WEG-Reform 2020: Die 7 wichtigsten Änderungen

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In der Praxis wird sich einiges ändern, sowohl für Immobilienverwalter als auch für Wohnungseigentümer: Das aktualisierte Wohnungseigentumsgesetz (WEG) ist seit dem 1. Dezember 2020 in Kraft und beinhaltet etliche Neuregelungen. Zuvor hatte sich die WEG-Reform 2020 monatelang verzögert, weil viele Punkte strittig waren.

Doch die Bundesregierung hielt eine Neufassung für unumgänglich: Das bestehende Gesetz werde vielen Herausforderungen unserer Zeit nicht mehr gerecht, hieß es – etwa weil es mehr Bedarf für den barrierefreien Umbau von Wohnungen durch den demografischen Wandel gibt. Auch der Einbau von Ladestationen für Elektroautos ist jetzt im WEG geregelt.

Das sind die sieben wichtigsten Neuerungen der WEG-Reform 2020:

1. Bauliche Veränderungen werden leichter

Jeder Wohnungseigentümer hat nun einen Anspruch darauf, auf eigene Kosten bestimmte bauliche Veränderungen durchzuführen. Im Einzelnen sind dies:

  • der barrierefreie Aus- und Umbau,
  • der Einbau einer Lademöglichkeit für ein Elektroauto,
  • Maßnahmen zum Einbruchschutz,
  • ein Glasfaseranschluss.

Aber auch die Mieter sollen profitieren: Sie bekommen ebenfalls „im Grundsatz“ einen Anspruch auf die ersten drei Punkte, nicht jedoch auf schnelles Internet.

2. Vereinfachung der Beschlussfassung

Die neue WEG-Reform 2020 erleichtert zudem bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum. Bei Modernisierungen und Sanierungen müssen nicht mehr alle Eigentümer zustimmen, sondern es reicht eine einfache Mehrheit. Damit will die Bundesregierung vor allem erreichen, dass energetische Verbesserungen am Gebäude – im Sinne des Klimawandels – nicht mehr von einzelnen Eigentümern blockiert werden können.

Prinzipiell müssen dabei allerdings diejenigen Eigentümer die Kosten tragen, die der Maßnahme zugestimmt haben. Es gibt jedoch Ausnahmen: Falls die Modernisierung mit mehr als zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und mehr als der Hälfte der Eigentumsanteile beschlossen worden ist, müssen alle Wohnungseigentümer gemäß ihrer Eigentumsanteile zahlen – allerdings nicht, wenn die bauliche Veränderung mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist. Durch diese Einschränkung sollen einzelne Eigentümer vor einer finanziellen Überforderung geschützt werden. Umgekehrt ist die Verteilung der Kosten auf sämtliche Eigentümer vorgesehen, wenn sich die Investitionen innerhalb eines „angemessenen Zeitraums“ amortisieren – wobei nicht festgelegt ist, was darunter genau zu verstehen ist.

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3. Verwalter bekommt mehr Befugnisse

Der ursprüngliche Gesetzentwurf hatte dem Immobilienverwalter viele zusätzliche Befugnisse zugebilligt. Ganz so umfangreich sind die Veränderungen nun doch nicht ausgefallen, aber der Verwalter kann zukünftig über bestimmte Maßnahmen in eigener Verantwortung entscheiden – ohne vorherigen Beschluss der Eigentümer.

Dies gilt, wenn die Maßnahmen von untergeordneter Bedeutung sind und nicht zu erheblichen Verpflichtungen führen. Zum Beispiel handelt es sich um:

  • kleinere Reparaturen,
  • den Abschluss von Versorgungs- und Dienstleistungsverträgen,
  • gerichtliche Durchsetzung von Hausgeldforderungen.

Generell gilt: Je größer die Wohnanlage ist, desto mehr Entscheidungen darf der Verwalter alleine treffen. Das Gesetz gibt den Wohnungseigentümern jedoch die Möglichkeit, diejenigen Maßnahmen festzulegen, über die der Verwalter eigenmächtig entscheiden darf.

