Zum Inhalt springen

Lagerarten: Der Überblick für deine optimale Lagerstrategie

0

Die richtige Wahl der Lagerart entscheidet maßgeblich über den Erfolg deiner Supply Chain. Ob du ein Unternehmen führst oder dich beruflich mit Logistik beschäftigst, ein fundiertes Verständnis der verschiedenen Lagerarten hilft dir dabei, effiziente Lagerlösungen zu gestalten und deine Lieferkette zu optimieren. In der modernen Lagerhaltung unterscheidet man Lagerarten nach verschiedenen Kriterien: ihrer Funktion im Warenfluss, ihrer baulichen Beschaffenheit oder den besonderen Anforderungen des Lagerguts nach. Jede Lagerart bringt spezifische Vorteile mit sich und eignet sich für unterschiedliche Einsatzbereiche.

Funktionale Lagerarten: die Rolle im Wertschöpfungsprozess

Die funktionale Einordnung von Lagerarten orientiert sich an ihrer Position und Aufgabe innerhalb der Lieferkette. Je nachdem, wo im Wertschöpfungsprozess sich ein Lager befindet, erfüllt es unterschiedliche Zwecke, von der Materialversorgung bis zur Kundenbelieferung.

  • Beschaffungslager und Produktionslager versorgen die Fertigung mit allem, was für die Produktion benötigt wird. Diese Lagerarten bevoraten Rohstoffe, Hilfsstoffe und Betriebsmittel und befinden sich meist direkt am Produktionsstandort oder in unmittelbarer Nähe. Durch diese strategische Positionierung kannst du eine unterbrechungsfreie Materialversorgung deiner Produktionslinien gewährleisten. Das Beschaffungslager fungiert als wichtiger Puffer zwischen Einkauf und Produktion und federt Lieferausfälle oder Versorgungsstörungen ab. Moderne Anlagen sind oft über Fördertechnik direkt mit der Fertigung verbunden.
  • Zwischenlager oder Pufferlager schaffen Flexibilität in deinem Warenfluss, indem sie zeitliche Schwankungen zwischen verschiedenen Prozessstufen ausgleichen. In diesen Lagerarten werden Güter nur temporär eingelagert, bis sie für den nächsten Produktionsschritt oder Weitertransport benötigt werden. Der Umschlag ist charakteristisch hoch. Es herrscht ein ständiger Ein- und Auslauf von Waren. Pufferlager helfen dir dabei, Bedarfsschwankungen aufzufangen und eine kontinuierliche Versorgung nachgelagerter Prozesse sicherzustellen.
  • Umschlagslager oder Transitlager dienen der kurzfristigen Aufnahme und schnellen Weiterverteilung von Gütern. Hier werden Waren von einem Transportmittel auf ein anderes umgeladen, um sie zügig an ihre Zielorte weiterzuleiten. Die Verweildauer ist minimal. Das Ziel besteht darin, Umschlagszeiten zu reduzieren und einen kontinuierlichen Warenfluss zu gewährleisten. Diese Lagerarten findest du häufig in Distributionszentren oder bei Speditionen, beispielsweise in den Hub-and-Spoke-Netzwerken großer Paketdienste.
  • Distributionslager positionierst du strategisch nahe bei deinen Zielmärkten, um kurze Lieferzeiten zu ermöglichen. Als Verteilungslager oder Auslieferungslager versorgen sie bestimmte geografische Räume schnell mit Waren. Oft werden nur ausgewählte, absatzstarke Produkte in größerer Menge vorgehalten, ein begrenztes Sortiment mit hohem Umschlag. Dadurch kannst du die Nachfrage deiner Region effizient bedienen und gleichzeitig die Auslieferungszeiten minimieren.
  • Kommissionierlager sind speziell darauf ausgerichtet, Kundenaufträge effizient zusammenzustellen. Die Waren sind so organisiert, dass Mitarbeiter:innen oder Kommissionierroboter schnellen direkten Zugriff auf jeden Artikel haben. Anders als bei Vorrats- oder Palettenlagern werden hier keine ganzen Ladeeinheiten entnommen, sondern genau die Stückzahl, die für einen Auftrag benötigt wird. Kurze Laufwege, übersichtliche Beschriftung und technische Hilfsmittel wie Pick-by-Light-Systeme reduzieren Fehler und steigern die Kommissioniergeschwindigkeit.
  • Vorratslager halten große Mengen an Gütern vor, um Schwankungen in Bedarf oder Versorgung auszugleichen. Diese Lagerarten werden oft für saisonale Nachfragespitzen genutzt oder um die Zeit bis zur nächsten Beschaffung zu überbrücken. Charakteristisch ist, dass relativ wenige unterschiedliche Produkte eingelagert werden, diese aber in großer Menge und mit geringem Umschlag. Ein klassisches Beispiel sind Rohstofflager, die Preisschwankungen abfedern oder die Versorgung bei Lieferproblemen sicherstellen.

