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Wenn es mit Azubis schwierig wird

Gesprächsführung, Klarheit und Haltung im Ausbildungsalltag

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Schwierige Situationen mit Azubis gehören zur Ausbildung dazu. Konflikte, Unzuverlässigkeit, Leistungsprobleme oder fehlende Motivation sind keine Randthemen, sondern Kernmomente professioneller Ausbildungsarbeit. Gerade in diesen Situationen zeigt sich, ob Ausbilder:innen und Ausbildungsbeauftragte Orientierung geben, Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig klare Grenzen setzen können.

Im Ausbildungsalltag läuft nicht immer alles reibungslos. Ein Azubi kommt wiederholt zu spät. Eine Auszubildende ist sehr zurückhaltend und bringt kaum eigene Ideen ein. Ein anderer schaut ständig aufs Handy, obwohl gerade eine Aufgabe erklärt wird. Jemand macht denselben Fehler mehrfach trotz vorheriger Erklärungen. Solche Situationen können frustrieren. Schnell entsteht der Eindruck: „Das müsste doch klar sein.” Oder: „Ich habe es doch schon mehrfach gesagt.” Doch genau hier lohnt sich ein professioneller Blick. Denn „herausforderndes Verhalten“ ist selten nur ein einzelnes Ereignis. Häufig stehen dahinter unklare Erwartungen, Unsicherheit, Überforderung, fehlende Routine, private Belastungen oder schlicht mangelndes Bewusstsein dafür, was im Arbeitskontext angemessen ist. Für Ausbilder:innen bedeutet das nicht, für alles Verständnis haben zu müssen. Aber es bedeutet, nicht nur zu reagieren, sondern bewusst zu führen.

Typische schwierige Situationen im Ausbildungsalltag

Zu den häufigsten Herausforderungen gehören Unpünktlichkeit, unzuverlässige Absprachen, private Handynutzung, geringe Eigeninitiative, wiederholte Fehler, Konzentrationsprobleme oder Konflikte im Team. Auch Leistungsprobleme in der Berufsschule oder ein spürbarer Motivationsabfall können den Ausbildungsalltag belasten.

Besonders anspruchsvoll wird es, wenn sich ein Muster entwickelt. Ein einmaliges Zuspätkommen lässt sich meist schnell klären. Wenn es regelmäßig passiert, geht es nicht mehr nur um Minuten, sondern um Verlässlichkeit. Ein einzelner Fehler ist Teil des Lernprozesses. Wenn derselbe Fehler immer wieder auftaucht, braucht es eine genauere Analyse. Geringe Eigeninitiative kann am Anfang der Ausbildung normal sein. Doch wenn Azubis dauerhaft passiv bleiben, stellt sich die Frage, ob sie ihre Rolle, ihre Aufgaben oder die Erwartungen wirklich verstanden haben.

Wichtig ist deshalb, Verhalten konkret zu beobachten, statt vorschnell zu bewerten. Der Satz „Du bist unmotiviert” führt selten zu einer Verbesserung. Hilfreicher ist: „Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten drei Teamrunden keine Rückfragen gestellt hast und deine Aufgabe erst nach Erinnerung begonnen hast.” Konkrete Beobachtungen schaffen eine sachliche Grundlage für das Gespräch.

Warum schnelle Ermahnungen selten nachhaltig wirken

Im Stress des Tagesgeschäfts liegt eine schnelle Ermahnung nahe: „Bitte komm künftig pünktlich.” „Leg bitte das Handy weg.” „Das musst du sorgfältiger machen.” Solche Hinweise können kurzfristig wirken, lösen aber selten die eigentliche Ursache. Vor allem dann nicht, wenn sie beiläufig, genervt oder ohne weitere Erklärung ausgesprochen werden.

Azubis befinden sich in einer Lernphase – fachlich, sozial und persönlich. Sie lernen nicht nur Prozesse und Aufgaben, sondern auch berufliches Verhalten: Wie kommuniziere ich im Team? Was bedeutet Zuverlässigkeit? Wie gehe ich mit Fehlern um? Wann frage ich nach? Wie organisiere ich mich selbst?

Eine Ermahnung sagt, was nicht passt. Gute Ausbildungsarbeit erklärt zusätzlich, warum es wichtig ist, welche Erwartungen gelten und wie Veränderung konkret gelingen kann. Aus „Sei bitte zuverlässiger” wird dann: „Wenn du eine Aufgabe nicht rechtzeitig fertigbekommst und dich nicht meldest, kann das Team nicht planen. Ich erwarte, dass du spätestens eine Stunde vor Ablauf Bescheid gibst, wenn du Unterstützung brauchst oder die Zeit nicht reicht.”

So wird aus Kritik eine Lernchance.

Eine Gesprächsstruktur für schwierige Anlässe

Schwierige Gespräche sollten nicht zwischen Tür und Angel geführt werden. Gerade wenn sich Verhalten wiederholt oder die Situation emotional ist, braucht es einen ruhigen Rahmen. Eine klare Struktur hilft, sachlich zu bleiben und das Gespräch nicht in Vorwürfen enden zu lassen.

