutiöse Planung keine Zukunftssicherheit leisten können. Sie weiß, dass die lineare Fortschreibung bewährter Modelle keine Garantie mehr für Erfolg ist. Diese Führungskraft setzt auf Elastizität im Denken, Selbstorganisation und auf die Fähigkeit, Störungen als Musterwechsel zu begreifen, die Lernprozesse anstoßen können.

So verstandene Führung sucht nach der bestmöglichen Bewältigung komplexer Herausforderungen. Denn: Die EINE Lösung gibt es nicht – die angemessene Lösung entsteht aus den vielen Vorstellungen, Ideen, Erfahrungen und Skizzen der am Bewältigungsprozess Beteiligten. Durch die allseitige Partizipation sind zudem alle in der Verantwortung.

Diese Kompetenzen braucht eine „adaptive” Führungskraft

Eine Führungskraft, die adaptiv führt, ist in der Lage

  • die unterschiedlichen Anforderungen, die die verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihr Führungsverhalten stellen, zu erkennen,
  • auf die vielfältigen Veränderungen der zu führenden Menschen flexibel zu reagieren,
  • die Motivation und die Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschätzen,
  • sich und ihr eigenes Verständnis von Führung und Führungsverhalten in Bezug auf die Mitarbeiter zu hinterfragen,
  • aus der Perspektive eines externen Beobachters heraus zu reflektieren, wie ihre mentalen Muster (Gedanken, Einstellungen, Haltungen und Präferenzen) und Emotionen ihr Verhalten beeinflussen,
  • unterschiedliche Führungsstile für unterschiedliche Mitarbeiter geltend zu machen.

Führung kann heute kaum mehr im Alleingang stattfinden. Erfolgreiche Führung ist in komplexen Wirklichkeiten mehr und mehr das Produkt gemeinsamer Entscheidungsfindung. Führungskräfte brauchen ein reichhaltiges Repertoire an Dialog- und Führungstechniken, eine ausgeprägte Rollensicherheit sowie ein breites Wissen zusätzlich zur Fachexpertise.

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Über den Autor

ist Diplom-Theologe und Diplom-Orchestermusiker. Seit 1998 ist Armin Kutscher als Trainer tätig. Seine Schwerpunkte sind: Komplexitätsmanagement, logisches und vernetztes Denken, Netzwerken, Implizites Wissen heben, Innovation und Kreativität, Unternehmensethik und Ethisch führen. Seit 2005 unterrichtet er an einer Hochschule.

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