Bauweise und Lagertechnik: strukturelle Lagerarten

Die bauliche Gestaltung und eingesetzte Lagertechnik bestimmen maßgeblich, welche Güter wie effizient gelagert werden können. Von einfachen Freilagern bis zu hochautomatisierten Regalsystemen reicht das Spektrum moderner Lagerlösungen.

  • Freilager sind offene Lagerplätze ohne Überdachung und Wände. Die gelagerten Güter sind Witterungseinflüssen ausgesetzt und benötigen entsprechende Wetterfestigkeit. Typische Lagergüter sind Baustoffe wie Steine, Ziegel oder Rohre, Schüttgüter wie Sand und Kies sowie Schrott oder unbehandeltes Holz. Die geringen Anlagekosten machen Freilager attraktiv. Du benötigst keine Halle und sparst erheblich bei den Investitionen. Allerdings begrenzt sich die Eignung auf wenige Güterarten, und Risiken durch Wetter oder Diebstahl müssen berücksichtigt werden.
  • Etagenlager nutzen mehrere Stockwerke, um auf gleicher Grundfläche mehr Lagerraum zu gewinnen. Die Lagerhalle wird durch Zwischendecken in zwei oder mehr Ebenen unterteilt, die über Treppen, Lastenaufzüge oder Rampen miteinander verbunden sind. Diese Lagerarten eignen sich besonders, wenn die Grundfläche knapp ist. Durch die Ausnutzung der Höhe schaffst du erheblich mehr Lagerkapazität auf kleiner Grundfläche.
  • Hochregallager repräsentieren die Königsklasse der raumoptimierten Lagerhaltung. Mit Regalhöhen bis zu 50 Metern bieten sie enorme Stellplatzkapazitäten auf minimaler Grundfläche. Die Regale sind fest in die Hallenkonstruktion integriert und werden fast ausschließlich automatisiert bewirtschaftet. Regalbediengeräte oder Shuttles bewegen sich in den schmalen Gassen und lagern Paletten präzise ein und aus. Die maximale Raumausnutzung und schnelle Lagerprozesse machen Hochregallager ideal für Unternehmen mit großem Lagervolumen und hoher Umschlagfrequenz.
  • Blocklagerung verzichtet komplett auf Regale. Die Güter werden blockweise direkt auf dem Hallenboden gestapelt. Diese kostengünstige Lagerart eignet sich perfekt für stapelbare und homogene Artikel, bei denen es keine Rolle spielt, welche Palette zuerst entnommen wird. Beispiele sind Baustoffpaletten oder Getränkepaletten. Der Vorteil liegt in der Flexibilität und Kosteneffizienz, allerdings ist der direkte Zugriff auf einzelne Ladungen eingeschränkt, oft gilt das LIFO-Prinzip.
  • Bezüglich Regallagerformen hast du generell eine große Auswahl: Fachbodenregale für Kleinteile, Palettenregale für Standardpaletten, Durchlaufregale mit FIFO-Prinzip, Kragarmregale für Langgut und Wabenregale für flache Güter. Jedes System ist auf spezifische Lagergüter und Zugriffsanforderungen optimiert. Moderne Lagersysteme kombinieren verschiedene Regalarten in einem Lager, um unterschiedliche Produktkategorien optimal zu bewirtschaften.

