Führung in Krisenzeiten- Was ist wirklich wichtig?

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Kommunikation, Besonnenheit, Entschlossenheit – das muss Führung jetzt leisten

So etwas hat die Welt lange nicht erlebt. Von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Der Virus mit dem schönen Namen Corona legt unser gesamtes gewohntes Leben lahm, nicht nur lokal, sondern weltweit. Wir stehen vor multiplen Herausforderungen: Ganz akut die Versorgung der Erkrankten, die Verlangsamung der Infektionen. Doch wir stehen vor gesellschaftlichen und nicht zuletzt vor immensen wirtschaftlichen Problemen, die alle zur gleichen Zeit angegangen werden müssen. Selten hatten Management und Führung auf allen Ebenen ähnliche Aufgaben zu bewältigen.

Menschen empowern

Für Unternehmen jeder Größe und Branche gilt: Über Nacht hat sich alles geändert. Arbeitsorganisation, Produktion, Märkte, Umsätze – alles ist anders, als es vor kurzem noch war. Für die meisten, die nicht im systemrelevanten Groß- und Einzelhandel bzw. in der Produktion aktiv sind, heißt es jetzt Kurzarbeit zu organisieren, mobile Arbeit einzuführen, Krisenpläne zu schreiben. Und vor allem: Die Menschen in ihren Organisationen so gut es geht zu unterstützen – ganz praktisch mit technologischen Hilfsmitteln, damit sie weiterarbeiten können, mit flexiblen Arbeitszeitregelungen, um Kinderbetreuung und Heimarbeit unter einen Hut zu bekommen, vor allem aber mit Informationen. Denn die Sorgen und die Unruhe sind groß.
„Es geht um Führung. Führung, die Orientierung gibt“, schreibt Joachim Rotzinger in seinem Appell „Aufbruch statt Zusammenbruch“. Recht hat er. Selten zuvor war Führung so entscheidend. Viele Menschen sind verunsichert, die Lage ist unübersichtlich, ändert sich stündlich. Und die Frage, welche wirtschaftlichen Folgen Corona haben wird, für einzelne Unternehmen und die Volkswirtschaft insgesamt, ist heute noch nicht absehbar. Da kommt es darauf an, dass Führungskräfte den Menschen in den Teams zur Seite stehen. Offen und ehrlich.

Reden, erklären, beruhigen

Das bedeutet: Lage erklären, wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens in der Krise erläutern. Ein Bild der Situation malen, das den Tatsachen entspricht. Und Befürchtungen und Ängste der MitarbeiterInnen ernst nehmen. Vertrauen schaffen. In die Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen und in das Team.
Das ist eine große Herausforderung für alle Führungskräfte. Denn es geht um Kommunikation. Und die ist schon nicht immer einfach, wenn alle Beteiligten an einem Ort zusammensitzen. Noch herausfordernder wird das, wenn das Team oder die ganze Abteilung verteilt in den jeweiligen Homeoffices arbeiten.
Zeiten der Krise sind Zeiten der Bewährung. Das ist eine Phrase und dennoch wahr. Jetzt zeigt sich, wer Führung wirklich kann. Und es zeigt sich, ob all das Gerede über Eigenverantwortung, Selbststeuerung und Freiräume, die Unternehmenskultur also, mehr ist als schöne Sätze in Hochglanzfirmenbroschüren.

Flexibilität ist gefragt – mit Blick auf morgen

Was jetzt zählt, was es jetzt braucht, ist Vertrauen. Ehrlichkeit. Zuversicht. Mut. Und Handeln. Natürlich muss nun alles auf den Prüfstand. Wo und wie können Unternehmen schnell Kosten einsparen? Was ist unmittelbar notwendig, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern, was ist verzichtbar? Und vor allem: Wo sind Möglichkeiten, Angebote so umzustricken, dass sie auch jetzt noch auf Nachfrage stoßen? Was brauchen Kunden gerade in diesem Moment, damit auch sie ihr Geschäft am Leben halten können? Fantasie, Flexibilität und pragmatisches Handeln sind gefragt.

