Meine erste Reaktion, als mir das BEM angeboten wurde, war positiv und dankbar. Nach einer mehrjährigen Krankheit und zahlreichen Klinikaufenthalten wurde ich im Rahmen meiner klinischen Rehabilitation bereits ausführlich auf das BEM vorbereitet. Ich wusste, dass das Ziel dieses Programms darin besteht, durch individuelle Unterstützung eine schrittweise und nachhaltige Rückkehr in den Arbeitsalltag zu ermöglichen. Außerdem war mir bewusst, dass das BEM gesetzlich verankert ist. Dieses Wissen hat mir geholfen, das Angebot direkt zu verstehen und seine Bedeutung zu schätzen.
Welche Erwartungen hattest du im Vorfeld an das BEM?
Im Vorfeld hatte ich die Erwartung, dass das BEM in einem vertrauensvollen Rahmen durchgeführt wird. Ich habe darauf gehofft, dass mein Wiedereinstieg durch persönliche Gespräche möglichst individuell auf meine Situation abgestimmt erfolgen kann.
Wie hast du die BEM-Gespräche wahrgenommen? Hattest du das Gefühl, offen über deine Situation sprechen zu können – ohne Details nennen zu müssen, die du nicht teilen wolltest?
Die BEM-Gespräche habe ich als sehr persönlich, wertschätzend und vertrauensvoll wahrgenommen. Von Anfang an wurde mir klar kommuniziert, dass ich keine Details zu meiner Erkrankung nennen muss, wenn ich das nicht möchte. Diese Offenheit und die respektvolle Haltung haben mir viel Sicherheit gegeben. Ich entschied mich dennoch für einen offenen Umgang mit meiner Situation, da ich das Gefühl hatte, dass meine Krankheitsgeschichte hier in einem geschützten und vertrauensvollen Rahmen aufgehoben ist. Dieses Vertrauen hat mir geholfen den für mich passenden Wiedereinstieg zu erarbeiten.
Gab es Personen, von denen du dich besonders gut unterstützt gefühlt hast und welche für dich besonders wichtige Gesprächsteilnehmende waren?
Ja, es gab bestimmte Personen, von denen ich mich besonders gut unterstützt gefühlt habe. Insbesondere die Vertreterin von HR war für mich eine zentrale Ansprechpartnerin, die mit viel Fürsorge, Empathie und Professionalität auf mich eingegangen ist. Auch meine Bereichsleiterin spielte eine wichtige Rolle, da sie von Anfang an ein großes Verständnis für meine Situation zeigte und mich aktiv unterstützte. Im späteren Verlauf war es schließlich auch meine Teamleitung.
Wie lief der BEM-Prozess bei dir ab? Kannst du uns einen Überblick über die einzelnen Schritte geben?
Zunächst erhielt ich ein Schreiben mit der Einladung zur Teilnahme am BEM. In diesem wurden die Ziele des Programms, die Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und der Datenschutz erläutert. Außerdem wurde mir angeboten, dass ein Mitglied des Betriebsrats oder der Schwerbehindertenvertretung an den Gesprächen teilnehmen könnte, falls ich das wünsche. Auf einem beigefügten Rückmeldebogen konnte ich meine Zustimmung zur Teilnahme am BEM bestätigen.
Im Anschluss daran fanden mehrere Gesprächstermine statt, in denen meine individuelle Situation und mögliche Unterstützungsmaßnahmen ausführlich besprochen wurden. Dabei wurde Schritt für Schritt ein konkreter Plan für meinen Wiedereinstieg entwickelt. Zusätzlich erhielt ich auch per E-Mail Hilfe bei offenen Fragen und wurde beim Ausfüllen von Anträgen unterstützt.
Inwiefern wurden deine persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten im Prozess berücksichtigt?
Meine persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten wurden im BEM-Prozess in doppelter Hinsicht berücksichtigt. Bei der Planung meiner Arbeitszeiten wurde darauf geachtet, dass diese meinen gesundheitlichen Voraussetzungen entsprechen und eine schrittweise Rückkehr in den Arbeitsalltag ermöglichen. Zum anderen wurde auch das konkrete Stellenprofil an meine individuellen Fähigkeiten und an meine Belastbarkeit angepasst. Ich konnte hier sogar zwischen zwei vakanten Stellenprofilen wählen.
