Laterale Führung: Gemeinsam zum Ziel

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Führen ohne disziplinarische Weisungsbefugnis

Die moderne Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel. Während früher die meisten Unternehmen stark hierarchisch geprägt waren, finden sich heute immer öfter flache Hierarchien. Dies stellt Führungskräfte aller Branchen vor neue Herausforderungen:

Althergebrachte Führungsstile, die auf disziplinarischer Weisungsbefugnis basieren, greifen nicht mehr. Die neue Form des Führens nennt sich „Laterale Führung“.

In diesem Begriff steckt das lateinische Wort latus” für „Seite“, ein deutlicher Hinweis auf den Kern dieses Führungsstils: Führungskräfte und Mitarbeiter arbeiten gleichberechtigt, netzwerkartig und quer zur Hierarchiestruktur zusammen – falls es im jeweiligen Unternehmen überhaupt noch stark ausgeprägte Hierarchien gibt. Die Führung erfolgt also nicht klassisch von oben nach unten, sondern von der Seite.

Laterales Führen in der Team- und Projektarbeit

Nicht nur die Hierarchien verschwinden zunehmend, auch die Grenzen zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen verwischen. Oft wird funktions-, projekt- oder sogar unternehmensübergreifend in Kompetenzteams zusammengearbeitet. In derart durchmischten Arbeitsgruppen ist ein Führungsstil, der auf disziplinarischer Macht beruht, wenig sinnvoll. Das Ziel der Lateralen Führung ist es deshalb, einen gemeinsamen Denkrahmen zu schaffen, um erfolgreich zu kooperieren. Damit die Teamarbeit gelingt, müssen Führungskräfte ohne Weisungsbefugnis die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. Dies beinhaltet nicht nur die Koordination der einzelnen Aufgaben und das Aushandeln von Kompromissen, sondern auch eine sanfte Steuerung der Mitarbeiter, um sie in die gewünschte Richtung zu lenken – schließlich soll ein gemeinsames übergeordnetes Ziel erreicht werden. Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick und Einfühlungsvermögen sind deshalb für das Laterale Führen unabdingbar.

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Die Führungsinstrumente der Lateralen Führung

Auch in Unternehmen mit flachen Hierarchien gibt es eine gewisse Art der Führung. Denn wann immer Menschen erfolgreich zusammenarbeiten wollen, muss es bestimmte Regeln für das Miteinander geben. Da die disziplinarische Weisungsbefugnis als Machtquelle für das Führungspersonal entfällt, stützt sich ihre Macht beispielsweise auf eine hohe persönliche Autorität und Integrität, erwiesenes Expertentum und eine geschickte Informationskontrolle. Das bedeutet: Wer sich gezieltem Networking bedient, stärkt damit die eigene informelle Machtbasis. Die Laterale Führung, also die Führung „von der Seite“, fußt auf vier Koordinationsmechanismen, die es den zuständigen Mitarbeitern ermöglichen, auch ohne Weisungsbefugnis erfolgreich zu führen.

  • Kommunikation: Führungskräfte sorgen für Interaktion und Dialog innerhalb des Teams. Bei Verständigungsproblemen greifen sie vermittelnd ein.
  • Verständigung: Individuelle Auffassungen und Überzeugungen müssen unter einen Hut gebracht werden. Es werden gemeinsame Herausforderungen und Werte definiert, um das übergeordnete Ziel zu erreichen.
  • Vertrauen: Die Grundlagen für die Zusammenarbeit werden gemeinsam erarbeitet. Die dabei festgelegten Regeln gelten für alle Mitarbeiter gleichermaßen, für deren Einhaltung ist die Führungskraft verantwortlich.
  • Macht: Fachwissen, Expertise, Sympathie, Charisma und eine gewisse Informationshoheit können die eigene Macht im Team stärken.