So wie bei ArtNight, einem Start-up, das davon lebt, künstlerische Abende mit unterschiedlichen Teilnehmern zu unterstützen – mit Material, Anleitungen etc. Das Geschäftsmodell ist mit einem Schlag verschwunden, wenn sich niemand mehr mit anderen Menschen treffen. Was macht ein Unternehmen in diesem Moment? Es fängt von vorne an und denkt alles neu. „Wir starten wieder als MVP“, erklärt die Gründerin Aimie-Sophie Carstensen im Interview mit dem Portal New Management. Und bauen in kürzester Zeit einen Online-Shop auf. Weil die KundInnen weiter mit ArtNight arbeiten wollen. Nur eben anders als zuvor. Natürlich nimmt auch das Start-up jeden Kostenposten unter die Lupe, geht ja nicht anders. Aber nicht auf eine Art, die Zukunft unmöglich macht. Sondern so, dass das Unternehmen nach vorne schaut.

Besonnene Entschlossenheit

Richtig so. Denn, auch das schreibt Joachim Rotzinger: Wir müssen jetzt die Krise bewältigen, indem Kosten gesenkt, alle nicht unabdingbaren Ausgaben auf den Prüfstand gestellt werden. Krisenmanagement ist gefragt. „Aber der alleinige Blick auf die Kosten ist riskant, denn er gefährdet die Zukunft – wenn er dazu führt, dass wir Innovationen und Investitionen in die Zukunft aus dem Auge verlieren.“
Führung und Management in der Krise verlangt nach Analyse. Nach entschiedenem Handeln, das bestmöglich kommuniziert und erklärt werden muss. Damit die betroffenen MitarbeiterInnen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern engagiert anpacken. Ihre Ideen einbringen und umsetzen. Mit einem Wort: Führung heißt besonnene Entschlossenheit.

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Führung – Was jetzt wichtig ist

  1. Akzeptieren Sie die Situation: Sie können sie nicht ändern. Das Gefährlichste im Moment wäre Aktionismus. Ja, die Lage ist vielerorts chaotisch, in manchen Fällen sehr bedrohlich. Umso wichtiger ist der berühmte kühle Kopf. Das gilt sowohl für die Kommunikation mit Ihrem Team und allen anderen Mitarbeitern als auch für die Entscheidungsfindung. Bleiben Sie besonnen!
  2. Lassen Sie Ihre MitarbeiterInnen nicht allein: Homeoffice, drohende Kurzarbeit, geschlossene Standorte, Sorgen um die Zukunft – eine der wichtigsten Aufgaben für Sie ist der Dialog mit den Menschen in Ihrem Unternehmen. Seien Sie offen und ehrlich, zeichnen Sie die Situation so, wie sie ist. Nichts beschönigen, aber auch nichts dramatisieren. Nehmen Sie Ihren Leuten so gut es geht deren Angst. Denn Angst lähmt und macht Ihr Unternehmen unfähig zu agieren.
  3. Setzen Sie auf Kreativität und Engagement Ihrer MitarbeiterInnen: Das Beispiel ArtNight und viele andere zeigen, dass die Menschen im Unternehmen sehr genaue Vorstellungen davon haben, was jetzt zu tun ist. Geben Sie ihnen den Freiraum den sie benötigen, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Sie werden sehen, dass Sie alles an Bord haben, was Sie für die Krisenbewältigung brauchen. Voraussetzung dafür ist Vertrauen. Vertrauen Sie Ihren MitarbeiterInnen und schaffen Sie Vertrauen in Ihre Person – indem Sie offen kommunizieren und als Vorbild agieren.
  4. Überlegen Sie, welche Projekte und Aufgaben Sie sofort stoppen können. Konzentrieren Sie sich auf das, was unmittelbar notwendig ist. Aber sparen Sie nicht auf Kosten der MitarbeiterInnen, sondern nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Menschen an Ihr Unternehmen zu binden. Denn irgendwann ist die Krise vorbei. Und dann brauchen Sie alle, um sofort durchstarten zu können.
  5. Vergessen Sie die Zukunft nicht: Wie gesagt, auch diese Krise wird irgendwann enden. Tun Sie alles, was möglich ist, dafür, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Damit Sie startklar sind, wenn es losgeht. Die Basis für den Erfolg nach Corona wird jetzt gelegt.

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Coaching: Führung in der Krise
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Über den Autor

Christoph Pause

Christoph Pause ist Chefredakteur New Management bei der Haufe Group. Zuvor hat er viele Jahre als Chefredakteur die Marketing-Zeitschrift „acquisa“ herausgegeben. Er ist seit fast 20 Jahren Journalist mit Leib und Seele.

 

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