Vom Wissensmanagement zum Wettbewerbsvorteil

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Wissen ist der Rohstoff, dem deutsche Unternehmen ihre vorherrschende Stellung verdanken. Dieses Wissen ist in Gefahr!

Mit dem demografischen Wandel gehen derzeit außergewöhnlich viele ältere Wissensträger in den Ruhestand. Jüngere Mitarbeiter sind häufig agiler und schnell bereit, den Arbeitgeber zu wechseln, wenn sich die Chance für eine Verbesserung bietet. Die Lösung liegt in modernem, in die HR-Strategie der Organisation integriertem Wissensmanagement. Aus der Praxis: Ein renommierter Automobilhersteller ist dafür bekannt, dass seine Fahrzeuge lange halten. Plötzlich gab es Probleme mit einer Baureihe, die schon lange auf dem Markt ist. Von den Mitarbeitern, in deren Zuständigkeitsbereich der Fehler fallen konnte, war keiner mehr da. Inzwischen wurde auch die Dokumentation umgestellt und es fand sich intern kein Ansatz, um den Fehler zu beheben. Zum Glück konnten einige Betriebsrentner reaktiviert werden, die tatsächlich eine Lösung fanden. Zwei Schlüsse hat das Unternehmen daraus gezogen: Sein Wissensmanagement zu verbessern, d. h. Wissen aufbauen UND gleichzeitig den Wissenstransfer sichern, und den Kontakt zu wichtigen Schlüsselpersonen auch nach dem Verlassen des Unternehmens nicht abreißen zu lassen. Dennoch kostete das zunächst verlorene Wissen eine Menge Geld. Das Unternehmen ging bisher davon aus, dass es als Technologieführer selbstverständlich systematisch Wissensmanagement betreibt. Doch genau so, wie sich die Gestaltungsdimensionen des Unternehmens verändern, nämlich Mensch, Organisation und Technik, muss sich auch das Wissensmanagement verändern. Nur wenn alle Gestaltungsdimensionen des Wissensmanagements zusammenspielen, können Unternehmen einen belastbaren Wettbewerbsvorteil daraus generieren.

Erfolgsfaktor Mensch versus Wissen ist Macht

Viele Unternehmen bezeichnen ihre Mitarbeiter, deren Erfahrung, Wissen und Kompetenzen als wertvollste Ressource. Viele Unternehmen sind sich aber auch gleichzeitig des hohen Durchschnittsalters ihrer Mitarbeiter bewusst. Es lässt sich also leicht hochrechnen, wann diese Kompetenzen und dieses Wissen in Rente gehen. Dem müsste JETZT mit flankierenden Maßnahmen zum Wissensaufbau und -transfer begegnet werden. Die Realität zeichnet leider ein anderes Bild: Immer noch gilt Wissen als Machtfaktor, mit dem Druck ausgeübt werden kann. Druck auf der Ebene der Mitarbeiter untereinander, um den eigenen Job zu sichern, Druck zwischen unterschiedlichen Hierarchieebenen, um die Führungsposition zu behaupten, aber auch als Ausdruck der Konkurrenz zwischen ganzen Abteilungen, Bereichen und Tochterunternehmen.

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Vom Wissensmanagement zum Wettbewerbsvorteil – so klappt es!

Wissen ist der Rohstoff, dem deutsche Unternehmen ihre vorherrschende Stellung und Innovationen verdanken. Dieses Wissen ist in Gefahr!  Während eine immer größere Zahl an Experten an der Schwelle zum Ruhestand steht, sind junge High Potentials ein knappes Gut auf dem Arbeitsmarkt und noch dazu viel unsteter und veränderungsbereiter als ihre Vorgänger. Unternehmen müssen neue Strategien entwickeln, Wissen zu behalten und zu entfalten. Einmal mehr steht HR vor der Herausforderung, die Zukunft von Unternehmen zu sichern. Wissensmanagement ist die Lösung – wie das klappt erfahren Sie von Susanne Nickel in diesem Whitepaper.


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Eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiches Wissensmanagement ist daher, eine Kultur im gesamten Unternehmen zu schaffen, die von der Erkenntnis lebt: „Wissen ist eine Chance für uns alle, wenn wir es teilen und damit mehren”. Das erfordert Offenheit und Kooperationsbereitschaft. Mitarbeitern wie Führungskräften muss der Nutzen von Wissensmanagement für jeden persönlich und für das Unternehmen bewusst sein. Je offener und kooperativer ein Unternehmen ist, desto höher sind die Lernbereitschaft und die Motivation der Mitarbeiter. Das ist wichtig, denn Lernen geschieht heute zu einem großen Teil am Arbeitsplatz, im Prozess der Arbeit. Dabei können Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen, indem sie

  • Angebote machen, Lernen zu lernen. Zum Beispiel in Seminaren oder durch Mentoren.
  • Lernhilfen anbieten. Das können Dokumente, Webinare, Leitfäden oder elektronische Hilfen sein.
  • Lernpartnerschaften etablieren. Unternehmen arbeiten bereits sehr erfolgreich mit Tandems aus älteren und jüngeren Mitarbeitern.
  • Eine Fehlerkultur etablieren. Lernen bedeutet auch Fehler zu machen. Ohne Fehler keine Innovationen.
  • Mit Wissenszirkeln arbeiten. Hier tauschen Mitarbeiter ihr Wissen aus und entwickeln daraus neue Erkenntnisse. So wird neben den Mitarbeitern auch die Organisation weiterentwickelt.