Unsere Seminarempfehlung

Basiswissen Logistik

Dieser Crashkurs vermittelt Ihnen grundlegendes Praxiswissen für eine kompetente Arbeit in der Logistik. Sie verstehen die Logistik ganzheitlich innerhalb der Supply Chain, lernen unterschiedliche Logistikbereiche wie die Beschaffungs-, Produktions-, Lager- und Transportlogistik und deren Zusammenhänge und Auswirkungen kennen.


Seminar Basiswissen Logistik

Strategische Lagerentscheidungen: zentral vs. dezentral

Die strategische Ausrichtung deiner Lagerhaltung beeinflusst deine gesamte Logistikleistung. Verschiedene Ansätze bieten unterschiedliche Vorteile für dein Unternehmen.

  • Eigenlager vs. Fremdlager: Diese Grundsatzentscheidung bestimmt, ob du deine Lagerhaltung selbst betreibst oder an Logistikdienstleister auslagerst. Eigene Lager bieten dir vollständige Kontrolle über Bestände und Prozesse, binden aber hohe Fixkosten für Gebäude, Personal und Technik. Fremdlagerung verwandelt fixe in variable Kosten und ermöglicht es dir, von der Expertise und Infrastruktur spezialisierter Anbieter zu profitieren. Viele Unternehmen wählen hybride Modelle und lagern beispielsweise Ersatzteile aus, während sie das Produktionslager selbst betreiben.
  • Zentrallager vs. dezentrale Strukturen bestimmen die geografische Verteilung deiner Lagerkapazitäten. Ein Zentrallager bündelt alle Vorräte an einem Standort, wodurch du geringere Sicherheitsbestände halten und Skaleneffekte nutzen kannst. Dezentrale Lager nahe bei den Zielmärkten ermöglichen dagegen kürzere Transportwege und schnellere Lieferzeiten. Die Wahl hängt von deinen Kundenanforderungen, Produkteigenschaften und der gewünschten Flexibilität ab.
  • Langzeitlagerung kommt zum Einsatz, wenn Güter über Jahre oder Jahrzehnte bei geringer Zugriffshäufigkeit archiviert werden. Archive für Dokumente, Ersatzteillager für langlebige Investitionsgüter oder Rückstellmuster-Lager fallen in diese Kategorie. Bei der Langzeitlagerung stehen Konservierung und optimale Lagerbedingungen im Vordergrund. Klimawerte, Schutz vor UV-Licht und Schädlingen sind entscheidend für den Werterhalt.

Klassifizierung nach Gütereigenschaften

Die Eigenschaften deines Lagerguts bestimmen, welche Lagerart und -technik optimal geeignet ist. Verschiedene Kriterien spielen dabei eine wichtige Rolle.

  • Die Konsistenz der Güter – ob fest, flüssig oder gasförmig – erfordert angepasste Lagerlösungen. Während feste Stoffe in Regalen oder als Blocklagerung gelagert werden können, benötigen Flüssigkeiten Tanks und Gase Druckbehälter. Größe und Gewicht der Artikel beeinflussen die Wahl zwischen Kleinteileregal, Schwerlastsystem oder Freilager für sperrige Güter.
  • Die Verderblichkeit und Empfindlichkeit deiner Produkte ist ebenso ein bestimmender Faktor für die Lagerbedingungen. Lebensmittel erfordern Kühlung, feuchtigkeitsempfindliche Elektronik klimatisierte Bereiche und zerbrechliche Waren spezielle Schutzvorrichtungen. Wertigkeit und Sicherheitsbedarf führen dazu, dass hochpreisige Artikel in gesicherten Bereichen mit Zugangskontrolle gelagert werden.
  • Die Umschlagshäufigkeit unterscheidet zwischen Schnell- und Langsamdrehern. Schnelldreher platzierst du in leicht zugänglichen Bereichen, während Langsamdreher auch in weniger gut erreichbaren Zonen gelagert werden können. Diese Klassifizierung nach ABC-Analyse hilft dir dabei, deine Lagerprozesse zu optimieren und die Kommissionierung zu beschleunigen.

