Von Zeitmanagement zur Zeitkompetenz

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Es ist altbekannt, dass Sie mit Ihrer Zeit umgehen müssen und dass es oft nicht gelingt, die Zeit in den Griff zu bekommen. Einerseits verfügen Sie über Ihre Zeit, andererseits sind Sie Ihrer Zeit ausgeliefert. Das beste Zeichen hierfür ist der Terminkalender: Er kann Übersicht verschaffen, doch gleichzeitig als Fessel wahrgenommen werden.

Der Umgang mit der Zeit, die als knapp empfunden wird, führt zu einem vielfältigen Angebot an Zeitmanagementseminaren, -büchern und sonstigen Selbsthilfeversprechen. Knapp 3 Millionen deutschsprachige Einträge spuckt eine gängige Suchmaschine beim Stichwort „Zeitmanagement” aus. Online-Buchhandlungen listen knapp 700 Buchtitel auf. Die Versprechen, die gemacht werden, klingen verführerisch: Konkurrenz- Vorteil, karrierefördernde Funktion, mehr Zeit fürs Wesentliche.

Unterm Strich geht es dabei immer um die Frage, wie dem Leser mehr Zeit geschafft werden kann für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Unbeantwortet bleibt bei all dem die Frage, was denn nun zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zählt.

Von der Zeitnutzungsspirale zur Tempospirale

Problematisch ist, dass das Leben als ein Plan aufgefasst wird, den es diszipliniert abzuarbeiten gilt. Dummerweise haben Pläne die Eigenschaft, immer mehr Pläne nach sich zu ziehen. Offen bleibt auch, wie die durch Zeitmanagement gewonnene Zeit wiederum so geschützt werden kann, dass sie nicht selbst wieder verdampft bzw. erst durch Zeitmanagement aufgebraucht wird. Der Zeitmanager ist in einer Planungs- und Zeitnutzungsspirale, aus welcher schnell eine Tempospirale wird. Auf der einen Seite hat Zeitmanagement seine Berechtigung. Niemand kann heute in Erwerbskontexten nicht über Zeit und den Umgang mit ihr nachdenken. Auf der anderen Seite läuft der perfekte Zeitmanager immer Gefahr, ein Drehbuch nach Listen, Prioritäten, und Zielen zu leben.

Unsere Seminarempfehlung

Zeitkompetenz - Ihr Weg zu selbstbestimmtem Zeitmanagement

Planen, verdichten und pressen Sie auch immer noch mehr in einen sehr begrenzten Zeitrahmen und überschreiten Ihre Belastungsgrenzen? In diesem Seminar geht es nicht um klassische Zeitmanagement-Methoden, sondern um Ihre Zeit, Zeiteinstellung, innere Uhr, Zeitqualitäten und Zeitwünsche – für einen kompetenten Umgang mit Zeiten und Zeitwohlstand. So fokussieren Sie selbstbestimmter Ihre Arbeiten auf das Wesentliche und meistern noch erfolgreicher die Anforderungen unserer Tempogesellschaft.


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Managen Sie nicht Ihre Zeit, sondern Ihr Verhalten

In der Nonstop-Gesellschaft sind Zeitzwänge zur Realität geworden. Möglichkeitsüberschüsse, Vergleichzeitigungen oder die Verdichtung beim Handeln können kaum noch kompensiert werden. Umso mehr spielt der Umgang mit der Zeit eine wichtige Rolle.

Zeitkompetenz betrifft zum einen die Lebenswelt. Hier geht es um den Umgang des einzelnen mit seinen Zeiten und Rhythmen. Ebenso wichtig ist es andererseits, Voraussetzungen zu schaffen, damit Zeitkompetenz realisiert werden kann. Wenn Sie in der Lage sind, Ihre Zeit frei zu bestimmen, können Sie einen kompetenten Umgang mit dieser verwirklichen.

Die Entwicklung hin zur Zeitkompetenz wird in fünf Stufen beschrieben:

Stufe 1: Checklisten

Hier geht es um Notizen, Listen, um die Strukturierung der Arbeit. Damit soll der Organisationsgrad der Arbeit erhöht werden. Diese Tools sind statisch und antworten nicht auf die jeweilige Dynamik im Leben des Einzelnen.

Stufe 2: Planung und Organisation

Es geht um Planung und Vorbereitung von Ereignissen. Terminkalender, Organisationsplaner, zahlreiche Agenden bringen deutlich mehr Flexibilität, denn sie lassen sich jederzeit ein- und nachtragen. Die Gefahr besteht allerdings, dass Sie zum getriebenen Ihres Planes werden und damit einen Großteil Ihrer Handlungsfähigkeit einbüßen.

Stufe 3: Eigene Werte und Ziele

Zieldefinitionen und Prioritätensetzungen werden miteinander verknüpft, so dass Wichtiges von Unwichtigem unterschieden werden kann. Den Überblick zu behalten, zu kontrollieren und nachzusteuern kostet allenfalls viel Zeit und folgt einer einfachen Logik.

Stufe 4: Lebensqualität

Hier werden Rollen definiert (Arbeits-und Privatleben), Lebensphilosophien ins Auge gefasst, daraus Ziele abgeleitet, die für begrenzte Zeitabschnitte priorisiert werden. Garantierte Flexibilität ermöglicht in einem solchen Entscheidungsrahmen situatives Reagieren.

Stufe 5: Soziale Kompetenz

In den vorangegangenen vier Stufen schien das Miteinander, das Beziehungsmanagement, unterbelichtet. Stand in diesen Stadien das ICH im Mittelpunkt, so steht nun das Zusammenleben mit anderen Menschen im Fokus. Was sind meine Werte? Wo treffen sich meine Werte mit denen anderer? Wie schaffe ich ein Gleichgewicht zwischen meinen Interessen und denen anderer Menschen? Zeitmanagement ist so verstanden kein Organisationstool mehr, sondern eine Spielart sozialer Kompetenz. Nicht mehr nur das Arbeitsleben wird berücksichtigt, sondern es findet ein Brückenschlag statt zwischen Zeit- und Zielmanagement, wobei auch andere Lebensumstände wie Familie, Freundschaften, Sinn und Kultur, Körper und Gesundheit eine Rolle spielen.

Das Ziel der ersten vier Stufen des Zeitmanagements ist, die Zeit effektiv zu nutzen. Die Techniken, Checklisten und Reflexionen bleiben der Person äußerlich und sind auf die Zeit und ihre Abläufe ausgerichtet. Die fünfte Stufe erklärt, dass die Person, das Individuum im Mittelpunkt steht. Nun wenden sich die Anfragen und Reflexionen nach innen und hinterfragen bewusst, was eigene Stärken, Werte, Lebenswertes, neue Blickwinkel, meine Verhaltensmerkmale und die anderer sind.

Daraus leiten sich für ein Zeitmanagementseminar, das auf der Höhe der Zeit ist, veränderte Inhalte ab. Nun stehen nicht mehr klassische Zeitmanagementmethoden im Vordergrund, sondern Ihre Zeit, Ihre Zeiteinstellungen, Ihre innere Uhr, Ihre Zeitqualitäten, Zeitwerte und Zeitwünsche. Zeit können Sie nicht managen – Ihr Verhalten schon.

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Über den Autor

ist Diplom-Theologe und Diplom-Orchestermusiker. Seit 1998 ist Armin Kutscher als Trainer tätig. Seine Schwerpunkte sind: Komplexitätsmanagement, logisches und vernetztes Denken, Netzwerken, Implizites Wissen heben, Innovation und Kreativität, Unternehmensethik und Ethisch führen. Seit 2005 unterrichtet er an einer Hochschule.

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