4. Mehr Recht für Eigentümer

Umgekehrt sieht die WEG-Novelle mehr Rechte der Eigentümer gegenüber der Verwaltung vor:

  • Jedes WEG-Mitglied darf die Verwaltungsunterlagen einsehen.
  • Der Verwalter muss jährlich einen Vermögensbericht erstellen, der Auskunft über die wirtschaftliche Lage der Gemeinschaft gibt.
  • Erleichtert wird auch die Möglichkeit, den Vertrag mit der Verwaltung zu beenden.

5. Neue Regelungen für Eigentümerversammlungen

Änderungen sieht das Gesetz bei Eigentümerversammlungen vor:

  • Die Einberufungsfrist wird von zwei auf drei Wochen verlängert, der Aufruf kann jetzt auch in Textform – zum Beispiel per Email – erfolgen. Derzeit sieht das Gesetz die Schriftform vor.
  • Die Eigentümer können die Versammlungen selbst einberufen, wenn das dem Verwalter oder Beiratsvorsitzendem nicht möglich ist.
  • Eigentümer können nun auch online an der Versammlung teilnehmen. Reine Online-Veranstaltungen sind jedoch nach wie vor nicht möglich.
  • Eine Eigentümerversammlung ist generell beschlussfähig – unabhängig von der Zahl der anwesenden Eigentümer. Auch elektronische Beschlüsse sind erlaubt.
  • Außerdem stärkt die WEG-Reform 2020 den Verwaltungsbeirat. Die Größe des Beirates kann flexibler zusammengesetzt werden, die Haftung der Mitglieder ist beschränkt.

6. Zertifizierung des Verwalters

Lange gestritten worden ist im Vorfeld über einen verpflichtenden Sachkundenachweis für gewerbliche Gebäudeverwalter. Diesen siehtdie neue WEG-Reform 2020 nicht vor. Allerdings hat jeder Wohnungseigentümer zukünftig das Recht, einen Sachkundennachweis vom Verwalter zu verlangen. Dieser Anspruch besteht allerdings erstmals zwei Jahre nach Inkrafttreten der WEG-Reform, damit das Zertifizierungsverfahren entwickelt und eingeführt werden kann.

7. Harmonisierung von Miet- und Eigentumsrecht

Die Bundesregierung hat die Gesetzesnovelle dafür genutzt, das Eigentums- und das Mietrecht stärker in Einklang zu bringen. So müssen Mieter beispielsweise bestimmte bauliche Maßnahmen in der Wohnungseigentumsanlage dulden. Änderungen gibt es zudem bei der Betriebskostenabrechnung. Bislang war im Mietrecht die Wohnungsgröße Bemessungsgrundlage, während das WEG eine Kostenverteilung nach Eigentumsanteilen vorsah. Jetzt gilt die in der Eigentümergemeinschaft geltende Verteilung der Betriebskosten auch für vermietete Eigentumswohnungen.

Und sonst? Weitere Änderungen in aller Kürze:

Neben diesen sieben Punkten enthält das neue Wohnungseigentumsgesetz weitere Änderungen, zum Beispiel:

  • Der Verwalter besitzt jetzt im Außenverhältnis eine Vertretungsmacht für die Gemeinschaft.
  • Die WEG ist fortan Träger der Verwaltung. Klagen richten sich somit gegen die Gemeinschaft und nicht gegen einzelne Eigentümer.
  • Wenn ein Eigentümer seine Pflichten verletzt, kann dies die Entziehung des Wohneigentums rechtfertigen.
  • Sondereigentum ist jetzt auch für Freiflächen möglich, etwa für Stellplätze oder Terrassen.

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Über den:die Autor:in

Nicole Lehmann

Produktmanagerin Qualifizierungsangebote, Seminare & Trainings für die Themen Immobilienwirtschaft und -management sowie Einkauf, Logistik und Außenhandel bei der Haufe Akademie. (Nicole Lehmann hat das Unternehmen mittlerweile verlassen.)

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