Erfolgsfaktor Organisation

Eine kurze und aktuelle Definition von Wissensmanagement lautet, „Wissensmanagement ist die Führung und Gestaltung der lernenden Organisation“. Neben dem Menschen als wichtige  Wissensressource ist die angemessene Einbettung des Wissensmanagements in bestehende organisatorische Strukturen und Abläufe ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Eine effiziente Organisation der Wissensprozesse trägt dazu bei, die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Aus der Betrachtung des „Erfolgsfaktor Mensch” geht hervor, dass die Organisation einen kulturellen Rahmen schaffen muss, in dem Wissensmanagement funktioniert. Die Unternehmenskultur muss ein Lernen On-the-Job ermöglichen. Was bedeutet das?

  • Mitarbeiter entlasten, Zeitfenster schaffen. Mitarbeiter müssen Zeit für Weiterbildung haben und nicht nur die ihnen aufgetragenen Aufgaben erfüllen.
  • Offene Kommunikation und den informellen Austausch fördern. Was früher vor allem an realen Orten im Unternehmen stattfand, lässt sich heute auch im virtuellen Raum, dem Internet oder Intranet organisieren. Wichtig ist hier, dass der offene Austausch im Unternehmen willkommen ist.
  • Weiterbildung unterstützen. Sie darf nicht als restriktives Instrument genutzt werden, sondern sollte positiv behaftet sein. Mitarbeiter mit dem Wunsch sich weiterzubilden, sollten entsprechende Angebote erhalten.
  • Begriffe wie „Lernkultur” und „Lernende Organisation” mit Leben füllen. Die Mitarbeiter sollten bewusst Teil einer lernenden Organisation sein. D. h. Transparenz über den Wandel der Organisation, wie sie lernt und was das mit dem Wissen, den Kompetenzen und den Lernerfolgen der Mitarbeiter zu tun hat.
  • „Lernen” als einen Wert des Unternehmens definieren und danach handeln.

Erfolgsfaktor Technik und Training

Mit der digitalen Transformation wird Wissensmanagement unter zwei Voraussetzungen auf eine neue Stufe gehoben: Die Organisation handelt nach den Prinzipien Offenheit und Transparenz und nutzt die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologie wie z. B. Intranetportale, interne soziale Netzwerke oder Mikrobloggingdienste. Beides ist nötig, damit allen Mitarbeitern ein Zugriff auf die Informationen erlaubt ist, die sie in ihrer Arbeit für das Unternehmen brauchen oder um sich über Arbeitsinhalte auszutauschen. Auf diese Weise werden evtl. sogar Experten für einen Bereich sichtbar, die bislang intern anderweitig eingesetzt waren. Sich Wissen anzueignen, ist ein zentraler Bestandteil von Wissensmanagement. Dank einer großen Auswahl digitaler Lernformate und Präsenzveranstaltungen bieten sich hierfür mittlerweile so viele Möglichkeiten wie nie zuvor. Auf die Personalentwicklung kommt die Aufgabe zu, das Angebot passend zum (Lern-)Ziel und zur Zielgruppe zu steuern:

  • Mit e-Learning können Mitarbeiter selbstgesteuert lernen. Von Ort und Zeit unabhängig, kann digitales Lernen „on Demand“ und „Just in Time” sowohl am Arbeitsplatz stattfinden als auch unterwegs (per App oder mobilen Lernangeboten).
  • Präsenzveranstaltungen fördern die Motivation. Das gilt besonders für Veranstaltungen, die als Incentive empfunden werden. Finden sich im Unternehmen mehrere Mitarbeiter für das gleiche Thema, ist eine Inhouse-Veranstaltung sinnvoll und spart Kosten.
  • Blended-Learning als eine Mischung aus digitalem Lernen und  Präsenzveranstaltung vereint die Vorteile beider Formate: Ideal ist eine moderierte  Präsenzveranstaltung, in der sich die Teilnehmer kennenlernen, gefolgt von einer Selbstlernphase mit einem e-Learning-Kurs.

Erfolgsfaktor HR

Die Praxis zeigt: Wissensmanagement muss ein strategischer Bestandteil der HR-Arbeit im Unternehmen sein. Aber: wie kriegen wir Wissen aufgebaut und wie bekommen wir das interne Wissen transferiert? Mittel und Wege gibt es genug. HR hat die Aufgabe, hier den Überblick zu behalten und die notwendigen und passenden Schritte einzuleiten, um Wissensmanagement in die eigene Strategie und in die Entwicklung der Organisation zu integrieren. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern sowohl den Wissenserwerb erleichtern, sie dazu motivieren und ihnen die Möglichkeit geben, ihr Wissen anzuwenden und weiterzugeben. Dies schützt effektiv vor der Gefahr des „Brain Drain”, wenn Wissensarbeiter gehen und auf die Schnelle nicht ersetzt werden können. Generieren Sie mit HR und Wissensmanagement schon heute einen Wettbewerbsvorteil für morgen.

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Über den Autor

Leiterin Competence Center HR Management Haufe Akademie. Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin, Beraterin und Trainerin.

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