Big Data: Herausforderung und Chance für Controlling

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Big Data ist ein schwammiger Begriff. Die Definitionen sind unterschiedlich und zuweilen etwas widersprüchlich. Im Grunde handelt es sich aber um große Mengen an Daten, die im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung durch immer neue und bessere Geräte produziert werden. Wenn sie richtig behandelt, aufbereitet und analysiert werden, können sie Unternehmen dabei unterstützen, die Produktivität zu erhöhen, die Kosten zu senken und neue Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle zu erschließen.

Datenmengen als enorme Herausforderung für das Controlling

Die Daten kommen dabei aus verschiedensten Quellen und sind teils strukturiert, teils semi- oder sogar unstrukturiert. Studien schätzen, dass das weltweite Datenvolumen von 1,8 Zettabyte¹  im Jahre 2012 bis zum Jahr 2022 auf 100 Zettabyte anwachsen wird. Allein ein normaler Mittelklassewagen erzeugt inzwischen in bis zu 65 Kontrolleinheiten Unmengen an Daten, die, richtig aufbereitet, bei der Forschung und Entwicklung neuer Autos von großem Nutzen sein können.

Zu den unstrukturierten Daten gehören beispielsweise Daten aus Social Media-Kanälen, die inzwischen kein Unternehmen mehr außer Acht lassen kann. Ein Shitstorm, also eine negative Einlassung gegenüber dem Unternehmen von vielen Konsumenten und verbreitet auf Facebook oder Twitter, kann selbst große Konzerne vor massive Probleme stellen. Dabei kann solch ein Sturm einer im Wasserglas bleiben, wenn man ihn frühzeitig erkennt und ihm entsprechend entgegentritt.

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Für Controller sind die neuen Datenmengen eine enorme Herausforderung, auf die sie sich vorbereiten müssen. Dabei müssen sie nicht alle Aufgaben rund um Big Data übernehmen. Zu den Aufgaben gehört aber mindestens die Konzeption der IT-Infrastruktur zur Speicherung und Analysierung der Datenmengen genauso wie die Aufbereitung insbesondere der semi- und unstrukturierten Daten. Eine gute Zusammenarbeit mit den Bereichen IT und Business Analytics ist dabei enorm wichtig.

Die IT ist verantwortlich dafür, funktionierende und den – vom Controlling bzw. den Businessbereichen vorgegebenen – Anforderungen entsprechende Systeme zur Verarbeitung der im Unternehmen anfallenden Datenmengen zur Verfügung zu stellen. Der Bereich Analytics bereitet die Daten auf und bietet eine Grundlage zur Beantwortung von Business-Fragestellungen. Die Aufgabe des Controllings ist es, sich mit diesen Fragestellungen zu beschäftigen und den Entscheidern bewertete Analyseergebnisse bereitzustellen.

Der Controller als Businesspartner

Überhaupt können sich Controller besser denn je als Partner der Geschäftsführung positionieren, wenn sie es geschickt anstellen und sich entsprechend weiterbilden. Als Vermittler zwischen den verschiedenen Bereichen (insbesondere Geschäftsführung und IT) obliegt es ihnen, dem Management immer klarer und genauer die wichtigen Informationen aufzubereiten, damit dieses in immer weniger Zeit immer bessere Entscheidungen treffen kann.

Im Rahmen der Diskussion um Big Data werden zunehmend statistische Methoden, Werkzeuge, Visualisierungen und weitere Verfahren an Bedeutung gewinnen, die bisher unter „Business Analytics“ zusammengefasst wurden. Die dadurch gewonnene größere Sichtbarkeit wird Auswirkungen auf das Controlling haben. So sollten Controller Grundlagen statistischer Auswertung kennen, um mit anderen Abteilungen kommunizieren und deren Output verstehen zu können.

Die Möglichkeiten zur Veränderung und Verbesserung von Geschäftsprozessen, der Erschließung neuer Geschäftsfelder und der Veränderung ganzer Geschäftsmodelle ist riesig. Es kann keine Strategie sein zu hoffen, dass der Trend Big Data vorüberzieht. Selbst wenn der Begriff in wenigen Jahren bereits wieder ein anderer sein sollte, werden die Daten immer weiter generiert, so dass an Big Data eigentlich kein Unternehmen mehr vorbeikommt. Prädestiniert für den Einsatz von Big Data sind alle Branchen, die etwas bewegen, etwas an den Endnutzer verkaufen, maschinengetrieben sind oder Inhalte nutzen oder verkaufen. Aber auch solche, die Dienstleistungen anbieten, physische Anlagen haben oder Geld bewegen, bieten enormes Potenzial, um über die Aufbereitung, Analyse und den gezielten Einsatz von Daten Verbesserungen herbeizuführen.

Big Data lässt sich dabei in allen Teilen der Wertschöpfungskette nutzen, um Unternehmen dabei zu unterstützen, Kosten zu senken, schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen und Innovationen im Bereich von Produkten und Services anzubieten. Hier einige Beispiele:

  • Ergebnisse von Big Data-Analysen fließen in die Entwicklung ein.
  • Der Einsatz von Sensor-Technologien, Machine-to-Machine Lösungen und digitale Vernetzung verbessert die Produktion.
  • Die Analyse von Big Data führt zu einer bedarfsorientierten Logistik-Steuerung und schnelleren und flexibleren Reaktionen auf Änderungen in den Produktionsaufträgen.
  • Im Vertrieb wird das Nutzungsverhalten analysiert, was zu einer individuellen Preis- und Tarifgestaltung am Point of Sale führen kann.
  • Das Aftersales-Management kann individuell und proaktiv gestaltet werden.

Bereitet sich der Controller auf die Herausforderungen durch Big Data vor, wird er der wichtigste Berater der Entscheider werden. Durch seine Fähigkeiten wird er Möglichkeiten der Kostensenkung sehen, auf Verbesserungsmöglichkeiten von Ergebnissen durch schnellere und bessere Entscheidungen hinweisen können und Potenzial für erfolgreiche neue Produkte und Services sehen, wo andere noch im Dunkeln tappen. Die Perspektive ist dabei zeitlich auf drei Bereiche gerichtet:

  • Auf die Vergangenheit, um bereits getroffenen Entscheidungen zu bestätigen.
  • Auf die Gegenwart, um konkreten Fragestellungen etwa zu Entscheidungsalternativen zu begegnen.
  • Auf die Zukunft, um durch die Identifikation von grundlegenden Zusammenhängen auf Basis von Big Data Entscheidungsalternativen und Strategien zu generieren.

Big Data bietet für den Controller ein immenses Potenzial, um im Unternehmen als Vermittler aufzutreten und als Business Partner der Entscheider wichtigen Einfluss auf die Ausrichtung des Unternehmens zu nehmen. Hierbei ist er Innovator, Architekt, kritischer Counterpart und, wenn es nötig ist, auch Bremser. Controller, die ihre Kompetenzen ausbauen und sich heute auf diese Herausforderungen vorbereiten, werden morgen die Gewinner sein.

¹ schon 1 Zettabyte ist unvorstellbar groß, nämlich 1021 Byte.

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Über den Autor

Diplom-Betriebswirtin (FH), Produktmanagerin für Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Finanzen und Controlling bei der Haufe Akademie.

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