Gab es spezielle Unterstützungsmöglichkeiten oder Maßnahmen, die dir besonders geholfen haben, wieder in den Arbeitsalltag zurückzukehren?
Eine der größten Herausforderungen zu Beginn war, meine regelmäßigen Arzt- und Physiotherapietermine mit der Arbeitszeit in Einklang zu bringen. Um dies zu ermöglichen, wurde meine Arbeitszeit zunächst auf eine 4-Tage-Woche angepasst, was mir die nötige Flexibilität verschaffte. Darüber hinaus erfolgte eine stufenweise Erhöhung meiner Arbeitszeit, sodass ich mich Schritt für Schritt an die Belastungen des Arbeitsalltags gewöhnen konnte.
Was hat sich durch das BEM für dich verändert – beruflich oder auch persönlich?
Nach meiner plötzlichen und dauerhaften Schmerz-Erkrankung (durch eine schwerwiegende Nervenverletzung während einer OP) stand ich lange vor der erschreckenden Frage, ob ich vielleicht nie wieder arbeiten könnte.
Ohne die professionelle Betreuung und die individuelle Unterstützung durch das BEM hätte ich den schrittweisen Wiedereinstieg vielleicht gar nicht geschafft. Nach so langer Zeit außerhalb des Berufslebens hatte ich große Zweifel, ob ich überhaupt wieder zurückfinden könnte.
Heute bin ich wieder fest in meinem Team angekommen und habe meinen Platz im Arbeitsalltag zurückgefunden. Die Arbeit hat mir geholfen, meinen Alltag nicht mehr nur von Schmerzen und Krankheit bestimmen zu lassen. Tatsächlich hat sie mir sogar dabei geholfen, meine chronische Schmerzthematik aus dem Mittelpunkt meines Lebens zu rücken. Der Weg dahin war alles andere als leicht, aber das BEM war für mich der erste Schritt, um wieder ins (Arbeits-)Leben zurückzufinden.
Wie bewertest du den gesamten BEM-Prozess? Gibt es etwas, das besonders positiv war oder das deiner Meinung nach verbessert werden könnte?
Besonders beruhigend war für mich zu wissen, dass meine BEM-Beraterin alles für mich gemanagt und organisiert hat – von der Terminplanung bis hin zur Abstimmung der nächsten Schritte. Das hat mir viel Sicherheit gegeben. Auch die frühe Einbindung meiner Führungskraft von Anfang an war ein großer Pluspunkt. Ich hatte das sichere Gefühl, dass alle mich unterstützten und sich sogar freuen, dass ich zurückkomme.
Wenn ich überhaupt noch etwas Verbesserungswürdiges sagen soll, fällt mir das Wort „BEM – betriebliches Eingliederungsmanagement“ ein. Es wirkt recht sperrig und bürokratisch, was nicht unbedingt die menschliche und unterstützende Seite widerspiegelt.
Hat sich deine Sicht auf das BEM durch deine persönliche Erfahrung verändert?
Ich war zuvor nicht wirklich damit konfrontiert. Erst durch meine eigene Erfahrung habe ich erlebt wie wertvoll und unterstützend ein “vorgegebener Rahmen” sein kann. Es ist (zumindest bei meinem Arbeitgeber) weit mehr als nur eine formale Maßnahme. Zudem ist es für unsere Gesellschaft eine gesetzlich gesicherte Möglichkeit gemeinsam Wege zu finden, welche wirklich dabei helfen kann, Menschen nach schwieriger Phase die Hürde der Rückkehr zu nehmen.
Was würdest du Kolleginnen oder Kollegen raten, die eine Einladung zum BEM erhalten?
Ich würde auf jeden Fall dazu ermutigen, das Angebot anzunehmen. Es mag am Anfang etwas „formell” klingen und wirken, aber es kann für alle Seiten sehr wertvoll sein. Mein zusätzlicher Rat wäre: Geht offen in die Gespräche und sprecht ehrlich über eure Bedürfnisse und Sorgen.
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