Work-Life-Integration: Flexibilität in jeder Lebensphase

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Eight-to-five im Büro bis zum Rentenalter? Alles andere als zeitgemäß! Nicht nur der demografische Wandel erfordert heutzutage flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an die jeweilige Lebensrealität der Beschäftigten anpassen. Wer sich um Kinder kümmert, pflegebedürftige Angehörige hat oder aus anderen Gründen kürzertreten muss, weiß es zu schätzen, wenn ein Unternehmen flexible Arbeitsmodelle anbietet. Und belohnt dies wiederum mit Loyalität und Arbeitsplatzzufriedenheit.

Während die einen Unternehmen ihren Beschäftigten bereits Arbeitszeitsouveränität, innerbetriebliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Beratung durch Pflegelotsen zur Verfügung stellen, haben andere die praktische Umsetzung der Work-Life-Integration noch auf der To-do-Liste. Hier sollte keine Zeit verloren werden: denn es stellen sich ständig neue und wichtige Bedarfe heraus, auf die reagiert werden muss, um Beschäftigte zu halten und selbst wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bewerber:innen suchen nach Unternehmen, die zur Lebensplanung passen

Besonders die Generationen Y, Z und Alpha – also alle nach 1980 geborenen Menschen – suchen ganz bewusst nach Unternehmen, die ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen. Denn nicht nur die Demografie wandelt sich, auch die individuellen Werte haben sich verändert. Männer möchten bewusster und länger die Vaterrolle ausfüllen als früher und Frauen wünschen sich, dass Führungspositionen und Muttersein sich nicht ausschließen.

Mit dem Alter verändern sich familiäre Belastungen und Aufgaben

Die älteren Generationen, Babyboomer und die Generation X, befinden sich in der Regel schon lange in festen Arbeitsverhältnissen, aber auch sie benötigen Optionen, um neue Lebenssituationen zu meistern. Die immer älter werdende Gesellschaft muss bedarfsgerecht versorgt werden, was auch unmittelbar Einfluss auf die Arbeitswelt nimmt.

4,3 Millionen Menschen waren laut sozialer Pflegeversicherungen im Jahr 2020 pflegebedürftig, 80% davon werden zu Hause vorsorgt. Auch bei externer Unterstützung durch ambulante Pflegedienste muss ein Großteil der Care-Arbeit häufig von den Angehörigen geleistet werden. Meistens sind es die eigenen Eltern, die pflegebedürftig sind, aber natürlich können auch Kinder und Partner:in (plötzlich) auf Pflege angewiesen sein.

Mit einer Pflegesituation konfrontiert stehen Beschäftigte nicht selten vor der Entscheidung, die Arbeitszeit drastisch zu reduzieren oder ganz aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Das führt nicht nur zu (Alters-)Armut der pflegenden Personen, sondern verstärkt zusätzlich den Fachkräftemangel im Unternehmen.

Was können Unternehmen tun? Mit der Haltung fängt es an!

Beschäftigte, die ihrem Unternehmen eine hohe Sozialverantwortung bescheinigen, sind leistungsbereiter, zufriedener und gesünder. Das ist der zentrale Befund einer aktuellen Befragung im Rahmen des Fehlzeiten-Reports 2022, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Oktober 2022 vorgelegt hat.
Laut Familienreport 2019 legt selbst ein Großteil der Beschäftigten ohne Kinder oder pflegebedürftige Angehörige einen hohen Wert auf Familienfreundlichkeit ihres Arbeitgebers. Der Grund dafür ist, dass für sie Familienfreundlichkeit Ausdruck einer Unternehmenskultur ist, in der der Mensch als Mensch angesehen wird.

Zudem ist bekannt, dass das Führungsverhalten großen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten nimmt. Auch im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf können Führungskräfte als Vorbild dienen. Eine männliche Führungskraft, die nur Vollzeit arbeiten kann, weil die Frau „ihm den Rücken freihält“, ist häufig nicht mehr zeitgemäß.

Wie definieren sich familienfreundliche Unternehmen?

Familienfreundliche Unternehmen sind diejenigen Unternehmen,

  • für die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Selbstverständlichkeit ist,
  • welche die gleichen Entwicklungs- und Aufstiegschancen für Beschäftigte mit und ohne familiäre Verpflichtungen bieten,
  • deren Führungskräfte ihre Beschäftigten bestärken, familienfreundliche Maßnahmen in Anspruch zu nehmen,
  • deren Geschäftsleitung regelmäßig über das Angebot an familienfreundlichen Maßnahmen informiert und
  • deren Beschäftigten und/oder ihre Interessenvertretung kontinuierlich in die Gestaltung des Angebots an familienfreundlichen Maßnahmen mit eingebunden sind.

Arbeitgeber können passgenaue Informationsangebote für Interessierte und Betroffene schaffen, die leicht zugänglich sind und am besten schon präventiv genutzt werden.

Best Practice gibt es reichlich

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie” zeigt mit einem großen Fundus an Beispielen, wie Work-Life-Integration wirklich funktionieren kann und bietet zudem einen Erfahrungsaustausch zwischen teilnehmenden Unternehmen an.

Wenn die ernstgemeinte Intention durch eine optimale Unternehmenskommunikation transparent gemacht wird, schließen sich bedarfsgerechte Angebote und Maßnahmen an. Diese reichen von Beratung zu Eltern- und Pflegegeld, Homeoffice-Regelungen, Langzeitarbeitszeitkonten, Multiplikatoren-Ausbildungen bis hin zu konkreten Kinderbetreuungsangeboten im Betrieb.

Sich als Unternehmen familienfreundlich aufzustellen, um Beschäftigten in allen Lebensphasen diejenige Flexibilität zu ermöglichen, die sie gerade brauchen, ist nicht Nice-to-Have. Es ist ein Muss, um bestehende Leistungsträger:innen zu binden und zukünftige Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Nur, wer es auch in Zukunft schafft, in dieser Hinsicht für potenzielle Mitarbeiter:innen attraktiv zu sein, wird wettbewerbsfähig bleiben.

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Über den:die Autor:in

Karolin Schilp

Betriebliche Gesundheitsmanagerin, Training & Beratung. Karolin Schilp ist Expertin für Betriebliches Eingliederungsmanagement, Stresskompetenz und Resilienz.

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