Korruption und Korruptionsprävention: Blick auf Deutschland

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Fazit, Rückblick, Schulterklopfen – Jahrestage sind wiederkehrende Anlässe, um sich auch einmal selbst zu feiern. Am Anti-Korruptionstag, dem 9. Dezember, fällt das nicht so leicht. Denn Deutschland steht beim Thema Korruptionsbekämpfung längst nicht so gut da, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Doch es tut sich etwas in der öffentlichen Wahrnehmung – und das spüren auch die Unternehmen. Korruption beginnt im Alltag. Korruptionsprävention – als Teil eines effektiven Compliance-Managements – ist deshalb eine Frage der Unternehmenskultur. Wer das verstanden hat, kann Compliance als Stärke ausspielen. Und sich am Anti-Korruptionstag sogar ein wenig selbst feiern.

Zahl der Korruptionsstraftaten in Deutschland nimmt zu

Auf dem aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von Transparency erreicht Deutschland 80 von 100 Punkten. Der CPI gibt den Grad der wahrgenommenen Korruption wieder – je höher die Punktzahl eines Landes, umso integrer sein Ruf. Damit hat es Deutschland unter 180 Staaten und Gebieten auf den 10. Platz geschafft. Das sieht also erst mal gar nicht schlecht aus.

Doch der CPI misst nur die wahrgenommene Korruption. Der tatsächliche Wert lässt sich kaum bestimmen, die Dunkelziffer ist hoch. 7.433 Korruptionsstraftaten hat das Bundeskriminalamt (BKA) 2021 in Deutschland erfasst. Das ist ein Anstieg von rund 35 Prozent zum Vorjahr. Am stärksten betroffen: die Wirtschaft. Fast die Hälfe aller bekannt gewordenen Korruptionsdelikte fällt in diesen Bereich.

Immer wieder steht das Thema grell im Licht der Öffentlichkeit: Cum-Ex-Skandal und Maskenaffäre, Greenwashing-Vorwürfe gegen die Fondsgesellschaft DWS und Bußgelder wegen Preisabsprachen bei Musikinstrumenten, der Rücktritt einer Intendantin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aufsehenerregende Fälle wie diese zeigen, wie verbreitet Korruption ist. Eine umfassende mediale Berichterstattung und ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit und Vorteilsnahme gerade in Zeiten der Inflation verstärken die öffentliche Empörung. Die Unternehmen müssen diesen neuen Anforderungen an Integrität, Transparenz und Regeltreue begegnen können.

Baugewerbe besonders von Korruption betroffen

Die meisten Fälle von Bestechung wurden 2021 laut Korruptionsbericht BKA in der Baubranche registriert. Die Anzahl der Fälle im Dienstleistungsgewerbe ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken und wurde übertroffen vom Wirtschaftsbereich „Sonstige“, zu dem z. B. Hersteller von Industrieprodukten, landwirtschaftliche Betriebe und die Gastronomie zählen. Anfällig für Korruption sind laut BKA-Bericht auch die Automobil-, Medizin-/Pharma- und die Immobilienbranche.

Das Hinweisgeberschutzgesetz kommt

Politik und Gesellschaft haben Korruption als Problem erkannt. Die Ampelkoalition hat sich die Korruptionsbekämpfung auf die Fahnen und in die Koalitionsvereinbarung geschrieben. Die wichtigsten Ziele: mehr Transparenz in der Verwaltung, besserer Schutz für Hinweisgeber:innen sowie Nachbesserungen beim Lobbyregister und im Kampf gegen Geldwäsche.

Beim Schutz von Whistleblowern im beruflichen Umfeld möchte die Bundesregierung nun ernst machen. Der entsprechende Gesetzentwurf sieht interne und externe Meldestellen in Unternehmen und Behörden vor, bei denen Hinweisgeber:innen Verstöße melden können. Zudem sollen Whistleblower vor beruflichen Repressalien geschützt sein.