Moderne Lagersysteme: Automatisierung und Effizienz

Die Zukunft der Lagerhaltung liegt in intelligenten, automatisierten Systemen, die verschiedene Lagerarten optimal kombinieren. Automatische Kleinteilelager (AKL) verbinden kompakte Bauweise mit präziser Kommissionierung, während fahrerlose Transportsysteme den Warenumschlag zwischen verschiedenen Lagerbereichen optimieren.

Moderne Lagerlösungen integrieren verschiedene Lagerarten in einem Komplex: Ein Distributionszentrum kann beispielsweise ein Hochregallager für Palettenwaren, ein Kommissionierlager für Einzelstücke, einen Kühlbereich für temperaturempfindliche Produkte und einen Gefahrstoffbereich mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen umfassen. Durch diese intelligente Kombination verschiedener Lagerarten maximierst du die Effizienz deiner gesamten Lagerlogistik.

Die Digitalisierung verändert auch die Art, wie du Lagerarten planst und betreibst. Lagerverwaltungssysteme (WMS) steuern den optimalen Einsatz verschiedener Lagerbereiche und sorgen dafür, dass jeder Artikel in der für ihn besten Lagerart untergebracht wird. Künstliche Intelligenz hilft dabei, Lagerkapazitäten vorherzusagen und die Auftragszusammenstellung zu optimieren.

Auswahl der richtigen Lagerart für dein Unternehmen

Die Entscheidung für bestimmte Lagerarten solltest du systematisch treffen. Analysiere zunächst dein Produktspektrum: Welche Güter lagerst du? Wie häufig werden sie umgeschlagen? Welche besonderen Anforderungen bestehen? Diese Grundlagenanalyse hilft dir dabei, die passenden Lagerarten zu identifizieren.

Berücksichtige auch deine Unternehmensstrategie: Strebst du nach maximaler Kosteneffizienz oder steht der Servicegrad im Vordergrund? Planst du Wachstum oder Expansion in neue Märkte? Je nach strategischer Ausrichtung eignen sich unterschiedliche Lagerkombinationen. Ein E-Commerce-Unternehmen wird beispielsweise andere Lagerarten bevorzugen als ein Produktionsbetrieb oder ein Großhändler.

Die richtige Lagerstrategie kombiniert meist mehrere Lagerarten: Ein produzierendes Unternehmen könnte ein Beschaffungslager am Produktionsstandort, regionale Distributionslager für die Kundenbelieferung und ein zentrales Ersatzteillager für die Langzeitlagerung betreiben. Diese durchdachte Kombination verschiedener Lagerarten optimiert deinen gesamten Warenfluss und stellt sicher, dass jede Funktion von der dafür besten Lagerlösung übernommen wird.

Vertiefe dein Logistikwissen

Du kennst jetzt die verschiedenen Lagerarten und ihre Einsatzgebiete. Doch Lagerlogistik ist nur ein Baustein der gesamten Supply Chain. Um wirklich erfolgreich zu sein, brauchst du den ganzheitlichen Blick auf alle Logistikbereiche.

Unsere Kurse „Basiswissen Logistik“ und “Vertiefungsreihe Basiswissen Logistik” vermitteln  dir genau das: Von der Beschaffung über die Produktion bis hin zu Transport- sowie Lagerlogistik und IT-Systemen lernst du, wie alle Bereiche zusammenwirken. So optimierst du nicht nur deine Lagerbestände, sondern entwickelst fundierte Strategien für die gesamte Logistikkette.

Lust, den Beitrag zu teilen?

Über den:die Autor:in

Online-Redaktion