Generation Y: Eine Generation voller Erwartungen – und was erwartet die Unternehmen?

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Generation Y: Gibt es die überhaupt?

Das werde ich häufig in meinen Vorträgen und Trainings gefragt. Und in meiner langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen und Studenten spüre ich schon eine Veränderung.

Dies ist aber auch gut nachzuvollziehen, da die demografische Entwicklung, der technologische Fortschritt und ein Leben im Wohlstand in unserem Land logischerweise ihre Spuren hinterlassen. So denke und erlebe ich, dass die junge Generation viele neue Aspekte mit in die Arbeitswelt bringt, vor denen wir uns nicht mehr verschließen können. Diese sind nicht als besser oder schlechter im Vergleich zu anderen Generationen zu sehen, sondern einfach anders. Auch wenn ich in diesem Beitrag nicht darum herumkomme, manches etwas plakativ zu beschreiben, so ist es mir wichtig, gleich zu Beginn darauf hinzuweisen, dass jeder Mensch ganz individuell als Individuum zu betrachten ist und typische Eigenschaften der Generation Y bei einer Person mal mehr, bei der anderen mal weniger zum Vorschein kommen. Wir erleben hier eine durchaus heterogene Gruppe, die viel Wert auf Individualität legt.

Generation Y: Was ist das?

Heute bezeichnen wir mit der Generation Y alle Personen, die ab dem Jahr 1980 (bis circa 1995) geboren wurden. Aber auch hier hat natürlich niemand den Hebel umgelegt und plötzlich wurden alle mit anderen Eigenschaften geboren. Es ist als fließender Übergang zu sehen. Wie jede andere Generation wurde auch diese in den wichtigen Jahren der Kindheit und Jugend durch ähnliche Ereignisse geprägt. Sie zeichnet sich daher durch eine ähnliche soziale Orientierung und Lebensauffassung aus. Die völlig veränderten Kommunikationsmittel, ein Aufwachsen im Wohlstand mit auf der anderen Seite ständigen Bedrohungen durch Verschmutzung der Umwelt und Amokläufen in Schulen, das prägt. Doch diese Generation möchte und wird die Arbeitswelt verändern. Nicht im Sinne eines Putsches oder Aufschreis. Nein, das ist nicht die Art der Generation Y. Es wird leise passieren.

Generation Y: Warum muss ich mich damit beschäftigen?

Arbeitsgeber sollten sich spätestens jetzt mit den Erwartungen dieser Generation beschäftigen und sie berücksichtigen. Denn sonst werden diese nicht (mehr) als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen und werden keinen Nachwuchs mehr finden. Der Fachkräftemangel lässt grüßen.

Generation Y: Wie zeichnen sich diese aus?

Die Generation Y wird einiges verändern. Grund dafür sind verschiedene Eigenschaften und Einstellungen. Acht Besonderheiten werde ich an dieser Stelle herausgreifen und kurz erläutern:

  1. Mit der Generation Y treffen wir auf eine durchaus optimistische Generation, die gute Perspektiven für ihre Zukunft sieht und sich auch beim Berufseinstieg gute Chancen verspricht. Sie machen sich wenig Sorgen um ihre Zukunft, wie eine aktuelle Studie und Befragung von Studenten im Auftrag von Ernst & Young im März 2014 gerade wieder bestätigte.
  2. Die Ypsiloner möchten etwas leisten und sind durchaus als leistungsorientiert zu bezeichnen. Sie wissen, dass sie es nur mit Arbeit und Leistung zu etwas bringen können und setzen sich damit teilweise unter Druck ­ manchmal zu sehr. Dabei sind sie unsicher, ob sie alles schaffen können, was ihre Eltern einmal geschafft haben. Wir haben es hier also keineswegs mit einer untätigen Generation zu tun. Die Aussage, die junge Generation sei faul, höre ich manchmal. Dies ist aus meiner Sicht ein falsches Verständnis des Nachwuchses. Dieser legt neben der Arbeit eben auch sehr viel Wert auf Familie und Freizeit. Was die Ypsiloner aber noch lange nicht zu faulen Mitarbeitern macht.
  3. Diese Generation möchte nämlich das Leben genießen und Spaß haben ­ in der Arbeit ebenso wie in der Freizeit. Das hätten wir doch selbst auch am liebsten immer gehabt, oder? Der Unterschied ist, dass die neue Generation es nun einfordert und sich mit „spaßfreien“ Tätigkeiten nicht mehr zufrieden gibt. Dieses genussvolle Lebensgefühl unterscheidet sich stark vom Lebensgefühl anderer Generationen und polarisiert daher natürlich.
  4. Familie und Freunde genießen einen sehr hohen Stellenwert und sind für die junge Generation ein zentraler Bestandteil des Lebens. Familienorientierung und Heimat werden groß geschrieben. Nun sind Familienväter (und -mütter) eben nicht mehr bereit, das Familienleben der Arbeit zu opfern und (gar) nicht zu erleben, wie der eigene Sprössling aufwächst. Daher werden Überstunden – so denn notwendig – zwar durchaus gemacht, aber diese müssen dann bald wieder durch Freizeit und Zeit für die Familie ausgeglichen werden. Es gibt ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu einer solchen. Daher wird eine emotionale Bindung zum Arbeitgeber durchaus als positiv erlebt.
  5. Eine weitere Eigenschaft der Ypsiloner ist ein gewisser Hedonismus, das Bedürfnis nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung. Heute ist jede Information weltweit über das Internet in wenigen Sekunden verfügbar. Auf eine Bestellung müssen wir nicht mehr wochenlang warten, sondern diese erreicht uns am nächsten Tag oder zukünftig sogar noch schneller – warum also noch Geduld haben? Die Zeit, mit der man sich aufmerksam einem einzigen Thema widmet, wird dadurch allerdings geringer. Wird etwas nicht gleich als interessant empfunden, ist es schnell weggeklickt.
  6. Viele sprechen davon, dass die Generation Y sehr anspruchsvoll sei. Auch dies ein Punkt, der von anderen Generationen so empfunden wird. Für die junge Generation ist es dagegen eine Selbstverständlichkeit, dass sie mitbestimmen und Forderungen stellen können. Sie würden sich selbst dabei nie als anspruchsvoll bezeichnen. Manche kennen keine Familienhierarchie und durften bereits als Kind bei allem mitentscheiden. Da erwarten sie als Mitarbeiter natürlich, dass es im Berufsleben so weitergeht und wünschen sich eher flache Hierarchien. Sie werden sich gleich zum Start des Berufslebens als gleichberechtigten Partner im Unternehmen sehen und möchten Themen und Aufgaben mitbestimmen. In ihrer Familie drehte sich alles um sie, daher wird ihnen Geltungsbedürfnis nachgesagt. Sie benötigen Lob, Anerkennung und Wertschätzung. Daher auch der Name: GENERATION Y [ˌʤenəˈreɪʃən] [waɪ] – der englische Buchstabe Y wird als Why ausgesprochen. Die Generation Why stellt vieles in Frage und ist es gewöhnt, die Fragen nach dem „Warum“ und „Weshalb“ ganz selbstverständlich beantwortet zu bekommen.
  7. Eine mit den neuen Medien aufgewachsene Generation kann sich nicht mehr richtig an Schreibmaschine und ein Leben ohne Handy erinnern. Die modernen Kommunikationsmedien werden wie selbstverständlich genutzt. Dabei ist man vernetzt und ständig online – weltweit. Und als Konsequenz auch eher global denkend.
  8. Die Generation Y ist eine selbstbestimmte Generation, die unabhängig leben und sich nicht unbedingt langfristig an ein Unternehmen binden möchte. Arbeiten wann und wo ich will, das entspricht eher ihren Erwartungen. Sie möchten sich selbst verwirklichen und sind immer auf der Suche nach sinnvollen Lebensinhalten. In Kombination mit der Familienorientierung ist es für einen Ypsiloner selbstverständlich, nachmittags bei der Schulaufführung der Tochter oder des Sohnes dabei zu sein, um dann anschließend weiter zu arbeiten.

