Entwicklungen und Trends in der Transportlogistik

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Wie in vielen anderen Branchen auch, steht die Transport- und Logistikbranche vor großen Umbrüchen und Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, will man als Unternehmen weiter erfolgreich am Markt agieren. Wir beleuchten für Sie die aktuellen Trends und Entwicklungen in Deutschland und weltweit.

Ausweitung der Maut in Deutschland

Klar erkennbar sind die Bestrebungen der Politik, langfristig eine benutzerabhängige Maut für alle Fahrzeuge einzuführen und bestehende Regelungen konsequent auszubauen. Ziel der Verantwortungsträger ist es, die Kosten für Erhalt und Ausbau der Straßen möglichst verur-sachungsgerecht zu verteilen. Die aktuellen Diskussionen in der Politik zeigen, wohin der Weg in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach führen wird: Lkw und Transporter aller Größen werden Maut zahlen müssen. Und auch auf immer mehr Bundes- und Fernstraßen muss Maut entrichtet werden. Gleichzeitig ist der Trend zur noch stärkeren Berücksichtigung von Schadstoffklassen bei den Mauttarifen erkennbar, was viele Spediteure veranlassen wird, den Fuhrpark sukzessive zu modernisieren. Beispiel 7,5-Tonner: Je nach Schadstoffklasse müssen aktuell zwischen 16,4 Cent (Klasse 1 E) und 81,0 Cent (Klasse 6 E) gezahlt werden. Bei Fahrleistungen von 100.000 Kilometern im Jahr können knapp 65.000 Euro gespart werden. Und auch, wenn es derzeit noch an der Umsetzung mangelt, ist absehbar, dass auch Busse und Pkm in einigen Jahren eine Maut werden entrichten müssen. Die Mauterfassung wird dabei z. B. von Konsortien wie Toll-Collect oder auch per GPS umgesetzt.

Praxis-Tipp
Neue Fahrzeuge sollten möglichst geleast werden, weil dadurch sichergestellt werden kann, dass man stets moderne Fahrzeuge mit den aktuellsten Schadstoffklassen fährt, und somit die Mautkosten zumindest niedrig halten kann.

Anstieg der Geschäfte im b2c-Handel und Veränderungen der Lieferzeitfenster

Der Bereich KEP (Kurier-Express-Paket) wächst u. a. bedingt durch die zunehmende Anzahl der Online-Bestellungen und der anschließenden Auslieferungen bei Privatkunden seit Jahren rasant, was einerseits eine deutlich höhere Auslastung der Lieferfahrzeuge bzw. eine Zunahme der Fahrzeugflotte zur Folge hat. Und immer mehr Kunden wünschen sich, dass die Sendungen zu bestimmten Uhrzeiten, auch in den Abend- und Nachtstunden, erfolgen. Volkswirtschaftlich ist diese Entwicklung durchaus kritisch zu sehen, aber auch betriebswirtschaftlich stehen die Unternehmen vor Herausforderungen, die es zu lösen gilt, sollten möglichst viele Kunden individuell beliefert werden. Zur Lösung der Problematik müssen neue Konzepte entwickelt werden, z. B. Paketshops an frequentierten Märkten oder Tankstellen, wo Kunden ihre Bestellungen abholen können, wann sie wollen, oder die Vereinbarung von Zeitfenstern, die der Kunde vorgibt.

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Drang zu Auslagerungen von Logistikdienstleistungen

Da immer mehr Industrie- und auch Handelsunternehmen ihre Logistik an Dienstleister auslagern, muss damit gerechnet werden, dass es zu starken sozialen Verwerfungen in der Lohnpolitik der Tarifpartner kommt. Die Gewerkschaften haben hier ihre Chancen erkannt und forcieren ihre Bemühungen, zu Branchenlösungen zu kommen, die in den nächsten Jahren voraussichtlich zu erheblichen Lohnkostensteigerungen in den Logistikbetrieben führen werden. In der Folge muss damit gerechnet werden, dass die Preise für Logistikdienstleistungen steigen werden.

Standardisierte Ladungsträger und Transportwege führen zu neuen Geschäftsmodellen

Zu Kostensenkungen und einer verbesserten Auslastung hingegen werden künftig die Ver-wendung standardisierter, tauschfähiger und wieder verwertbarer Transportgebinde und Verpackungseinheiten beitragen. Die Machbarkeit solch offener Logistiknetze und –leistungen wird z. B. im seit 2012 laufenden EU-Projekt „Modulushca” (Modular Logistica Units in Shared Co-modal Networks) erforscht. Ziel des Projekts ist es, ein globales System standardisierter Transportwege mit ebenfalls standardisierten, unterschiedlich großen Transportbehältern zu entwickeln. Die Behälter können flexibel in das System aufgenommen werden und es ebenso flexibel wieder verlassen. Die unterschiedlichen Behältergrößen führen dazu, dass Bestellmengen zwischen Hersteller und Handel besser abgestimmt und u. a. Leerfahrten vermieden werden können. Das Konzept erfordert eine viel stärkere Zusammenarbeit und Planung aller am Logistikprozess Beteiligten als heute noch üblich, was vielen Logistikern derzeit noch Probleme bereitet. Denn die Initiatoren des Projekts gehen davon aus, dass die Standardisierung dazu führt, dass viele aktuelle Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren werden und nur die Anbieter überleben, die sich schon heute mit dem Trend zur Standardisierung von Ladungsträgern und Transportwegen befassen, und die auch bereit sind, wechselnde Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen.

Praxis-Tipp
Auch wenn es wohl noch ein paar Jahre dauern wird, bis die neuen Konzepte zu größeren Veränderungen führen werden, sollten Verlader und Transporteure die Entwicklungen bei der Standardisierung kontinuierlich kritisch verfolgen, sich frühzeitig am Prozess beteiligen und prüfen, wie man Kooperationen erfolgreich gestalten kann, um weiter über ein konkurrenzfähiges Geschäftsmodell zu verfügen und langfristig Geld verdienen zu können.

Lieferketten in Richtung Ostasien werden sich verändern

Da sich die Lohnkosten in Asien, vor allem in China, auf mittlere Sicht den europäischen Entgelten zumindest annähern werden, muss zum einen mit einer Verringerung der Import- und Warenströme, vor allem bei Billigprodukten, gerechnet werden. Im Gegenzug ist damit zu rechnen, dass Europa noch mehr hochwertige (Technik-)Produkte, inkl. Konstruktion, Design oder Wartung, in Richtung Asien exportieren wird. Das hat zur Folge, dass sich die Warenströme für Ex- und Importgüter nach und aus Asien tendenziell angleichen werden. Für Logistiker mit der positiven Folge, dass die Auslastung von Containerkapazitäten verbessert werden kann. Hinzu kommt, dass durch den Ausbau des Suezkanals eine bessere Anbindung von Häfen wie Piräus, Istanbul oder auch Thessaloniki an Mitteleuropa erfolgen wird. Hierdurch werden sich weitere Kosten- und Zeitvorteile ergeben. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen u. a. in Syrien zumindest mittelfristig eingestellt werden können.

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Über den Autor

verfügt über eine langjährige Erfahrung als Geschäftsführer in der Speditions- und
Logistikbranche. Außerdem ist er seit 2008 Mitglied des erweiterten Präsidiums im LBS (Landesverband Bayerische Spediteure).

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