Deutschland will damit die europäische Whistleblowing-Richtlinie umsetzen. Das neue Gesetz dürfte zahlreiche Betriebe betreffen, denn für Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden sollen ein eigenes Meldesystem und die Verfolgung von Meldungen verpflichtend werden. In der ersten Jahreshälfte 2023 wird das Gesetz voraussichtlich in Kraft treten.

Korruption verursacht erhebliche Schäden für Unternehmen

Unternehmen müssen ihr wirtschaftliches Handeln also an immer wieder neue und komplexer werdende Regeln anpassen. Um rechtlich auf sicheren Füßen zu stehen, müssen Entscheider:innen über die jeweils aktuellen Vorgaben und Richtlinien Bescheid wissen und Gefahren erkennen können.

Denn die Schäden, die sich Unternehmen mit Korruptionsfällen einhandeln, sind erheblich. Bußgelder, Entlassungen und Gefängnisstrafen belasten die Betriebe und können sogar zu Insolvenzen führen. Bekommt die Öffentlichkeit von den Verstößen mit, sind der Imageverlust und ggf. der Verlust von Kund:innen gewaltig.

Neben diesen äußeren sind auch die internen Schäden zu bedenken. Korruptionsvorwürfe, Ermittlungen und Entlassungen sorgen unter den Mitarbeiter:innen für Unsicherheit und begünstigen ein Klima des Misstrauens.

Risiken erkennen, Korruption vorbeugen

Mitarbeitende im International Business und in Geschäftsbereichen mit Außenkontakten wie Vertrieb und Einkauf müssen besonders auf der Hut sein, wenn sie das Unternehmen vor Korruption schützen möchten. Auch Rechnungswesen und Controlling sind betroffen. Grundsätzlich gilt: Eine effektive Korruptionsprävention ist Aufgabe des gesamten Unternehmens. Manager:innen und Führungskräfte müssen ein Compliance-Bewusstsein vorleben, das die Mitarbeiter:innen tagtäglich in alle Prozesse selbstverständlich übernehmen.

Korruptionsprävention beginnt im Kleinen – bei jedem und jeder Einzelnen. Folgende drei Grundregeln können helfen, Compliance-Risiken zu erkennen:

1. Nicht in Versuchung bringen lassen

Schon das Fordern oder Versprechen unerlaubter Vorteile kann strafbar sein. Es gilt also, allen Versuchungen, den Wettbewerb durch unlautere Mittel zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen, zu widerstehen. Besondere Vorsicht bei Amtsträgern!

2. Aufmerksam bleiben

Rabatte und spezielle Sonderpreise, Geschenke und Einladungen – in solchen und anderen Fällen ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Das Argument, Korruption sei ortsüblich, darf nicht verfangen.

3. Konsequent sein

Wo immer eine Nachlässigkeit oder eine unklare Situation auftaucht, ist Nachhaken wichtig. Nur so ist gewährleistet, dass aus kleinen Fehlern keine großen werden.

Korruptionsprävention als Chance

Compliance und Korruptionsprävention, die selbstverständlich zur Unternehmenskultur gehören, bringen über die Schadensvermeidung hinaus sogar einen Nutzen mit für das Unternehmen. Im Bewusstsein, das Richtige und Rechtmäßige zu tun, ziehen Führungskräfte und Mitarbeiter:innen an einem Strang . So betrifft ein effektives Compliance-Management alle Personen und Prozesse eines Unternehmens.

Mit dem internationalen Anti-Korruptionstag erinnert die UN an das Übereinkommen gegen Korruption vom 9. Dezember 2003. Der Jahrestag in Vorweihnachtszeit bietet einen willkommenen Anlass, um unternehmensinterne Compliance-Regeln in Erinnerung zu rufen: Wenn Mitarbeiter:innen Geschenke von Geschäftspartner:innen annehmen, kann dies missbräuchlich sein. Es darf nicht der Anschein erweckt werden, dass mit dem Präsent eine Gegenleistung verknüpft sein könnte. Eine vermeintlich harmlose Aufmerksamkeit kann sonst zur bösen Überraschung werden.

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Online-Redaktion

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