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TV-L Abschluss 2026

Ergebnisse der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam

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Anfang Februar 2026 fand in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde der TV-L Tarifverhandlungen 2026 statt. Nach zwei ergebnislosen Runden und begleitenden Warnstreiks stand die Tarifrunde vor einer entscheidenden Phase: Können sich TdL und Gewerkschaften auf einen Abschluss verständigen?

Die Ausgangslage war weiterhin schwierig. Seit der zweiten Runde Mitte Januar lagen die Positionen deutlich auseinander. Während die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) von einem möglichen Einigungskorridor sprach, sahen die Gewerkschaften bislang kein abschlussfähiges Angebot.

Verhandlungsstand vor der dritten Runde: Eckpunkte und offene Konflikte

In der zweiten Verhandlungsrunde hatte die TdL ein Eckpunktepapier vorgelegt. Vorgesehen war eine Entgelterhöhung im TV-L in drei Stufen über eine Laufzeit von fast zweieinhalb Jahren. Das Gesamtvolumen sollte bei rund fünf Prozent liegen und damit nach Darstellung der Länder leicht oberhalb der erwarteten Inflationsrate.

Die Arbeitgeberseite verwies auf angespannte Haushaltslagen, Schuldenbremse und wachsende finanzielle Verpflichtungen. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Planungssicherheit betont.

Nachwuchsgewinnung im TV-L: Ausbildungs- und Studierendenregelungen

Ein Schwerpunkt der TdL lag auf Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung. Ein sogenanntes Azubi-Paket sollte die Attraktivität der Ausbildung im öffentlichen Dienst stärken. Ergänzend waren Verbesserungen für studentische Beschäftigte vorgesehen.

Auch bei Zulagen und strukturellen Themen wurden aus Sicht der Arbeitgeberseite Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, etwa durch Anpassungen bei Schichtzulagen und Überlegungen zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts.

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Gewerkschaften kritisieren Laufzeit und fehlende Kaufkraftsicherung

Die Gewerkschaften bewerteten die Vorschläge jedoch kritisch. ver.di, GEW und dbb bemängelten insbesondere, dass es an verbindlichen Zahlen, klaren Zeitpunkten und einer ausreichenden Kompensation der Kaufkraftverluste fehle.

Vor allem die vorgesehene lange Laufzeit wurde abgelehnt. Zudem wurde die Sorge geäußert, dass ein Abschluss unter dem Niveau von Bund und Kommunen liegen könnte.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Bildung, Gesundheit und Verwaltung warnten die Gewerkschaften vor einem Signal, das die Attraktivität des öffentlichen Dienstes weiter schwächen könnte.

Warnstreiks begleiten die Tarifrunde TV-L 2026

Parallel zu den Verhandlungen kam es bundesweit zu Warnstreiks. Betroffen waren unter anderem:

  • Schulen und Hochschulen
  • Universitätskliniken
  • Finanzämter
  • technische Dienste

Die Arbeitskampfmaßnahmen sollten den Druck erhöhen, um ein substanzielles Angebot in der dritten Runde zu erreichen.

TV-L Tarifabschluss 2026: Einigung in Potsdam

Am 11. Februar 2026 begann die dritte Verhandlungsrunde. Nach intensiven Gesprächen konnten sich die Tarifparteien schließlich auf einen TV-L Abschluss 2026 verständigen.

Damit wurden die bisherigen Eckpunkte durch konkrete tarifliche Regelungen ersetzt.

Laufzeit und Entgelterhöhungen im Tarifabschluss TV-L 2026

Der Abschluss hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis zum 31. Januar 2028. Damit liegt sie unter der ursprünglich diskutierten Dauer.

Tabellenentgelte steigen in drei Stufen

Die TV-L Entgelterhöhung 2026 bis 2028 erfolgt in drei Schritten:

  • April 2026: +2,8 Prozent, mindestens 100 Euro
  • März 2027: +2,0 Prozent
  • Januar 2028: +1,0 Prozent

Durch die Mindestbetragregelung profitieren insbesondere untere und mittlere Entgeltgruppen.

Verbesserungen für Auszubildende und Studierende

Auch Nachwuchskräfte werden durch den Abschluss gestärkt. Auszubildende und Studierende erhalten insgesamt 150 Euro mehr, verteilt auf drei Schritte (60/60/30 Euro).

Zusätzlich:

  • Übernahmeregelung bis 2028 verlängert
  • Verkürzung der ersten Entgeltstufe um sechs Monate
  • schnellerer Einstieg in höhere Einkommen

Höhere Zulagen für Schicht- und Wechselschichtarbeit

Im Bereich der Zulagen wurden deutliche Anpassungen vereinbart:

  • Wechselschichtzulage steigt von 105 auf 200 Euro
  • Schichtzulage steigt auf 100 Euro

Damit werden belastende Arbeitszeiten stärker berücksichtigt.

Ost-West-Angleichung und Arbeitszeitregelungen

Ein weiterer Bestandteil des Abschlusses betrifft die Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost und West.

  • Ab 2027 gilt die Unkündbarkeit nach 15 Jahren auch in den ostdeutschen Ländern
  • Die Arbeitszeit an Universitätskliniken wird schrittweise auf 38,5 Stunden abgesenkt

Dies wird als weiterer Schritt zur Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen bewertet.

Einordnung: Bedeutung des TV-L Abschlusses 2026

Der Tarifabschluss enthält neben Entgelterhöhungen auch strukturelle Verbesserungen, etwa bei Zulagen und bei der Ost-West-Angleichung.

Gleichzeitig bleibt die Frage relevant, ob die vereinbarten Maßnahmen langfristig ausreichen, um den öffentlichen Dienst der Länder im Wettbewerb um Fachkräfte zu stärken.

Fest steht: Mit der dritten Verhandlungsrunde wurde ein Abschluss erzielt, der die Tarifrunde TV-L 2026 beendet und für Beschäftigte konkrete Regelungen bis 2028 schafft.

FAQ: TV-L Abschluss und Tarifverhandlungen 2026

Wann wurde der TV-L Abschluss 2026 erreicht?

Der Abschluss wurde in der dritten Verhandlungsrunde vom 11. bis 13. Februar 2026 in Potsdam erzielt.

Wie hoch fällt die TV-L Entgelterhöhung 2026 aus?

Ab April 2026 steigen die Tabellenentgelte um 2,8 Prozent (mindestens 100 Euro), gefolgt von weiteren Erhöhungen 2027 und 2028.

Welche Verbesserungen gibt es für Azubis im TV-L?

Auszubildende erhalten insgesamt 150 Euro mehr, die Übernahmeregelung wurde verlängert und die erste Entgeltstufe verkürzt.

Welche Zulagen steigen im Tarifabschluss?

Die Wechselschichtzulage steigt auf 200 Euro, die Schichtzulage auf 100 Euro.

Welche Rolle spielten Warnstreiks in der Tarifrunde?

Warnstreiks begleiteten die Tarifverhandlungen und erhöhten den Druck, in der dritten Runde eine Einigung zu erzielen.

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Autor Kai Litschen

Über den:die Autor:in

Kai Litschen

Prof. Dr. Kai Litschen ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht an der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Seine Schwerpunkte liegen im kollektiven Arbeitsrecht, Tarifrecht des öffentlichen Dienstes sowie in Fragen der leistungsorientierten Bezahlung und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Neben seiner Professur ist er seit vielen Jahren als Dozent und Fachautor im Arbeitsrecht tätig.