Visualisierung fördert Lernen und Verstehen

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Visualisierung hilft, komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen, die Aufmerksamkeit zu erhöhen und den Behaltenswert zu verbessern. Visualisierungen bieten auch schnelle Orientierung – stellen Sie sich nur die Inhalte der Straßenverkehrsschilder in Textform vor!

Doch was macht Visualisierungen eigentlich genau aus? Der Begriff steht für die Umsetzung von Informationen in Bilder mit Hilfe von textlichen oder grafischen Mitteln. Das heißt, im weiteren Sinne umfasst Visualisieren die Darstellung von

  • reinen Texten, z. B. mit Aufzählungspunkten, die dem Text eine optische Struktur verleihen,
  • Informationen mit grafischen Mitteln, z. B. als Diagramm, Foto oder Zeichnung,
  • komplexen Zusammenhängen in einem Schaubild oder einer Infografik.
  • Manchmal wird Visualisieren als Aufforderung missverstanden, willkürlich Bilder in Präsentation einzubringen. Effektives Visualisieren hingegen setzt Schwerpunkte und ist wesentlich mehr als bloßes Ornament.

Effekte guter Visualisierungen

  • Visualisierungen verdeutlichen etwas, sie bringen eine Aussage auf den Punkt, sodass sie mit einem Blick erfassbar ist. Beispiel „Symbole“: Statt langer Anweisungen genügt ein einziges Bild, das genau die eine Botschaft signalisiert, auf die es ankommt.
  • Visualisierungen machen komplexe Aussagen (Entwicklungen, Kausalbeziehungen u. a.), die rein textlich nur mit komplizierten Sätzen darstellbar ist, leichter und schneller erfassbar. Beispiel: Umsatzentwicklungen oder Einflussfaktoren auf den Umsatz in einem Diagramm.
  • Visualisierungen lenken die Aufmerksamkeit auf das, was wichtig ist. Beispiel „Farbe“: eine farbige Hervorhebung, eine Umrandung oder ein farbiges Textfeld.
  • Visualisierungen unterscheiden, gruppieren und stellen Zusammen hänge her: Unterschiede/Gemeinsamkeiten von Informationen werden im Bild klarer.
  • Durch wiederkehrende Elemente wird ein roter Faden geschaffen, der durch die gesamte Präsentation führt.

Visualisierung fördert Lernen und Verstehen

Bilder spielen bei der Wissensaufnahme und -verarbeitung eine besondere Rolle. Wie dies funktioniert, lässt sich anschaulich anhand folgender Übung erleben: Lesen Sie den nächsten Absatz zweimal durch und wiederholen Sie dann das Gelesene, ohne dabei auf den Text zu schauen.

„Ein Zweibein sitzt auf einem Dreibein und isst ein Einbein. Da kommt ein Vierbein und klaut dem Zweibein das Einbein. Da nimmt das Zweibein das Dreibein, droht damit dem Vierbein, und das lässt das Einbein wieder fallen.“ (Bekannt geworden durch Vera F. Birkenbihl)

Konnten Sie diesen Text nach zweimaligem Lesen exakt wiedergeben, ohne hinzuschauen? Wenn nein, dann sind Sie nicht allein: Diese scheinbar sinnlose Aneinanderreihung von abstrakten Ausdrücken kann das Gehirn nur schwer verarbeiten. Wie es leichter geht? Wenden Sie ein Grundprinzip des effizienten Lernens an: mit Bildern arbeiten. Verknüpfen Sie den Text also mit Bildern: Stellen Sie sich vor, ein Mensch sitzt auf einem Hocker und isst einen Hühnerschenkel, ein Hund kommt dazu und schnappt sich den Hühnerschenkel usw. Jetzt haben Sie die Bilder im Kopf, den Inhalt verstanden und könnten ihn leichter wiederholen. Das heißt, sobald Sie trockene Informationen in lebendige Bilder umwandeln, freut sich Ihr Gehirn und arbeitet erfolgreich mit.

Visualisierung erhöht den Behaltenswert

Informationen, die über zwei Eingangskanäle (Ohren und Augen) kommen, werden im Gedächtnis besser verankert, wenn sie gut koordiniert bzw. synchronisiert sind.

Ihr Publikum ist bis zum Beginn Ihres Vortrages vielfältigen, bildhaften Eindrücken ausgesetzt: der Raum, Ihre Person, Gegenstände und Logos rundherum. Gegen solche Einflüsse kommen Sie mit reinen Textfolien oder Charts oft nur schwer an. Wenn Sie rasch und sicher informieren, motivieren und überzeugen sowie Ihre Zuhörer auch emotional ansprechen wollen, dann gibt es nur eines: Gewichtsverlagerung vom Text zum Bild.

Die Bedeutung von Emotion

Ereignisse mit hoher emotionaler Beteiligung bleiben wesentlich besser im Gedächtnis haften als emotional weniger intensive Situationen. Was bedeutet das für Ihre Visualisierung? Integrieren Sie Bilder in Ihren Vortrag: Bilder lösen eher Emotionen aus als rein verbale Informationen. Dies hat die Hirnforschung durch zahlreiche Untersuchungen belegt.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was Ihr sachlicher, zahlenbasierender Vortrag mit Emotion zu tun hat. Mehr als auf den ersten Blick erkennbar – Sie müssen sich nur fragen, was Sie mit Ihren Zahlen bewirken wollen: Ihre Zuhörer beruhigen, im Sinne von: „Wir haben alles im Griff“? Oder im Gegenteil, mit dramatischen Zahlen Angst machen und erreichen, dass Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden?

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Über den Autor

Claudia Bingel

Diplom-Betriebswirtin (FH). Langjährige Erfahrung in Personal- und Organisationsentwicklung sowie Controlling. Schwerpunkte: Training, Führungskräfteentwicklung, Prozessberatung, Moderation und Coaching. Fachbuchautorin.

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