Ein möglicher Ablauf:

  1. Beobachtung benennen
    Starte konkret und ohne Diagnose, z.B. „Mir ist aufgefallen, dass du diese Woche an drei Tagen zu spät zur Arbeit gekommen bist.”
  2. Wirkung erklären
    Mache deutlich, warum das Thema relevant ist: „Dadurch können wir die Übergabe morgens nicht zuverlässig starten, und Kolleginnen und Kollegen müssen Informationen wiederholen.”
  3. Perspektive des Auszubildenden hören
    Frage offen nach: „Wie siehst bzw. beurteilst du die Situation?”
  4. Erwartung klären
    Formuliere verbindlich, was künftig gelten soll: „Ich erwarte, dass du pünktlich zum Arbeitsbeginn bereit bist. Wenn etwas dazwischenkommt, meldest du dich bitte vorab.”
  5. Unterstützung anbieten
    Prüfe, ob die bzw. der Auszubildende Hilfe braucht: „Was brauchst du, damit das gelingt?” Vielleicht geht es um bessere Planung, Verständnis von Abläufen oder persönliche Belastungen.
  6. Vereinbarungen treffen
    Halte konkrete nächste Schritte fest: Was wird anders gemacht? Ab wann? Woran merken beide Seiten, dass es besser läuft?
  7. Nachhalten
    Ein Gespräch ohne Nachverfolgung verliert Wirkung. Vereinbare einen kurzen Folgetermin, um zu prüfen, ob die Veränderung gelungen ist.

Diese Struktur verbindet Klarheit mit Wertschätzung. Sie zeigt: Das Verhalten ist relevant, aber der Auszubildende wird nicht abgestempelt.

Wann klare Grenzen nötig sind

Verständnis ist wichtig – aber Ausbildung braucht auch Verbindlichkeit. Ausbilder:innen sollten schwierige Situationen nicht endlos relativieren. Wenn Absprachen wiederholt nicht eingehalten werden, respektloses Verhalten auftritt, Sicherheitsregeln missachtet werden oder Konflikte das Team belasten, sind klare Grenzen nötig.

Grenzen bedeuten nicht Härte um der Härte willen. Sie schaffen Orientierung. Gerade junge Menschen, die noch am Anfang ihres Erwachsenen- und Berufslebens stehen, profitieren davon, wenn Erwartungen transparent und konsequent sind. Dazu gehört auch, mögliche Konsequenzen zu benennen, wenn sich Verhalten nicht verändert.

Wichtig ist, zwischen Fehlern im Lernprozess und problematischem Verhalten zu unterscheiden. Ein fachlicher Fehler braucht Erklärung, Übung und Feedback. Wiederholte Ignoranz gegenüber klaren Absprachen braucht ein verbindliches Gespräch. Wer diese Unterscheidung bewusst trifft, reagiert angemessen und fair.

Wann weitere Unterstützung sinnvoll ist

Nicht jede schwierige Situation lässt sich allein im Verhältnis zwischen Ausbilder:in und Auszubildenden lösen. Manchmal braucht es weitere Stellen: HR, Ausbildungsleitung, Berufsschule, Betriebsrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung, Sozialberatung oder externe Beratungsangebote.

Das gilt besonders, wenn Leistungsprobleme länger anhalten, Fehlzeiten zunehmen, Konflikte eskalieren oder Hinweise auf psychische Belastungen sichtbar werden. Auch wenn Ausbilder:innen selbst unsicher sind oder das Gefühl haben, in eine Rolle zu geraten, die ihre Verantwortung übersteigt, sollte Unterstützung einbezogen werden.

Fazit: Schwierige Situationen sind Entwicklungsräume

Wenn es mit Auszubildenden schwierig wird, ist das kein Zeichen gescheiterter Ausbildung. Es ist ein Moment, in dem Ausbildung besonders bewusst gestaltet werden muss. Unpünktlichkeit, Handythemen, geringe Eigeninitiative, Fehler oder Konflikte zeigen, wo Orientierung, Gesprächsführung und klare Vereinbarungen gebraucht werden.

Ausbilder:innen und Ausbildungsbeauftragte leisten hier weit mehr als fachliche Anleitung. Sie vermitteln berufliches Verhalten, stärken Selbstverantwortung und schaffen einen Rahmen, in dem Entwicklung möglich wird. Dafür brauchen sie Haltung, Kommunikationsstärke und Sicherheit im Umgang mit herausfordernden Situationen.

Denn gute Ausbildung zeigt sich nicht nur dann, wenn alles glatt läuft. Sie zeigt sich vor allem dann, wenn es schwierig wird – und Ausbilder:innen klar, wertschätzend und professionell handeln.

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Über den:die Autor:in

Frank Schlicht

Produktmanager für persönliche und soziale Kompetenzen bei der Haufe Akademie.