Generation Y: Was wünscht sie sich?

Da stellt sich nun die Frage, was wünscht sich die Generation Y von ihrem Arbeitgeber? Die junge Generation möchte ernst genommen werden und das von Anfang an. Sie wünscht sich Aufmerksamkeit, Anerkennung und herausfordernde Aufgaben, die Spaß und zugleich Sinn machen (Je nach individueller Einstellung gibt es Unterschiede in der Gewichtung). Alle Informationen zu erhalten ist wichtig, ebenso wie Wahlmöglichkeiten zu haben. Moderne Arbeitsmittel sind selbstverständlich und unterstützen das Arbeiten im Team und in Netzwerken. Von zentraler Bedeutung sind eine angemessene Vergütung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei bieten Strukturen Sicherheit und Stabilität. Flexible Arbeitszeitmodelle und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden groß geschrieben. Zudem wird Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gelegt. Weitere Tipps finden Sie in den Do‘s and Don´ts des Praxisbeitrags.

Generation Y: Was muss sie noch lernen?

Von den Eltern wurde der Generation Y oft gesagt: „Du kannst alles erreichen, was Du möchtest“. Diese Aussagen führen teilweise dazu, dass Ypsiloner sehr von sich überzeugt sind und sich selbst überschätzen. Der ungewohnte Umgang mit Kritik muss erst erlernt werden. Auch das Arbeiten in Hierarchiestufen und Respektieren der Erfahrung Älterer muss erst akzeptiert werden. Wie realistisch die Erwartungen der Ypsiloner an die Arbeitswelt sind und beibehalten werden können, wird sich erst noch zeigen.

Generation Y: Und was kommt danach?

Eine spannende Frage. Die Generation Z ­ nach 1995 geboren, wird viele der genannten Eigenschaften noch viel stärker mitbringen. Eine Schreibmaschine kennen diese nur noch aus dem Museum. Eine Kaffeemaschine ohne Kapseln oder gar eine Wählscheibe am Telefon, was ist denn das? Wird diese Generation noch konservativer oder anpassungsbereiter oder rebellischer? Hier bin ich schon gespannt, was die neue Shell Jugendstudie für Erkenntnisse bringt und welche Auswirkungen diese Generation auf die Gesellschaft haben wird.

Bei aller Diskussion um die Generation Y finde ich es entscheidend, dass die junge Generation von den älteren Generationen lernt. Und auf der anderen Seite auch die Älteren von den Jüngeren lernen. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen und Verständnis für die jeweiligen Lebenseinstellungen haben. Nur so kann eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Arbeitswelt funktionieren.

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Über den Autor

Sabine Bleumortier

Diplom-Ökonomin mit den Schwerpunkten Personalwesen und Organisation. Trainerin und Beraterin, spezialisiert auf Auszubildende und Ausbilder. Langjährige Erfahrung als Ausbildungsleiterin eines national und international agierenden Industrieunternehmens. Fachbuchautorin.

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