Selbstführung im Konflikt

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Konflikte haben ein schlechtes Image. Kein Wunder, immerhin verbinden wir mit dem Wort negative Emotionen, Stress und Disharmonie. Deshalb gehen viele Menschen Konflikten am liebsten aus dem Weg. Schade, denn Auseinandersetzungen sind großartig! Warum? Weil Konflikte ein großes Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung in sich tragen – wenn wir in der Lage sind, sie richtig anzugehen. Denn Auslöser eines Konflikts, sind unterschiedliche Wahrnehmungen, Werte und Bewertungen einer Situation. Dies wahrzunehmen und das eigene Verhalten zu reflektieren, sind  großartige Katalysatoren für persönliches Wachstum. Aber wie gehen wir nun am besten mit Konflikten um und inwiefern kann gute Selbstführung hier hilfreich sein?

Spätestens wenn sich Konflikte nicht mehr auf der rein sachlichen Ebene klären lassen und Emotionen mit ins Spiel kommen, ist gute Selbstführung extrem hilfreich. Denn sobald Gefühle mit im Boot sind, eskalieren Konflikte schneller und die Beziehungsebene wird für die Lösung relevanter als dem ein oder anderen lieb ist.

Nehmen wir das Beispiel-Szenario „Marco und Lisa“ und schauen wir uns an, wie ihr Konflikt einmal ohne und einmal mit Hilfe guter Selbstführung verlaufen könnte:

Worst Practice:

Lisa war einige Tag krank und ist den ersten Tag wieder im Büro. Abgesehen davon, dass ihr E-Mail-Postfach überquillt, fällt ihr beim Lesen auf, dass ihr Kollege Marco angefangen hat potenzielle Referent:innen für die anstehende Online Konferenz anzuschreiben, ohne sich mit ihr abzusprechen. Lisa ist sauer und das Herz pocht ihr bis zum Hals: Das war ihre Aufgabe, darauf hatte sie sich gefreut! Das war ihre Chance der der Chefin zu zeigen, dass sie bei der Auswahl der Referent:innen ein gutes Händchen hat! Schnell läuft Lisas Kopfkino auf Hochtouren: „Warum macht Marco das? Will er mich ausbooten?  In ihrem Zorn spricht Lisa Marco an, macht ihm Vorwürfe, beschuldigt ihn. Marco hingegen versteht die Welt nicht mehr, da er nur helfen wollte. Dementsprechend kann er Lisas Unmut und Wut nicht nachvollziehen. Beide ziehen sich zurück.

Wie hätte das Szenario mit Hilfe von Selbstführung im Konflikt besser laufen können?

Best Practice:

Zurück auf Anfang: Lisa war einige Tage krank und ist heute den ersten Tag wieder im Büro. Als Lisa merkt, dass sich in ihr als Reaktion auf Marcos Handeln ein emotionaler Gefühlsmix zusammenbraut, erinnert sie sich an ein kürzlich erlerntes Hilfsmittel zur Selbstreflektion und Konfliktlösung, was ihr jetzt helfen könnte: Die „Pizza-Analyse“.

Im ersten Schritt dieser Selbstreflektion bewertet Lisa, wie stark sie der Konflikt belastet. Im zweiten Schritt findet sie heraus, was sich genau hinter dem Gefühlschaos verbirgt, welches durch Marcos Verhalten in ihr ausgelöst wurde: Da ist zum einen die Traurigkeit darüber, die spannende Auswahl der Referent:innen nicht selbst übernommen zu haben. Zum anderen die Angst, ihre Chefin enttäuscht zu haben und dass sie sich nun um ihren Job sorgen muss, da sich Lisa noch in der Probezeit befindet. Dann ist da der Ärger über Marco, der die Recherche eigenmächtig und ohne Absprache erledigt hat. Außerdem bemerkt Lisa, dass sie aufgrund der Erkrankung noch nicht wieder ganz fit und emotional nicht so robust ist wie sonst. Und zu guter Letzt gab es in ihrer vorherigen Stelle eine ähnliche, unschöne Situation und der Konflikt mit Marco ruft diese Erinnerung wach.

Das Resultat

Durch Anwendung des erlernten Selbstanalyse-Tools ist Lisa in der Lage, nicht aus dem Affekt heraus zu handeln. Stattdessen nimmt sie sich einen Moment zur Reflektion und geht ihren eigenen Emotionen auf den Grund. Erst als sie für sich klar definiert hat, welche Aspekte sie geklärt haben möchte, spricht sie Marco an und kann sich dabei auf folgende konkrete Punkte beziehen:

  1. Den Verlust der spannenden Aufgabe.
  2. Die entgangene Chance, Kompetenz zeigen zu können und einen Pluspunkt in der Probezeit zu sammeln.
  3. Den Wunsch nach klaren Absprachen.

Fazit – Was bringt verbesserte Selbstführung im Konflikt?

Lisas innere Klarheit erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit Marco ein konstruktives Gespräch zu führen, welches ihre Zusammenarbeit in Zukunft verbessern kann. Zudem entlastet sich Lisa selbst aktiv in der Konfliktsituation, da sie ihren eigenen Gedanken und Emotionen auf den Grund geht. Damit kann sie ihre Aufmerksamkeit und Energie wieder ihren Aufgaben widmen, anstatt sie im Konflikt zu binden.

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Typisch für Konfliktsituationen sind Gefühle wie Ärger, Missstimmung oder sogar Wut, die Irritation und Verwirrung mit sich bringen. Was ist eigentlich gerade los? Wie konnte es dazu kommen? Im Laufe des Konflikts rücken die Auslöser dieser Gefühle in den Hintergrund, die Schuld wird beim Anderen gesucht und die Konfliktspirale dreht sich nach oben. Nicht selten wird dadurch die eigene Kommunikation, Produktivität und Belastbarkeit beeinträchtigt. In diesem Seminar lernen Sie, wie Sie sich selbst zur persönlichen Klarheit über konfliktreiche Situationen führen können, um die eigenen Bedürfnisse offen zu kommunizieren und Konflikte nachhaltig zu lösen.


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Über den:die Autor:in

Ulrike Regenscheidt

Dipl. Betriebswirtin, Trainerin, Coach, Buchautorin. Freiberuflerin seit 1990. Themen: Arbeitserleichterung, Produktivität und Kommunikation in Konflikten. Ausbildung in Changemanagement, systemischer Organisationsberatung, NLP Practioner, LIFO® lizenziert. Online-, Präsenztraining, SMARTies, Workshopmoderation

Zur Themenübersicht Persönliche und soziale Kompetenzen

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