Beispiele für den sinnvollen Einsatz eines Lateralen Führungsstils

Um zwischen den verschiedenen Bereichen eines Unternehmens zu vermitteln, kann die Laterale Führung eingesetzt werden – etwa, wenn eine Kooperation zwischen verschiedenen Abteilungen initiiert werden soll. Kommt es entlang der Wertschöpfungskette zu Meinungsverschiedenheiten, kann mithilfe der Führungsinstrumente der Lateralen Führung eine Schlichtung herbeigeführt werden. Arbeiten externe Lieferanten und Kooperationspartner am gemeinsamen Projekt mit, werden auch sie in die Laterale Führung einbezogen. Und sogar auf Vorstands- und Präsidiumsebene kann die Laterale Führung greifen, beispielsweise um Entscheidungen zu beschleunigen oder bereichs- bzw. unternehmensübergreifende Veränderungsprozesse zu erwirken.

Rückblick: Der Ursprung Lateraler Führung

Auch wenn flache Hierarchien und das Führen ohne disziplinarische Macht heute immer wichtiger werden: Neu ist das Konzept der Lateralen Führung nicht. Die Organisationsforschung entdeckte schon in den 60er-Jahren in verschiedenen Unternehmen, Verwaltungen, Krankenhäusern und Nichtregierungsorganisationen neben den klassischen hierarchischen Beziehungen auch eine informelle „Führung von der Seite“ und etablierte den Begriff der „lateralen Organisationsbeziehungen“. Das Konzept des Lateralen Führens ist dabei stark an die Organisation und weniger an die Persönlichkeit der Führungskräfte gebunden: Die an der Lateralen Führung beteiligten Personen werden als Rollenträger begriffen, deren Verhalten sich aus ihrer Position im Unternehmen speist.

Herausforderungen des Lateralen Führungsstils

Die Industrialisierung und vor allem die Digitalisierung der vergangenen Jahrzehnte haben zu Veränderungen in der Arbeitswelt geführt. Arbeitnehmer sind heutzutage immer besser ausgebildet und hochspezialisiert. Da ist es sinnvoll, die Verantwortung innerhalb eines Unternehmens nicht mehr einer einzelnen Führungskraft zu übertragen, sondern die Mitarbeiter demokratisch in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. Durch ihr breites Fachwissen bringen sich die Mitarbeiter in die Projekt- oder Teamarbeit ein und sind dabei je nach Aufgabenstellung mehreren Vorgesetzten verpflichtet. Neben Eigenverantwortung erfordert dies viel Flexibilität und Kreativität von jedem Einzelnen. Da innerhalb eines lateral geführten Teams Aufgaben nicht einfach delegiert werden können, spielt die Motivation der Mitarbeiter eine große Rolle. Anders als beim klassischen autoritären Führungsstil wird hier auf Augenhöhe geführt: Die Führungskraft muss das Team zusammenhalten und von ihren Ideen begeistern. Sie greift vermittelnd ein, wenn es zu Spannungen zwischen den einzelnen Abteilungen oder zu Problemen mit Kunden und Lieferanten kommt und sichert dadurch die kooperative Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Laterales Führen: Vorteile für Unternehmen

 Laterale Führung bedeutet Führen ohne Vorgesetztenfunktion. Die Führungskraft ist quasi entmachtet, die Verantwortung wird innerhalb des Teams aufgeteilt. Dadurch kommen die Sichtweisen und Entscheidungen der einzelnen Mitarbeiter stärker zum Tragen, die Motivation und das persönliche Engagement werden gestärkt. Gleichzeitig bedeutet der Wegfall einer klassischen Führungsposition natürlich auch eine erhebliche Kostenersparnis. Beispiele aus Unternehmen, die auf die Laterale Führung setzen, zeigen zudem eine effizientere Arbeitsweise und einen offeneren Umgang mit Fehlern. Durch ein kollegiales Arbeitsklima und zufriedenere Mitarbeiter sind diese Betriebe auch in Zukunft den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewachsen.

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Über den Autor

Bachelor of Arts Betriebswirtschaft, Produktmanagerin der Haufe Akademie.

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